Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

gutgläubig, adj.

gutgläubig adj
aus guter glaube (s.gut V B 1 c, sp. 1305) abgeleitet; seit dem 15. jh. belegbar.
1)
religiös 'rechten, aufrichtigen glauben habend': dieser Heinrich was ein weiszer gerechter gnadenreicher ... gutglaubiger ... man G. Alt buch d. chron. (1495) 222ᵃ;
also den gutglaubigen frommen
all gotteswerck zu gutem kommen
H. Sachs 19, 175 K.-G., vgl. 17, 396;
gib mir ein gute und starcke zuversicht und getrauen in dein guetigkeit, das ich vor der grosze und menig wegen meiner sund nitt in verzweyfflung falle sunder mitt getrewen gutglaubigem gemuet bedencke hertzemaner (1492) 123ᵃ; etwas anders 'rechtgläubig': fehlgläubige männer mit ihren weibern sind auszutreiben, die guetgläubigen weiber dürfen auf den häusern bleiben Schönherr glaube u. heimat 74.
2)
allgemeiner, 'ehrlichen, aufrichtigen glauben habend', vgl. schon: so werden sy also demuͤtig und gelassen und also guͦtgelaubig gen allen menschen Tauler sermones (1508) 38ᵃ; die gutgläubigen enthusiasten, die bisher in seinen worten gefunden, was sie wünschten, sahen sich enttäuscht H. Prutz preusz. gesch. 4, 218; zu bedauern sind die vielen ehrlichen seelen, welche gutgläubig für eine sache, die sie nicht kennen, ins feuer gehen P. de Lagarde dtsche schr. 177; (was) ein federfuchser zusammengeschrieben hat, der es versteht, gutgläubigen menschen eine spitze mit gift einzustechen Hans Grimm volk ohne raum 1, 623; vielfach mit dem beiklang 'leichtgläubig': kann man es nun den gutgläubigen weibern verdenken, wenn sie nach ablegern von diesen heldenblumen lüstern sind Fr. L. Jahn 1, 482 E.; anders 'gute absicht habend, es nicht böse meinend': das wort vom 'beschränkten unterthanenverstande', das der minister von Rochow ... gebraucht hatte, selbst wenn es, wie seine verteidiger wollen, gutgläubig und ohne bösen nebensinn geschehen sein sollte, gab doch nur der auffassung ausdruck, die man in jenen kreisen hegte H. Prutz preusz. gesch. 4, 172.
3)
juristisch entsprechend bona fide, den 'ehrlichen glauben an die rechtmäszigkeit oder richtigkeit einer sache habend', vgl. gutglaubiger inhaber bonae fidei possessor Schottel haubtspr. (1663) 350: ein gutgläubiger inhaber (kann) ... noch nachträglich abstempelung seiner schuldverschreibungen erlangen gesetz betr. d. inhaberpapiere m. prämien § 5; dem gutgläubigen besitzer gegenüber (war er nicht) dazu (zur klage) berechtigt Jhering geist d. röm. rechts 3, 1, 31; (die nachprägungen) waren jedoch überdies eine betrügliche verkürzung des gutgläubigen empfängers Luschin v. Ebengreuth münzk. 125; der gutgläubige checknehmer besitzt (keinen) ... anspruch gegen den zusteller hdwb. d. staatswiss. 3, 30; wer bei der aufmerksamkeit, wie sie nach den umständen von ihm verlangt werden darf, nicht gutgläubig sein konnte, ist nicht berechtigt, sich auf den guten glauben zu berufen schweiz. ziv.-ges., art. 3; 'aus gutem glauben hervorgehend': der inhaber konnte ... nicht einmal den gutgläubigen eigenthumsbesitz sich zuschreiben Mommsen röm. gesch. 2⁶, 91. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1935), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1428, Z. 35.

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