grummet n.
Fundstelle: Lfg. 4 (1925), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 637, Z. 17

Unterbegriffe in diesem Artikel

foenum secundum.
1)
ursprung und form. grummet ist entstanden aus gruonmât; seit dem 13. jh. nachzuweisen, aber offenbar wesentlich älter; unassimilierte formen vereinzelt noch spät, vielleicht nicht nur auf grund etymologisierender reconstruction: grünmath Hohberg georg. cur. 1, 28; grunmatt Sebiz feldb. 460; denn mundartlich noch heute graunmâd, auch gräune mâd Woeste 84ᵇ; normaler weise assimiliert, mit unumgelautetem langen oder gekürzten stammsilbenvocal: gruemat österr. weisth. 8, 428 (quelle v. 1258), und so häufig in älteren österr. nachweisen; gruamat succidium Diefenbach nov. gl. 354ᵃ; grummot gloss. 405ᶜ s. v. pagulum; grumat Frommann 2, 304 (vocab. v. 1432); spuren umgelauteter formen sind rar und unsicher, s. Lexer 1, 1098 f.; in gewissen nd. und md., zumal fränk. gebieten als grommet, eine form, die zumindest fürs nd. auf einem undiphthongierten grôn- beruht, vgl. Schambach 69ᵇ; Sartorius Würzburg 51; Fischer schwäb. 3, 867; auch in älterer sprache häufig: grommut surgum Diefenbach nov. gl. 356ᵇ; gromat Thom. v. Absberg 183; Harsdörfer poet. tr. 2, 145; ältere hessische belege bei Vilmar 139; grohmat, grommat Kramer hochnd. dict. 2, 101ᵃ; grommt Gottsched beitr. z. crit. hist. 2, 338; auch -a-formen, die fürs bair. die heutige ma. bestätigt, sind nicht ganz selten: gramadt österr. weisth. 5, 66, 14; grammet 10, 142, 29; vgl. 6, 313, 23. 30; 10, 163, 18; gramat Lindener katzip. 186 lit. ver.; Uhland hoch- u. nd. volksl. 729; die vollere endsilbe -mat ist im 17. jh. schriftsprachlich noch ziemlich gebräuchlich, taucht auch lexicalisch noch auf: grumath Hulsius (1618) 143ᵃ; grumat, gromet Kramer teutsch - ital. 1, 572ᵃ; doch bei Stieler 1208: gromat, hodie grummet; andererseits sind die formen mit abgeschwächtem endsilbenvocal schon im 16. jh. ganz gewöhnlich; vereinzelt gromment d. meisterl. gedinge des abts von Chemn. (1522) 115 Clemen; gromich v. Klein 1, 165 (Koblenz); grummelt, -olt Frischbier 1, 257ᵃ; die stärkste verstümmelung der zweiten silbe zeigen rheinische und nd. formen: grümm Aler dict. 1, 988ᵇ; grumm lux. ma. 157ᵃ; gram (als niedersächsisch bezeichnet) Prätorius philos. colus 122; gramme Strodtmann 75; gram brem. wb. 2, 534; gramm Danneil 69ᵃ; Stürenburg 74ᵃ; gram (neben gramt) Doornkaat - Koolman 1, 673ᵃ; kreuzt hier ein anderes wort herein? vgl. dat hau up der grammen Schiller-Lübben 2, 139ᵃ.
2)
geschlecht. das alte und zumal in der concreten bedeutung 'das gemähte' beim simplex vorherrschende neutr. steht für grummet im ganzen fest; die ausweichungen mehren sich erst in jüngerer zeit auf nordd. boden, ohne von bedeutungsunterschieden abhängig zu sein; als masc.: rechten grumait weisth. 2, 177 (a. d. Hundsrück 1442); den .. grummet Gaudy 20, 140; Schlechtendal flora v. Deutschl. 30, 199; nachweise aus Alexis und Goltz bei Sanders; vgl. Follmann lothr. 219ᵃ; lux. ma. 157ᵃ; Frischbier 1, 257ᵃ; fem.: auf wohlriechender grummt Löwen schr. 3, 71; Immermann 3, 100 Hemp.
3)
bedeutung. gewöhnlich (in anlehnung an mahd 'das gemähte') das heu des zweiten schnittes; es wird grün genannt wohl einfach im sinne der farbbezeichnung, weil es, nicht ausgereift, eine sattere farbe aufweist:
im stadel grumet, hew und stro
H. Sachs 11, 365 K.-G.,
aber 4, 273, 14 grumat; man gibt auch ihnen das grummet nach weyhnachten erst viehbüchl. 28; geschobertes grummet J. H. Voss ged. 2, 219; die mit grummet bepolsterte thür Jean Paul 3, 60 Hemp.; seltener, aber auch noch ganz gebräuchlich, für das gras des zweiten schnittes, so lange es noch auf dem halm steht: da das grumet aufgieng Amos 7, 1; das gruͦmet abmähen Schaidenraisser Od. 79ᵃ; für das grummet ist ... der regen sehr willkommen Göthe IV 22, 126 W.; vgl. IV 23, 409; nur vereinzelt nachweisbar als 'ort, wo grummet wächst' österr. weisth. 1, 37, 1; vgl. mahd 1.
4)
bildliche verwendung:
wird die fraw (bei den kindschencken) wider ein jungfraw oder grometh
S. Franck weltb. (1567) 129ᵃ;
vgl. die kindschenck .., da man die kindbetterin .. wider zu jungfrawen und gromat sauffet Fischart geschichtklitt. 74 ndr. (im sinne: gras, das wieder abzumähen ist); sie haben grummt gemacht, ehe sie heu machten eher kindtaufe als hochzeit Müller-Fraureuth 1, 446ᵃ; da geht's grumt vor'm heu weg die jüngere schwester heirathet vor der älteren ib.; im selben sinne: dasz .. das grummet über das heu wachsen wollte Auerbach nach Fischer schwäb. 3, 867.
dazu
grummetboden
im sinne von heuboden Zinck öcon. lex. 999;
grummetbutter
Krünitz 20, 249;
grummeternte
Zehner nomencl. 334;
seit voriger krummtärnte
Chr. F. Weisze kom. op. 3, 5;
grummetfutter
Leopold handwb. d. öcon. 255ᵃ;
grummetfütterung
Zinck öcon. lex. 999;
grummetgras
3476;
grummetheu
Campe;
grummetmacher
arbeiter in der grummeternte G. Edelmann hochzeitpred. (1580) y 4ᵃ;
grummetmahd
österr. weisth. 5, 760, 34; kurz nach der grummetmahd Kinkel erzähl. 93; dafür: die grommetmähe allg. dtsche bibl. 81, 697;
grummetsack
Gruomatsack als bauernname fastnachtsp. 1, 367, 17;
grummetschober
Jean Paul 1, 51 Hemp.;
grummetweib
20/23, 268; Unger-Khull 310ᵇ (quelle v. 1755);
grummetwiese
pratum dictum grumatwise monum. boica 36, 1, 589 (quelle v. 1326); österr. weisth. 3, 355, 2;
grummetzeit
L. A. Frankl erinn. 9 Hock.
dazu weiter
grummeten das vb
dasz ein jeder seine wiszfleck .. zu seinem nutz .. fenngen und gromaten mag
Lori Lechrain 329;
vgl. Schmeller 1, 1001; Staub-Tobler 2, 735.
Zitationshilfe
„grummet“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/grummet>, abgerufen am 16.11.2018.

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