Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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f.
regel, die die grundlage einer sache bildet, aus der sich andere regeln ableiten lassen, prinzip (vgl. comp.-typ. 5 o, p), seit dem 17. jh. auftretend: gr., lex fundamentalis Stieler 1576; gr., regola fondamentale, generale Kramer teutsch-ital. 1, 574; es heisze: contra negantem principia: man solle mit dem nichts zu thun haben, der die grundregeln nicht annimmt Knorr v. Rosenroth pseudodoxia (1680) 36; wie die meisten lehren vom ehestande ... mit der gr. derer canonisten, dasz der ehestand ein sacrament sey, zusammenhängen Thomasius ernsth. gedancken (1720) 2, 198; die einsicht der gelehrten ist nicht allenthalben einerley, so wenig als die grundregeln, darnach sie urtheilen, allemal überein kommen Gottsched vernünft. tadler. 2, vorr. 3; in unserer vernunft (liegen) ... grundregeln und maximen ihres gebrauchs, welche gänzlich das ansehen objectiver grundsätze haben Kant ges. schr. 3, 236 akad.; dadurch ward brechung das hauptaugenmerk ... und was bei einem einzelnen falle vorging, die gr., das grundgesetz fürs allgemeine Göthe II 4, 255 W.; die physiognomische bezeichnung (muszte) ... auf gewisse allgemeine grundregeln gebracht werden Forster s. schr. 9, 363; als mehr subjectiv gefaszter 'grundsatz des handelns': er setzte als eine gr. voraus ..., dasz man niemand zur religion zwingen dürfe G. Arnold kirchen- und ketzerhistorie (1699) 132ᵇ; und denn müssen wir es weiterhin zu einer gr. machen, keine mächte zu bundsgenossen anzunemen Heilmann pelop. krieg 777; nach dieser gr. habe ich ... gewünschet, im stande zu seyn, mein leben einzurichten Brockes 8, 627; 'fundamentaler glaubenssatz': indem ist dieses eine grundregul der heutigen welt, dasz ein pfund gold im heyrathen einen centner tugend überwiegen musz Ziegler Banise (1689) 341; (sie) haben diese gr., dasz die zeit oftmahls mehr ausrichte als eine gantze armee staat d. königr. Persien 27 in: Olearius reisebeschr.; dieweil von natur der mensch zum aberglauben geneigter ist als zu rechten vernünftigen grundreguln J. G. Schmidt rockenphilos. 2, 160; 'grundlegende und elementare vorschrift': so kann man auch das decorum durch unbetrügliche grundregeln nicht erlernen Thomasius wider d. unvernünftige liebe (1696) 238; grundreguln, nach welchen die kinder sollen christlich auferzogen werden (buchtitel) Amaranthes frauenz.-lex. 1891; die grundregeln des verhaltens ..., einen patriotischen könig zu bilden Gottsched neueste 1, 104; vor allem die fundamentalen regeln in künsten, fertigkeiten und wissenschaften: (ich) wil ... hoffen, es werde ... das meiste rein und müglichst nach vorgeschriebenen grundregeln der wehrten ... tichtkunst gesetzet sein Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwald (1657) 8 f.; (Opitz) hat ... die grundregeln, nach welchen er gearbeitet hat, lieber im wercke selbst anwenden als in einem kunstbuche zusammenschreiben wollen Bodmer crit. poet. schr. 2, 83; der erste theil ... soll ... die grundregeln dieser kunst enthalten Fr. Schlegel s. w. 13, 166; seine (des kleidermachens) grundregeln sind eben dieselben welche der baukunst ihre sind discourse der mahlern 2, 171; wir haben ... in der musikalischen setzkunst eigene ... grundregeln Scheibe crit. mus. 66; an der musikalischen gr., dasz der bass ... unter den drei obern stimmen bleiben soll Schopenhauer w. 2, 525 Gr.; nach denen grundreguln der artzneykunst Stranitzky ollapatrida 264 Wien. ndr.; die alten grundregeln der rechnung des wahrscheinlichen Lichtenberg verm. schr. 9, 15; die grundregeln der grammatica v. Fleming teutsche soldat 21; die hochteutsche sprache nach ihren grundregeln Neukirch t. poesie 16, vgl. Schottel 142; die grösten gesetzgeber der botanik haben sich willkührliche grundregeln gemacht A. v. Haller tagebuch 2, 106; grundregeln des wahren natürlichen staatsrechts K. L. v. Haller rest. d. staatswiss. 1, 82. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1932), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 882, Z. 71.

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