grundton m.
Fundstelle: Lfg. 6 (1932), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 917, Z. 11
im 18. jh. in musikalischer fachsprache gebildet für älteres fundamentalton J. G. Walther mus. lex. (1732) 7ᵃ, in gleicher verwendung auch grundnote ebda 268ᵃ, vgl. comp.-typ. 5 d.
1)
musiktechnisch im eigentlichen sinne.
a)
zunächst in der generalbasslehre 'der klanglich die grundlage bildende, in der regel der tiefste ton des (terzenweise aufgebauten) accords': eine accord ist eine zusammenstimmung etlicher klänge ..., die theils wol, theils hart und wiederlich lauten, nach dem verhalt gegen dem gr. Mattheson kl. generalbassschule (1735) 157; zugleich findet herr S., dasz wenn man richtig reden will, alle dissonirende accorde auf zween grundtönen ruhen Gottsched neueste 3, 464; dasz bey energischer erscheinung des dreyklanges, man nehme an c als dem grundtone, nach unten f und as mitbeben Schlosser an Göthe IV 25, 304 W.; der ausdruck dieser dreyklänge wird etwas verändert, wenn man die töne verwechselt und entweder die terz oder die quinte zum gr. nimmt Heinse s. w. 6, 22 Sch.; auch wie 'basston' verwendet: grund- und mitteltöne ... in einem vielstimmigen gesang Wieland 23, 188 Hempel; stimmen, die unisono im tiefsten gr. ... buszpsalmen murmeln W. Hauf s. w. 2, 87; in der physikalischen akustik 'der tiefste und meist stärkste ton eines klanges' im gegensatz zu seinen übrigen teiltönen (obertönen): das ohr ... hört nicht nur denjenigen ton, dessen tonhöhe durch die dauer der schwingungen ... bestimmt ist, ... sondern es hört auszer diesem noch eine ganze reihe höherer töne, welche wir die harmonischen obertöne des klanges nennen, im gegensatz zu jenem ersten tone, dem grundtone Helmholtz tonempfindungen³ 37; z. b. die feinsten schwingungen der obertöne, die dem gr. erst glanz und fülle geben; noch anders 'der ton, der die klangfarbe entscheidend bestimmt': jedem (ist) der gr. seiner stimme so gegeben, dasz er ihn nicht ohne affectation ändern wird Fr. Creuzer br. an C. v. Günderode (1912) 224 Preisendanz; ähnlich: lieblichkeit ... ist der gr. dieses herrlichen instruments Schubart ästh. d. tonkunst 314.
b)
weiter 'der unterste ton einer tonleiter bzw. einer tonart', die tonica: da jeder ton zu einem grundtone ... angenommen werden kann ..., so entstehen 12 tonarten allg. dtsche bibl. 94, 131; die grundtöne dieser harten und weichen tonarten ... stehen (in der tabelle) immer übereinander Quantz anweis. d. flöte zu spielen (1789) 53; a bedeutet auch die tonart, in welcher der ton a der gr. ist Sulzer theorie d. schön. künste 1, 1; setzen wir einen bestimmten ton als anfang einer octavenreihe (als gr.), so ergiebt sich ... Vischer ästh. 3, 4, 854; anders (vgl. comp.-typ. 5 q) 'ausgangs-, normalton': zusammenwirkende instrumente müssen auf denselben gr. gestimmt sein Lueger 7, 155.
c)
mehr zum comp.-typ. 5 r neigt gr. in der bedeutungsabart: gr. 'oder hauptton ... (ist der) ton, dessen diatonische tonleiter einem musikstück zu grunde gelegt und in demselben herrschend ist' E. Bernsdorf universallex. d. tonkunst 2, 260; das instrumentalstück dort bringt ein kurzes, volksthümliches hauptthema von vier takten, das im gr. beginnt Böhme gesch. d. tanzes 134; Gluck (liesz) in seinem berühmten chor der unterirdischen götter einmal den gr. der harmonie durchschneidend herrschen Heinse s. w. 5, 17 Sch.; von hier aus begreift sich die schon innerhalb des musikalischen bereiches erkennbare übertragung auf das, was zutiefst wesenheit und charakter eines musikwerkes ausmacht: die gesetze, nach welchen ein musikalisches kunstwerk gebildet wird, erfordern es, dasz ... der gr. der gesammten situation in ein motiv zusammengefaszt werde O. Jahn Mozart 1, 388; diese c-mollsymphonie (fesselt uns) als eine der selteneren konzeptionen des meisters, in welchen schmerzlich erregte leidenschaft als ... gr. ... bis zum ausbruche siegesbewuszter freude sich aufschwingt R. Wagner ges. schr. u. dicht. 9, 99.
2)
hauptsächlich von 1 c her vielfältig in andere bezirke übertragen: noch im bilde: durch sein leben klingt ein tieftragischer gr., geht eine disharmonische stimmung hindurch Bernhardt gesch. d. waldeigent. 2, 321; der hexameter ist zugleich der inbegriff und der gr. aller harmonie des menschen und der schöpfung W. v. Humboldt Latium u. Hellas 125 lit.-dkm.; abgezogener: auf die höhere tragödie der Griechen scheint es (das gesetz des wechsels) nicht anwendbar, vielmehr geht bei dieser ein gewisser gr. durch das ganze Göthe gespräche 6, 53 v. Biedermann; bedarf es eines zeugnisses für den deutschen gr. dieser lateinischen poesie, so ... J. Grimm kl. schr. 3, 32; jene selbstgenieszende behaglichkeit ..., welche als gr. der ... wechselnden empfindungen die allgemeine stimmung der meisten dieser gedichte ist Fr. Schlegel s. w. 8, 134; das war der gr. in seiner betrachtung Fontane ges. w. I 1, 544; der gr. und grundzug des Hettnerschen buches (ist) durchaus positiv Hebbel w. 12, 338 W.; dieser gr. geht durch alle die äuszerungen preuszischer staatsmänner ... hindurch L. Häuszer dtsche gesch. 1, 566; pluralisch weniger häufig: die königsliebe, einer der vorherrschenden grundtöne des französischen nationalcharakters Matthisson erinnerungen 1, 256;
nur in den ewigen grundtönen seines wesens
lebte jeder ...
Hölderlin ges. dicht. 2, 82 L.;
von 1 b aus seltener übertragen: man findet unvergleichliche worte, grosze gedancken ..., aber alsdann gehören sie nicht so wol zur natur als zur schönen natur und haben den poetischen gr. an sich Ramler einleitung (1758) 1, 191; ich (möchte) von ihnen selbst in drei zeilen ... den gr. anklingen hören, in dem sie ihr neues leben zu spielen begonnen haben Gervinus briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 229; da sie (die wiederkehr) ... aus dem gleichen grundtone geht (wie die flucht) G. Keller ges. w. 4, 27.
3)
der den grund (V A 3) bildende farbton (vgl. comp.-typ. 5 i): der tondruck ... ist auch farbendruck mit einer farbe ... als gr., auf welchen dann der schwarzdruck ... gegeben wird Karmarsch-Heeren 5, 607; der gr. des rückens (der ellritze) erscheint ... ölgrün Brehm thierl. 8, 265; die veränderungen im reiche der wissenschaften (können sich) nur gleichsam als zarte schattirungen ... von dem nationalcolorit und dem gr. des jahrhunderts unterscheiden G. Forster s. schr. 6, 10. —
Zitationshilfe
„grundton“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/grundton>, abgerufen am 20.09.2019.

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