Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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haberen, habern, häbern, adj.

haberen, habern, häbern, adj.
avenaceus, ahd. haberîn: aveninus panis haberîn brôd. Schlettst. glossen bei Haupt 5, 362, mhd. häberîn, heberîn; haberin brot, avenacius. Diefenb. 60ᵇ; ich mein es sey häbrin brot. Pauli schimpf 14;
wir essen all nit gern hebrin prey.
fastn. sp. 344, 4;
so isz ich zuckermus für (lieber als) hebrein prey.
857, 18;
und kocht bald einen habern brey.
B. Waldis 4, 66, 89;
gibt mir ein häbern brey darfür.
Ayrer fastn. 91ᵃ (2797, 1 Keller);
noch eine peyn ist hebern brot.
bergreien 80, 7;
indeme er vorhero sich die ganze woche mit milch und grobem brod behelfen, ja wann er statlich leben wolte, meiner meuder um einen häbernen brei zu füszen fallen muste. Simpl. 2, 294 Kurz; häberin strouw, häberne spreüwer, palea avenacia. Maaler 204ᵈ. häberen hechte bezeichnet bei Fischart eine nicht näher anzugebende speise aus geschrotenem oder grob gemahlenen haber, die von dem hechte nur das beiszende und stechende seiner zähne haben kann: was soll man brot zu brot brocken, mit viel häberen hechten, gsothaber, graupen und heidelbrei den magen verwollstopfen. Garg. 45ᵇ; sagten ihnen dabei, sie wären nicht werth, solche edele käszkuchen zu fressen, es thuns ihnen noch wohl ein jahr gebachen filzläusz, plaw fürz im plettlin, geröst anspinn und würtin, rossfeigen, kuhfladen, geiszbonen: oder zum besten westphalisch kleienbrot und häbere hecht. 197ᵇ. Das adj. ist jetzt in der schriftsprache zu gunsten der composita (haberbrot, haberbrei, haberspreu etc.) ungebräuchlich geworden, lebt aber noch in süddeutschen mundarten. Schm. 2, 136, Lexer 129.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 81, Z. 24.

habern, adj.

habern, adj.
s. haberen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 85, Z. 30.

habern, verb.

habern, verb.
1) haber mähen, eine bildung wie grasen gras mähen, kirschen kirschen pflücken (5, 847): aventare haberen Diefenb. 60ᵇ. — 2) aus einer andern bedeutung des verbums: habern, häbern, den pferden hafer geben Stalder 2, 8, erwächst die bedeutung prügeln, schlagen (vgl. unter haber sp. 79): so schweizer. habern, abhabern (Stalder), schwäb. happern (Schmid), schles. habern (Fromm. 4, 170), niederd. havern (Dähnert 180ᵃ).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 85, Z. 31.

heber, m.

heber, m.
in mehreren bedeutungen.
1)
persönlich, der etwas hebt, emporhebt:
musz er ewiger heber
wie Sisyphus des steins schon sein.
interim 14;
auch in uneigentlichem sinne (nach heben 5, d): heber, fautor, promotor, patronus, adjutor, propugnator, auxiliarius Stieler 805; und, nach der formel heben und legen (sp. 730): heber und leger sein, dispensatorem et primarium in domo esse. Frisch 1, 430ᶜ.
2)
verschiedene instrumente heiszen heber.
a)
bei Maaler 215ᶜ heber, hebeisen, allerlei zeüg oder instrument darmit man etwas hebt, retinaculum, vectis; sonst hebel (sp. 719).
b)
heber, elevatorium, ein chirurgisches instrument zum emporheben eingedrückter stellen eines hirnschädels. Frisch 1, 430ᶜ; sonst hebeisen (sp. 719).
c)
heber, der hebearm in pochwerken, stampfmühlen und hammerwerken. Jacobsson 2, 239ᵃ.
d)
heber, ein werkzeug der gärtner zum ausheben von pflanzen aus der erde; bildlich: ist diese blume mit dem melonenheber des todes oder schicksals aus meinen biographischen beeten ausgestochen und versetzt. J. Paul Hesp. 3, 24.
e)
heber heiszen dem bortenwirker die zwei schnüre, welche unter alle eingelesenen wellenkorten eines bortenwirkerstuhls unterzogen werden. Jacobsson 2, 241ᵃ.
f)
am gewöhnlichsten heiszt heber ein werkzeug zum heben von flüssigkeiten aus dem fasse: heber, sipho, tubulus doliaris Stieler 805.
3)
der anatom nennt heber den elevator musculus, den hebemuskel der lippen, der augenlieder u. a.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,II (1877), Sp. 732, Z. 10.

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Zitationshilfe
„häbern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4bern>, abgerufen am 28.10.2021.

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