Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

grenadier, m.

grenadier, m.,
urspr. fuszsoldat, der handgranaten wirft.
1)
die form schwankt; neben stets herrschendem grenadier namentlich im 17. und in der ersten hälfte des 18. jhs. häufig formen mit a, entstanden durch einflusz von granate, vielleicht auch von ital. granatiere (Schulz fremdwb. 255): granadirer Birken vermehrte Donau-strand (1648) 216; Kirsch corn. 2, 158ᵃ; Apinus gloss. nov. (1728) 252; corps von granadierern Fleming vollk. teutsche soldat 146 § 8; granatirer Fäsch dictionn. des ingenieurs (1723) 88; granatier, granadier Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 555ᶜ; granadir Koenig ged. (1745) 30; neue schausp. (Preszb., Lpz. 1771 ff.) 10, st. 4, 53; noch Kinderling läszt granatier neben grenadier zu reinigk. d. dtsch. spr. (1795) 134, und H. Braun bevorzugt sogar granatier orthogr.-gramm. wb. (1793) 126ᵇ; noch heute kennen obd. dialecte die a-formen, schweiz. granidier, grenitier Staub - Tobler 2, 744; weiteres s. u. 2; grenadierer Gruber (1697) kriegsdisciplin 36; Schiller 2, 376; plural in älterer zeit häufig grenadiers Fleming vollk. teutsche soldat 74 § 8. 213 § 5 u. ö.: Ditfurth ein histor. volkslied d. preusz. heeres 46.
2)
zur sache vgl. besonders Fleming a. a. o. 146; die grenadiere kommen im 30jährigen kriege auf, urspr. ausgesuchte leute, die als handgranatenwerfer bei schwierigen aufgaben, stürmen u. dgl. verwendet wurden; auch als sie ihre eigentliche function aufgaben (ende des 18. jhs.), blieb dem wort der begriff der kerntruppe; daher vielfach für den fuszsoldaten κατ' ἐξοχήν:
bin ich nicht offizier,
bin ich doch grenadier
Erlach volkslieder d. Deutschen 2, 434;
nach Frankreich zogen zwei grenadier,
die waren in Ruszland gefangen
Heine 1, 39;
aber ihm war weder beschieden, des reiters säbel, ... des grenadiers muskete, noch des jägers büchse zu ergreifen Holtei erz. schr. 12, 12;
ihr deutschen grenadier',
weil ihr nunmehr seid in Frankreich,
so schmückt das haupt euch allzugleich
Rückert (1867 ff.) 1, 50.
fast ein begriff für sich sind die altpreusz. grenadiere: sie steckten ihn gleich ohne barmherzigkeit als flügelmann unter die Brandenburger grenadiere Hauff 2, 317; da las ich auf der Krakauer schule von den alten Fritzischen grenadieren Fontane I 2, 26; das charakteristicum des grenadiers ist von je die hohe mütze (der hut hinderte beim schleudern der granaten): ein soldat, der sich durch die hohe mütze vom musquetier unterscheidet frauenz.-lex. (1773) 1209; mögen engel bei dir wachen, bei mir thuts ein bärenmütziger grenadier Bismarck br. an s. braut u. gattin 346; man erwehlt hierzu die ansehnlichsten, stärcksten, dauerhaftesten und ramassirten leute Fleming a. a. o. 146; daher der begriff des starken, groszen, martialischen bei dem wort, zu dem auch Friedrich Wilhelms I. riesige grenadiere (Kerner bilderbuch 7) beigetragen haben:
und grenadiere, starke leute ..
sah man
Droste-Hülshoff 2, 172 Cotta;
kranatier, kranatiarər starker, groszer mann Martin-Lienhart 1, 274ᵇ; granadirer schimpfname für eine starke, grosze frauensperson Hügel Wiener dial. 70; vgl.e greenedier, e gruszes tier Müller-Fraureuth 1, 440ᵃ; vgl. die composita grenadiergrösze, -länge, -mäszig, -model, -stimme; gern in vergleichen: in dem groszen Berlin, wo ein haus dem andern gleicht wie ein tropfen wasser oder wie ein grenadier dem andern Heine 3, 149;
(die pappeln stehen an der landstrasze)
gleich grenadieren aufgestellt,
in langgedehnten haufen;
weh', dem das loos der strafe fällt,
die gass' hindurch zu laufen
Rückert (1867 ff.) 3, 88;
vgl. grenadiergasse; (Klopstock und seinesgleichen) lassen sich gleich alten grenadieren im hohen alter noch messen, um zu erfahren, um wie viel sie zurückschlugen Schiller 2, 376; er handhabte die satirische waffe wie die grenadiere die handgranaten Jean Paul 7—10, 291 Hempel; Gleim als dichter der grenadierlieder (s. d.) wird öfter als grenadier bezeichnet: sie glauben nicht, wie zufrieden ich mit ihnen und dem grenadier bin Lessing 17, 148 (in Lessings briefen ständige bezeichnung für Gl.); meine lieblinge .. waren .. Gleim als grenadier Schubart leben u. gesinnungen 1, 91.
3)
in der zoologie name für loxia oryx, den capischen cardinal, einen sperlingsartigen exotischen vogel Oken allg. naturgesch. 7, 278; für macrourus, coryphaena rupestris, eine art berglachs 6, 162.
4)
composita: grenadierabtheilung, f. Fontane I 2, 237. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1914), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 112, Z. 74.

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Zitationshilfe
„grenadier“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/grenadier>, abgerufen am 24.11.2020.

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