Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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härte, f.

härte, f.
duritia, ahd. hartî, hertî, mhd. herte; nach hart in mehrfachem sinne, selten mit plural.
1)
von waffen, metall, stein, holz: die härte des stahls, eisens; steinerne härte, duritia lapidea Stieler 772; härte am baum, nodus, centrum rami das.; dasz die also körperlich und fest gemachte luft .. in eine solche dichtigkeit, härte und schwere zu treiben sei, dasz sie sich vom steine nicht unterscheide. Immermann Münchh. 2, 33. die härte des eisens kann künstlich vermehrt werden, in diesem falle ist von härte ein plural gebräuchlich, die verschiedenen grade des hartseins auszudrücken: ein wasser gibt eine hertere und bestendigere herte denn das ander, wie drumb die Inszbrucker harnisch und kürisz die besten herten haben sollen. Mathes. Sar. 79ᵇ; die Türken sollen mit drachenblut gute herten machen. das.
2)
von dingen, die minder weich sind als man sie erwartet (hart 4 sp. 500): die härte des lagers erschwerte das schlafen; das fleisch war saftig, aber wegen seiner härte konnte es nicht genossen werden; härte in den händen, callositas, callus Frisch 1, 418ᶜ.
3)
auch unsinnlich, nach hart 5 sp. 500: warum ist diese stelle, ungeachtet ihrer härte, so schön? Gellert 2, 87; das ohr leide bei einer kleinen härte, bei einem abgerisznen e, bei einem nicht ganz reinen reime, wenn nur das herz dabei gewinnt. s. 91; in der musik die härte einer dissonanz; die stimme des andern beleidiget uns durch ihre härte, durch das hohle, durch das schreiende, durch das rauhe und grobe. Gellert 6, 315; die härte einer zeichnung, vgl. Göthe 24, 183. auch hier ein plural: dieser bemerkt es als eine von den anstöszigsten härten der rede, wenn der nämliche mitlauter sehr oft und nahe hinter einander vorkommt. Lessing 6, 361.
4)
von menschen, strenge, mangel des mitgefühls, grausamkeit: die härte des vaters hatte den sohn aus dem elterlichen hause getrieben; dasz der professor aus verzweiflung, mich nicht bekommen zu haben, gar nicht geheirathet hätte, dasz er vielleicht noch itzt über meine härte untröstbar sei. Rabener sat. 3 (1757) 175; diese härte der seele, bei äuszerlicher geschmeidigkeit und sanftmuth. Gotter 3, 9; hier auf dem vorgrund einer hellen warmen jugend .. wurde er zu weich und zu warm, auf dem dorfe widerrief er die härte der stadt. J. Paul Hesp. 3, 159; bin ich nur ungerecht, wenn ich des andern vermögen kränke? nicht auch, wenn ich seine .. ruhe durch stolze härte störe? Gellert 6, 147;
der himmel weisz, dasz jene zungen lügen,
die mich der härte zeihn und grausamkeit.
Schiller Turandot 2, 4;
härte
gab ich dir schuld, weil du mir ein geschäft
verweigertest, wo deine Alba glänzen?
Karlos 2, 5.
5)
strenger, scharfer kampf, wie mhd. herte wb. 1, 638ᵇ:
sie hieʒen mîne helde   in einer herte slahen unde vâhen.
Gudr. 130, 4;
in unumgelauteter form: dann wann ir die harte treffen, die mein bruͦder und ich thun werden, ir sollent euch der entsetzen. Aimon bog. i.
6)
strenge, bitterkeit, vom wetter, von zeiten und lebenslagen: härte des winters, rigor hyemis, gelu Stieler 772; die härte der zeiten; härte eines charakters; härte des schicksals; daher mhd. herte geradezu für not:
daʒ sî von grôʒer herte
hern Iweinen nerte
mit ir vil guoten witzen.
Iwein 2719;
in bezug auf gesetz, strafe, gebot: es liegt viel härte in dieser gesetzlichen bestimmung; die härte einer strafe; die vielfach getadelte härte mancher strafbestimmungen. Hall. zeitung 1870 no. 50; ahd. hertî dero altun êo. Notker bei Graff 4, 1023;
dasz Roboam der jungen radt
der alten fürgesetzet hat,
und wolt geprauchen grosze herdt.
da fielen von im auf der fert
zehen von den zwelf geschlechtern.
Schwarzenberg 108.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 509, Z. 66.

härten, verb.

härten, verb.,
ahd. hartjan, hertan, mhd. herten.
1)
transitiv hart machen;
a)
im eigentlichen sinne: den stahl bei verstählten und schneidenden werkzeugen kann man gleichfalls in kaltem wasser härten. Jacobsson 2, 222ᵇ; eisen härten, durare et purgare ferrum Stieler 772; nach diesem härten des stahls und eisens heiszt es bildlich:
und schweigend ward ein bündnis jetzt beschworen,
das, fest gehärtet in des feuers glut,
bestehen wird in allen schicksalsproben.
Schiller Tell 5, 1;
die hufen härten, ungulas durare Steinbach 1, 703: mhd.
dô was velt unde walt
mit snê gar bevallen;
den het der frost allen
gehertet, als er wol kan.
Stricker in Wackernagels leseb. 626, 18.
b)
übertragen, und zwar entweder nach hart 7, a und b sp. 501 fest, kräftig machen, abhärten: herten, hert oder käch machen, durare, indurare Maaler 219ᶜ; alle leibesübungen härten den körper. Gellert 6, 294; wofern das gemütte in keiner strengen zucht und lebensart gehärtet, noch durch gefahr und mühseligkeit verstählert worden. Butschky Patm. 863; undurchbrechliche schaaren, .. gegen alle elemente gehärtet. Schiller 854; er wurde darin (in thau und luft) wie heiszes eisen gehärtet. J. Paul Hesp. 1, 164;
durch manchen held im kittel,
der, durch den feldbau stark, gehärtet durch den pflug.
Hagedorn 3, 27;
mit allen kräften, die ihm der härtende krieg gab.
Klopstock 5, 54;
oder nach hart 7, d sp. 502 fühllos, verstockt machen: so gehorchten sie nicht, sondern härteten iren nacken, wie der nacke irer veter, die nicht gleubeten an den herrn iren gott. 2 kön. 17, 14, s. hartnäckig; jedes wort das du oder ich sagen, härtet sie noch mehr gegen uns. Klopstock 9, 326; wenn er dich sehr betröge, wenn die vom hof gehärtete hand einmal blut und thränen wie ein zitronenquetscher aus deinem herzen drückte. J. Paul Hesp. 1, 85.
c)
auch nach hart 9, c (sp. 505): holzbirn härten den leib, sobra durant ventrem Stieler 772;
dasz künftig keiner nicht, wie etwan Welschland thut,
sich überreden darf, dasz gar zu kaltes blut
bei unsern knochen sei, und etwan ein gestirne
vom neuen Zembla her uns härte das gehirne,
damit es weiter nicht gedenke, dann es sieht.
Opitz 2, 27.
2)
reflexiv sich härten: messerklingen härten sich in kochendem fett; durch frost härtet sich der boden; übertragen: der empfindsame weichling härtet sich zum manne. Schiller 705; auch in dem sinne sich fühllos, verstockt machen: wie die strauszen herten sie sich auch gegen ire jungen, und lassens dabei bleiben, das sie die eier von sich geworfen, und kinder gezeuget haben, nicht mehr thun sie dazu. Luther 2, 473ᵃ; ihr habt mir nichts zu verzeihn. ich aber habe mir geantwortet, dasz ich es euch nicht verzeihn will, dasz ihr euch wie felsen härtet, ihn zu verkennen. Klopstock 9, 342.
3)
intransitiv aushalten, ausdauern, wie mhd. herten wb. 1, 638ᵇ: und so sie schon so harter säwischer natur weren, dasz sie ein guͦte zeit bei sollichen faulen tagen herten köndten. J. Westphal faulteuffel F iijᵃ; auch transitiv als aushärten, s. 1, 882;
ich hoff ich werds nicht herten ausz,
o herr, was wird doch werden drausz?
cathol. kirchengesänge (Cöln 1634) s. 514.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 510, Z. 76.

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Zitationshilfe
„härten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4rten>, abgerufen am 22.10.2021.

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