Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

grundbau, m.

grundbau m.
das wort ist zwar seit dem 15. jh. bezeugt, entwickelt sich aber erst im 18. jh. in seiner hauptsächlichen und ausgebreiteten bedeutung 'fundament'; alle älteren verwendungen zeigen mehr zeitlich oder örtlich beschränkte geltung.
1)
bis in das 15. jh. zurück reicht gr., aber anscheinend auf rheinfränk. rechtsdenkmäler des 15. 16. jh.s beschränkt, mit der bedeutung 'fundamentierter bau; festes, durch einen in die erde gelegten unterbau von stein oder anderem massiven material gekennzeichnetes haus', wohl im gegensatz zu lediglich im balkengerüst aufgestellten gebäuden: sullen denn genanten hoeff in buwe beszerunge unde busze halten ..., sundern alle gruntbuwe, szo der an husungen adder ander buwen ... noit sin wurde, wiel unde sall der genante unser herre meister ... machen (v. 1490) Lennep codex probationum (1768) 53; wann aber grundbäuw vorhanden und nicht durch seine varleszigkeit verfallen wehren, soll mein orden das holtz darzue geben (v. 1561) ebda 107; es soll auch unser amptmann ... die ... bewe ohn unser zuthun mit dem flickwergk in guttem baw und besserung erhaltenn, ... aber grundtbew auch schwellen und newe tach zu machen uf unsern costen bescheen (v. 1596) ebda 414; vgl. ebda 30; 32 und wohl in gleicher bedeutung erthus ebda 396; unser bawmeister (soll) solichen sorglichen buwe lassen abprechen, und so es ein grundtbuwe were, der grundt do mit auch verfallen seyn an gemeynen unser statt nutz der stat Worms reform. (1513) 87ᵃ; hierher gehört anscheinend auch noch: im fall ein müller einen gr. auf seiner mühlen führen würde, soll der ober und unter ihm gesessene nachbar vier wochen mit dem mahlen innhalten v. Hohberg georg. curios. (1682) 2, 98.
2)
grundbau als fundamentbau,
a)
der als träger des gebäudes in der erde liegende bautheil, tritt in der ersten hälfte des 18. jh.s neben die gleichbedeutenden alteingesessenen wörter grund (IV A 1), grundfeste, fundament und verbreitet sich rasch; noch Frisch 2, reg. 44ᶜ, vgl. 1, 379ᶜ kennt es nicht, bei Schottel 525 nicht bedeutungsmäszig bestimmbar, aber eher zu gr. 3 (s. u.); gr. ... ist der fusz, worauf ein gantzes gebäude ruhen musz Zinck (1744) 999; gr., fundament ist derjenige oft aus der tiefe bis etwas über den erdboden aufgeführte haupttheil eines gebäudes Chr. Wolff math. lex. (1747) 1, 616; gr. ... sowohl der in der erde ausgegrabene raum, der so genannte grundgraben l. fundatio, fr. fondation ... als auch das fundament des gebäudes selbst l. fundamentum, fr. fondement Krünitz 20, 256; vgl. Lueger 4, 797; selten pluralisch: lehm ... erfordert ... keine kostbaren grundbaue und röste Hoyer kriegsbauk. 2, 80; gelegentlich in etwas weiterem sinne für den über dem boden sich erhebenden unterbau eines gebäudes: der gr. ist aus hellgrauem granit Steub drei sommer in Tirol 2, 268; ein mächtiger gr. (eines schlosses), der aus dem see aufsteigt wander. i. bayr. geb. 60; in literarischer sprache entfaltet vor allem in bildlicher und übertragener verwendung:
also sprach und legte den grundbau Phöbus Apollon
Chr. Stolberg 16, 18;
sie (die wissenschaft), die den grundbau des geschafnen gern ergrübe
Klopstock oden 1, 229 M.-P.;
die verwirrung ..., die so schon an dem gr. und dem fachwerke unseres staates rüttelt Gutzkow ritter v. geiste 5, 124; eine darlegung, die der gr. seines ganzen systems ist Brunn kl. schr. 1, 116; nicht minder häufig übertragener gebrauch im sinne 'grundlage, vorbedingung': tugend, welche zu dem gr. unserer ewigen glückseligkeit erfordert wird S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 186; regelmäszigkeit ist nicht schönheit — aber gr. der schönheit Lavater physiogn. fragm. 4, 182.
b)
gr. als die arbeit, die technik des fundierens von bauwerken: gr., der bau d. i. die verfertigung des grundes zu einem gebäude Krünitz 20, 256; gr. nennt man alle arbeiten, welche ein bau bis zur anlage der plinthe nöthig macht Helfft wb. d. landbauk. 101; gr. ... die wissenschaft, die sich mit theorie, konstruktion und ausführung der fundamente befaszt Lueger 3, 721; so auch bildlich: wer aus dem kampfe der gegenwart um den gr. des deutschen staates noch nicht die einsicht gewonnen hat Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 3.
3)
ein bereits älterer gebrauch von gr. entspricht der bedeutung von bau = structura, constructio (vgl. th. 1, 1162 bau 4) mit der sondernden vorstellung, dasz nur die das wesentliche, charakteristische zur anschauung bringende grundstructur (vgl. grund IV B 1 und 3) gemeint wird, vgl. gr. als anatomischen begriff: structur, textur, an deren stelle 'bestandwesen, grundtbau, aufrichtung und gebäu' Hyrtl kunstworte d. anatomie 12; dann verleiht ihnen (den frauen) das sehnige, dürre ihres grundbaues etwas eckiges, männliches Ratzel völkerk. 3, 161; vom bauwerk selbst nur gelegentlich: die mosquee ... ist klein, ihren gr. aber betreffend kan ich ... sagen, dasz sie mir besser als st. Sophien gefallen P. della Valle reisebeschreibg. (1674) 1, 81 [= la sua mechita e piu picciola, ma mi piace assai; di modello, se dicessi piu di santa Sofia (1672) 156]; lebendiger ist seit dem 17. jh. übertragener gebrauch, gern für die structur eines staates, einer verfassung: alles also, als reichsstand betrachtet, war noch amt, anstatt und von wegen des kaisers, nach dem gr. und wesen des karolingischen reichs Herder 5, 694 S.; die staaten des altertums, wie trefflich auch ihr gr. sein mochte E. M. Arndt 1, 243 R.-M.; dem aristokratischen gr. der verfassung Mommsen röm. gesch. 1, 585; früh auf die sprache bezogen: das aber die poeterey die zierlichkeit und den gr. einer sprache unterstüze und sie in hohen flor bringe Knittel poet. sinnenfr. (1677) vorr. 7; der gr. der rede in allen sprachen ist typus eines zusammenhangenden acts des wirkenden verstandes Herder 21, 127 S.; mehr im sinne 'ursprünglicher bau' (vgl. compos.-typ. 5 q): sie (müssen) den gr. ihrer sprache und gewisse ursitten derselben um so heiliger halten Woltmann memoiren 1, 219.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1931), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 755, Z. 23.

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