Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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härben, adj.

härben, adj.
von flachs bereitet, bair. härwen, herbein Schm. 2, 225 (s. haar sp. 6. 7); in gekürzter form härbes für härbenes, härbens: die weber spülen darauf (auf rohr) ihr wollen und härbes garn, auch gar die seiden ab. Hohberg 2, 74ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1869), Bd. IV,II (1877), Sp. 473, Z. 45.

herb, herbe, adj. und adv.

herb, herbe, adj. und adv.,
acerbus, acerbe. Das seit dem 12. jahrh. als haru, flectiert harewêr (Graff 4, 1043), später als harewe, harwe, herwe (mhd. wb. 1, 635ᵇ), hare, har, here und her (Lexer wb. 1, 1183) gebräuchliche adjectiv hat die grundbedeutung schneidend, beiszend, und gehört, wie bereits Schm. 2, 235 hervorhebt, zu der unter haaren schärfen sp. 27 angezogenen gruppe wurzelhaft verwandter wörter. der ableitende consonant w verhärtet sich bereits seit dem 14. jahr. in b: mit herbem wein. Megenberg 355, 16; acerbus herbe Dief. 9ᵃ (15. jahrh.), daneben erhaltung des ursprünglichen wurzelvocals:
der magen leichtlich nimpt ein scheü
ab grober kost und harbem trank.
H. Folz in den fastn. sp. 1265.
für altes herwe, herbe ist die form härg bairisch (Schm. 2, 237); dagegen beruht eine von Lessing 11, 625 aus Brants narrensch. 85, 37 (nicht 84) beigebrachte form herr, die durch assimilation entstanden sein müste, nur auf einem druck- oder lesefehler für hert, hart. herbe wird gesagt
1)
von stechenden thieren und ihrer waffe: eʒ (das einhorn) ist gar scharpf und härwe, alsô daʒ eʒ kain jäger gevâhen mag mit gewalt. Megenberg 161, 22; härber hurnausz, crabro asper. Maaler 205ᵈ;
indem sticht mich die schlange herb,
das ich mit meiner list verderb.
B. Waldis Esop 1, 54, 13.
daran angeschlossen in neueren quellen vom schneidenden geschosse, zunächst das griech. πικρός wiedergebend:
dasz du den herben pfeil mir aus der schulter herausziehst.
Stolberg 11, 149 (πικρὸν ὀϊστόν Il. 5, 110);
sprachs, und Antinoos drauf erzielt er mit herbem geschosse.
Odyssee 22, 8;
dann auf die anderen auch entsendet er herbe geschosse.
24, 180;
nur jetzt noch halte fest, du treuer strang,
der mir so oft den herben pfeil beflügelt.
Schiller Tell 4, 3.
2)
in bezug auf das gefühl, scharf, schneidend: mhd.
iʒ sint zuei jâr [...]
daʒ ane gie diser hunger harewêr.
genesis, fundgr. 2, 69, 39;
der lag still drei tag, und waʒ herbs weter. d. städtechron. 4, 185, 15; herber wind, ventus austerus. Stieler 828;
laut wehklagen sie dir, vor angst noch herberes hungers.
Voss 2, 54.
3)
in bezug auf den geschmack, beiszend, zusammenziehend, scharf, sauer: man schol eʒ (aloe) geben mit herbem wein oder mit wermuotsaf. Megenberg 355, 16; bitteres und herbes obst, amarum et acerbum pomum. Steinbach 1, 738; ein herber geschmack, sapor adstringens, amarus cum adstrictione. Stieler 828; die frucht vom wilden birnbaum, welche zwar wie eine andere birn aussieht, aber klein, und eines ... strengen, harten und herben geschmacks ist. öcon. lex. (1731) 1062; aber was gehen mich bleisüsze Franze an (es ist von weinen die rede), wenn ich meine guten herben Deutschen haben kann, welche das leben eben so sehr verlängern, als versäuern. J. Paul komet 3, 143;
mir mundet wein, der etwas herb.
Rückert 366.
von hier aus in einem bilde:
wie herb das fliehen schmecke, noch hatt ers nie vermerkt.
Uhland ged. 360.
herb von etwas unreifem: herb, unzeitig, acerbus. Dasyp.; und danach ebenfalls bildlich:
auch ich, ich lasse mir zuweilen träumen,
dasz ... mein lorbeer einst noch ... keimt.
doch warlich nicht, weil ihr, oft herbe lieder,
im wahn des sängers süszer wärt;
ich schlage gern beschämt die augen nieder,
wenn euch das ohr des gröszern meisters hört.
Gökingk 3, 116;
in ähnlichem sinne das folgende: Schröder hat an diesen dingen (englischen lustspielen) mehr gethan als man gewöhnlich weisz; er hat sie von grund aus verändert, dem deutschen sinne angeähnlicht, und sie möglichst gemildert. es bleibt ihnen aber immer ein herber kern, weil der scherz gar oft auf mishandlung von personen beruht, sie mögen es verdienen oder nicht. Göthe 26, 197. — herb von zusammenziehenden medicamenten: härb zesamen tringende, verschoppende, stipticus. Maaler 205ᵈ.
4)
herb, in bezug auf den geruch:
und floszfüszige robben der lieblichen Halosydne
ruhn in schaaren umher, den graulichen fluthen entstiegen,
herbe gerüch (πικρὸν ὀδμήν) aushauchend des unergründlichen
meeres.
Odyss. 4, 406.
5)
herb, wird seit alter zeit in mehrfacher beziehung übertragen gebraucht.
a)
von einem feind, gegner, ungerechtem verfolger: härb, rauch, unfreündtlich, rauw, geitig, tetricus, austerus, asper, restrictus, saevus. Maaler 205ᵈ;
die wuͦcherer füren wild gewärb,
den armen sint sie ruch und härb,
nit achtens, das all welt verdärb.
Brant narrensch. 93, überschr.;
o ihr götter, wie seit ihr so herb!
gebt zu, das ein frumbs mensch verderb,
und last dargegn die bösen lebn.
Ayrer 66ᵈ (346, 11 Keller);
in Baiern härb sein auf einen, böse sein, einen härb machen, zornig machen, blitzhärb, jähzornig. Schm. 2, 235; in Kärnthen harb erbittert, aufgebracht. Lexer 139; ebenso in Oberösterreich. Fromm. 3, 185, überhaupt in dem gesammten bairischen sprachgebiete; in Tirol hat sich auszerdem die nebenbedeutung rasch beim arbeiten entwickelt. Fromm. 6, 145. — herb in adverbialer stellung: herbe mit einem ümgehen, vehementem se in aliquem praebere. Stieler 828;
sie halten, herr, dein volk sehr herbe,
und drucken dir dein liebes erbe.
Opitz psalmen s. 179 (ps. 94, 3).
die neuere sprache hat den sinn von herb gemildert, es bedeutet nur kalt zurückweisend, in strenger art ablehnend:
zwei töchter, Olivie, schön und mehr nach auszen, Sophie, reizend und mehr nach innen gesinnt; einen fleiszigen, dem vater nacheifernden etwas herben sohn, Moses, will ich zu nennen nicht unterlassen.
Göthe 25, 337;
in einer solchen zarten umgebung wär es nicht möglich gewesen herb oder unfreundlich zu sein, im gegentheil fühlt ich mich wilder als seit langer zeit.
30, 248;
ganz neu ist der gebrauch von herbe in bezug auf strenge, nicht weiche kunstformen, wo sich der sinn des wortes mit der bildlichen verwendung der bedeutung oben no. 3 (sp. 1054) berührt:
er hätte ihr kaum sechzehn (jahre) gegeben, so schüchtern war noch der wuchs in allen umrissen, so kindlich herbe die wange und der blasse mund.
P. Heyse novellen 5 (1864) s. 168.
b)
von worten, fragen, urtheilen, vorstellungen als ausflusz kalter, feindlicher oder strenger gesinnung: strafet der pfarrherr in einer predigt mit viel herben worten seine bawren. Kirchhof wendunm. 438ᵇ; herbe worte, verba acerba. Frisch 1, 443ᶜ; indem Cenie ihre mutter erkennet, ruft sie: 'frau mutter! o welch ein süszer name!' der name mutter ist süsz; aber frau mutter ist wahrer honig mit citronensaft! der herbe titel zieht das ganze, der empfindung sich öffnende herz wieder zusammen. Lessing 7, 90; Clelia wurde immer erbitterter. ich würde mich tief gedemüthigt fühlen durch einen gatten so hoch über meinem stande, sagte sie herb und schneidend. Immermann Münchh. 4, 134; es ziemt uns noch weniger, über seine (Luthers) fehler ein herbes urtheil zu fällen. H. Heine 5, 79; wenn ich etwas herbe von den gegnern Göthes gesprochen habe, so dürfte ich noch viel herberes von seinen apologisten sagen. 6, 90;
ach herr, die frag ist streng und herb.
J. Ayrer 360ᵇ (1805, 31 Keller);
wetteifernd höhnt mit herbem spotte
den eingebrachten fang die rachbegierge rotte.
Schiller zerstör. von Troja str. 11;
also spräche das volk und es wäre mir herbe beschimpfung.
Odyssee 6, 285.
auch vom gesicht, als herbe empfindungen wiederspiegelnd: ein herbes und saures gesicht. pers. baumg. 4, 5;
he! lustig, alter! kein
so herb gesicht zu solcher freudenbotschaft!
Schiller Wallensteins tod 4, 7.
c)
herb, streng, bitter, in bezug auf zeiten, schicksale, ereignisse, thaten die an uns heran treten: derselbig hat von der herben zeit, so der kranke priester hat, auch hören sagen. Wickram rollw. 97; legte mich derowegen wieder ins bette, wiewol ich nicht schlafen konte, mit sorg und angst erwartende, wie mir diese herbe nacht gedeien würde. Simpl. 2, 203 Kurz; es ist ohne das jetzt so eine herbe zeit, in deren die liebe frucht und das viehe nichts gilt. 3, 319; nichts herber ist, als seinem feind zu fusz fallen, nihil molestius est, quam hosti supplicare. Stieler 828; allein die gräuelthat brachte ihm herben lohn. Dahlmann dän. gesch. 1, 437;
auch diesen stosz (des schicksals), den herben,
verrückst du aus dem ziel:
es läszt sich nicht so sterben,
als wie der würger will.
Fleming 388, 13 Lappenb.;
ich weisz, o herr, dein auge flieszt
bei diesem herben angedenken (eines todesfalls).
Günther 146;
nun ists geschehn! dir hat ein herber streich
das schöne lebensglück entrissen.
Göthe 47, 176;
nicht wahrlich guter wille stellte dich,
dich stellte das gesetz der herben noth
an diesen platz, den man dir gern verweigert.
Schiller Wallensteins tod 1, 7;
vergessen ist all die herbe pein.
Kotzebue dram. sp. 1, 301;
dasz er kunde der freund' ansagt und das herbe verhängnis.
Odyssee 10, 245;
die seinen tod so herb empfunden,
sie sanken alle selbst hinab.
Uhland ged. 244;
schon sieben jahre mit herben,
qualvollen gebresten wälz ich mich
am boden, und kann nicht sterben!
H. Heine 18, 310.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1872), Bd. IV,II (1877), Sp. 1054, Z. 11.

herbe, f.

herbe, f.
herbheit: härbe, reüche, austeritas, asperitas. Maaler 205ᵈ; erstlich pocht die herbe, und die hitze macht in dem pochen einen klang. J. Böhme Aurora (Stuttg. 1835) 143.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1872), Bd. IV,II (1877), Sp. 1056, Z. 40.

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Zitationshilfe
„härben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4rben>, abgerufen am 18.10.2021.

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