Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

hämmerlein, n.

hämmerlein, n.
1)
kleiner hammer: malleolus hemerlein, hemmerlin Diefenb. 344ᶜ; hämmerlin Maaler 203ᶜ; hämmerlein Stieler 759; die allein darinn (in ein unzerbrechliches glas) gefallene bäulen oder buckeln mit einem hämmerlein dergestalt mit klopfen ohn einigen risz oder bruch heraus triebe. Philander 1642 1, 450.
2)
als eigenname ist Hämmerlein an das attribut des donnergottes angelehnt (oben sp. 314) und eine verblaszte personification des letzteren (myth. 166), die auf den teufel, aber auch auf den henker (wie der henker öfter an stelle des teufels tritt, s. henker) und endlich auch auf gaukler übertragen wird. das dem eigennamen stets vorgesetzte meister bezeugt, dasz man sich den Hämmerlein zunächst als obersten der bösen geister dachte.
a)
Hämmerlein für teufel: und sol sich ein christ täglich üben mit seinen herrlichen sprüchen, die er wider den teufel und die sünde brauche, wenn er einmal sterben sol, da meister Hämmerlein denn nicht feiern wird. Neander menschenspiegel 12ᵇ; es musz ein fein engelchen sein, so in meister Hämmerleins himmel gehöret. kunst über alle künste 30.
b)
bezeichnung des henkers: man musz in (den Lutherschen) mit meister Hemerlin begegnen, der wirt in wol die bibel umb das maul schlagen. neue zeitung 1546 A 4ᵃ; unlängsten ward ein Hesz zum strang verurtheilt. als dieser jetzo sein gebürende hänfine portion von meister Hämmerlin solte bekommen .. wiszbadisch wisenbrünlein 58; meister Hämmerlins gerüst (der galgen). Philander 1642 1, 374.
c)
werden auch gaukler Hämmerlein genannt, so führt der name darauf, dasz man sie sich zunächst als zauberer dachte, die teufelskünste trieben (s. hexenmeister): in summa, man gibt oft etlich batzen oder stiber, ein meister Hemmerlins spil oder andern gaukelmarkt zu sehen. bienk. 150ᵇ; beitschenschleger, stengleinlaufer, meisterhemmerlein, affenboszler. groszm. 88. später wird der name auf blosze possenreiszer übertragen Stieler 759. Frisch 1, 408ᵃ, auch auf marionettenspieler Schm. 2, 192. Wie namen eines solchen possenreiszers, Hanswurst, Harlekin, als scheltwort für unverständige leute dienen, so finden wir auch Hämmerlein in dieser bedeutung gebraucht:
wann aber nit wil gelten   treu, lieb und treglich last,
wie man dann findet selten   ein holz gerad ohn ast,
und selten companeyen,   darin nicht meister sein,
so lernt euch ferner freien   von solchen Hemmerlein.
Doman lied von d. hanse, bei Gödeke, d. dicht. 1, 231ᵃ, 60.
vergl. hämmerling 4.
3)
Hämmerlein, der name eines poltergeistes, mag wie Frisch a. a. o. anführt, direct daher entstanden sein, dasz der geist zu klopfen pflegt und andres getöse macht, wie man in Kärnthen den im holze bohrenden wurm, dessen klopfen nahen tod verkünden soll, toatenhammerle nennt. Lexer 132.
4)
meister Hämmerlein für den tod verzeichnet Schm. 2, 192, auch sonst wird von dem tode gesagt, dasz er klopfe, anpoche: der tôt, der bote unsers herren gotes klopfet zuo türe. predigten von Leyser 126. doch scheint der gedanke berechtigter, dasz wie oben 2, a, so auch hier die abgeblaszte person des tödtenden donnergottes zu grunde liegt, wie in der allitterierenden formel tod und teufel verbunden sind; im Alsfelder passionsspiel bl. 24—26 führt der tod eine keule, gerade wie der hammer Donars von Saxo clava genannt wird.
5)
hämmerlein, der taumellolch, lolium temulentum. Schm. 2, 192.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1869), Bd. IV,II (1877), Sp. 317, Z. 42.

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Zitationshilfe
„hämmerlein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4mmerlein>, abgerufen am 20.10.2021.

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