Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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hälmlein, n.

hälmlein, n.
kleiner halm oder stück eines halmes, mhd. halmel, helmel (wb. 1, 613ᵇ): hälmlein cauliculus herbae Frisch 1, 402ᵃ; als ein narr, dem gibt man ein helmlin in das maul und stoszt das helmlin in ein speltung, so bleibt er also still ston und wenet er sei gebunden. Keisersberg brösaml. 1, 33ᵃ. es haben sich um das wort verschiedene redensarten angesetzt.
1)
über ein hälmlein fallen, in einer kleinigkeit etwas versehen: es war ein edelman der sucht allwegen ursach an seine bawren, damit er sie aufs allerhöchst plagen und schelten möcht; es mocht einer gar leicht uber ein hälmlin fallen, er straffet sie aufs aller höchst. Pauli schimpf 169ᵃ.
2)
jenes unter halm 6 (sp. 239) bemerkte loosen mit dem hälmlein machte den zum sieger in einem wettstreite, dem das längere hälmchen zu handen kam; auf diesem umstande fuszt eine formel des 16. jahrh., einem das hälmlein vergönnen oder geben, ihm den ersten preis, den vorrang zugestehen: wölt im das helmlin nit bald vergunnen. Karsthans a a 4ᵇ;
so ist es uns ein grosze schandt
das wir den wybren dʒ helmlin landt.
Murner geuchm. n jjᵃ;
sy müeszendt im all s hälmli geben
in frombkeit, heilger leer und leben.
trag. Joh. E vj.
3)
einem das hälmlein vorziehen, mhd. daʒ halmel vor ziehen (wb. 1, 613ᵇ), eine im mhd. geläufige redensart für foppen, teuschen, lehnt sich wol an eine spielerei mit jungen katzen an, vor denen man einen halm in langsamer bewegung hin und her zieht, um ihn, wenn sie ihn erspringen wollen, schnell empor zu heben und so ihre anstrengung nutzlos zu machen; wenigstens wird im mhd. es so aufgefaszt:
du (welt) ziuhest mir den halm als einer jungen katzen vor,
dîn lôn ist als ein rîcher troum.
Br. Wernher, MS. 2, 163ᵃ.
die redensart auch noch im 16. jahrh.:
ei, so zeucht sie mir
das helmelein zuvor.
bergreihen 124, 3.
4)
im 16. u. 17. jahrh. erscheint einem ein hälmlein durchs maul ziehen, zunächst für schöne worte sagen, schmeicheln; das man einander das helmlin durchs maul zeucht, das süsz umb die ohren und den falben hengst streicht. S. Frank sprichw. 1, 105ᵃ; das helmlin durch das mul strychen. 2, 147ᵇ; streich ihm das hälmlin wol durchs maul. Pauli schimpf 80ᵇ; aber so sie vor den herren selbst sind, ziehen sie ihnen das helmlin fein wol durch das maul, können auch den fuchsschwanz dermassen streichen, dasz man ire böse tück nicht an ihnen merken kan. wegkürzer 21ᵇ; auch glaubt .. nicht, das der herhohen und heidnischer halbgötter glückseligkeit, die sie auf dem elisischen, oder elsessischem, oder, wie etlich wöllen, schlesischem feld haben, in geniessung ihres affodillenkrauts, ambrosien oder amelbrosam und nectar oder neckerwein stehe, .. sonder nach meiner meinung auf verbesserung in gebrauch eines nörlingischen gänslins, und das heiszt das hälmlin durchs maul gestrichen, und nit das härin seil durch den hindern gezogen. Garg. 139ᵃ; dem frommen und aufrichtigen armen landvolk aber, welche sich mit schaafen und gaisz- oder schweinhüten härtiglich nähren müssen, will er damit (mit dem lob der viehzucht) das hälmlein durchs maul (wie man im sprichwort redet) ziehen, und ihnen solcher gestalt einen lust machen, was für eine gesegnete und edle nahrung sie haben. Simplic. 1, 1, 2 s. 8 (1, 35 Keller); die redensart ist schwierig zu erklären (was Schm. 2, 181 unter berufung auf ein bairisches kinderspiel sagt, hat keinen bezug auf die oben angeführte bedeutung, sondern nur auf die gleich nachher zu erwähnende), sie scheint, wenn man das gleichbedeutende einem das maul schmieren erwägt, auf dem darreichen von fetten leckerbissen zu fuszen; vielleicht dasz man, um solche zu kosten, mit einem halme in den behälter derselben tauchte und dann den halm durch den mund zog. das kosten auf diese weise gewährte wol eine angenehme empfindung, aber sie war vorübergehend und unbefriedigend, daher konnte sich die redensart zu der bedeutung durch glatte worte teuschen, betrügen, entwickeln:
bawer, du hast mich betrogen,
das helmlein durch das maul gezogen.
H. Sachs 5 (1579), 388ᵃ;
dieser hat nun den Friesen so meisterlich das helmlein durchs maul zu ziehen wissen, dasz sie mit ihme gütliche tageleistung gepflogen, dardurch er den handel so lang aufgehalten und verzogen, bis graf Gerhard wiederumb zu lande kommen, und die Friesen gemerket, dasz sie bei der nasen herumb geführet worden. Hamelmann 253; ich habe euch wollen am narrenseil führen, das hälmlein durchs maul ziehen und stroh in den bart flechten. Cocay teutscher labyrinth 45.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1869), Bd. IV,II (1877), Sp. 241, Z. 34.

helmlein, n.

helmlein, n.
1)
kleiner helm:
mit eim schwert, helmblein und schildt.
H. Sachs 3, 2, 238ᶜ.
2)
untertheil des helms, visier und backenschutz. Frisch 1, 441ᶜ; mit guten helmelinen oder hauptharnischen, die wol schlieszen. Fronsp. kriegsb. 1, 37ᵃ; wie, antwort der ritter, seid ihr der, so wir auf seinem helmlin liegen gefunden? Amadis 271 (vorher: dasz er wider sein willen den helm und schilt hinweg legen must, auf welchem er sich denn so gar vergessen und entschlaffen. 267).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1872), Bd. IV,II (1877), Sp. 979, Z. 21.

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Zitationshilfe
„hälmlein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4lmlein>, abgerufen am 25.10.2021.

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