Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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hagen, m.

hagen, m.
ahd. ags. hagan paliurus, mhd. hagen; in mehreren bedeutungen. über das etymologische s. bei hag sp. 137. zu der ursprünglichen form hagen haben sich, ganz wie bei hafen (sp. 121) mehrere nebenformen des wortes ergeben, zunächst der hägen (hinter dem hägen. Simpl. 3, 324 Kurz), was auf eine frühere form hagin neben hagan, nachgewiesen bei Graff 4, 798 geht, und dann der hage, des hagen: indago ein hage voc. ex quo v. 1469; frutectum sprêdehage amd. glossen, German. 9, 21; septum naturale gröner dôrntûn, hage, knick Chytraeus cap. 9 am ende; dem der hage zugehöret. weisth. 3, 309; auch ags. haga, gen. hagan, wo das schlieszende n des wortes als der schwachen declination zufallend angesehen und daher abgestoszen ward. hierdurch ist auch die formelle vermischung mit hag angebahnt, indem hagen durch hage zu hag so gut verkürzt werden konnte, wie hafen durch hafe zu haf (sp. 121). die eng verwandte bedeutung beider wörter erleichterte diese vermischung, die auch in compositen hervortritt (hagedorn und hagendorn). eine dritte nebenform mit ausgefallener gutturalis, hain, die im nhd. das ältere hagen namentlich in der bedeutung 5 verdrängt hat, wird an der betreffenden stelle abgehandelt.
Bedeutung.
1)
die des dornbusches, der dornruthe waltet ahd.: hagan paliurus, ligna spinosa Graff 4, 798, sowie mhd.:
dô nâmen si den dorn unt den hagen,
dô wart der herre mite geslagen
vil wunderlîchen sêre.
warnung 3569 (Haupt 1, 535);
wand iesâ sô der sûre hagen
in alsô süeʒem grunde
gewurzelt zeiner stunde,
man wüestet in unsanfter dâ
dann in der dürre und anderswâ.
Trist. 449, 12.
nhd. scheint diese bedeutung an dem einfachen worte nicht bezeugt, aber an hagenbaum noch haftend; unsicherer bei andern wörtern deren erstes glied hagen ausmacht, hagendorn kann zwar eine jener tautologischen compositionen sein wie haberbock, haderlumpen u. a., und wäre dann von hagedorn, als dem dorn der zu zäunen verwendet wird, dem sinne nach ursprünglich geschieden gewesen, es kann aber ebenso gut auf hagen in der bedeutung zaun (no. 2) zurückgehen. ähnlich sind zu beurtheilen hagenbuche und hagebuche, hagenbusch und hagebusch.
2)
hagen bedeutet den lebendigen zaun, der ja vorzüglich aus dornichtem gebüsch angepflanzt wird, hat also ganz den sinn von hag 1 (sp. 137), mit dem es auch wechselt
ein blüthenhaag war seine lust.
einst sah die frau ihn sinnend stehen,
und ganz versunken, unbewuszt,
so zweig an zweig vom strauche drehen;
in gottes namen, rief sie, mann,
du ruinirst den ganzen hagen!
Droste-Hülshoff ged. 225;
wann wir das gelt verprassen, so ziehen wir auf den bettlers hage, und laufen cum sacco per civitatem. de generib. ebrios. 24; folgends schliche ich auf dem markt herumber wie ein fuchs hinter dem hägen, wann er auf hüner oder gänse lauret. Simpl. 3, 324 Kurz; sie (die karrer) hatten hinter hägen und in winkeln ihre örter, wo man ihnen die gestohlenen säcke ablegte. Pestalozzi (1819) 2, 280, er setzt zu hägen erklärend hecken. solche hagen umgaben das besitzthum des einzelnen, aber auch ganze ortschaften, ferner feldgrundstücke (vgl. knick 3, th. 5, 1416):
so wie vor ihm die festen brücken nicht,
und nicht die hagen grüner kämpe stehn.
Bürger 159ᵇ;
gesagt, gethan! der wildgraf schwang
sich übern hagen rasch voran.
70ᵇ;
nun schlüpft er durch des hagens loch,
nun hing er an den dornenzwecken.
Droste-Hülshoff ged. 214.
auf der geest und im Lippeschen hâgen. Fromm. 3, 285. 6, 210. in folgendem ist hagen vom zaune ausdrücklich und scharf unterschieden: ich frage, wenn einer einen neuen hagen pflanzen wolte, da niemals kein hage gestanden, wie er das machen soll, dasz er seinem nachbaren nicht zu nahe gepflanzet? weisth. 3, 309 no. 19; wie soll man bei hagen umgehen, wenn sie einem zu nahe wachsen? das. no. 20; der zaun besteht dagegen aus gesteckten ruthen. das. no. 21. Rechtssprichwort: dem der hagen, dem ist auch der graben. Pistorius 1, no. 30, s. 51, der graben der mit dem das eigenthum einfriedigenden zaune meist verbunden ist.
3)
an die vorige bedeutung von hagen lehnen sich zwei andere an:
a)
hagen, namentlich in norddeutschen quellen, heiszt die zum schutze und zur vertheidigung um einen platz oder ein heerlager gezogene einfriedigung (wie hag 2, was mit hagen auch wechselt): unde tobrêken de torne unde de mûren in de grunt, unde fulden de graven unde den hagen de darumme gyngk, mit steinen unde mit erden. script. brunsv. 3, 388; aber die Samen hatten einen starken hagen von grossen beumen und ricken vom seestrande an bis an das frische haff gemacht. Henneberger 413, nach folgendem:
dâ was ein vil grôʒer hagen
von den Samen vor geslagen,
der was grôʒ unde dicke,
dâ enwâren nicht kleine ricke,
dâ wâren boume sô grôʒ,
daʒ sît vil manigen verdrôʒ.
sie wâren sô gevellet,
daʒ eʒ was gestellet,
sam eʒ wære ein bolewerc.
livl. chron. 3967
diese verschanzung heiszt hac 3982. 4065;
sît satzten sie sich zuo der wer,
sie verhageten die wege,
grôʒ und cleine in stæter pflege.
die hagene machten sie sô grôʒ,
daʒ manigen kristen sît verdrôʒ.
7322.
vergl. mittellat. haia militaris vallus Du Cange v. Hentschel 3, 614ᶜ; ags.
syđđan Hrêđlingas tô hagan þrungon.
Beov. 2961, vorher 2951 fästen genannt.
b)
hagen ist auch die umzäunung eines waldes, worin wild gehegt wird: indago ein hage voc. ex quo v. 1469; ferner das zur hege von vögeln angelegte zaunwerk, vogelhecke: aviarium ein hagen Trochus R 3ᵇ. rehhagen nennt der jäger den mit mehreren öffnungen versehenen wildzaun, an dem das wild beim fluchtversuche durch diese gefangen wird.
4)
hagen der umhegte ort (wie hag 3, sp. 138), er mag stadt, dorf, oder einzelgut sein:
dâ mite kêrten sie ze hant
vür einen hagen, der ist genant
Carmele, mit mannes craft.
livl. chron. 6198.
in der grafschaft Schaumburg liegen sieben dörfer, die sieben freien hagen: in den 7 freien hagen. weisth. 3, 307; dafür: auf die 7 freien häger. das.; in Niederdeutschland heiszen hagen auch theile eines ortes, die von einerlei gewerbe oder familie, also von geschlossenen körperschaften bewohnt werden, vgl. gassennamen in Greifswalde wie Schüterhagen, Schôhagen, in Stralsund Bielkenhagen (Dähnert 168ᵇ), in Braunschweig Rosenhagen, was allerdings auf eine corporation zielt, deren glieder ein mittelalterlicher liebhaber nur im feuer der leidenschaft süeʒiu rôse nennen konnte. im obern Innthale bezeichnet haͦg und haͦgen den umzäunten platz vor der sennhütte. Fromm. 5, 445; im ags. haga das einzelne haus, wie es durch zaun vom nachbar abgegrenzt ist: se haga binnan port þe Ägelrîc him sylfan getimbrod häfde. Thorpe diplom. (1865) s. 355. daher ist hagen theils einfach, theils in zusammensetzungen ein häufig begegnender ortsname (Förstem. 2, 628. Schambach 71ᵃ).
5)
hagen in der erweiterten bedeutung gebüsch, gehölz, gehege, wie hag 4: belg. een hegge oft hage dumetum Calepinus 454; nhd.
da gundten alle thier erschrecken,
sprachen: da seindt vil feindt, im hagen
haben ihr läger angeschlagen.
B. Waldis Esop 2, 2, 11.
für diese bedeutung hat sich schon seit dem 16. jahrh. die gebräuchlichere form hain ergeben.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 149, Z. 66.

hagen, m.

hagen, m.
taurus. obwol dieses wort rücksichtlich der wurzel und bildungssilbe ganz gleich dem vorigen ist, so ist seine gesonderte aufzählung geboten, weil wahrscheinlich schon von sehr alter zeit her die deutsche sprache die identität beider wörter nicht mehr fühlte. hagen der schlagende, stechende war dort auf den dornstrauch bezogen, hier auf den stier, sei es, dasz die waffe des stiers, seine hörner, hierbei in anschlag kamen, sei es dasz schlagen hier auf die geschlechtliche thätigkeit deuten sollte, denn beschlagen wird in diesem sinne mehrfach von thieren gebraucht 1, 1572. in bezug auf die letztere annahme deuten spuren darauf hin, dasz hagen auch von andern thieren galt, dasz es vielleicht einmal den allgemeinern sinn männliches thier überhaupt hatte: so wird im Ring 4ᵈ, 28 Hagen als eigenname eines esels verwandt; eine im suffix verschiedene, in der ursprünglichen bedeutung gleiche ableitung derselben wurzel geht in der form haigel, heigel (aus hegil, hagil) in Schwaben auf den zuchtstier (Schmeller, Birlinger), mit ihr berührt sich nahe hekkel in Ulm ein eber (vgl. jedoch hacksch sp. 107); auch das männchen vom salm wird haagen genannt (Hohberg 3, 2, 302ᵃ), was allerdings auf den hakenförmigen schnabel des letzteren bezogen wird, wofür die schweiz. form haggen, haaggen (Stalder 2, 11) sprechen könnte. Belege: so denne von den selgüttern sol man han eber und ochs, das ist ein hagen oder ein pfar. weisth. 1, 665; schweiz. hagen zuchtochse Stalder 2, 10; für hagen erscheint die gekürzte form hage, hag: hag oder herdfarr initor bos Dasyp.; schwäb. hag Schmid 253. die form hagen tritt in den landstrichen, die die gekürzte form verwenden, in compositen wieder hervor, namentlich in hagenschwanz ochsenziemer Schm. 2, 162.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 151, Z. 46.

hagen, verb.

hagen, verb.
in zwei bedeutungen.
1)
einen zaun machen: hagen, zeünen, sepire Maaler 207ᵃ; als inen die hofgüter usgezeichnat sint mit marksteinen, darinnen sond sie holtz howen ze brennen, ze hagen, ze buwen an dem hof. weisth. 4, 500; schwäb. hagen, die lebendigen zäune, das haag ausbeszern. Schmid 254. häufig in der jägersprache, hier bedeutet es einen wildzaun anlegen: das recht einen wald mit einem gehäge einzufangen, welches man die gerechtigkeit des hagens oder einen haag ins holz zu schlagen, eine gehägte wildbahn zu machen, zu nennen pfleget. Heppe jagdlust 3, 768;
solt ich dô gân hagen
und verbinden mîniu seil,
so wird mir lîhte ein wilt ze teil.
Laszberg liedersaal 2, 297, 168.
vielfach ist hagen in verbindung mit jagen genannt: wer darin zu hagen und zu jagen habe mit recht. weisth. 2, 28; zu hagen und zu jagen hat niemants anders zu thun, dan m. gn. herr von Trier oder seiner gnaden ambtleut. 29; wer mag jagen, der darf auch hagen, qui jus habet venandi, ille etiam jus habet eingendi silvam. Pistorius 5, no. 55, s. 359; soll ein landmeyer wissen, ob er, so er zu jagen gerechtigkeit hat, auch zu hagen macht habe. Sebiz feldbau s. 561;
ich hân gehaget und wil jagen.
Laszberg liedersaal 3, 637, 7,
mit hetzen, beiszen, jagen,
mit pürschen, garnen und mit hagen.
Fischart ritter v. Stauffenberg;
wann man also hagt, jagt und hetzt,
so wird das jagen recht geschätzt.
das.;
transitiv gesetzt:
do wil man jagen hirsch und hassen,
do hagt, verstockt man garten und wassen (rasen).
Thurneisser archidoxa (1575) 30.
2)
vollständig geschieden von der vorigen ist die andere bedeutung von hagen placere, convenire. das einfache hagen in diesem sinne ist selten, meist gilt dafür behagen (1, 1318). die entwickelung der besonderen bedeutung kann das altnord. erklären: ist dort das masc. hag-r = lage, stellung, verhältnisse, so lehnt sich das nur an die sinnlichere vorstellung des eigenen besitzthums, des umschlossenen eigenen landes oder landgutes (s. hag no. 3); die abgezogene bedeutung entwickelt das verbum haga weiter, es hat den sinn anordnen, einrichten, veranlassen, hagar heiszt es paszt sich, ziemt sich (Möbius gloss. 158). dem gegenüber hat das deutsche hagen in noch eingeschränkterer weise nur es paszt mir, gefällt mir, auszudrücken. Die construction ist entweder
a)
wie bei gefallen unpersönlich, mit dem dativ der person:
also et gode wolde hagen.
script. brunsv. 3, 65, 1;
da sein auch meine hertzliebesten kinder:
nun sage, ja sage, wie hagen sie dir.
Rein. fuchs (Rostock 1650) 242,
ich legt an mein rohr geschwinde,
in dem hu
schosz ich zu,
das hagt dem kinde.
Rottmann lust. poet. 248;
obs gleich uns nicht thut hagen.
herl. triumphwagen 12.
b)
oder persönlich, in dem sinne zufrieden sein:
Wolfdietrich in dem orden, also ich uch bescheiden will,
nit wol begunde hagen, da man die spise rich
begunde für tragen und sie teilte so gar ungelich.
daʒ begunde in erbarmen.
d. grosze Wolfdietrich 2128.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 151, Z. 74.

hägen, verb.

hägen, verb.
s. hegen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 152, Z. 59.

hegen, verb.

hegen, verb.,
ahd. hegjan in umpi pihekit circumseptus, untarhekit v. untarzûnit intersepta (Graff 4, 761), mhd. hegen; ags. hegian, engl. hedge, fries. heia, nl. heghen und hegenen (Kilian).
1)
mit einem hag oder einer hege umgeben, umzäunen: hägen, hegen, sepire, obsepire, munire sepimento Stieler 726; vortmer so hant die hubener reicht in mins herren walt von Colne daʒ si hegessal (zaunstecken) sullent hauwen, daʒ si unser herren garten hegen sullent. weisth. 2, 221; niederdeutsch in bezug auf eine burg, nach hag 2, a spalte 138: de borch beheilt und hegede keiser Heinrik. deutsche städtechron. 7, 8, 15 (Magdeb. schöppenchron.); in bezug auf wiesen: etliche wiesen haben heurecht, die .. müssen, wenn sie gemähet, zur hut und trifft offen bleiben; andere haben gartenrecht, die mögen nach belieben gehäget werden. öcon. lex. (1731) 2673. das hegen der wiesen geschieht gewöhnlich nur bildlich, indem statt des vollen um die wiese gezogenen zaunes eine stange mit dorngestrüpp oder stroh am eingange der wiese aufgesteckt wird, vergl. hegewisch. — hegen sepire sonst in bildlicher verwendung:
liebliche hügel hegen
das angenehmste thal.
Wieland 5, 140 (n. Amad. 17, 17).
2)
der kampfplatz wird gehegt, abgegrenzt und eingefriedigt:
der ritter sachen nun durch waffen auszzutragen,
so wurden also bald die schranken aufgeschlagen,
und viereckt abgetheilt, der kampfplatz ward gehegt,
zwo weite pforten auch gebawet, wie man pflegt.
D. v. d. Werder Ariost 26, 38, 3.
Gleicherweise grenzte man ab und befriedigte die unter freiem himmel gelegene gerichtsstätte, von welchem ältesten gebrauche, auch nachdem dieser längst sich verloren hatte, die rechtsausdrücke gericht hegen, ding hegen (2, 1165), bank, gerichtsbank, dingbank (1, 1108), urtheil, recht hegen in anwendung blieben (mhd. beispiele bei Lexer mhd. wb. 1, 1205. 1206), die um so eher in den bloszen sinn von gericht halten, ding halten aufgehen konnten, als hegen auch sonst begrifflich dem halten sich manigfach nähert (vgl. unten no. 6. 7 und namentlich 10): und fragt den schultheiszen, were es zit das gericht zu halden, dasz her es dan anhube? do wart gewiset, es were zit. also heget der schultheisz das gericht von siner hern von Frankfurt wegen. weisth. 3, 486 (v. 1441); von wegen meines gn. herrn von Hanau .. hege ich disz markergeding und recht. 490 (v. 1493); bei irer oberkeit die das selbig peinlich gericht fürnemlich und on alle mittel zu bannen und zu hegen macht hat. carolina art. 219 (der der ausdruck sonst fremd; spätere ausgaben haben den durchgehenden druckfehler bauen und heben); gott hat in dem menschlichen herzen ein innerlich geheimes gericht geheget, das ist das gewissen. Otho 992; sollten ihn abbitte .. vor der gehegten dingebank thun lassen. maulaffe 228; hofschulze, sagte der bauer, .. kommt also nur immerhin zum stuhl, denn das gericht musz gehegt werden auch ohne dieses (das vermiszte schwert des freigrafen). Immermann Münchh. 4, 52; in der tautologisch gewordenen verbindung hegen und halten: damit sie nicht der menschen, sondern gottes gericht hegeten und hielten. Mathes. Sar. 22ᵇ;
nach vieler meinung ruckt der grosze tag herbei,
an dem der höchste vogt soll recht und urtheil hegen.
Opitz 1, 33;
wann dasz dein scharfer spruch ergeht,
und du das recht im himmel hegst,
so musz der erdenbaw erschrecken.
psalmen s. 145 (nach ps. 76, 9: wenn du das urtheil lässest hören vom himel);
es ist der herr, der urtheil hegt
dem volke dasz die erde trägt.
s. 12;
vermumtes unrecht sitzt
nun auf gehegter bank.
E. Hanmann, anm. zu Opitz' poeterei s. 237;
doch darf man in der stadt kein offen blutrecht hegen.
A. Gryphius 1698 1, 32;
M. das recht ist vor das volk, auf fürsten schleift man degen.
Th. die werden über dich zuletzt auch urtheil hegen.
1, 82;
da sollt ihr meinetwegen
vor zwölf geschlechtern Israels
bericht (l. gericht) und urtheil hegen.
Günther 28.
nach diesen formeln heiszt es auch: sothanen frieden nun banne und bege ich euch. Haltaus 774; recht und gerechtigkeit hegen und handhaben. Schm. 2, 163 (v. 1746);
dennoch hegst du kaiserrecht
über deinen treuen knecht.
Bürger 51ᵃ.
3)
hegen (nach hege 2 u. 3) von der schonung des forstes, sowie des fischwassers und der darin sich aufhaltenden thiere. zu grunde liegt die vorstellung, dasz die schonung ursprünglich durch das umgeben der geschonten örtlichkeit mit einem hag geschieht (vgl. hagen 1 sp. 152): diese gerechtigkeit zu hägen ist gröszer als die gerechtigkeit zu jagen, indem in diesem letztern fall das wild in seiner freiheit gelassen wird, zu gehen wo es will; wenn aber der wald durch niederhauung der bäume oder sonsten gehäget und geschlossen wird, kan durch hemmung des wildprets denen benachbarten .. ein schaden zuwachsen. öcon. lex. (1731) 897; confovere futren, hegen Dief. 141ᶜ; cʒu eine, der wilde tyr hegit. Magdeb. blume 1, 24; er hett die krebs im gehegten und verbotnen bach der edlen frawen zu Tornaw .. heimlich gefangen. Kirchhof wendunm. 102ᵃ; ein fischer welcher ... den fischreichen flusz zu hegen und zu fischen hatte. maulaffe 151; wild aller art ... zu hegen und zu pflegen. Braun bilder aus d. deutsch. kleinstaaterei 2 (1869) 231;
das ist der will des herren mein,
das ich im häg vil hirsch und schwein.
Schwarzenberg 138ᵇ;
sein trinken führt der bach; der wilde forst, der hägt
ihm was auf seinen tisch.
Fleming 130, 76 Lappenberg;
in einem bilde:
wunsch ist ein armer jäger,
ein unglückhafter häger,
hägt stets, doch ohne fang.
Schnüffis mirant. flötlein (1682) s. 25.
4)
von hier aus wird hegen auch gesagt:
a)
vom unterhalt und pflege von hausthieren: er hägt hunde, canes alit. Steinbach 1, 667; ihr wünscht allein zu sein und tauben zu hegen. Scheffel Ekkehard (1868) s. 105;
(ein hun ..) mit guter gersten gar wol hegt.
B. Waldis Esop 4, 53, 3;
das wild, das hausvieh so man hegt.
Opitz psalmen 270;
und daran anknüpfend, bildlich und sprichwörtlich: er heget eine schlange im busen, anguem in sinu fovet. Stieler 726.
b)
von der pflege eines gartens, einer anlage, und der pflanzen darin: der gottselige fürsatz, den wir itzt haben im herzen, ist eine ausländische, rare blume, welche es gleichsam wider seinen willen häget und träget, die bösen lüste aber sind seine natürliche gewächse. Scriver seelensch. 1, 79; möge .. eine löbliche bürgerschaft von Bingen diese anlage schirmen, durch eifriges nachpflanzen und sorgfältiges hegen ihr, zu nutz und freude so vieler tausende, nach und nach in die höhe helfen. Göthe 43, 281;
wir haben nun vernommen,
was für ein güldnes land du hier hast überkommen,
das Ceres düngt und baut, Pomona liebt und hegt.
Fleming 171, 11 Lappenberg;
... garten zier und pracht,
die tausend blumen hegt.
Rist Parn. 488;
dieser arten
blumen sinds, die ich will hegen
in dem garten.
Rückert 385.
bildlich: ew. durchlaucht haben seit jener zeit so viel nützliches und angenehmes gepflanzt und gehegt. Göthe 37, 5.
c)
häufig in neueren quellen von der pflege und dem sorgfältigen unterhalt einer person: also sol ein fürst ein Ludewig sein, das ist, trost und zuflucht der leute. item, heger, darumb, das er sol hegen, befrieden, schützen, und behüten, sein land und leute. Luther 5, 154ᵇ;
dasz sie so schwer am vater sich vergingen,
ihn durften sie in diesem berge hegen
bis er gestorben.
Tieck 13, 145;
in der verbindung hegen und wegen, niederdeutsch: dat kind heegen un weegen, für das kind in alle wege sorgen. Schütze 2, 119; hochdeutsch hegen und pflegen: einen armen, alten, schwachen ehekrüppel musz ich schon mehrere jahre nur so hegen und pflegen. Göthe 11, 309; darum hatte frau Hadwig den alten herzog in Schwaben genommen, ihrem vater zu gefallen, hatte ihn auch gehegt und gepflegt, wie es einem grauen haupt zukam. Scheffel Ekkehard (1868) s. 3; wiewohl .. Berchta ihn in der gefangenschaft hegte und pflegte wie ihren herrn. s. 75;
das pfäfflein, das wuszte sich besser zu hegen,
und weidlich am tisch und im bette zu pflegen.
Bürger 66ᵃ;
sie hegt und pflegte mich; sie putzte mich heraus.
106ᵇ;
mein altes glück ...
mich hats von jugend auf gehegt, gepflegt.
Göthe 9, 341;
auch in der verbindung hegen und fördern, nicht auf leibliche pflege, sondern auf die der gesellschaftlichen beziehungen angewendet: durch gesellige verbindungen wuszte man sich zu hegen und zu fördern. 30, 196; in welcher bedeutung auch hegen in folgender stelle:
hat eine sich den helden nun
beinah herangepflegt,
so kann die nachbarin nicht ruhn,
die ihn gesellig hegt.
Göthe 1, 150.
d)
abstracter, von der pflege guter oder böser eigenschaften: man soll das böse nicht hegen, mala non sunt fovenda. Stieler 726; man musz der knaben boszheit nicht hegen, in malitiis puerorum connivendum non est. das.; die schwache seite des lieben vaters zu hegen. Göthe 26, 17; bei seinen groszen verdiensten hegte und pflegte es (das 18. jahrhundert) manche mängel. 53, 162; älter auch von der förderung und unterstützung eines aufruhrs: die selben die den auflauf gemachet und geheget haben. d. städtechron. 3, 333, 5 (urk. Karls IV von 1349).
5)
hegen nicht sowol auf pflege und unterhalt, als auf gewährung einer herberge bezogen: hegit ein man roubir, so daʒ sy von im und cʒu im reitin. Magdeb. blume 1, 53; hegit und houʒit ymant einen notzcog. 1, 54; daʒ er dy rouber houʒit und hegit. 1, 115; die so lose leute hausen, hegen, aufhalten oder koppeln. Walter ditm. chron. (1683) s. 168; auch wollte der bund nicht leiden, dasz ein unterthan des stiftes einen auswärtigen befehdete, und wer es thäte, den sollte niemand hausen noch hegen. Möser osn. gesch. 3, 204; ich könnte nicht so viel leute um mich hägen, non amo conversationem tot hominum. Steinbach 1, 667; wer diebesgesindel seines nutzens wegen hegt. allg. preusz. landrecht theil 2, tit. 20, § 1223.
6)
daher hegen in sich schlieszen, enthalten, bergen:
dann unser land ist durch und durch verheeret:
es heget nichts als schrecken der stets wehret.
Opitz psalmen s. 143;
alles hat sich schon geleget,
was wald, luft und wasser heget.
alles braucht sich seiner ruh.
Fleming 299, 30 Lappenb.;
von allem, was die insel heget,
ist dieser ring mein höchstes gut.
Schiller ring des Polykrates;
siehst du eine hütte im walde frei,
weiszt nicht ob sie dir ein liebchen hegt.
Göthe 5, 70;
ich bring ihn (den krug) zu und wünsche laut,
dasz er nicht nur den durst euch stillt;
die zahl der tropfen, die er hegt,
sei euren tagen zugelegt.
12, 56;
trauteste, weil ja im raum das schiff noch speis und getränk uns
hegt, sein hier uns die rinder verschont.
Odyssee 12, 321;
und dennoch wohl uns, wenn die asche treu
den funken hegt, wenn das getäuschte herz
nicht müde wird, von neuem zu erglühn!
Uhland ged. 119.
von gefühlen und anschauungen: wollust hegt unlust. Schottel 1115ᵇ;
wie grosz wird dort (im jenseits) die wollust sein,
die gahr nichts eitles heget.
Rist himl. lied. 5, 339;
was auf erden, was in lüften
lebensodem in sich hegt.
Bürger 1ᵃ;
hoffart heget nicht vernunft; wer aus hoffart wen veracht,
dessen lacht man, wie es brauch, das man eines narren lacht.
Logau 3, 230, 66;
vernunft und liebe hegen jedes glück,
und jeden unfall mildert ihre hand.
Göthe 9, 348;
was dir an freuden hegte dieser ort,
das hast du, mein ich, ziemlich ausgekostet.
Lenau Faust 118.
hierher auch:
ihm (gott) ziemts, die welt im innern zu bewegen,
natur in sich, sich in natur zu hegen,
so dasz, was in ihm lebt und webt und ist,
nie seine kraft, nie seinen geist vermiszt.
Göthe 2, 228.
7)
die entwickelung der bedeutung lange zeit führen oder haben, bewahren, von persönlichem subject gebraucht, wird schon für das mhd. durch zahlreiche beispiele belegt (Lexer 1, 1206); den begrifflichen zusammenhang mit halten (II, 3 sp. 290) betont die allitterierende verbindung halten und hegen: warum freust du dich nicht auch einmal mit freunden, die frieden halten und hegen? Göthe 17, 106; zugleich aber ist jedem geboten für sich zu behalten und zu hegen was man ihm als bescheid zu ertheilen für gut findet. 22, 5; ähnlich haben und hegen: das ist die wahre liebe, und die habe und hege ich im herzen zu dir, mein Oswald, wie sie nur ein mädchen haben und hegen kann .. und habe sie gehabt und gehegt immerdar. Immermann Münchh. 4, 80. die anwendung des verbums in diesem sinne geschieht gewöhnlich in bezug auf kostbarkeiten: ich habe einen jungen mann gekannt, der eine stecknadel dem geliebten mädchen, abschied nehmend, entwendete ... und diesen gehegten und gepflegten schatz von einer groszen, mehrjährigen fahrt wieder zurückbrachte. Göthe 21, 222; ferner in bezug auf lehren, wissen, gefühle, tugend und laster: dergleichen müsziggang heget nur laster. Butschky Patmos 594;
wer übels übet oder hägt,
desz gleiche schuld ir yeder tregt.
Schwarzenberg 122ᵇ;
es sind warhaftige dinge, so ich erzehle, welche, wie sie klar und gewis, also hegen (bewahren im gedächtnis) sie wenig diejenige, die hie irrwegig erfunden werden. Schuppius 777; dasz man nicht allein .. die lehre verdammte, sondern zugleich mit eins den, der sie hägte, ohne die geringste abmahnung, in den bann that? Lessing 8, 372; hast ihre (der mutter) märchen und anekdoten wiederholt vernommen, und trägst und hegst alles in frischem belebenden gedächtnis. Göthe in Bettinens briefen 2, 236;
schawt dasz ihr disz im herzen heget.
Opitz ps. s. 16;
das alles hegt in feinem herzen!
Göthe 11, 324;
aber der sänger hascht im fluge die zartesten strahlen,
eint, und hägt sie in treuer brust und rettet mit liebe
sie noch dem fernsten geschlecht in ewig lebenden tönen.
Pyrker Tunis. 9, 405;
hegst im herzen du die stunden
unsrer kindheit noch, die träume?
Chamisso ged. 188 (der neue Ahasver);
friede, sorgfalt, freude, wohlgefallen, bewunderung hegen:
hinweg mit allen freuden,
die man in disem leben hegt.
Rist himl. lieder 5, 331;
liebe hegt den fried und friede mehrt das lieben.
Parn. 489;
sie dürfen hand an diese legen,
die friede doch mit ihnen hegen.
Opitz psalmen s. 105;
ich hege alle hochachtung für die verdienste des Thomasius. Hagedorn 1, 112 anm.; ich erkenne mit demüthigem danke die gnade, welche sie bei dieser gelegenheit auf eine so vorsichtige (umsichtige) art gegen mich hegen. Rabener sat. 3 (1757) s. 33; kein volk hegt mehr anhänglichkeit für seine fürsten (als die Deutschen). H. Heine 6, 50; hegte sie (Rahel) doch die gröszte bewunderung für jenen besonnenen bildner des wortes. 12, 10; sehn sie denn nicht, dasz ich die zärtlichste sorgfalt für ihre gesundheit hege? Kotzebue der wirrwarr a. 1, sc. 6;
noch kenn ich jeden baum,
wo ich vor so viel jahren
gehegt den jugendtraum,
der scheu dahin gefahren.
Lenau neue ged. 116;
gesinnung, meinung, ansicht, vermuthung, hoffnung, wunsch, zweifel hegen; hoffnung hägen, alere spem Steinbach 1, 667; welche hoffnung magst du hegen von einem menschen, dessen kopf das herz verschlungen hat? Kotzebue vielwisser a. 2, sc. 2; die wenigen zweifel, die meine freundin noch hegte. Göthe 20, 182; drum ist mir sehr vonnöthen, dasz ihr eine gute meinung von mir heget und behaltet. Immermann Münchh. 4, 62;
der so viel herz in seiner brust,
als Julius sein vater heget,
mehr sanftmuth aber bei sich träget.
Lohenstein Arm. 2, 511ᵇ;
dein liebster war ein junges blut,
und junges blut hegt wankelmuth,
wie die aprillenzeit.
Bürger 47ᵃ;
ihr feinde zittert! unser heer
hat kriegeskunst und muth,
ist schneller mit dem mordgewehr
und hegt der väter blut.
Ramler 1, 105;
wer einen jugendfunken
noch hegt in seiner brust.
Uhland ged. 409;
sie hegen zwischen sich den zweifel,
ihr miszgestaltet zwitterkind.
Göthe 41, 15;
zorn, groll, hasz, abscheu, mistrauen hegen: sie hägen zorn mit einander, ira est inter illos. Steinbach 1, 667; hasz gegen einen hägen, odium habere in aliquem. das.; so möchte ich ihnen denn doch .. etwas von dem thurme erzählen, gegen den sie ein groszes misztrauen zu hegen scheinen. Göthe 20, 209; so hegte er doch einen unergründlichen groll gegen die reichen. Heine 12, 37;
die nachbarn hegen zank und strausz.
Opitz psalmen s. 156;
da der herr (gott) noch hegte zorn.
Logau 2, 141, 7;
wie seelig lebt ein frei gemüthe,
das weder list noch rachgier hägt.
Günther bei Steinbach a. a. o.;
häget des muthigen volkes hort den nagenden unmuth
auch in der tapferen brust?
Pyrker Tunis. 10, 23;
liebe, zuneigung hegen: mein liebes-feur, das ich hegte. Simpl. 3, 18 Kurz;
lieben hat selten viel flammen geheget,
so sich ausz asche des alters erreget.
Logau 3, 28, 29;
dann wilder thiere zunft
hegt nur zu mancher zeit der süszen liebe brunft.
3, 33, 64;
wir hegen lieb und glauben
einfältig gleich den tauben.
Voss poet. werke (1835) 168;
sogar einen eid hegen, ihn aufrecht, heilig halten:
des eides kraft wird stets geheget
den er dem Isaac abgeleget.
Opitz psalmen s. 198.
8)
anknüpfend an diese bedeutung von hegen (7) steht das wort bei Göthe mehrfach freier; so von liebenden die gegenseitig bild und andenken im herzen bewahren:
sie hegten einander im herzen.
1, 222;
nun aber die schöne,
die dich am herzen hegte?
3, 156;
und wol unter anlehnung an Götheschen sprachgebrauch bei Chamisso:
suchst redlich du die wahrheit, die vielen so verhaszt,
so sei dem gleichgesinnten ein liebgehegter gast!
gedichte 242;
vom haften lassen der blicke an einem gegenstande:
der künstler froh die stillen blicke hegt,
wo leben sich zum leben freundlich regt.
Göthe 3, 138;
auch vom festhalten, nicht wanken einer person an einem gegenstande:
ihr hegt euch an verderbtem herzen.
41, 16;
untereinander gemischt standen bergbewohner, die zwischen felsen, fichten und föhren ihre stillen wohnsitze hegten, flachländer von hügeln, auen und wiesen her, gewerbsleute der kleinen städte und was sich alles versammelt hatte. 15, 308; eine verwendung, zu der eine ähnliche schon des 17. jahrh. gestellt werden kann:
weil gottes bott dich hütt, und gar auf händen trägt,
wann nur dein wandel sich in rechten wegen hägt.
J. Rompler v. Löwenhalt 31.
9)
im niederdeutschen sprachgebiete wendete sich hegen zu der bedeutung beisammen halten, zu rate halten, sparen: sprichwörtlich de wat heget, de hett wat. Richey (1754) s. 92; ebenso Schütze 2, 119; ähnlich auch einmal bei A. Gryphius:
man sagt, wer hält, der hegt.
2, 67.
men mot de gröschens bî enander hêgen (einen zum andern legen, sparen). Schambach 77ᵃ; auch te râe hegen, zu rate halten. das.; im Waldeckschen: wei den groschken nit hêget, de is des dâlers nit werth. Curtze 339;
sobald ein tausend mark zusammen ist geheget,
und tausend noch dazu, der grund (zum reichthum) ist schon geleget.
Rachel sat. (1677) s. 33.
an diese bedeutung rührt an der gebrauch von hegen bei B. Waldis, in dem sinne aufsparen, zusammenlegen:
(die dattelkerne) all auf einen haufen hegt,
auf sein altar zum opfer legt.
Esop 3, 38, 17.
10)
wie sehr hegen seiner bedeutung nach sich halten genähert hat, zeigen namentlich die schlesischen dichter des 17. jahrh., die es bisweilen ganz gleich mit dem letzteren worte setzen und es namentlich vom abhalten von festlichkeiten, tanz, spiel und mahl brauchen (s. halten II, 6 sp. 293): nach dem diese (tafel) aufgehoben war, hegten sie zu uns allerhand geile tänze mit denen unverschämtesten stellungen. Lohenstein Arm. 1, 456ᵃ; hegten zusammen umb diese Hermanns-seule einen artlichen tanz. 1404ᵇ; zu diesem liede hegten umb den wagen des krieges die drei verwandelten jungfrauen ... auf allerhand arten künstliche tänze. 2, 511ᵇ;
ihr nymfen windet kränze,
hegt schöne lobe-tänze.
Opitz 1, 71;
auf das der musen rei um dich (fichte) heg ihren tanz.
Logau 1, 193;
er (Christus) ist um uns zu dienen
in knechts gestalt erschienen.
und als das maal geheget,
hat er sich abgeleget (entkleidet, zum fuszwaschen).
A. Gryphius 1698 2, 198.
anderweit wird hegen im sinne von halten II, 8 sp. 295 gewährt:
im himmel wirst du, lieber Christ,
erst ein gespräch, dasz freudig ist,
mit disen männern hegen.
Rist sabb. seelenlust 78;
weiter im sinne von halten II, 11 sp. 296:
weil fürsten menschen sind, die doch der menschheit bestes,
die freundschaft, kennen nicht, weil herrschaft nicht viel festes
von bund und treuen hegt.
Logau 2, 122, 15.
11)
hege, conjunctiv statt heige, habe: wir die gnossen süllent och dem gotshuse ze Lucern trühundert eiger und ein osterlam, dʒ horn und har und hoden heg. weisth. 4, 377 (Luzern 14. jahrh.). s. heige.
12)
über das verhältnis von hegen zu heien vgl. das letzte wort.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,II (1877), Sp. 777, Z. 42.

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Zitationshilfe
„hägen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4gen>, abgerufen am 27.10.2021.

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