Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

häckerling, m.

häckerling, m.
klein gehacktes oder geschnittenes stroh. das wort scheint ein neueres zu sein, vor dem ausgange des 16. jahrh. kann es nicht belegt werden; auch hat es wol ursprünglich in beschränktem örtlichen gebrauche gestanden, der gemeine mann in Süddeutschland braucht es auch heute noch nicht. für häckerling schiene ohne das eingeschobene r natürlicher häckling oder häckeling als product der hacke, weil das stroh zu viehfutter früher nicht geschnitten, sondern gehackt ward (vgl. häcksel und hackstroh); aber mit gleichem hinzugetretenen r nennt man heiderling den schwamm, der auf der heide wächst, agarius campestris; mit der nachsilbe -ling werden sonst die namen gewisser speisen, namentlich schwämme, äpfel und kuchen gebildet (gramm. 3, 376. 462. 782). vom hexel oder heckerling. Colerus hausb. 3, 201 (die vorrede ist von 1596); häckerling paleae ex frugum culmis consectae. Stieler 732; oder wenn meine frau die fässer ein wenig mit frischen brunnwasser wolte füllen lassen, es hätte aber ein schabernäckischer nachbar heckerling in den brunnen geschütt, dasz also die leute früh lauter heckerling im bier finden; würde mir disz nicht eine ehre sein? Chr. Weise erzn. (1680) p. 187;
jene lief in die scheune, wo Thoms mit gewaltiger arbeit
häckerling schnitt.
Voss Idyll. 16, 154.
häckerling dient vorzüglich als pferdefutter: dem pferde futter mit häckerling mengen. Stieler 732; heckerling fressen. Chr. Weise erzn. 226; alles ist nützlich, meine herren, alles; dornen und disteln, spreu und häckerling. Wieland 8, 67; häckerling und haber können nicht verschiedner von einander sein, mein gutes pferd. Lessing 10, 211. da das wort ein collectivum ist, so ist ein plural selten: heckerlinge zu schneiden. Claudius 7, 174. In redensarten ist häckerling das sinnbild einer wenig werten, geringen und leichten sache:
der mann, der das wenn und das aber erdacht,
hat sicher aus häckerling gold schon gemacht.
Bürger 67ᵃ.
der mensch hat häckerling im kopfe (Serz 61) sagt man von einem dummen, wie sonst er ist ein strohkopf. häckerling wird gefallenen mädchen am hochzeitstage vor die thür gestreut:
das kränzel reiszen die buben ihr
und häckerling streuen wir vor die thür.
Göthe 12, 188.
vgl. unter haberfeldtreiben oben sp. 82. Stieler 732 will häckerling auch in der bedeutung gehacktes fleisch oder gemüse kennen; das würde wie holländ. haksel sein, das auch geschnittenes stroh und gehacktes fleisch bedeutet.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 106, Z. 2.

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Zitationshilfe
„häckerling“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4ckerling>, abgerufen am 28.10.2021.

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