Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

hässig, adj. und adv.

hässig, adj. und adv.
1)
wie mhd. haʒʒec, heʒʒec hasz habend, voll hasz und feindseligkeit: invidus heszig, nd. hatich Dief. 307ᵃ; hassig A. v. Eybe, s. die stelle unten; hassig odiosus, exosus voc. inc. theut. i 2ᵃ; hessig, infensus Dasyp.; hässig, der hasset, oder ein hasz tregt, exosus Maaler 206ᵇ; da hort ich die hessigen Juden sagen wie sye nach meinem tod mein leichnam wolten verbrennen. spiegel menschl. behaltnusz (1492) 147ᵇ; wollen wir gleich .. ein zeddel vol samlen seiner hessigen, spitzigen, verdrieslichen wort und berden. Luther 1, 150ᵇ; das wir unser antwort nicht thun aus hessigem gemüthe. 3, 189ᵃ; was ist denn der alte mensch? das ist er, so uns angeboren ist von Adam, zornig, hessig, neidisch, unkeusch. 4, 425ᵃ; offenbart damit sein hessigs, bitters, giftiges herz gegen mir. 6, 8ᵇ; bringen mit sich ein garstig, bitter herz, giftige augen und hessige ohren. 24ᵃ; het ich sein hessig gemuͦt erkant. Aimon bog. a ij; mit pfeifender stimm, hässigen augen, als den basiliscum. kriegsbüchl. d. fr. 71; vor ungleichen hässigen nachreden zu vertheidigen. anm. weiszh. lustg., vorrede;
und dasz er in (gott den menschen) auch durch sein güt
vor dem hessigen feind behüt.
H. Sachs 5, 21ᵇ;
todtschleger, grimm und hässig lüt,
die ires nächsten achtend nüt.
R. Wonlich himl. Hierusalem (1584), str. 23;
din geliebt feder hat dich hessig gemacht. Cyrillus 56ᵃ; du bist betrübt und hässig, wann es schön und heiter ist. 21ᵇ; zum dritten, sind sie .. aufs allerheftigst bitter, hessig und giftig. Luther 5, 54ᵇ; sondern ist neidisch, hessig, stolz gewest. 6, 53ᵃ; seines ampts, berufs trewlich warten, nicht bitter, nicht hessig sein (im lat. original non retinere odia). J. Jonas das. 435ᵇ; mancher ist so häsig und neidisch, gäbe ein aug drumb, dasz sein nechster nur keins hett. Lehmann 2, 144; — wer ein frawen lieb hat von der schön wegen, der wirt ir bald hassig, so die schön vergangen ist. Albr. v. Eybe 7ᵇ; durch verfügung der Florentiner, die im mächtig hässig und aberhold waren. S. Frank chronica 193ᵇ; die weiber, ihren mannen ganz hessig und gram. weltb. 18ᵇ; die nachteul soll auch den eglin hässig sein. Forer fischb. 198ᵇ; bleib von den leien, denn sie sind den gelehrten ganz hessig. Kirchhof wendunm. 259ᵃ; nd. hei is mek hâtig, er hat einen hasz auf mich geworfen. Schambach 76ᵃ; statt des dativs der genitiv: des frids hässig und feindselig. Frank chronica 119ᵃ;
ich sprach junkfraw ir seit mir hessig.
H. Folz, Haupts zeitschr. 8, 511, 37;
der wahrheit hässig sein, verblümet liebekosen,
der einfalt nasen drehn, den schwachen hintergehn,
dem der weit von uns ist nach gut und ehren stehn,
disz läszt der hof bei ihm violen sein und rosen.
Opitz 1, 354;
dis wort, nicht werd nachzusagen, wil ich nicht deuten, wie hessig es gesetzt ist. Luther 1, 128ᵃ; welche andern feindschaft tragen, und inen hessig nachstellen. Steinhöwel (1555) 44ᵇ. In der Schweiz hat das wort die etwas modificierte bedeutung zornig, ärgerlich, aufgebracht (Stalder 2, 24ᵃ) angenommen: als der wirth wieder eintrat, noch hässiger als vorher. J. Gotthelf schuldenbauer 5; es wäre mancher froh, wenn er den ganzen winter durch deren hätte, antwortete der wirth hässig. s. 13; derweilen war die stubenmagd immer hässiger geworden, besonders gegen den wirth, dem sie die schnödesten worte gab. s. 30; da ging Vreneli hässig und trieb mit hässigen worten den bei den keglern stehenden schmollenden Uli, der anfangs nicht kommen wollte, herbei. Uli d. knecht 301. dazu die hässigi, zorn. Stalder.
2)
auch hasz und widerwillen erregend, verhaszt, häszlich: hassig odiosus, invidiosus, odibilis, exosus voc. inc. theut. i 2ᵃ; hässig, unwerd, unflätig, putidus Maaler 206ᵇ; vast hässig und ungeschaffen, insignis ad deformitatem das.; hässig wüst geschrei, clamor absonus das.; die armut sei ein hessigs gut. Albr. v. Eybe 18ᵃ; weil der hessige geist sich so gern wolt schön machen. Luther 3, 49ᵇ;
wiwol man etlich frümer findt,
den sölche misbreüch hässig sind.
Schwarzenberg 143ᵃ;
vil erben man in armuͦt kent,
möcht hässig sein, ob ich si nent.
158ᵃ;
ir zen si färben schwarz mit kunst,
haltens für schön, was hässig sonst.
Rebmann gespräch zweier berge (1606) 426;
wohl mags, dasz mir der fernste wunsch gelinget,
dasz er erschlägt den hässigsten von allen.
Tieck 2, 113.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 549, Z. 10.

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Zitationshilfe
„hässig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4ssig>, abgerufen am 27.10.2021.

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