Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

hämisch, adj. und adv.

hämisch, adj. und adv.
subdolus, zuerst aus dem späten mhd. als hemisch bezeugt mhd. wb. 1, 661ᵃ, seit dem 15. jahrh. als hamisch, hemisch, hämisch oft vorkommend. insofern das wort adjectiv zu dem subst. ahd. hamo hülle, decke, kleid (spalte 307 oben) ist, ist seine grundbedeutung zunächst verhüllt, dunkel, heimlich, der übertritt in die bedeutung versteckt boshaft erfolgt, geradewie heimisch und heimlich (s. d.) auch öfter diesen sinn nachahmen, oder wie alts. derni, ags. dyrne aus dem begriff verborgen in den heimtückisch, boshaft übergeht (Grein 1, 214), oder wie endlich auch lat. nebulo der durchtriebene mensch sich aus dem begriff des dunkeln, trüben entwickelt. der übergang tritt klar hervor, wenn hämisch zunächst eine gedrückte, düstere gemütsstimmung bezeichnet: nordböhm. hamsch reizbar, empfindlich Petters andeut. 28;
mir ist oft so hämisch, so dämisch und dumm.
Fr. Müller 1, 314.
belege für hämisch, listig, boshaft: hamisch, versutus, astutus voc. inc. theut. i 1ᵃ; in Tirol hamisch, tückisch, boshaft Fromm. 5, 447; da hat er (gott) Adam und Heva abermal ir gewissen gekützelt, denn die wort (1 Mos. 3, 22) sind hemisch und spöttisch geredt. Luther 4, 30ᵇ; das sie nicht hemisch oder neidisch auf einander sind. 5, 340ᵇ; disz 38ste jar ist ein bösz und fehrlich jar, ein recht hemisch jar, wirt viel schwere grosze krankheiten bringen. tischr. 354ᵇ; alles, alles wird dem seestädter gelassen, der mit runzelnder stirne und hangenden lippen die ungeduld des landstädters .. hämisch demüthiget. Möser patr. phant. 1 (1798) s. 10; mich dem hämischen oder stolzen mitleide meiner nachbarinnen blos zu stellen. s. 337; der hämischen freude aller neiderinnen. 3, 25; hämische neugier. s. 32; hämische lust an der blosstellung der fehler anderer. Kant 5, 306; die kühnheit der hämischen scheelsichtigen. Klopstock 12, 91; ja er sticht ihn hämisch an, wo es ihm am empfindlichsten ist. Nicolai an Herder in des letzteren lebensbeschr. 1, 2, 311; (die bösen geister) zerknicken hämisch jede rosenknospe des neuen frühlings. H. Heine 3, 70;
falsch und hemisch.
Logau 3, 189, 95;
des glückes hämscher eigensinn
wirft viele schätze dieser erden
unwürdigen besitzern hin.
Hagedorn 2, 43;
so braucht ein arzt das gift,
das auszer seiner hand nur hämsche morde stift.
Lessing 3, 346;
nicht kann verrath und hämische list
dein göttlich leben tödten.
Göthe 1, 217;
o lassen sie es länger nicht geschehn,
dasz hämische bosheit ihre gute absicht
durch giftige, verhaszte deutung schwärze.
Schiller Piccol. 2, 2;
wieder begann zu jenem Melanthios, hüter der geistrift:
götter! was redet er da, der hund voll hämischer tücke!
Odyssee 17, 248.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1869), Bd. IV,II (1877), Sp. 308, Z. 12.

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Zitationshilfe
„hämisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4misch>, abgerufen am 19.10.2021.

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