Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

grundieren, vb.

grundieren vb.
'den grund herstellen', besonders 'den ersten anstrich (aus kreide, leim etc.), die untere farbschicht auftragen'; gr., von grund V A in formaler anlehnung an ältere maltechnische begriffe wie schattieren, lackieren, schraffieren u. ä. abgeleitet; in der 2. hälfte des 18. jhs. aufkommend verdrängt gr. allmählich das in seiner technischen verwendung III 1 u. 2 veraltende gründen (vgl. sp. 794 f.); lexikalisch zufrühest bei Heinsius 2, 553ᵇ; in abwesenheit ... des hofmalers setzte sich dessen affe vor ein auf der staffeley stehendes schon grundirtes tuch Kretschmann s. w. 6, 104; die leinwand ..., welche man nur schwach mit kreide, manchmal auch nur leicht mit leim grundirte Göthe 47, 218 W.; die arbeit (eine bildsäule) ist aus lindenholz, grau grundirt und noch nicht gemalt Stifter s. w. 14, 323; der alte legte eine der grundierten stangen in die schieszscharte ... und ... begann, ... von oben an die himmelblaue spirale zu ziehen G. Keller ges. w. 3, 77; farbig grundirtes papier (wird) mit einem desain von firniss bedruckt Karmarsch-Heeren³ 2, 56; man verwendet ihn (den bol) zum grundieren bey der holzvergoldung Oken naturgesch. 1, 214; auch in die mundart aufgenommen vgl. Martin-Lienhart 1, 278ᵇ; Staub-Tobler 2, 778; Hönig 69ᵇ; wie gründen III 2 beim kupferstich: das grundiren der platten ... und zuletzt das ätzen gab mannichfaltige beschäftigung Göthe 27, 180 W.; von den gemahlten (porträts) kostet ein stük 18 bazen, von den grundirten eins 12 bazen Schubart br. 2, 117 Str.; in übertragenem gebrauch theils noch sinnlich: ein lichtstrahl ists, der den raum und was in ihm platz nimmt, unterscheidet, trennet, zeichnet. er grundirt die welt, auf diesem grunde erscheinen der seele fortan alle ihn bewohnende gestalten Herder w. 21, 49; wo die wasserfläche in ihrer tiefdunkel grundirten klarheit nicht hervorleuchtete W. H. Riehl Eisele 65; um aber den weg nach Nürnberg recht für die erwähnte mainacht ... zu grundiren, muszt ich nadelforste aushauen zum platze für laubholz Jean Paul 42, 92 H.; theils inconcreter: der ernst musz den scherz grundiren 7/10, 495 H.; ich habe ... auszusprechen gesucht, wie das leben mein gemüth grundirt hat Brentano ges. schr. 8, 139; vereinzelt im 16. jh. wie 'fundieren, basieren, beruhen': so dasz je eine (instruction) auf die andere grondieren würde (v. j. 1530) nach Staub-Tobler 2, 778. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1932), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 831, Z. 40.
Zitationshilfe
„grundieren“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/grundieren>, abgerufen am 26.02.2020.

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