Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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haller, häller, m.

haller, häller, m.
1)
nummulus, obolus. die gemeine meinung, dasz diese münze ihren namen von der reichsstadt Schwäbisch-Hall, wo sie zuerst geprägt sei, empfangen habe, und dasz haller elliptisch statt Haller pfenning stehe, wird dadurch gestützt, dasz in Schwäbisch-Hall schon frühe und reichlich münzen nach eigenem wertsystem geprägt wurden, die einer gröszern verbreitung genossen, und dasz wie es Haller pfund gab (quadringentas libras Hallenses. Du Cange v. Henschel 3, 618ᶜ), so auch bei Schm. 2, 168 haller phenning nachgewiesen werden, für welche bereits um 1300 die lateinische bezeichnung Hallenses statt denarii Hallenses üblich war. dem gegenüber haben ältere forscher, namentlich Frisch und Adelung, die ansicht verfochten, dasz haller von halb nicht zu trennen und auch etymologisch mit der gleichwertigen münze helbling (s. d.) in engen zusammenhang zu stellen sei; aber diese ansicht fällt, da haller erweislich eine oberdeutsche münze mit oberdeutschem namen ist, die sich erst im 15. jahrh. bis nach Niederdeutschland verbreitet (denarios hallenses auch in Friesland, Richthofen 793ᵃ) und im oberdeutschen halber sich nicht in haller assimilieren kann. gleicher bildung wie haller sind thaler, früher Joachimsthaler, das von Joachimsthal kommende, Schreckenberger, das aus der grube Schreckenberg bei Annaberg stammende geldstück, ferner Münchner, Wiener, Regenspurger, s. Schm. 2, 168. neben der form haller, mhd. hallære (wb. 1, 613ᵃ) erscheint die umgelautete form heller, über die an ihrem orte weiter gesprochen wird, zuerst im 15. jahrh., häller, was noch Lessing (3, 72) braucht, etwas später. haller, häller kleine münze von geringem wert: obulus haller Diefenb. 391ᵇ; ihrer zwei machen einen pfennig aus: uncia ein pfennig, semuncia ein haller Dasyp.; fur ein tennen latten von sant Lorentzen walde ein pfenning zu hawen, drei heller zu fueren, facit 5 haller. Tucher baumeisterbuch 74, 32; von einem steinkeil zu schweiszen (bekommt der schmid lohn) drei haller und 2 pf., fur ein lumer ein haller und ettlich zu dreien hallern. 100, 20; wölten im aber die von Baden nit holz geben nach siner notturft ze husen, so möchte er selbs howen zem unschädlichesten, das er gehusote, und uff yeden stumpen vier haller legen und sölte damit dan gebüst haben. weisth. 4, 400;
mancherlei muntz, häller und pfennig.
H. Sachs 4, 3, 80ᵈ.
haller für münze oder geld überhaupt:
was mir dorinn (im dorfe) die bewerin
geben ist lauter guter gwin,
es sei schmalz eier oder haller,
darmit speisz ich mich armen waller.
4, 3, 80ᵇ
wir seint die selben frumen leut,
ob man uns nimmer haller geit.
Murner schelmenzunft 14ᵃ.
In mancherlei weise wird der umstand hervorgehoben, dasz der haller einen möglichst kleinen wert hat:
frau, wie gebt ir der zwifal ein schock?
die zellt mir her in meim rock!
west ich neur, das sie mir bekemen,
ich wöllt ir für ein ganzen haller nemen.
fastn. sp. 369, 29;
ich gib ein haller an der steur,
der ist mir doch vil zu schwer,
albeg steht mir mein seckel ler.
1350;
namentlich in sprichwörtlichen redensarten, den haller nicht haben, gar nichts, keinen häller bezahlen: dieserwegen sollst du auch keinen häller für mich bezahlen. Lessing 3, 72 (nach: libellam pro eo argenti ne duis. Plautus captivi 5, 1, v. 947);
ja, hastu mir einen haller da glan (gelassen),
so mues ich niemer hie hinnen kon (kommen).
fastn. sp. 840, 20,
dann disem volk ist wol darmit,
dasz man den handel trölt und trybt,
dasz uns nit ein haller blybt.
881, 7;
und wer die sach noch so krumm,
so wirt mir nit ein haller drumb,
weder iezund, vor und nach.
893, 18;
ein spiller het verspillet al sein güeter,
das er nur ein haller behielt.
meisterges. der Berl. hdschr. fol. 23, no. 33;
alles bei einem haller verlieren, ad assem omnia perdere. Maaler 207ᶜ;
was gebt ir dann, ir schwarzen hunt?
sucht es neur als herfur zu stunt!
ich liesz euch nit ein hallers wert.
fastn. sp. 186, 24;
in summa, die wirdtin wolt im ein haller nicht nach lassen (an der zeche). Wickram rollw. 143, 26 Kurz;
do hab ich ierlich zweihundert guldin von,
do gat mir nit ein haller ab.
N. Manuel fastn. 362 Grün;
sondern du must mir zaln darneben
mein esel bei eim häller glat.
H. Sachs 4, 3, 79ᶜ;
nicht einen häller wert sein, gar nichts;
der dieb ist kaum drei häller werth.
H. Sachs 4, 3, 25ᵃ;
zum häller geboren sein, zu geringem;
an dir ist alles glück verlorn
und bist zu dem häller geborn,
darumb kompst du zu keim groschen.
J. Ayrer 217ᵈ (1083, 23 Keller).
weiteres unter heller.
2)
nach der münze wird auch ein kleines weiszbrot, um diesen preis verkauft, ein häller genannt. Jacobsson 2, 197ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 234, Z. 10.

häller, m.

häller, m.
assimilierte form für hälter (s. d.), fischbehälter: gott hat seine groszen teiche und häller, das meer, die seeströme und flüsse, da wimmelts ohne zahl, beide grosz und kleine thiere. Scriver andachten (1721) s. 393.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 235, Z. 25.

heller, m.

heller, m.
obolus; die seit dem 15. jahrhundert gebräuchliche umgelautete form für haller, sp. 234, die sich immer mehr festgesetzt und auch die schreibung häller verdrängt hat. über die münze selbst und ihren eigentlichen wert vergl. a. a. o., ausgeprägt wurde sie bis auf unsere zeit mehrfach, z. b. in dem ehemaligen kurhessischen gebiet, ihr name war und ist noch jetzt in sprichwörtlichen redensarten viel gebraucht. so dient heller als bezeichnung des kleinen, geringen: eins hellers wert nit lassen. Aimon bog. b; wir achten sein trawen nicht eins hellers wert. bog. e; welchen verlust ich doch nicht dreier heller wehrt schätzte. Simpl. 3, 22 Kurz; da hätte ich vor mein leben nicht drei heller gegeben. Chr. Weise erzn. 69; nur ich empfange keinen heller davon. Kotzebue dram. sp. 3, 315; dieser trunk, der einer kaiserlichen tafel wohl gestanden hätte, kostete ihn keinen heller. Grimm deutsche sagen 1, no. 15; namentlich in der verstärkung rother heller, weil von kupfer ausgeprägt: obgleich einmal drei lustige studenten auf einer reise keinen rothen heller mehr in der tasche hatten. Hebel 2 (1853) 59; es hat mir vergnügen gemacht, dasz mein kopf bei euch noch etwas gilt. denn ich kann euch versichern, für den eurigen gäb ich keinen rothen heller. 108; dafür blutiger heller: keinen blutigen heller im leben hatte ich. Schelmufsky 1, 154;
kein heller in die apotecken ich geben wil.
fastn. sp. 217, 24;
all trost stiend (stand) auf sein grosz geschütz,
es war im nit ains hellers nutz.
Soltau volksl. 371 (von 1547).
bis zum letzten heller, bis zum äuszersten, vollständig: ich sage dir, warlich, du wirst nicht von dannen eraus komen, bis du auch den letzten heller bezallest. Matth. 5, 26; da wird .. auf den nehesten heller alles wider gefodert, und keine strafe nachgelassen. Luther 3, 233ᵇ; bezahlte bis auf den letzten heller. Lessing 1, 226;
dann sollt ihr mir sagen, ein treuer wardein,
wie viel ich wohl werth bis zum heller mag sein?
Bürger 66ᵇ;
zusammenstellung von heller und pfenning: welches ich jetzt, da alles durch meine hände gegangen, bei heller und pfennig berechnen kann. Schiller an Göthe 239; wie wir nun auch die gemeine baarschaft bei heller und pfennig zusammenzählen mochten, kamen doch niemals mehr als drei reichsthaler heraus. Riehl culturgesch. nov. 369;
hat er dann ohn geld sein begierd,
ihn beidn heller noch pfennig wird.
Opel u. Cohn 406, 116.
anderes sprichwörtliches. wurfe der ain heller auf ainen, doch es fielen zween wider herab (so viel glück hat er). S. Frank paradoxa 29; es ist ein böser heller, der einem ein pfund schadet. Keisersberg bei Frisch 1, 441ᵇ; zween böse heller finden sich gemeiniglich in einem beutel. Otho 665; er hübe nicht einen heller um den andern auf. Schottel 1121ᵃ; wer einen heller erbet, musz einen thaler bezahlen. Pistorius thes. par. 3, 87; heller stehe auf, und lasz den kreuzer niedersitzen, quum sis nanus, cede, da locum meliori. Serz 66ᵇ; wer auf keinen heller sieht, kommt auf keinen kreuzer, majora perdes, parva ni servaveris. das.; viel heller machen auch geld; ein ungerechter heller friszt einen thaler; es ist ein guter heller, so einen thaler bringt; wer zum heller gemünzt ist, wird nie groschen;
wer den heller nicht ehrt,
ist des guldens nicht werth.
Simrock sprichw. 240;
er (der dichter) ist reicher als die .. goldgewaltigen der welt, wenn auch in seiner tasche oftmals der pfennig mit dem heller betrüblich hochzeit feiert. Scheffel Ekkeh. (1855) 345. seine drei heller mit dazu geben, als bild für die theilnahme an einer ratschlagung: du lieber gott, wie viel mahl musz er bei richter und schöppen seine drei heller mit dazu geben, wenn sie sich nicht aus dem hanfe finden können oder sonst was necksches fürgangen. Schoch stud. leben D iij. heller für münze oder geld überhaupt (wie haller, sp. 234):
gott der geb euch (einem jungen ehepaare) brod und heller,
kleider, gahrten, hoff und hausz,
er gesegn euch küch und keller ...
Rist Parn. 785.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1872), Bd. IV,II (1877), Sp. 971, Z. 21.

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Zitationshilfe
„häller“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4ller>, abgerufen am 20.10.2021.

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