Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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halden, verb.

halden, verb.
sich neigen, denominativ aus dem vorigen, ahd. haldên (Graff 4, 894), ein vorzugsweise dem alemannischen sprachgebiete zufallendes wort: halden, sich senken oder neigen. Maaler 207ᶜ; die äst haldend oder buckend sich von schwäre, rami nutant pondere das.; die weinräben haldet oder senkt sich gägen der erden, vitis acclinata terrae. das.; uber einhin halden oder hangen, so einem etwas ob dem haupt hanget, glych als ob es fallen wölle, impendere. das.; halden pancher, vergere deutsch-franz-lat. wörterbuch (Genf 1695) 155; vil ander hoffart die sy tribent, das gar lang weret bisz schier uff die vesperzitt, das sich die sun vast haldet und denen von Bern under ougen schein. Etterlin chron. der eidgenossen (1507) bl. 26ᵇ; gegen mittnacht haldet der berg Sion in das thal Tyropeon. Reiszner Jerus. 1, 7ᵃ. Hat so das wort nur intransitiven sinn, so findet doch auch umschlag in den transitiven und berührung mit dem folgenden statt: schwäb. halden, mit der weiterbildung haldelen bedeutet sowol abschüssig sein, als auch neigen. Schmid 257.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 222, Z. 43.

hälden, verb.

hälden, verb.
in transitivem sinne etwas neigen, inclinare, auch der näheren abstammung nach verschieden vom vorigen, indem es sich zunächst an das ahd. adjectiv hald, mhd. halt proclivis, pronus anlehnt; ahd. haldjan, mhd. helden (wb. 1, 619ᵇ). seiner verbreitung nach geht das wort weiter als das vorige, indem es nicht mehr dem alemannischen sprachgebiete vorzugsweise zufällt, sondern bis ins niederdeutsche reicht: alts. afhel dian neigen (Heliand 3486), ags. heldan, hyldan, nordfries. helde; auch im scandinavischen auftritt: altnord. hella, schwed. hälla, dän. hælde. umschlag in den intransitiven sinn hat stattgefunden im nd. hellen nach einer seite überhangen Schütze 2, 129, wie auch schon im ags. beide bedeutungen des wortes sich zeigen.Belege: helden, neigen inclinare Dasyp.; sich helden vergere, devergere, invergere, für sich geheldet pronus, herzuͦ helden acclinare, nid sich geheldet, under sich geheldet declivis et declivus, ob sich geheldet, aufgerichtet acclivis das.; hälden für naigen prompt. v. 1618 bei Schm. 2, 178; hälden, faire pencher, inclinare deutschfranz.-lat. wörterb. (Genf 1695) 155; ein fasz hälden, dasselbe hinten höher als vorn legen Stalder 2, 13; alle unsere neigung häldet sich zum bösen. Zwingli 1, 545; ein kindstul (gebährstuhl) sol haben vier bein oder füsz, mit einem rugkbrett hinder sich geheldet. Rüff trostbüchle 31ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 222, Z. 61.

held, m.

held, m.
heros, vir fortis. ahd. helid, mhd. helt; alts. heliđ, mnd. nl. held; ags. häleđ; goth. fries. nicht belegt, der altnord. sprache abgehend, dän. helt, schwed. hjelte ist aus dem deutschen eingedrungen. die abwandlung des wortes geschah im ahd. mhd. nur nach der starken declination, und wie die schriftsprache noch jetzt als nachklang dieses verhältnisses den nom. nur als held (nicht helde) braucht, so halten sich andere casus in starker form neben den später aufgekommenen schwachen bis in den ausgang des 18. jahrh.; so der acc. sing.: ich habe einen helt erweckt der helfen sol. ps. 89, 20; wenn das geschick dem lieblinge den held versagt. Lessing 1, 207 (neben den helden das.); diesen ehrwürdigen held. Schiller 7, 472 Kurz (gesch. der unruhen in Frankreich);
der herr baron vergasz bei seinem groszen schatz
den staatsmann und den held.
Gellert 1, 100;
auch manchen mann, auch manchen held,
im frieden gut und stark im feld,
gebar das Schwabenland.
Schiller Eberhard der Greiner;
für den held und dichter sprieszet lorbeer.
Herder zur sch. litt. 6, 41;
dat. sing. helde: ich war einsmals hoffprediger bei einem dapfern und groszmütigen helde. Schuppius 514; gekürzt held:
jedoch neigt alsobald sich sein gemüth und sinn
zum held.
D. v. d. Werder Ariost 11, 17, 8;
so würdest du wohl manchem held,
und manchem weisen beigesellt.
Gellert 1, 307,
doch tadelt er 318 diese form: manchem held ist wider die grammatik (auch Wieland macht bei gleicher gelegenheit dieselbe anmerkung in den noten zur Musarion, 3. buch, th. 9, s. 118); gen. heldes: di eigenschaft eines rechtschaffenen heldes. Butschky kanzl. 310; gedänkzettel zu entwerfung eines rechtschaffenen heldes. 311;
lang also war und treu
des helds bericht.
Alxinger Doolin 3, 53;
doch dessen (des wurfspieszes) irre spitze
trifft, statt des helds, Flandrinen.
4, 62;
ebenso ist die pluralform für nom. und acc. wenigstens im 17. jahrh. noch dann und wann helde: ihr septentrionalische helde. Schuppius 390; die weiseste kaiser und kriegshelde. 393;
da er nun aber vernommen,
dasz die helde angekommen,
mit ihm kühnlich zu fechten.
Opel u. Cohn 247, 5.
Die schwachen von held gebildeten casus, die sich seit dem 14. jahrh. vereinzelt nachweisen lassen:
die helden wunderbalde.
lied von der schlacht bei Sempach in Wackernagels leseb. 1114, 29,
überwiegen schon zu anfang des 16. jahrh. gegen die bis dahin starken: des helden. Theuerd. 30, 41; zum helden. 43, 8, gegen des helds. 30, 36; die helden der heiden. Jes. 45, 20; wir sind die helden und die rechte kriegsleute. Jer. 48, 14; das herz der helden in Moab. 41; eines tapferen herulischen heldens. Micrälius altes Pommern 1, 103; nur die nominativform helde, die consequenter weise versucht worden ist:
churfürst Philips der helde.
Opel u. Cohn 122, 5,
hat sich nicht wollen einbürgern. Die beziehungen von held zur wurzel hal, ahd. hëlan decken, bergen, hehlen sind längst erkannt. nur wird man die grundbedeutung des substantivs nicht activ, als deckender, schützender nehmen dürfen, sondern da das suffix passiv-begriffe bildet, als bedeckter, mit der rüstung bekleideter krieger, worauf schon Kemble (glossar zum Beovulf s. v.) hinwies. altn. hal-r, ags. häle mann ist wurzelhaft und nach der begrifflichen entwickelung verwandt und aus der bedeutung krieger zu der mann verallgemeinert; vgl. eine ähnliche erscheinung bei held unten 5.
Bedeutung.
1)
held, der durch tapferkeit und kampfgewandtheit hervorragende krieger: held robustus homo voc. inc. theut. i 4ᵃ; die edlesten in Israel sind auf deiner höhe erschlagen, wie sind die helden gefallen? 2 Sam. 1, 19; gurte dein schwert an deine seiten du helt. ps. 45, 4; bei dem volk werde ich gütig erfunden, und im krieg ein helt. weish. 8, 15; sieben helden, in groszer gravität und stärke desz leibs. Philander 2 (1643) 63; jedermann erstaunte in dem helden und heerführer zugleich den gefälligsten hofmann zu erblicken. Göthe 18, 282; in diesem (gedichte) ist nicht Joseph der held, sondern Joseph der vater, der steurer des mangels, besungen. 33, 74; es gibt, sagt man, für den kammerdiener keinen helden. das kommt aber blos daher, weil der held nur vom helden anerkannt werden kann. 17, 262;
ein held von ehren
begehrt die eitelkeit und wollust nicht zu hören.
Opitz 1, 103;
ein held fall ich; noch sterbend droht
mein säbel in der hand!
unsterblich macht der helden tod,
der tod fürs vaterland!
Gleim 4, 2;
wir kommen, unser siegesgott,
held Friedrich, ist voran!
s. 15;
das ist der lindwurm, kommt und schaut,
der hirt und heerden hat verschlungen!
das ist der held, der ihn bezwungen!
Schiller kampf mit d. drachen;
du hast als held gethan;
der muth ists, der den ritter ehret.
das.;
wenn heut ein geist herniederstiege,
zugleich ein sänger und ein held.
Uhland ged. 91;
der held im streite.
s. 233.
held ist namentlich auch der durch die sagen der vorzeit wegen seiner tapferkeit und kriegsthaten gefeierte mann edler abkunft, vergl. unten die composita heldenalter, heldenbuch, heldeneinfalt, heldenfabel, heldenfahrt, heldengeschichte, heldenlied, heldenzeit u. a.;
was der held Jason thät erlangen.
Fischart glückh. schiff 1146;
es fochten nicht mit gröszrer wuth
um ein entlaufnes weib die helden am Skamander.
Wieland 17, 43.
es heiszt der kühne, muthige, tapfre, fromme, streitbare, starke, redliche, junge, greise held; mhd.
von helden lobebæren.
Nib. 1, 2;
sus riten zuo der bürge   die helde küene unde guot.
387, 4;
des wurden snelle helde missevare.
1530, 2;
die stolzen helde mære.
Gudr. 1354, 4;
nu zuo, ir mæren helde.
1465, 1;
die helde unwandelbære.
g. Gerh. 2708.
nhd. der herr mit dir, du streitbarer helt. richter 6, 12; starke helden und kriegsleute. 1 chron. 13, 8; sie waren alle redliche helden. 21; die starken helden. Hes. 32, 21; die doch auch gefurchte helden waren in der ganzen welt. 27; der alte redliche teütsche held Sebastian Schertel von Burtenbach. Philander 2 (1643) 357;
den werden thewren helden (Zriny)
klagt man durch alle land.
Körner histor. volksl. 223;
umgurt mit heldes dapferkaite.
Melissus ps. S 1ᵃ;
von Leipzig aus manch frischer held
auch da erschien im feld.
Opel u. Cohn 40, 9;
drum frommer held Betlehem Gabor
hilf mir unterdruckten empor!
34, 21;
zwo grosze armada wol bestellt,
darunter war manch tapfer held.
65, 4;
es sah ihn jedermann
als den berühmtsten held und besten könig an.
Postel Wittekind s. 80 (4, 342);
wir, alle helden, stolz und kühn.
Gleim 4, 112;
es war einmal ein groszer held,
der sich Äneas nannte.
Blumauer 2, 3;
erliegt doch rechts, erliegt doch links
so mancher tapfre held!
Bürger 112ᵇ;
der treue
mitgefährt des wackern belden
in so mancher, mancher schlacht.
Herder Cid 67;
ein edler held ist, der fürs vaterland,
ein edlerer, der für des landes wohl,
der edelste, der für die menschheit kämpft.
zur sch. litt. 6, 34;
treuer, deutscher, biedrer held!
Arndt ged. (1840) 237;
da liegen sterbend auf dem leichenfeld
der schöne Sven und Ulf, der graue held.
Uhland ged. 199;
nur er, der beste, blieb zurück,
der kühne held Harald.
307;
in groszer trauer ritt von dann
der stolze held Harald.
das.;
zur schmiede gieng ein junger held,
er hatt ein gutes schwert bestellt.
331;
da sprach herr Karl, der starke held.
339;
sie sprach: dort reitet, bei gott, ein starker held.
350;
da ritt aus Stuttgarts thoren ein held von stolzer art.
358.
sprichwörtlich: helden zeugen selten wieder helden, heroum filii noxae. Frisch 1, 439ᶜ; hat einer geld, so ist er ein held, und der mit güldenen äpfeln werfen kan, behält das feld. Pistorius thes. par. 9, no. 76; held hinderm ofen, miles sine animo Stieler 888. übertragen und mit anklang an die bedeutung 3 unten:
deutsche freiheit, deutscher gott,
deutscher glaube ohne spott,
deutsches herz und deutscher stal
sind vier helden allzumal.
Arndt ged. (1840) 242.
2)
held im geistlichen sinne. Christus heiszt so, er hat hölle und tod besiegt:
er gieng aus der kamer sein,
dem königlichen saal so rein,
gott von art und mensch ein held.
Luther 8, 357ᵃ;
rath, kraft, und friedefürst und held!
in fleisch und blut gekleidet,
wirst du das opfer für die welt.
Gellert 2, 130, vergl. 187;
freiwillig, als der helden held,
trägst du, aus liebe für die welt,
den tod, der uns gebühret.
132;
er fährt gen himmel, als ein held.
168.
ferner die engel, die das streitbare heer gottes sind (s. heer 2 sp. 752):
wach auf, erhebe dich zu ihm,
um dessen majestät
das heer der frommen cherubim,
ein heer von helden! steht.
Gleim 4, 144;
auch gott selbst:
der alte gott, der starke held,
der erd und himmel hingestellt.
Arndt ged. (1840) 150.
endlich heiszen helden märtyrer und andere menschen, als hervorragende glieder der 'streitbaren kirche': Luther, der gottesmann und held; vergl. auch gottesheld.
3)
held überträgt sich auf einen, der in irgend einem gebiete etwas ausgezeichnetes, hervorragendes leistet. so im guten und nützlichen: neulich war ich dabei, als sich ein sprachheld bei einem vornehmen obristen umb dienst anmeldet. Simpl. 4, 357 Kurz; es gibt gelegenheiten und umstände im handel, wo die versuchung, durch den schaden anderer sich zu bereichern, so grosz wird, dasz nur die allerredlichsten, die helden der gerechtigkeit, ihr widerstehen können. Garve anmerk. zum 3. buche von Cic. de off. s. 85; (baron von Plotho) war vom siebenjährigen kriege her als diplomatischer held berühmt. Göthe 24, 290;
zuvor bin ich ir trost und held,
ir heubtman und ir got gezelt.
zwar iezunt denken sie: du bist nicht wert,
dasz dich vor uns treget die erd.
Schade sat. u. pasqu. 1, 74, 209;
Teutschland, haubt und kaiserin
aller königreich auf erden,
nim dein edle sprachkunst hin,
welche neu gedrukt läst werden,
Schottel dein berühmter held.
Rist Parn. 463;
schon das mhd. braucht helt in diesem sinne und setzt die eigenschaft in der einer hervorragt, in den genitiv, vgl. gramm. 4, 727:
der alles dinges was ein helt,
des man ze frümekeite darf.
troj. kr. 6875;
diese fügung dauert auch im ältern nhd. noch:
Straszburg liesz sich wol erkennen,
es nimt sich der sachen ein held.
Liliencron volksl. 2, 97, 11;
gewöhnlich aber wird der genitiv durch praepositionen umschrieben:
Englmar, du waist dasz wol,
dasz ich es (das kränzel) niemant geben sol,
er sei dan an springen ain helt,
und an tanzen auszerwelt.
fastn. sp. 454, 27;
an demuth grosz, an lieb ein held.
Gellert 2, 205;
jeder dummkopf unsrer zeiten
will ein held im schreiben sein.
Abr. Gotth. Kästner werke 1, 118.
held hervorragend im schlimmen: weh denen, so helden sind wein zu saufen, und krieger in fullerei. Jes. 5, 22;
sô sie sint guoter spîse vol,
dennoch eʒʒent sie doch wol
birn, kumpost und rüebelîn.
nu, helde, mac niht mêre hinîn
des iuch geluste ...
Renner 9799;
wer nur am meisten gsaufen kan,
den preist man für ein helden.
Uhland volksl. 611,
vergl. kannenritter 5, 168, und bierheld 1, 1824;
der teufel ist ihr apt und held.
Fischart dichtungen 2, 366, 1346 Kurz;
ein berühmter held im fressen.
Hagedorn 2, 150;
der grosze held in der verstellungskunst.
Gökingk 3, 257;
im wuchern einst ein held.
294.
held ironisch: hie solte der trotzige helt (Zwingli) antworten, so fladdert er furüber. Luther 3, 469ᵇ; ein mann zu Amsterdam, welcher bei den groszen grammaticalischen helden so verachtet war, dasz ich seinen namen fast nicht nennen darf. Schuppius 267; es stiegen diese logische helden ein wenig über meinen horizont. 816; ich komme aber widerumb auf unsere sprachhelden. Simpl. 4, 398 Kurz; das allerbeste (deutsch) ... wird hin und wider in den fürstlichen canzleien gefunden, allwo man einen weit andern und ansehenlicheren stylum findet als bei etlichen sprachhelden, die zwar davor gehalten werden wollen, als wisten sie allein die teutsche sprach zu reformirn. 404; unter den griechischen künstlern wird es auch mittelmäszige helden, wie unter ihren scribenten gegeben baben. Winkelmann 5, 282; es steht im sinne des neueren hauptkerl (sp. 617):
woher hastu, o held, den ursprung doch genommen?
du bist der mutter (traun) nicht aus der nasen kommen,
wie ein gemeiner rotz.
Rachel sat. (1677) 50.
warnend oder spottend sagt man im gemeinen leben: du bist auch kein groszer held an gesundheit, nicht eben kerngesund.
4)
held, der den mittelpunkt einer begebenheit, einer handlung bildende mann, zunächst in der dichtersprache. es musz diese bedeutung auf jene litteraturepoche zurückgehen, in der die hauptperson eines dramas oder epos ein held sein muszte, wie Opitz formuliert: in wichtigen sachen, da von göttern, helden, königen, fürsten, städten, und dergleichen gehandelt wird. poeterei 41. es heiszt der held des romans, des schauspiels, ein tragischer, komischer held; durch ein stück, worin der held gleich in der ersten scene des ersten akts seinen vater ermordet. Wieland 19, 283; der held (des dramas) war ein vornehmer, tugendhafter, groszmüthiger, und dabei verkannter und verfolgter mann. Göthe 18, 245; da in dem stücke selbst sehr viel getrunken und angestoszen wurde, so war nichts natürlicher, als dasz die gesellschaft bei jedem solchen falle sich lebhaft an den platz der helden versetzte, gleichfalls anklingte und die günstlinge unter den handelnden personen hoch leben liesz. 198; hier wird der charakter des helden mit den schönsten zügen geschildert. 272; die herrlichen reden des vortrefflichen helden, dessen rolle ihm zugefallen war. 292; kurz, ich stellte bei der ganzen sache den helden einer ziemlich lustigen novelle dar. Immermann Münchh. 1, 166. die bedeutung wird nun freier gestaltet; ist der schauspieler, der den helden eines stückes agiert, ein bühnenheld (2, 511), so bildet der, welcher das interesse einer gesellschaft hauptsächlich oder ausschlieszlich auf sich zu lenken weisz oder erfährt, den helden der gesellschaft, des gesprächs, der unterhaltung; mit unglaublicher gewandtheit wuszte sie den major zum helden dieses abends zu machen. Göthe 22, 57; N. ist der held des tages;
einst, als du noch das nymphenvolk bekriegtest,
ein held des karnevals, den deutschen wirbel flogst.
Schiller an einen moralisten (1, 65 Kurz).
5)
held, in der ältern sprache verallgemeinert zu dem begriff mann überhaupt, entsprungen aus der anschauung der allgemeinen wehrhaftigkeit; gerade so braucht das fries. wîgand (pugnator) für sohn Richthofen 1148ᵇ. der Heliand gewährt heliđô barn, heliđô folk für menschenkinder, menschenschaar (4332. 3567), heliđô kunni für menschengeschlecht, parallel mit leute (1684), heliđô man heiszt einer der männer, irgend wer (2640); ähnlicher gebrauch im mhd., wo zunächst der begriff streitbarer mann noch im vordergrunde steht:
den jungen niuwen helden sâ (die schwert genommen hatten),
gurten stolze rîter wert
umbe nach ir rehte ir swert.
g. Gerh. 3600 (nachher die ellenthaften jungen 3631);
in andern stellen nicht:
kan einer weder singen noch sagen
den heiʒt man einen swæren helt.
liedersaal 3, 422, 49;
während wieder eine anzahl andere beispiele, bis ins nhd. reichend, den gröbern sinn geselle, bursche, kerl ausprägen:
er chod: jâ ir helede,
wie getâtet ir sô ubile,
daʒ ir mîneme hêrren sô habet gelônet,
daʒ irme sînen chopf stâlet?
genesis in d. fundgruben 2, 67;
die fünft die sprach, ein junger held
het mich zum bulen auszerwelt.
H. Sachs 1, 508ᶜ;
kurioser held. J. Gotthelf 2, 305. von thieren; wie schon mhd. helede von kröten (mhd. wb. 1, 678ᵃ), so nhd. in bezug auf einen sperling:
da sasz ich als ein armer held
beim fahrweg, auf einer dornhecken.
Rollenhagen bei Gödeke, eilf bücher deutscher dichtung 1, 119ᵇ, 9.
6)
bemerkenswert eine adjectivische fügung von held:
die dry houptlut uszerwelt
waren irs gemutz wol held.
J. Lenz Schwabenkrieg 65ᵇ,
wenn hier nicht etwa held kürzung des plurals helde ist.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,II (1877), Sp. 930, Z. 70.

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„hälden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4lden>, abgerufen am 19.10.2021.

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