Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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hahl, hähl, f.

hahl, hähl, f.
haken, um den kessel übers feuer zu hängen. ahd. hâhala, hâhila, hâhel cramacula Graff 4, 772; mhd. hâhel wb. 1, 610ᵃ, von hâhan hängen (sp. 157) abgeleitet. cremacula hala, hagel, hohel, hol, hael Diefenb. 156ᵇ; haal ferramentum camini Dasyp.; catena haäl, une cremaillière Frischlin nomencl. 397ᵃ. das wort, ehedem mit der einrichtung über ganz Deutschland bekannt, ist in dem grade seltener geworden, als die alte kücheneinrichtung mit dem offenen herdfeuer geschwunden ist; es findet sich noch in Hessen: hahle Vilmar 143; in Nassau hahl, hohl, höhl, hehl Kehrein 181; bair. hahel Schm. 2, 166; in Kärnthen hâl Lexer 131, und anderwärts; in den nördlichen gegenden Deutschlands hat das wort anderes geschlecht, im Göttingischen hâl masc. u. neutr. Schambach 72ᵃ, auch in Rheinfranken hêl neutr. Fromm. 3, 556.
krautmesser, saltzvas, rechen, hähel sind nit da,
zuber, schapfen, häfen, gelten, macht in graw.
Hätzlerin 43, 31;
häl und kessel viel dahin.
ring 10ᵈ, 20;
in einem stück verkehrter welt wird gesagt: so hilfst du mir den rauch ans fleisch henken und das fewer über den kessel thun und die häl an die kessel henken. Ambras. liederb. 234, 36. s. kesselhahel 5, 625.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 158, Z. 51.

hahl, hähl, adj.

hahl, hähl, adj.,
glatt, schlüpfrig, ahd. hâli, altn. hâll, mhd. hæle (wb. 1, 613ᵃ). es steht
1)
in sinnlicher bedeutung: häll, glatt, lubricus, häl und schlipferig machen lubricare Maaler 205ᵇ;
wenn einer ümb lauft in der narren weis,
so get er gar auf eim helen eis.
fastn. sp. 754, 14;
ir anschlag stat uff hälem ysz.
Brant narrensch. 110ᵇ, 8;
sîne (des löwen) clâwen wâren hæle.
Martina 181, 70;
und manches mal gesagt, wo eigne tugend fähl,
da glänze mösz für gold, des adels grund steh hähl (nicht fest).
Rompler 134.
2)
übertragen glatt, schmeichlerisch: häle, glatte oder süsze wort reden, loqui mulsa, adhibere blanditias, liebliche häle mätz oder huͦr, die ire buͦler frei hindergon kan, meretrix blanda. Maaler 205ᵇ; die kiszlingstein mit hälen worten bewegen. Wirsung Cal. C 4. In beiden bedeutungen ist das wort heute in süddeutschen mundarten verbreitet, namentlich bair. und kärntn. hâl Schm. 2, 166, Lexer 131, schwäb. häl Schmid 225, und hat manigfache weiterbildungen aufzuweisen: kärntn. hâle, bair. schwäb. häle glätte, schlüpfrigkeit; hâlizen in Baiern ausgleiten; hâlmaulat in Kärnthen glattmäulig, glatte worte gebrauchend; schwäb. hälkatze ein mensch mit falschen, glatten worten, hälschleicher leisetreter.
3)
ein anderes hahl, hähl findet sich in Niederdeutschland und durch Hessen bis ins Rheinfränkische hinein: hess. hâl und hæl trocken, mager, dürre, austrocknend, eine hale heide, hale stoppeln, hal aussehen (abgezehrt aussehen). Vilmar 145; niederd. de hâle wind der trockne wind Schamb. 72ᵃ; in Nassau ein hahler oder hohler (trockner) wind, husten Kehrein 181; es durfte nur eine düstere wolke die luft beschweren oder ein hahler trockner ostwind, so war er keines hellen gedankens mehr fähig. Wenk leben des tribunalraths Höpfner (1797) s. 39. Da das wort seiner abstammung nach dunkel ist, so kann nicht gesagt werden, ob die vorstehend angeführten drei bedeutungen auf eine gemeinschaftliche zurück gehen oder ob die no. 3 auf einer andern wurzel fuszt. das adj. hähl scheint nicht mit hehl, hehlen zu vermitteln, eher würde das altind. kal treiben, bewegen (Böhtl.-Roth 2, 150) zur vergleichung heranzuziehen sein.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 158, Z. 73.

hehl, hehl, früheres zu einem subst. masc. und neutr. gewordenesadjectiv

hehl, früheres zu einem subst. masc. und neutr. gewordenes adjectiv,
verborgen, geheim; mhd. hæle, dem ein fem. hæle verheimlichung zur seite steht (Lexer mhd. wb. 1, 1148). das wort ist eine intensivbildung zur wurzel hal, mhd. hëln verhehlen, verbergen, in dem frühere reduplication sich in eine einfache länge zusammengezogen hat (hæle entspringt aus altem hahali, wie mhd. mære berühmt aus altem mamari, lat. memor); die schon seit der mhd. periode fast ausschlieszlich erfolgte formelhafte verwendung untergräbt den freieren adjectivischen gebrauch und formt das wort zum subst. um, doch nicht ohne dasz adjectivische verwendung in recht sinnlicher bedeutung daneben mundartlich fortdauere: hal, subobscurus Alb.; in der Schweiz hähl, hehl, hel umwölkt, bedeckt Stalder 2, 11; occultus haal Diefenb. 392ᵃ (niederd. 15. jahrh.). Die formeln, in denen hehl im nhd. erscheint, sind:
1)
in den ältern quellen unpersönlich mich hat ein ding, etwas hehl, ich verhehle, verheimliche es (vgl. mich hat fremd, mich hat unbillich unter haben sp. 58): so wil ich auch sampt den meinen nicht feiren mit beten und flehen zu gott .... und unser gebet sol uns nicht heel haben, wollens anzeigen öffentlich. Luther 5, 276ᵃ; fur einem frembden thu nicht, das dich heel hat, denn du weiszest nicht, was draus komen möcht. Sir. 8, 21; was dich heel hat, das schreibe nicht. M. Neander sylloge locutionum s. 6. dieser fügung gegenüber fehlen für das fortleben des mhd. mich hât hæle eines dinges (Lexer a. a. o.) alle belege.
2)
ebenso mich nimmt hehl:
der wirt sprach aber wider zim:
nimts iuch niht hæl, gern ich vernim
waʒ ir kumbers unde sünden hat.
Parz. 467, 20;
vertraw unter tauset kaum eim,
was dich hel nimpt, behalt in gheim.
Th. Birk doppelspiler 51.
3)
aus der vorwiegend negativen verwendung der formel 1 entspringt die substantive stellung von hehl, in dem die einfache negation nicht durch kein ersetzt wird: wie sie im sinn haben, die lutherischen mit gewalt zu dempfen, wo sie es nur thun köndten, und das hat sie auch kein heel. Luther 5, 304ᵇ; das habe ich gern nachgelassen und hat mich kein hehl, dasz ein fürst und regent sei eine weltliche person. tischr. 393ᵇ; ir wesen hat sie kein heel, und rhümen ire sünde, wie die zu Sodom, und verbergen sie nicht. Jes. 3, 9; ir wesen hat sie kein heel. saufteufel (1552) A 2ᵇ. hierbei ist hehl als masc. gedacht: es hat mich keinen häl, libere profiteor, confiteor, pro mysterio non habeo, non diffiteor. Stieler 734.
4)
dem unpersönlichen gebrauche steht für die neuere zeit als gewöhnlicher die persönliche fügung ich habe einer sache oder ich habe es (dessen) nicht hehl gegenüber, eine fügung für die es schon frühe beispiele gibt (aufgezählt theil 3, 1128; vergl. auch gramm. 4, 247): die laster, die ihrer gar nicht hehl haben. Kant 6, 194. in prägnant adjectivischer stellung, mit accusativ anstatt des genitivs: man kan nichts häl vor ihm haben, nihil potest clam illum haberi. Stieler 734; ich ... werde unsere freundschaft nie hehl haben. Niebuhr leben 2, 21.
5)
auch hier ist der substantive gebrauch von hehl bevorzugt; und zwar erscheint hehl
a)
in der mehrzahl der fälle als neutrum: und welche ungerechtigkeit würde es auch nicht gewesen sein, wenn man die guten ehrlichen knechte, die es kein hehl hatten, wie in ihren schriften und sonst offenbar am tage lag, so hätte verstoszen wollen. Klopstock 12, 19; was sollen wir es hehl haben, dasz die meisten der groszen Altfranken sind; sie haben es ja selbst kein hehl. s. 170; Klärchen hatte es kein hehl, dasz sie den kniegürtel der jungfrau schon als ein stück ihrer toilette betrachtete. Thümmel 3, 282; wenn ich dessen kein hehl habe. Holtei Lammfell 11.
b)
weniger oft als masc.: ich habe des keinen hehl. Jacobi Woldemar 32; ich habe meiner reue keinen hehl. Gotter 3, 407;
gehorsam jeglichem befehl,
und seinem eigensinn,
hab ichs sonst aber keinen hehl,
dasz ich ihm böse bin.
Gleim 4, 217;
er hat es keinen hehl, dasz wir um seinetwillen
hieher berufen sind.
Schiller Piccol. 5, 1.
6)
neu ist die fügung aus etwas kein hehl machen: er macht aus seiner abneigung gegen die liberalen grundsätze gar kein hehl; ich mache gar kein hehl daraus, dasz ich ihn nicht leiden mag; die hofdienerschaft machte gar kein hehl daraus, dasz im falle des ... sieges Nassau sich auf dem rechten Rheinufer abwärts bis nach Deutz ausdehnen werde. Braun bilder aus d. deutschen kleinstaaterei 2 (1869) s. 242.
7)
die unter 5 und 6 aufgezählten beispiele lassen erkennen, wie hehl auch zu freierer substantiver verwendung in der bedeutung verheimlichung, heimlichkeit gelangen konnte: äuszerungen, wobei kein hehl und nichts arges ist. Kant 10, 122;
und wo dein (des weines) reiner nektar flieszt,
da schwindet arg und hehl und list.
Blumauer 1, 34.
in Basel wird rücksichtlich der verhandlungen in geheimer sitzung des rats hehl geboten, verschwiegenheit auferlegt; ähnlich niederdeutsch in dem hâle wesen, im geheimnis sein, in hâle im geheimen, auch in officieller sprache. vergl. unten hehlen 2, a.
8)
die mhd. formel sunder hæle, in der hæle gewöhnlich, aber wol zu unrecht, als substantives fem. aufgefaszt wird, ist auch nhd. noch gebraucht:
geselle, ich sag dir sunder hêl,
vür die wârheit daʒ vernim.
Helbling 8, 102;
swie ofte dû die sünde tuost,
als ofte dû sie büeʒen muost,
hie mit dem lîbe sunder hêl
oder dort an der sêl.
9, 17;
ich bit dich pilger sag mir on häle warumb hastu mich als fast angesehen. Aimon bog. r 1.
9)
woher kommt es, dasz es jetzo so kunter bunt, über hel und bel in der welt .. hergehet? Rein. Fuchs (Rostock 1650) 414. wenn in dieser, sonst nicht weiter zu belegenden redensart hel hierher gehört, so würde der gegensatz bel zu bellen schreien, lärmen (1, 1452) fallen und die formel das verborgene und laut verkündete betonen.
10)
ab von hehl steht der bedeutung wie höchst wahrscheinlich auch dem ursprunge nach das adj. hahl, hähl, auch hehl, hel geschrieben, über das sp. 158 zu vergleichen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,II (1877), Sp. 785, Z. 42.

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Zitationshilfe
„hähl“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4hl>, abgerufen am 07.12.2021.

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