griebs m.
Fundstelle: Lfg. 2 (1919), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 254, Z. 46
älter grübs, gröbs, kerngehäuse des obstes; erst seit dem 15. jh. nachzuweisen (s. u. 2); ahd. wäre *grubiz, *grobaz anzusetzen; herkunft unklar (zu grob?); die bildung folgt ahd. obaz obst und ebiz, ebitz kerngehäuse, vgl. Kluge ⁷ 181.
1)
ursprünglich und hauptsächlich 'kernhaus des obstes, besonders des apfels und der birne'; das wort ist in dieser bedeutung verbreitet im thür., obersächs., schles., hess., elsäss., schweiz.; dem schwäb. nur noch in der bedeutung 3 geläufig, dem bair. anscheinend fremd, ebenso dem nd.; über synonyma in den andern maa. s. kernhaus 4, 5, th. 5, 608.
a)
die modernen maa. bevorzugen die entrundeten formen: greebest Schultze nordthür. 36ᵇ; jrêwest Liesenberg 147; jrêwes Jecht mansfeld. 44ᵇ; grebs, grébs, krøwes, kríwes Hertel thür. 110; greebs, gröbs, gräbsch, griebsch Müller-Fraureuth 1, 440 (zu gräbsch vgl. grabisz arulla Diefenbach 52ᶜ); griebs, greebs Albrecht leipz. 125ᵇ; in Halle gröbs 126ᵃ; griebsch Anton oberlaus. 8, 15; griebs Weinhold schles. 30; ma is wie a griebsch, an dem alle rumfressen Hauptmann weber (1892) 57; nach Hoffm. v. Fallersleben schles. auch grübes Frommann 4, 170; schwäb. erweitert zu grĭpsĭ(Χ), grĕpsĭ(Χ) (doch nur in der bedeutung 3) Fischer 3, 866; grieps Loritza 54ᵇ; gripes, f., Kramer bistritz. 41; gripes, f., 'das von den birnen beim essen übrig bleibende kerngehäuse' Haltrich plan 13ᵃ; hess. gribs, grebs Crecelius 436; doch ndhess. grüwwesz Pfister nachtr. 85; fürs henneberg. notiert Reinwald 54 gröbs, kröbs, feiner: grübs; alem. grübsch, demin. gräubschi, grübschi, gürbsi u. ä. Staub-Tobler 2, 697. wie nach den maa. begreiflich, ist griebs die herrschende schriftform geworden: der hochdeutsche schreibt ... griebs Adelung umständl. lehrgang d. dtsch. spr. 2, 771; griebs Heynatz antibarb. 2, 76; auszer dem fleisch des genossenen apfels liesz er sich auch den griebs ... dazu wol schmecken J. Grimm kl. schr. 1, 344; fruchtkerne aus zerplatzten kriebsen fallend Sanders 1, 626ᵃ; die ö-formen seltener: er nagte lange an einem apfelkröps Musäus 3, 117; gröps von Oken viel benutzt, aber als botanischer kunstausdruck für pistillum, den stempel allg. naturgesch. 2, 71 ff.
b)
in der älteren sprache weit überwiegend die dunklen formen: arulla grobisz, grobesz von einem apfel, grubsz Diefenbach 52ᶜ; grobisz nov. gloss. 36ᵇ; pulpa grubs, grubsz gloss. 472ᵇ; grobis; kempff hus (l. kernhus) vel grubs nov. gloss. 308ᵇ (wb. von 1421); nauci grubs (bei der nusz) gloss. 376ᵇ; arulla kernhaws vel grobis Breslauer voc. von 1422; kröbs ossiculum in pomis Stieler 1034; noch Frisch 1, 378 notiert grubs, krubs; des sach ist daz der grübs der frucht kommet von dem nahen, das ist vom stamme Petr. de Crescentiis ackerbau (1531) 13ᵃ; nag den grubz und spar, wildu dich nern Breuner sprachbuch 25, 19; den selben apfel hat jederman noch im magen, ... auch die rechten heiligen noch etwas zum wenigsten von dem grobes in sich haben Luther wider den wucher (1540) J jᵃ; die äpfel haben in sich zehen diplichen oder pünctlein, .. umb den gröbs herum Prätorius saturnalia (1663) 58; indessen sind auch i-formen früh nachzuweisen: pulpa gribesz, gribsz, grybsze Diefenbach 472ᵇ (mittel- und ndrhein. 15. jh.); pulpa was man isset (am apfel), das nit griebes ist Alberus dict. (1540) Ffiiijᵇ;
allein die grebes (der birnen) fras er nit
Nigrinus von bruder Johan Nasen (1590) C 3ᵇ;
schabet mit einem messer alles fleisch (von den birnen) bisz auf den griebs herab Amaranthes frauenz. lex. 218.
2)
dann auch verächtlich für unansehnliches, verkrüppeltes, fleischloses obst Hertel thür. 110; salz. 17; griebse mausen obst stehlen; gar kein gräbs Müller-Fraureuth 1, 440; schlechtes obst Weinhold schles. 30; klein gebliebenes obst Crecelius 436; im schwäb. dagegen vollwertiger ausdruck für obst, besonders kernobst Fischer 3, 866; schweiz. nur in gewissen redensarten: es hät hür eⁿkeis grübschi obs gëⁿ keinen stil Staub-Tobler 2, 697.
3)
vielfach für das pomum Adami, den kehlkopf, 'weil dem Adam der griebs des von Eva dargereichten apfels in der kehle stecken geblieben sein soll' Höfler 201; vgl. Hertel thür. 110; Reinwald henneberg. 1, 54; Weinhold schles. 30; Crecelius 436; Staub-Tobler 2, 698: als fem. bei Kramer bistritz. 41; Haltrich 13ᵃ; sein kriebs stand wie ein erker vor der luftröhre Müller-Fraureuth 1, 440; ältester beleg bei Hulsius (1596) nach Weigand ²1, 765; die bedeutung erweitert sich in gewissen dialecten scheinbar zu 'kehle, hals' überhaupt (s. Crecelius, Müller-Fraureuth a. a. o., Höfler 201), doch liegt da vermengung von griebs und grips vor; näheres unter grips und krips th. 5, 2329; vgl. auch adamsapfel th. 1, 176.
4)
auch auf menschen übertragen: knirps, kleiner verunstalteter mensch: so e (kleener) griebs! Müller-Fraureuth 1, 440; ähnlich Crecelius 436; kleiner, trotziger knabe Hertel thür. 110; kleiner gröbs schimpfwort gegen kinder Reinwald 1, 54; vorwitziges, naseweises mädchen Staub-Tobler 2, 698; anderes isolierter: alles zurückgebliebene, geringe Weinhold schles. 30; schluchzen oder rülps Loritza 54ᵇ, Staub-Tobler 2, 698 (vermischung mit gürbs); bûchgräubschi nabel des kindes ib.; griebs influenza Höfler 201 scheint verdrehung von grippe.
Zitationshilfe
„griebs“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/griebs>, abgerufen am 12.12.2019.

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