Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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hässen, adj.

hässen, adj.
ein technisches wort der blechhammerschmiede: hässen gemacht wird das eisenblech, wenn durch das abbrechen oder das klopfen jedes einzelnen blechs mit dem hölzernen hammer alle noch daran hängende lose eisenhäute oder schiefer wegfallen, und die bleche dadurch recht glatt werden. Jacobsson 2, 226ᵇ. das wort ist nichts als das ahd., sonst gewöhnlich untergegangene und schon mhd. nicht mehr aufgewiesene adj. hasan, politus, venustus, dessen adverb auch hier in technischem gebrauche erscheint: hasano gitân fabrefacta Graff 4, 1047. das kärnthnische bewahrt noch hâsen neben hâsig, glatt, schlüpfrig, schmeichlerisch mit der nebenform kâsen aus gehasen. Lexer 135. 156. vergl. auch häsig sp. 543 und das verbum käsen th. 5, 255.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 546, Z. 62.

hassen, verb.

hassen, verb.
odisse. goth. hatjan und hatan, ahd. haʒên und haʒôn, mhd. haʒʒen.
1)
die ursprüngliche bedeutung feindlich verfolgen, die nach dem zu hasz zu bemerkenden dem worte eigen ist, und im ahd. haʒôn aemulari, hatamas insequamur, hatent insequuntur (Graff 4, 1071. 1072), alts. hatôn nachstellen erscheint, hält sich noch lange: sêlig sît ir, wan ûch di lûte ubele sprechin und ûch werden haʒʒin (vulg. persecuti vos fuerint, Luther: verfolgen). Behaims evang.-buch, Matth. 5, 11; und durch diz haʒʒiten (vulg. persequebantur, Luther: verfolgten) die Juden Jhêsum. Joh. 5, 16;
ein islik eddel von hogem stam
schal haten de deve und schal de vangen.
Reineke fuchs 267,
und hat ihre ausläufer in dem mundartlichen haten streiten (in Pommern) Fromm. 5, 133; in Tirol einen hassen necken, plagen 6, 146; hassen auf einen, ihm aufsätzig sein. Schm. 2, 245;
wie er die kunst hett wol gefaszt,
hub an und seinen meister haszt.
B. Waldis Esop 4, 72, 16.
2)
häufiger hat hassen, schon seit der ahd. mhd. zeit, sich in abgeblaszterer bedeutung entwickelt, insofern es nicht sowol auf feindliche thaten, sondern rein auf feindselige gesinnung geht: hassen und neiden, odire, zelare voc. inc. theut. i 2ᵃ. die fügung ist mehrfach.
a)
absolut, nur in der modernen sprache: sterben lehrt mich dein meineid, aber nicht hassen. Schiller Fiesko 3, 3;
einst warst
du mir so gut — du wirst nicht ewig hassen
und wirst nicht unversöhnlich sein.
Karlos 4, 15;
wo alles liebt, kann Karl allein nicht hassen.
1, 1;
liebe seele, wollen wir
hassen oder lieben?
Gleim 1, 88.
b)
transitiv, mit persönlichem object: du solt deinen bruder nicht hassen in deinem herzen. 3 Mos. 19, 17; aber diese flüche wird der herr dein gott alle auf deine feinde legen, und auf die dich hassen und verfolgen. 5 Mos. 30, 7; die den herrn hassen, müsten an im feilen. ps. 81, 16; segnet die euch fluchen, thut wol denen die euch hassen (goth. vaila taujaiþ þaim hatjandam izvis). Matth. 5, 44; ich hasz die den schlaftrunk zu morgens thuͦn, odi memorem compotorem. Agr. spr. (1560) 89ᵇ; wer sich selbst liebt, den hassen viel. Schottel 1115ᵇ; sie hassen einander auf den tod, capitali inter se dissident odio. Steinbach 1, 706; fürsten werden ihre schätze bieten um einen mann, den sie jetzt hassen. Göthe 8, 11; den ehemals gehaszten und nun so heftig geliebten. 17, 329; hasse mich! ich müszte feuerroth werden vor scham, wenn ich an Karln denke, und mir eben einfiel, dasz du mich nicht hassest. Schiller räuber 1, 3;
ich hasse meinen vater nicht — doch schauer
und missethäters bangigkeit ergreifen
bei diesem fürchterlichen namen mich.
Karlos 1, 2;
die recht thun, eben die haszt er am meisten.
Tell 3, 1;
was geht der Schwed mich an? ich hasz ihn wie
den pfuhl der hölle.
Wallenst. tod 3, 15;
den erklär ich
für meinen todfeind und beleidiger
und werd ihn hassen wie der hölle pforten,
der den erloschnen funken unsres streits
aufbläst zu neuen flammen.
braut von Messina (494ᵇ).
c)
mit dinglichem object: der kaufmannschatz haszt, dem kaufmannschatz widerig ist, aversus mercaturis. Maaler 213ᵃ; den tod hassen, fliehen, und sich darvor eüszeren, alienari ab interitu. das.; du liebest gerechtigkeit und hassest gottlos wesen. ps. 45, 8; so du doch zucht hassest, und wirfest meine wort hinder dich. 50, 17; die ir den herrn liebet, hasset das arge. 97, 10; hasset das arge, hanget dem guten an (goth. fiandans ubila, haftjandans gôdamma). Röm. 12, 9; ich hasz es wie gift, wer fleicht, wenn man ... einander zermessern und zerfleischen soll. Garg. 242ᵃ; daher auch nicht alle menschen einerlei objecten lieben ... eine blume rieche noch so lieblich: sie wird doch von einem oder dem andern gehast. Butschky Patm. 9; das er hasset, das trägt er. Schottel 1140ᵃ mit anklang an Röm. 7, 15: denn ich thu nicht das ich wil, sondern das ich hasse, das thu ich; ich flehe nicht um mein leben, lange hasse ich es. Klinger 2, 313; ich hasse die französische sprache von ganzer seele (sagte Aurelie). wie kann man einer sprache feind sein, rief Wilhelm aus, der man den gröszten theil seiner bildung schuldig ist. Göthe 19, 239;
mancher hasset, dasz er siehet,
musz doch leiden, dasz es schiehet.
Schottel 1120ᵃ;
kein weiser haszt die welt.
Hagedorn 1, 53;
Leander haszt ein ausgeleertes glas;
läszt auch Scapin ein volles vor sich stehn?
86;
ein wahrer freund sagt alles frei,
er haszt die stumme heuchelei.
111;
so süsz auch küsse sind, wenn wir Tibulle hören,
so haszt doch die natur ein ewig einerlei.
Wieland 10, 160;
des patrioten muse, mein Philibert,
haszt eitle selbstsucht, eifert um vorrang nie.
Ramler 1, 103;
izt aber hassen meine (kranken) augen
deine (der sonne) strahlen.
Gökingk 3, 43;
denn die elemente hassen
das gebild der menschenhand.
Schiller glocke.
d)
eigenthümlich ist der dativ statt des accusativs gesetzt: wie auch leret der spruch: amici vitia noris, non oderis, das ist, ich sol meines freunds weise lernen, aber inen (ob es nicht alles schnurgleich ist) darumb nicht hassen. J. Jonas bei Luther 6, 405ᵃ.
3)
hassen unpersönlich, mit persönlichem object, in der bedeutung zuwider sein: ein ding haszt mich, es ist mir zuwider, schwer. Schm. 2, 245;
ein andren hat sein büchs ghasset,
drum dasz er sy zu stark gefasset,
desz hat der schutz nit recht sein gang.
Grob ausr. in Haupts zeitschr. 3, 253, 102.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 546, Z. 75.

hessen, verb.

hessen, verb.
1) die flechsen des hinterbuges durchschneiden. Jacobsson 2, 256ᵃ. vergl.hechsenen sp. 739. 2) in anderer bedeutung bei Sebiz: hasen hessen .. hessen heiszt ein vorhölzlin mit garnen fürrichten. hetzen beschicht inn freiem feld mit den hunden on garn. feldbau s. 568 (wie weidmännisch von etlichem waidwerk zu reden); wobei das oben bei Hesse über hessen bemerkte zu vergleichen; s. auch hetzen 1, a.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1873), Bd. IV,II (1877), Sp. 1269, Z. 15.

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Zitationshilfe
„hässen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4ssen>, abgerufen am 04.08.2021.

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