greinen vb.
Fundstelle: Lfg. 1 (1914), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 53, Z. 58
knurren, zanken, weinen, lachen.
form.
1)
gemeingerm. wort: ahd. grînan, mhd. grînen; mnd. grînen den mund verziehen zum knurren, winseln, heulen, lachen; mnl. grinen schreien, weinen, brüllen (von thieren), grinsen, hohnlachen; nnl. grijnen greinen, widerlich weinen, flennen (namentlich von kindern); fries. grînen greinen, weinen, wimmern, grinsen; anord. grína den mund verziehen, dasz die zähne sichtbar werden (vor zorn, beim lachen oder weinen); dän. grine greinen, grinsen, lachen, kichern, zähne fletschen; norw. grine das gesicht zu einer sauren miene verziehen; schwed. grina greinen, das gesicht verzerren, grinsen; got. fehlend. zweifellos besteht zusammenhang mit der sippe germ. gren-, gran- (ahd. grennan mutire, granôn grunzen; mhd. granen weinen, flennen; ags. grennian die zähne zeigen als ausdruck der heiterkeit, des zornes, schmerzes [engl. to grin]; anord. grenja einen furchtbaren ton ausstoszen u. a. Fick ⁴3, 140); im idg. fehlen unmittelbare verwandte. Falk-Torp denken an zusammenhang mit anord. grein zweig (zur idg. wurzel *ghrei offen sein) etym. wb. 1, 348; vgl. Fick ⁴ 3, 143, offenbar mitbestimmt durch die bedeutung 'offen stehen' (von kleidern), die grine im dän. haben kann. die grundbedeutung müszte dann sein 'den mund aufsperren', was wenig wahrscheinlich ist. die bedeutungsentwicklung, die sich im deutschen beobachten läszt, dazu die anscheinend ganz parallele der nachbarstämme gren-, gran- und endlich die bedeutung des direct verwandten germ. *grainôn (ags. grânian stöhnen, klagen, engl. to groan) führen eher darauf, den begriff des unwillens als dem worte eigenthümlich anzusehen und nach dieser richtung hin anknüpfungen zu suchen. Franck denkt deshalb an zusammenhang mit gril- (in mnl. grillen knurren, mhd. grellen, grüllen, grol) etym. wb. ²215ᵃ, das sich mit greinen in einer wurzel *gher vereinigen könnte, vgl. Persson wurzelerw. 195. Kluge vermuthet zusammenhang mit sanskr. hrī sich schämen etym. wb. ⁷180; von seiten der bedeutung hat das wenig für sich.
2)
die ehemals starke flexion hat sich in den heutigen dialecten z. th. noch gehalten. das obd. und einige md. maa. kennen wenigstens das st. part. prät. noch: 'grinnen, ' greint Schmeller 1, 999 (daneben die mischform 'grinnt); g'grinnen, theilweise g'grīnt Staub - Tobler 2, 745; (ge)grint, grinnen Martin-Lienhart 1, 275; gegrinne Ch. Schmidt elsäss. 45ᵃ; gegrint, gegrin Follmann 216ᵇ; gekrine Müller-Fraureuth 1, 440ᵃ; gewisse westnd. dialecte kennen bis heute nur die st. flexion, vgl. Bauer-Collitz 41ᵃ; Wöste 85ᵇ; auch im süden der Niederlande noch stark wb. d. nederl. taal 5, 723; fries. prät. grînde, seltener grên Doornkaat-Koolman 1, 688ᵃ; dän. gren. schriftsprachlich ist die schw. flexion jung; im älteren nhd. stehen die st. formen durchaus fest; statt grein zuweilen dialectisch gren (: zwen) B. Waldis Esopus 1, 379 Kurz (aber grein : hinein 1, 358, : sein 2, 207). bei H. Sachs neben grein 17, 345, 10 auch schon grin, sowohl im reim 1, 213, 15, wie im versinnern (grien 15, 453, 41). von den lexikographen verzeichnet noch Kramer nur die st. flexion teutsch - ital. wb. (1700) 1, 563ᵃ; dagegen Stieler nur die schw. stammbaum 700; Steinbach läszt die wahl wb. 1, 644; dementsprechend herrschen literarisch seit der 2. hälfte des 18. jhs. die schwachen formen: (er) greinte Kretschmann 6, 328; gegreint maler Müller 1, 266; Kortum Jobsiade (1799) 1, 69; aber noch im 19. jh. vereinzelt stark gegrinnen Rückert 1, 233.
3)
bisweilen mit verändertem anlaut: sie (die bauern) kreynen oder knartzen und zancken steif mit einander Veroander lasterprobe 183; mögn unsre feynd kreinen und blerren Schwabe tintenfäszl (1745) B 7ᵇ.
4)
ganz vereinzelt mit rundung: greunen Rompler v. Löwenhalt erstes gebüsch (1647) 73.
bedeutung. die geschichte des wortes im deutschen führt auf eine ausgangsbedeutung 'zum ausdruck der miszstimmung, des unwillens den mund verziehen'; vgl. die noch heute im dän. und holl. vorhandene bedeutung 'die zähne fletschen'. dasz sie alt ist, erweisen roman. entlehnungen: ital. digrignare die zähne fletschen; prov. grinar die zähne weisen, knurren, picard. grigner les dents. im deutschen haben sich auf gemeinsamer grundlage zwei nahezu entgegengesetzte bedeutungsgruppen entwickelt, nämlich murren, weinen u. ä. (vorwiegend hd.) und grinsen, lachen u. ä. (vorwiegend nd.).
I.
hd. schlieszt der begriff in der regel auch die töne der miszstimmung, des unwillens ein.
A.
auf thiere angewendet.
1)
knurren, von hunden; dies ist die älteste im deutschen festzustellende bedeutung, die recht ursprünglich anmuthet: ringere grinen proprie est canum ahd. gloss. 2, 736, 39; dasselbe meinen offenbar die gleichsetzungen mit mutire und gannire Graff 4, 328;
weder ez (das hündchen) engrein noch enbal
G. v. Straszburg Tristan 15890;
im bilde:
er (der schlechte mann) bîzet dâ sîn grînen niht hât widerseit
W. v. d. Vogelweide 29, 9;
mhd. die herrschende bedeutung (vgl. mhd. wb. 1, 576ᵃ), ohne unterschiede des dialects; nhd. allmählich erlöschend:
wenn den hunden die beüch kurren,
vil gras essen, greinen und murren
Reynmann wetterbüchlein, in der bauernregel;
der hundt der greint und grant mich an
Wickram 4, 30 Bolte-Scheel;
seit alters gern im vergleich:
sie (die heiden) grinen sam thie hunde
Rolandslied 4837;
sumelîcher ûf in grein
alsam ein ungeslahter hunt
passional 507, 16 Köpke;
wer greinen oder murren will,
ut canes decet rabidos
Fischart geschichtklitt. 135 neudr.;
eyner geht greynen als ein hundt Morhof unterricht v. d. dtschen sprache (1682) 1, 353; dasz die jüngeren belege wesentlich alem. und rheinfr. sind, ist kein zufall; das alem. samt angrenzenden gebieten hat greinen als bezeichnung von thierstimmen am reichsten entwickelt.
2)
grunzen, schreien, vom schwein; löst in der häufigkeit seines vorkommens das vorige geradezu ab; vom 14. bis 16. jh. allgemein obd. bis ins hess., später selten: ein greindez swein K. v. Megenberg buch d. natur 136, 6; aber ain suw volget nit nach (wenn sie zum tode geführt wird) sonder grynet sie und schryet allweg Stainhöwel Esopus 52 Österley; eine sau im kadt, wo sie jemandt zuweschen understehet ..., wider die greynt sie Seb. Franck weltbuch (1567) 158ᵃ; (die elefanten) werden aber lyederlich durch einer sau grynen erschreckt Eppendorff Plinius (1543) 8, 46;
der sau art ist dasz greint und kirt
do ir nicht gleich zuͦ fressen wirt
Kirchhof wendunmuth (1563) 467ᵇ;
im vergleich: dargegen wil Christus das sie sein stille schaf und nit greinende seu Seb. Franck sprüchwörter (1541) 1, 146ᵇ; der ymmerzuͦ greint wie ein sau an eim gatter .., dero boldern gewont man (1545) 1, 73ᵇ; wie ein junges schweinlin hub mit zorn das weib an zu greinen Kirchhof wendunm. (1602) 1, 522; vgl.: die achte (haut der weiber) seye eine sau-haut, wenn man auf diese schlage, so gruntze und greine sie, dasz es eyn elend sey Stranitzky Ollapatrida 168, 23 neudr.; auch nd. bekannt: to blasen alse slangen unde to grynene alse verkene Schiller-Lübben 2, 147ᵇ (a. 1473).
3)
greinen braucht nicht nothwendig ausdruck des unwillens zu sein, sondern kann die thierstimme schlechthin bezeichnen: sein (des kameels) weip hât sô grôzen gelust zuo im, daz si vor gelust greint K. v. Megenberg buch d. natur 124, 23; gannire huylen als eyn vosz grint Diefenbach 257ᵇ (aus der gemma gemm., 1507); namentlich im alem. und nachbargebieten in verschiedener verwendung; vom wiehern der pferde:
man hôrte ros dâ weien
unde lûte grînen
Konr. v. Würzburg Partonopier 21723;
spannen die pferd an der heiligen wegen einen und der priester hat acht auf ir greinen und schreihen Micyllus Tacitus 441ᵃ; noch heute im elsäss. Martin-Lienhart 1, 275; vgl.: lasz die storcken klöpren, die essel greinen, die hund bellen Geiler v. Keisersberg narrensch. (1520) 89ᵃ; vom piepen der mäuse: die eygenschaft der wassermus ist das sie heller susen oder grynen dann die andren müse Terenz deutsch (Straszb. 1499) 81ᵃ; und da die meusz fast greinen und grunsen zeygt es auch eyn kälte an Mich. Herr feldbau (1551) 15ᵇ; weil er gesagt: wie pipen die meuse, als sie greinen und sich jammerten Nigrinus papist. inquis. 345; vom singen der vögel: der rap hat auch sein gesang, eben als wol als die schwanen etwan yr grinen reform.-flugschr. 4, 111 Clemen (Karsthans); (ein Deutscher) verwundert sich nur anderer, das ir sau feyszt wie ein zeiszlein greint Seb. Franck german. chron. (1538) vorr. 12; noch heute im alem. Staub-Tobler 2, 746; in anderen fällen ist die ältere bedeutung des unwilligen, zornigen lautgebens noch zu erkennen: (der drache) greint und ginet mit dem maul K. v. Megenberg buch d. natur 268, 22; der vigent get umbe also ein grinender löwe Ch. Schmidt elsäss. 156ᵃ aus Tauler; vgl. noch: si (das böse weib) grynet als eyne grille Muskatblüt 77, 6 Groote.
B.
in der anwendung auf menschen zunächst: knurren, brummen, keifen u. ä.:
untriuwe an deme schînet
swer lachende grînet
Freidank 43, 25;
mhd. nicht selten, vgl. mhd. wb. 1, 576ᵃ; nhd. häufig prägnanter: zanken, schmälen; der herd dieser bedeutungen ist das bair., doch erscheinen sie auch schwäb., alem. bis hinauf ins hess.; seit dem 18. jh. wesentlich auf das bair. beschränkt, dort bis heute lebendig, vgl. Schmeller bair. 1, 999, cimbr. 126; Schöpf 211; Höfer 1, 320; österr. hat die bedeutung eine weitere zuspitzung erfahren: verweis geben Lexer kärnt. 123; wienerisch: ausschelten Loritza 54, verweise geben, schimpfen Hügel 70; tadeln Waltrich siebenb.-sächs. 44.
1)
zancken vel grinen rancere Diefenbach 483ᶜ; grinen mit worten gestire 261ᶜ; kriegen vel grinen rixari 499ᵇ; wiewol ihm bei solcher schmalen küchen das greinen ja solt vergangen sein Kirchhof wendunm. (1602) 1, 351; gern von ehelichem zwist: so sie der man vermanet, fieng sie an zu greinen Fischart klag d. ehestands (1614) 246; wo das vilfältige greinen ist, dort erkaltet die lieb Abr. a St. Clara Judas (1686 ff.) 1, 61; gern auch vom verdrieszlichen alter: wenn ein frow ein alten man hat, der do sitzt zuͦ grynen Geiler v. Keisersberg bilgerschafft (1512) 32ᵈ;
Franckreich mag indessen greinen
nach der alten weiber art
Soltau volkslieder (1836) 522;
der alte greinet den gantzen tag Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 563ᵃ; participial: greinende Heracliti Fischart Eulenspiegel 15 Hauffen; derselbig (lehrer) aber ware ein greinender pedant, wolte alles mit schnarchen und streichen ausrichten Zinkgref apophthegmata (1628) 83; unter der belehrung und aufsicht eines greinenden pedanten Birken ostländ. lorbeerhäyn (1657) 157; in jüngerer zeit nur bair.-österr.: man musz .. sich drey bis vier stund aus dem athem schreyen, hernach greinen die herren comödianten gleichwohl immer, und ist ihnen nie nichts recht samml. v. schauspielen (Wien 1764 ff.) 5, 49; (zwei weiber), eine verschwendete, die andere verwarf alles; die eine greinte, die andere zankte Hafner lustspiele 1, 55; sie ist der leibhafte widerspruch ..; lach' ich, so weint sie; scherz ich, so greint sie Aurbacher volksbüchlein 2, 246;
da wird die arme frau gequält,
die täglich kaufen soll — ohne geld.
da greint er, weil die suppe fett
Bauernfeld ges. schr. 3, 24.
sprichwörtlich: die not greint, in schlimmer lage ist man zum zanken geneigt Schmeller 1, 999.
2)
äuszerst häufig erscheint greinen verbunden mit verben gleichen oder ähnlichen sinnes (nicht nur in der bedeutung zanken, sondern auch sonst, vgl. besonders C 3); das liegt z. th. an dem ethos des wortes, das eine scheltende häufung ähnlicher ausdrücke begünstigte, z. th. aber auch an seiner mehrdeutigkeit, die eine genauere begriffsbestimmung durch synonyma wünschenswerth machte; am häufigsten neben zanken: (der teufel) noch stetigs pis zu end der welt krieg, hader, zanken und greinen .. zuericht Aventin bair. chron. 4, 48, 11 Lexer, vgl. 1, 194, 36; 4, 76, 10; darzu so schlecht mich mein mann und greint, auch zanckt für und für Val. Schumann nachtbüchl. 105 Bolte; es wird nicht gut thun, mit der schwiegermutter. — das keift und zankt und greint! Bauernfeld ges. schr. 1, 176; gern auch neben allitterierenden worten:
do (in meiner ehe) entpfündt ich nüt, dann ach und wee,
grinen, grannen ist mir nit thür
fastnachtsp. 1035, 7;
ich grein, ich gran, ich kiff, ich zanck
H. Sachs 7, 35 Keller;
thet stetigs nit anders dann mit ir zancken, greynen und grannen Frey gartengesellschaft 66, 10 Bolte; die mit zorne umbegênt, die fluochent unde scheltent vor zorne unde grînent und grisgrament, sô sie sich anders niht gerechen mügent Berth. v. Regensburg 1, 466, 12 Pfeiffer; weil sie nimmer mögen stets grumbsen und greinen Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 162; was ist der weiber thun und lassen andersts als wie sie den mann durch unaufhörliches greinen und grummen den gantzen tag nur beunruhigen Moscherosch gesichte (1650) 2, 301; andere verbindungen sind seltener:
thu darumb greinen oder schnurren,
so machst du mich nit zu keiner gurren
fastnachtsp. 152, 18:
mit eifern, grein macht er mir pein,
liesz doch wol billich bleyben.
er greint und murt, im hausz umb schnurt,
sicht er mich frölich schertzen
mit einem gast, so graut im fast
Forster frische teutsche liedlein 135 neudr.;
wofern er gern .. frist und säuft, schlemmet und demmet, .. greinet und hadert Aeg. Albertinus hirnsleiffer (1664) 81;
nur ieblmol hör i
di brummeln und grein'n
Stelzhamer ausgew. dicht. 1, 60 Rosegger.
3)
das vb. ist durchaus intrans., nur vereinzelt in poetischer sprache trans. (nach dem muster von aus-, ergreinen Schmeller 1, 999):
aber spricht der heilige Nikóla:
greine (schelte) mich nicht, donnerer Ilia
J. Grimm kl. schr. 4, 453 (übers. aus d. serb.);
(ebenda: greint ihn aus der donnerer Ilia);
von präpositionen bevorzugt die ältere zeit gegen, wider:
die man hie sit grinen
und werbin wider gotte
H. v. Langenstein Martina 198, 43;
der tûvil aldâ vor in quam
in einre forme grûwesam
im offinlîch irschînende
und vreislîch kegn im grînende
Jeroschin 18921 Strehlke;
Esau widern Jacob greint
B. Waldis Esopus 4, 96 Kurz;
auch reflexiv: Judas murmerot und grein wider sich selben pred. 1, 47 Grieshaber; vgl.: so lag er underwilent und grein und grisgramet in im selb Seuse deutsche schr. 39, 19 Bihlmeyer; später meist mit, entsprechend der bedeutungswandlung von knurren zu zanken: (ein gelehrter) die andern all veracht, mit in zankt, greint, kriegt, hädert Aventin bair. chron. 4, 445, 9 Lexer;
(die hoffart) begert uberal ob zu schweben,
da mag sich leicht ursach begeben,
das sie mit ander herrschaft greindt
H. Sachs 3, 463 Keller;
wann sie (die eheleute) unainig, zornmütig .. seynd, immerdar mit einander greinen und in weitem feldt ligen Aeg. Albertinus Lucifers königreich 57, 37 Liliencron; ebenso im heutigen bair. Schmeller 1, 999; der gegenstand des zankes wird mit um oder über gegeben:
mir ist als ein bast wer drumbe grein
livl. chron. 1542 Pfeiffer;
sie grynnen und granen über alles das sie sehen Geiler v. Keisersberg bilgerschafft (1512) 144ᵇ; wir halten uns dermassen .. gleich sam weder teufl noch fegfeur, hell noch himl sein, und die am maisten, di umb solches stätigs zanken und greinen Aventin bair. chron. 4, 59, 22 Lexer.
C.
am jüngsten ist die bedeutung weinen, die erst mit dem 14. jh. aufzukommen scheint; ihr hauptgebiet ist das alem., wo sie sich bis heute am reinsten gehalten hat; vielfältig modificiert als klagen, jammern, weinerlich thun, sogar heulen, schreien; der ausgangspunkt ist in jedem fall das schmerzliche verziehen des gesichts; noch ziemlich spät werfen ein licht auf die entwicklung dieser bedeutung fälle wie:
zuhand der baur anfieng und asz
auf sechs roch zwiffel solcher mas,
die bissn ind augen, dasz er grin
H. Sachs 22, 213 Keller-Götze;
der juncker, der was bald gerüst
und dunckt gar tief und wol darein (in den senf);
'es ist kein wunder, dasz ich grein,
wie ist der senf so leyden herb?
Fischart Eulenspiegel 1165 Hauffen.
1)
verbreitung: alem. grynen lachrymare, flere, lamentari Maaler teutsch spraach 194ᵈ; fleo Calepinus undec. ling. 570ᵃ; vgl. effleo 464ᵇ; lacrymo 786ᵇ; ploro 1103ᵇ; flere Diefenbach 239ᶜ (Straszb. a. 1590); lacrimari 315ᵃ (ib.); vagire 605ᵃ (ib.); sanft, schmerzlich, still weinen, im gegensatz zum lauten, häszlichen weinen Staub-Tobler 2, 746; weinen, besonders von kindern Martin-Lienhart 1, 275; ob auch der ausser mensche greinet oder weinet, das muͦs man wol leiden Tauler sermones (1508) 128ᵇ;
sie müessend singen, so sie lieber grinnen
N. Manuel Barbali 265 Bächtold;
Lucie: bonjour, mamme, do bin i widder. oho, was isch, du grinsch? Greber Lucie 16; durchaus edles wort, weinen fehlt dem dialect; dasselbe gilt fürs schwäb.: die .. nymmer mocht gedencken an bitters mitleiden, weinen und greinen summer teil der heyligen leben (1472) 83ᵃ; die vortreflichen grafen von Stollberg waren auch hier; .. o das sind dir leute. narr, greinen möcht ich, wenn ich nur an sie denk Schubart briefe 1, 223 Strausz; warum greinen? es ist noch nichts verloren Auerbach schr. 10, 111; rheinfr.: weinen, greinen Follmann lothr. 216ᵇ; weinen Autenrieth pfälz. 56;
Dominicus, der sah sie weinen
und sprach: 'was hilfet euch euer greinen?
Fischart Dominicus 4116 Kurz;
mit solch einem herzbrechenden liede hätt' ich wollen .. steine zum greinen bewegen maler Müller werke (1811) 1, 134; vgl. 266; nur ausgescholten wird er von ihr und er greinet beinahe Börne ges. schr. 1, 59; 'kommt hie und da, z. th. in etwas verändertem sinne (aus bosheit weinen) oder als vornehmeres wort für das ganz ungebräuchliche weinen vor, neben den land- und volksüblichen wörtern gerren und flennen' Crecelius oberhess. 435;
so leid liesz ir die frau auch sein,
das sie für grosser freude grein
B. Waldis Esopus 2, 207 Kurz;
sehr üblich in der Diemelgegend und im Schmalkaldischen Vilmar 136; rheinabwärts bis ins gebiet des ndfr.:
dem räuber ich mit greinen
hett hertz und muth erweicht,
er mir auf stätes weinen
den raub hett hergereicht
Spee trutznachtigall (1649) 86;
er hat wirklich laut geweint
und im arm seiner freunde gegreint
Kortum Jobsiade (1799) 1, 69;
ostfränk. greinen, weinen Brenner-Hartmann Bayerns maa. 2, 332; vogtländ. Müller-Fraureuth 2, 440ᵃ;
den sie (die eltern) mit ihrer straf bescheyden
in der jugent nit machten greinen
H. Sachs 1, 201 Keller;
plorare, lugere, lachrymari Serranus synon. (1579) O 5ᵇ; es stehet heszlich, wann ein mann greinet; ich hab greinen müssen; jemand greinen oder greinend machen Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 563ᵃ; thür. weinen Hertel thür. 109; Kleemann nordthür. 7ᶜ; weiber können greinen, wenn sie wollen ut flerent oculos erudiere suos; er greint, dasz ihn der bock stöszt os sibi opplet lachrymis cum singultu Stieler 700; (Hans [schluchzend]) herr capitän, ich kann nicht. (Franz) ich glaube gar, du greinst? Kotzebue 8, 104; obersächs.: in der mitte des grabmals sollen zween kleine geflügelte buben, die ganz erbärmlich greinen, das schild halten Rabener sämtl. werke 5, 129; auch im Erzgebirge Müller-Fraureuth 2, 440ᵃ; schles. weinen, besonders von dem stäten weinen kränklicher kinder Weinhold schles. 30ᵃ; preusz. weinen Bock idiot. pruss. 15; Schemionek Elbing. 14; grinsend weinen Frischbier 1, 252; diese bedeutung stammt aus der sprache hd. colonisten, nicht aus dem nd.; auch im siebenbürg. hat greinen dieselbe bedeutung wie in der rheinischen heimat der colonisten: weinen Waltrich 44; Kramer Bistritzer dial. 39. — nd. nur im westen auf beschränktem gebiet Wöste westfäl. 85ᵇ; Bauer-Collitz waldeck. 41ᵃ; da was he bedröwet un glöwte, nu möste he sterwen, un he geit sitten un grient brüder Grimm kinder- u. hausmärchen 2, 150 (westfäl.); die rheinische ausbreitungszone wird fortgesetzt durch das nl., wo greinen u. a. bedeutet: ein weinerliches gesicht machen, schreien, heulen, besonders von kindern woordenb. d. nederl. taal 5, 724; auch schon mnd.: gi sullet grinen und weinen (plorabitis et flebitis vos Joh. 16, 20) Schiller-Lübben 2, 147ᵇ (14. jh.); E. klagede er dat geschichte mit grynen (= grînenden) ogen 148ᵇ; desgl. mnl. Verwijs-Verdam 2, 2144; fries. leise weinen, wimmern Doornkaat-Koolman 1, 688ᵃ.
2)
besonders vom weinen kleiner kinder, in verschiedenen färbungen; die weite verbreitung dieses gebrauches, auch noch in den heutigen maa. (s. 1), läszt in ihm etwas ursprüngliches vermuthen: vagire kindes grynen Diefenbach nov. gloss. 376ᵃ (pfälz., 1466); dann so bald die selben (kinder) geboren werden, und nach irer art greinen und schreien Ruoff hebammenbuch (1580) 151;
ein creutz kömpt eim selten allein,
da grant das weib, da grein die kind
Eyering proverbiorum copia 1, 32;
recht wie ein kleines kind, dasz, wan man es gestrichen,
mit greünen und mit laid in winkel hin geschlichen
Rompler v. Löwenhalt erstes gebüsch 73;
die dunkle kinderstube, worin die kleinen spielen und greinen Jean Paul 6, 28 Hempel; schon lange sitze ich an der wiege des guten lieben deutschen kindes .. endlich erwacht es und greint sanft wie ein kätzchen Börne 10, 19;
sein lebenlang spielt einer manche rollen,
durch sieben akte hin.   zuerst das kind,
das in der wärt'rin armen greint und sprudelt
Shakespeare 4, 215;
im vergleich: sie werden euch freundlich bitten, greynen, flehen wie die kinder Luther 18, 368 Weim.; sie wiegte das miszgeschöpf (das alraunmännchen) in ihren weiszen armen, wenn es wie ein kind greinte Heine 5, 323;
wie ich jetzo, so greint, im schilf des Nils
versteckt, der krokodil und ahmet nach
des kindes unschuldvolle klagetöne
Grabbe 1, 69.
3)
antithetische und parallele verba lassen am besten gewisse modificationen der bedeutung erkennen. bezeichnenderweise erscheint der gegensatz greinen — lachen weit überwiegend im südwesten Deutschlands, wo die bedeutung 'weinen' bis heute die herrschende ist:
wer päsen kinden waich erscheint,
der ist ir aller gröster feint,
und lacht yetzt desz ir nachmals greint
Schwartzenberg teutsch Cicero (1535) 127;
die hie weinen, werden getröst im himmel, und die hie lachen, werden greinen am selbigen ort Paracelsus opera (1590) 9, 115;
gott geb du wöltst grein oder lachn
Gilhusius gramm. (1597) 84;
wie frau Aja endlich wie betrunken auf den besten fürsten zuläuft, halb greint, halb lacht Göthe-jahrbuch 2, 310 (frau rath); viel seltener ostmd.: greinet oder lachet, da frag ich nit nach Luther 34¹, 86 Weim.; hier eher antithesen wie:
denne wird Christus in eim nu erscheinen,
und ihr freud verkehren in ein greinen
Ringwaldt evangelia B 4ᵇ;
hie singt er frey, dort greint er widr
christl. warnung K 4ᵃ;
vgl.:
seiner freunde tod beweinen
stehet einem christen zu, aber ungeduldig greinen
pflegen die trostlosen heiden
Neumark fortgepflanzter lustwald 2, 46;
auch die reimformel greinen und weinen erscheint auffälligerweise vorwiegend im südwesten, obgleich sie nicht auf alem. boden aufgekommen sein kann; tautologisch: das greynen und weinen fletus, ploratio Maaler teutsch spraach (1561) 194ᵈ; auf dasz der kinderfresser Saturn .. nicht ... vernem wann der jung herfür kriechend bastart Jupiter mit weinen und greinen den tag anzännt Fischart geschichtklitt. 155 neudr.; daz er ... greinet und weynet wie ein sieche kuh 226;
sie seufzt, sie schreit, sie weint und greint
Spangenberg u. Fröreisen griech. dramen 2, 283 Dähnhardt;
ostmd. mit klarem unterschiede: wê ûch di nuͦ lachit, wan ir sult grînen und weinen (quia lugebitis et flebitis) Beheim evang. buch, Luc. 6, 25; fühlbarer werden gewisse modificationen der bedeutung 'weinen', die theils abschwächen (wimmern), theils steigern (jammern), in manchen der folgenden doppelwendungen: ein frau, die in kinds arbeit ligt, die grinet und wintzelet Geiler v. Keisersberg postill 3, 17;
was hilfts dich, dasd' vil grynst und klagst
schweiz. schausp. des 16. jhs. 1, 227 Bächtold;
ein andrer hingegen greint und ächzt über nichts und wieder nichts Bräker sämmtl. schr. 2, 113; was geschehn ist, ist geschehn, da hilft kein greinen und kein jammern H. L. Wagner theaterstücke 118; je stärker es regnete, desto heftiger greinte und schluchzte der miszliche kriegsmann G. Keller 6, 132; greinen und bentzen s. th. 1, 1478; in älterer zeit ist am häufigsten greinen und zannen, anscheinend nur bis ins 16. jh.:
dô der alde ermannete,
er grein unde zannete,
wan sîn unmêzic leit
stête durch sîn herze in sneit
Marienlegenden 248, 260 Pfeiffer;
(secundus miles.)   leg an und lass spannen,
das er (Christus) werd grein und zannen
passionssp. aus Tirol 134, 2123 Wackernell;
(der sohn) der tag und nacht ligt bey dem wein,
lest die alten zannen und grein
daheim in grossem hertzenleid
H. Sachs 17, 301 Keller-Götze;
nicht so häufig:
was hor ich fur ain schall und ton
von grunzen, greinen, schreien, beiszen?
histor. volkslieder 1, 548 Liliencron;
also nur kein solch hönisches gesicht, kein greinen und kein grunzen, meine söhn' und töchter! Bräker sämmtl. schr. 1, 269; abzusondern ist greinen neben heulen, schreien u. ä.; alem. genügt auch hier 'weinen':
myn hertz, das wuͦrd in mir verschwynen;
vor leidt muͦsz ich hülen und grynen
schweiz. schausp. des 16. jhs. 2, 199 Bächtold; vgl. 1, 85, 837;
aber auszeralem. scheint die bedeutung öfter fast bis zu 'heulen, schreien' gesteigert:
secht, lieben freund, dem golzen zu!
er lut und heult sam ein ku.
nu grein du, aller teufel namen!
fastnachtsp. 538, 11;
hiezwischen liefen die bürger dem schlosz zuͦ, und fragten was das bedeüte, das so ein grosz greinen und geschrei drinnen sei Achacius chronica 291ᵇ; ein lauteres greinen und geschrei österr. weisth. 5, 416, 17; kompt Jhann, der bottenlaufer, schreit jammer, greint und heilt Ayrer dramen 1, 140 Keller.
4)
wesentlich auf norddeutschem boden und erst in jüngerer zeit bekommt greinen einen verächtlichen beigeschmack: flennen, plärren, unmännlich jammern: du greinst? du bist deiner mutter sohn nicht, du ungeheuer! Gerstenberg Ugolino 261, 26 Hamel; wenn's euch kommoder ist, in gottes namen, heult und greint, bis euch die augen aus dem kopfe fallen Tieck schr. 3, 252; vgl. 1, 192; ich will die buben heulen und greinen lassen über das elend Immermann 1, 49 Hempel; Berlioz will lachen, weinen .., wie Beethoven, aber sein lachen ist sogleich ein grinsen, sein weinen sogleich ein greinen Gutzkow 7, 222; süddeutsch selten: ehrloser! treuvergessener! und du willst abfallen, wenn eine mäze greint? Schiller 2, 199.
5)
construction; meist absolut, doch auch mit object:
dei traanen, de se greine,
dei dei'en der modder sau wei
nd. volkslied bei Herder 25, 76;
da sasz er auf der ofenbank,
mit gott und welt und sich im zank,
und greinte bittre zähren
Kretschmann 6, 328;
er häd's klor brunnewasser grinne Staub-Tobler 2, 746; gelegentlich auch: ein paur greint den reimen: .. (gegensatz: der ander paur lacht den reimen) fastnachtsp. 538, 1; den grund des greinens geben die präpositionen über und um: feuchtohrige buben .. greinen über die siege des Scipio, weil sie sie exponieren müszen Schiller 2, 29; du narr hast gar drüber gegreint maler Müller 1, 266;
sondern er hat länger und mehr geweint
als mancher mann um seine tote frau greint
Kortum Jobsiade 3, 128;
anders:
so deine kinder umb brot greinen
Wickram 4, 65 Bolte-Scheel;
kinder hört' ich
greinen nach der mutter
Rich. Wagner 6, 250;
im älteren md. häufiger sich zu tode oder tot greinen:
da ich yetz lag in gotts gewalt,
und starb in meine augen nein,
flux er sich auch zu todte grein
Hayneccius Hans Pfriem 27, 596 neudr.;
wenn man sie (die toten) aber tregt darvon,
wollen sie (die überlebenden gatten) sich zu todt drumb grein
Eyering proverbiorum copia 1, 15;
du wirst ja auch ..
mich recht, von hertzen meynen,
sonst müst ich mich todt greinen
Chr. Reuter harlequins hochz.-schmaus 289 Ellinger.
6)
neben nichtpersönlichem subject ziemlich selten und meist mehr oder minder bildlich:
hier knurren fagotte, hier ragen
hoboen und greinen vor frost
Kretschmann 5, 72;
kennst du noch die alte weise,
die am anfang so elegisch
greint und sumset, wie ein kessel,
welcher auf dem herde kocht?
Heine 1, 443;
der .. kalte, grämliche, greinende .. octoberwind W. Raabe hungerpastor 1, 225; wann de Lippe schînt un 'et Sûerland grînt (nach regen aussieht), dann giət et guət we̮er Wöste 85ᵇ; österr. dagegen 'brummen' (vgl. oben B):
der brummbasz greint und die zither erklingt
Pichler neue marksteine 139;
nur zwei fälle zeigen greinen in fester verbindung mit einem leblosen subject: die weinreben greinen, wenn im frühjahr der frische saft aus den beschnittenen zweigen tropft Staub-Tobler 2, 746; Martin-Lienhart 1, 275; alter alem. ausdruck, denn schon bei Frisius superlachrymare weinen oder grynen als die weinreben, Staub-Tobler a. a. o.; (es bringt schaden) wann man mit dem schneiden zu lang verzeucht, an welchen orthen die reben sehr greinen Hohberg georgica curiosa aucta (1715) 258ᵇ; ferner vom kreischen ungefetteter thürgelenke o. ä.: ein tür, die verruckt ist aus irem angel, die kürret und greinet Geiler v. Keisersberg seelenparadies 61ᵇ; erst greinte die hofthür, aber heut abend will ich sie salben B. v. Arnim Günderode 1, 200; hab ich mich doch an die verflucht pump gewöhnt, die in eim fort da vor der thür greint dies buch gehört d. könig 1, 32; vgl. Lexer kärnt. 123.
II.
nd. herrscht die bedeutung 'grinsen, lachen', die sich, wiewohl nicht mit derselben ausschlieszlichkeit, auch in den verwandten und benachbarten german. dialecten findet: nl. grinsen, lachen; ebenso dän.; schwed. grinsen; fries. grimassen machen, grinsen.
1)
die bedeutung erstreckt sich über das ganze nd. gebiet mit ausnahme des westfäl. (doch auch hier stellenweise, so in der alten grafschaft Mark, Berghaus 1, 612ᵇ) und des preusz., wo das hd. 'weinen' vorherrscht; doch schwankt sie in den einzelnen theilen dieses gebietes ziemlich stark: in widrigem lachen oder lächeln das gesicht verziehen, grinsen Müller-Fraureuth 2, 440ᵃ; M. Schultze nord-thür. 37ᵃ; Schambach 68ᵇ; H. Meyer der richtige Berliner ⁵ 55ᵃ; auch in Leipzig Albrecht 125ᵇ; mit verzerrung des mundes lachen, wird greinen, ein verzerrtes lächeln wird grinsen Jahn werke 1, 105 Euler; schon früh:
als man schrifft von tween wisen narren,
der de ein plecht altid grinen, de ander blarren
Lauremberg scherzged. 2, 10 neudr.
in manchen gegenden mit anderer färbung: sarkastisch, boshaft lächeln, hohnlachen Berghaus 1, 612ᵇ; tückisch lächeln Schambach 68ᵇ; boshaft lächeln Mi mecklenburg.-vorpomm. 29ᵃ; höhnisch lachen Hupel deutsche spr. in Lief- u. Esthland 82; vgl. schadenfroh lachen woordenb. d. nederl. taal 5, 724; höhnisch lachen Outzen fries. gloss. 106; auch schon mnl. für hohnlachen Verwijs-Verdam 2, 2144; anord. für zornig lachen. zumal die bedeutung des bösartigen lachens scheint ursprünglich; denn sie stellt sich unmittelbar neben die des bösartigen zähnefletschens, knurrens, die sich als alt erweisen läszt (vgl. sp. 54); das indifferente 'lachen' ist dann aus einer prägnanteren bedeutung verblaszt; in diesem sinn bei Richey id. hamburg. 80; brem. wb. 1, 543; Schambach 68ᵃ; über das ganze gesicht lachen Hentrich Eichsfeld 22; mit offenem munde lachen Dähnert 161ᵃ; schwächer: lächeln, schmunzeln Schambach 68ᵇ; lächeln Müller-Fraureuth 2, 440ᵃ; lächeln, schwächer als lachen Danneil 70ᵃ; schmunzeln Trachsel 20; de oll grient nu ümmer so vör sik hen Reuter olle camellen (1860) 38; und trinkt umschichtig vör twei un grient lustig öwer dat ganze breide gesicht 64; mit 't jansze jesicht jrinen pfiffig lächeln auch berlinisch Berghaus 1, 612ᵇ; niederhess. thöricht lächeln; redensart: hä grīnt wie ein honnichkuchenpärd.
2)
in hd. schriftsprache naturgemäsz vorwiegend bei autoren aus dem norden Deutschlands; eine ältere zeit setzte das wort ins hd. um:
fort mit den satanswörtern! fort!
die nur mit satansfratzen greinen (grinsen)!
Arndt 5, 326 Rösch-Meisner,
rauhhaarige greinende grinsende fratzenhafte schlingel Fr. Arndt bei E. M. Arndt schr. an s. l. Deutschen 1, 4;
dann wieherte daher ein wildes rosz,
und quer drauf sitzend, mit verkehrtem greinen,
ein orang-outang
Baggesen poet. werke 4, 63;
da vor dem pascha, welcher höhnisch greinte,
küszt' er den staub und schrie: 'nimm ab den sold mir!'
Strachwitz gedichte (1850) 315.
später ging das gefühl für die sprachliche identität mit greinen verloren, und die dialectform wurde beibehalten: 'wie darfst du grienen, du bösewicht', fuhr ihn das weib an G. Freytag 11, 180; '.. ich kenne doch die mannsleute'. 'ja, ja', sagte Polzin und griente, 'die kennst du' Fontane I 5, 49; vgl. 10; 'hehe, der herr förster', griente sie (das betrunkene weib) Cl. Viebig d. schlafende heer (1904) 1, 128; vgl. die (frauenzimmer) stehen immer dabei und lehnen sich auf's klavier, wenn ich spiele, und grienen mich an Hirschfeld mütter (1896) 63.
3)
dem anscheine nach vorwiegend nd. und deshalb vielleicht hier anzuschlieszen ist folgender merkwürdige gebrauch:
sîn sanc der stât
reht als diu wât,
diu ninder kein gelenke hât,
dâ vadmen grînent durch die nât
Frauenlob 168, 18;
dat blood griint dör (scheint durch) Dähnert 161ᵃ; vgl.dat grint (grinnt) dör wenn z. b. eine naht aufgegangen ist, durch die das futter sichtbar wird Outzen fries. 106.
greinen vb.
Fundstelle: Lfg. 1 (1914), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 62, Z. 54
aus *greinjan, causativ zum vorigen, betrüben, bekümmern, belästigen:
dô sprach der her zdem rihtær:
'warumbe tuost du niht ein reht (an dem armen)?'
'ez ist jener ein edel kneht',
sprach der rihter, 'der in greint'
Teichner bei Karajan s. 90 anm. 136;
dass wir unsern eidgnossen von Zürich, in was gstalt sy greint oder bekümbert wurden, wider menklich söllten beholfen syn Staub-Tobler 2, 745 (a. 1531); und warend die von Zürich ze vil schadens kommen, und vorhin ze vast gegreint Tschudi chron. Helvet. 2, 344; hierher wohl auch nd. greinen necken, foppen Schambach 68ᵃ.
Zitationshilfe
„greinen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/greinen>, abgerufen am 23.01.2018.

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