Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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hätschel, m.

hätschel, m.
liebkosendes streicheln: wenn die sich unter einander fänge geben, ists nur hätschel und fätschel, wobei keinem die nase überläuft. Fr. Müller 2, 20.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 558, Z. 45.

hätscheln, verb.

hätscheln, verb.
es ist der form nach das diminutiv von hatschen, hätschen, die bedeutung hat sich zum theil abweichend entwickelt. der stammvocal des wortes wird gewöhnlich lang gesprochen, Steinbachs hetscheln demulcere, blanditiis uti 1, 746 zeugt aber auch für kurze aussprache.
1)
entsprechend der einen bedeutung von hatschen heiszt hätscheln mit den füszen gleiten, nur mundartlich bezeugt: hätscheln nach einem anlaufe auf dem eise fortglitschen Schm. 2, 259; hätscheln rutschen auf dem eise Fromm. 4, 377, beides aus der Nürnberger gegend; im Haungrunde und stifte Hersfeld hätscheln hinken, mit den beinen schleifen, dazu das subst. hätschel krüppel, lahmer. Vilmar 154.
2)
gewöhnlicher ist hätscheln gebraucht von der gleitenden bewegung der hände, es heiszt streicheln, liebkosend über jemand hin fahren; die schriftsprache verwendet es seit dem vorigen jahrhundert nicht unhäufig, namentlich in bezug auf die liebkosungen gegen kinder: da kann ich alter kindernarr noch in meinen siebziger jahren etwas zu tragen und zu hätscheln bekommen. Engel Lorenz Stark cap. 28; und sie streichelt und hätschelt so lange bis sie glaubt, dasz ich am einschlummern bin. H. Heine 13, 59; transitiv ein kind hätscheln; einen knaben hätscheln, denselben freundlich begegnen und küssen, blandis verbis puerum alloqui, amplecti et osculari. Frisch 1, 422ᵇ; und seltener mit einem kinde hätscheln: für die kinder ist es ein herrliches leben, sie (die Kosaken) setzen sie auf die pferde und hätscheln mit ihnen. Niebuhr leben 1, 540; ich trage es (das kind) viel, hätschele mit ihm. 2, 317.
3)
daher übertragen hätscheln zärtlich, sorgfältig behandeln (Schm. 2, 259), durch liebkosungen verwöhnen: ich will ein schurke sein, wenn du mit deinem hätscheln etwas kluges aus dem weibsbilde machst. Sturz 2, 198; ich war der hahn im korbe. abwesend ward ich gleich vermiszt; man hätschelte mich. Göthe 36, 24; so ist er der liebling des ganzen hauses, von der mutter gehätschelt, von der tochter geschätzt. Schiller parasit 1, 2; man musz die leute hätscheln, so lange man sie brauchen kann. Kotzebue dramat. sp. 3, 233;
wer ihn recht zu hätscheln weisz,
eia, kriegt den besten preis.
Freiligrath glaubensbekenntn. 176.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 558, Z. 61.

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Zitationshilfe
„hätscheln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4tscheln>, abgerufen am 25.10.2021.

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