Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

grabung, f., nomen actionis

grabung, f., nomen actionis
zu graben, vb. (s. d.); vgl. fossatura grauinghe (nd. 1420; Köln 1507) Diefenbach gl. 244ᶜ; grabunghe (md. 15. jh.) ebda; ein grabunge gemma gemm. (1508) l 1ᵇ; fossio grabung Calepinus dict. ling. sept. (1579) 592ᶜ; grabung fossio, pastinatio, cœlatura, sculptura Stieler stammb. (1691) 687. der erst seit dem 15. jh. bezeugten bildung liegen präfixkomposita voraus wie ahd. argrabunga Graff 4, 304, mhd. begrabunge Lexer 1, 147.
1)
zu graben A, vom umgraben anbaufähigen landes; nur im älteren nhd.: die wachsenden und zuͦnemenden (weinstöcke sind) ... mit emsigen grabungen zu erfúllen; dann sy (die rebe) wiert durch die mirbe fruchtbarer Österreicher Columella 1, 274 lit. ver.; in dem meyen soll geschehen die occung, daz ist die ander grabung (des weingartens) Petrus de Crescentiis vom ackerbaw (1531) 46ᵇ.
2)
zu graben B. in älterer zeit meist mit genitivischem attribut. das ausheben von vertiefungen: mit grosser beschwerung aller unterthanen, so die, bei grabung und aufführung der wälle (eines schlosses) ... ausgestanden Francisci d. höll. Proteus (1695) 88; bey grabung tieffer gräben, teiche und brunnen Fleming vollk. jäger (1719) 16; Göthe IV 19, 125 W.; die hauptsache (bei der niederburg) ist die einschlieszung durch wasser, sei es nun, dasz sie schon durch die örtlichkeit gegeben oder durch grabung herbeigeführt ist Dehio gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 295. vom ausgraben in der erde befindlicher dinge: bey grabung dieser wurtzel Grimmelshausen simpl. schr. 4, 262 Kurz; wenn man bey grabung eines schatzes brod bey sich hat, so können einen die gespenster nicht verstören J. G. Schmidt rocken-philos. (1706) 2, 89. ähnlich: vnd wie wol sie (die Sarazenen) der erden (aus dem acker Damascenus) vil hyn weg fuͦren noch schynet die grabung kleyn vnd wenig syn Breidenbach d. heyligen reyszen gen Jherusalem (1486) 61ᵃ. das wort behauptet sich vor allem in einem jüngeren prägnanten gebrauch für ausgrabungsarbeiten auf archäologischem gebiet: eine aus den grabungen von Bomarzo herrührende ... büste vulkanischen steins archäol. ztg. 3 (1845) 75 Gerhard; dasz die deutschen archäologen ohne langwierige und kostspielige grabungen sich eine klare vorstellung von den verschwundenen gebäuden machen konnten Sven Hedin Bagdad, Babylon, Ninive (1918) 274; bei strenger anwendung der modernen ausgrabungsmethoden führen solche grabungen im moore zu reichen ergebnissen über den vorgeschichtlichen hausbau Reinerth haus u. hof (1937) 4.
3)
vereinzelt im anschlusz an graben D, die bestattung: sepultura grabunge (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 528ᶜ.
4)
nur in älterer sprache von gravier- und dreharbeiten, zu graben E 1; vgl. sculptura grabunge (md. 15. jh.); grauung (nd. 15. jh.) Diefenbach gl. 521ᶜ; gravinge sculptura (1522) Schiller-Lübben 2, 142ᵃ; grabung cœlatura, sculptura Stieler stammb. (1691) 687: wann vier pfeiler waren in dem eingang mit erin gruntfesten vnd ir haubt vnd die gemelde (var. W grabung) silbrin (2. Mos. 38, 19) erste dt. bibel 3, 353 Kurr.; vnd mit zedrim holcz was inwendig der tempel vberal bedeckt habent sein grabung vnd sein fúgung weislichen gemacht (habens tornaturas et iuncturas suas fabrefactas) (3. kön. 6, 18) ebda 5, 261; (3. kön. 6, 29) ebda 5, 263; (Sach. 3, 9) ebda 10, 113.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1957), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 1655, Z. 1.

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Zitationshilfe
„grabung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/grabung>, abgerufen am 24.10.2020.

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