Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gehäuft, gehauft, part. pass.

gehäuft, gehauft, part. pass.
zu häufen, haufen:
wann man guten gutes thut,
häuft man sein gehäuftes gut.
Greflinger Seladons weltl. lieder (1651) anh. 26.
beim messen, gehauft masz weisth. 2, 202. als adv.: gehawft, cumulatim, catervatim. voc. 1482 k 5ᵇ. ein hafen gehauft (auch aufgehauft) voll mehl Schmeller 2, 154; zwei tische lagen gehauft voll funkelnder rössleinthaler. Hebel 2, 100.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1879), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2329, Z. 38.

haufe, haufen, m.

haufe, haufen, m.
cumulus, acervus. die alten sächsischen dialecte kennen nur eine starke form des wortes: alts. hôp, gen. hôpes, ags. heáp, fries. hâp (das isländ. hôpr caterva Haldarson 1, 379, dän. hob, hoben, schwed. hop scheinen daher entlehnt), während das ahd. mhd. und die neuniederdeutschen dialecte eine doppelform aufweisen: ahd. hûfo, gen. hûfin, in alemannischen und bairischen quellen, und houf, gen. houfes vorzüglich in fränkischen, das letztere weniger begegnend (Graff 4, 832. 835); mhd. hûfe und, zumal in mitteldeutschen quellen, houf:
sie gebent der werlde guoten kouf
und sament tugende grôʒen houf.
Ebernand v. Erfurt 4612;
nnd. hûpen und hoop. auch im nhd., wo die beiden formen rücksichtlich des vocals im stamme zusammen fallen muszten, da altes û so gut wie ou hier zu au werden, scheidet sich noch von dem schwachen haufe, oder wie die nominativform zumal seit dem vorigen jahrh. gewöhnlicher heiszt, haufen, eine nominativform hauf, die an sich zwar als einfache kürzung von haufe gefaszt werden kann (wie has für hase, pfaff für pfaffe): hauf cumulus Dasyp.; hauf acervus, aggestus, cumulus Maaler 213ᵇ, neben haufen abundantia, acervus das.; während die seltenere accusativ- und dativform hauf sie doch als abkömmling des oben aufgeführten starkformigen houf ausweist:
beschränkt von diesem bücherhauf.
Göthe 12, 31;
da macht sie ihm ein fenster auf,
zeigt ihm drauszen viel bunten hauf.
13, 127;
vergl. unten (II, 4) die formel zu haufe. eine umgelautete nominativform acervus heuffe Dief. 9ᵃ hat einen plural häufen zur seite: so musz der hagel in die gröszte häufen schlagen. Simpl. 3, 270 Kurz. hûfo und houf führen auf eine wurzel huf, niederdeutsch hup zurück, die im griech. als κυβ in κύβη erhöhung, kopf, κύβος knöchel (hervorspringende stelle am fusze, dann würfel) auftritt, und wahrscheinlich nur erweiterung einer ältern wurzelform cu ist, wie sie im lat. in cu - mulus hervorblickt. die erweiterung dieser wurzel zeigt den auslautenden labial nicht auf éiner stufe, das griech. hat zu κύβη nebenformen wie κύπρος und κύφερον (Curtius grundzüge 3. aufl. s. 490. 491); letzteres gehört zu einer sanskr. wurzel kubh hervorragen, die aus kakubh gipfel bisher nur erschlossen ist (vergl. haube und haupt). auch im deutschen herscht die ungleichheit des wurzelschlusses; während zu griech. κυβ alts. hôp, ahd. hûfô sowol wie goth. hup-s, ahd. huf hüfte lautverschoben genau stimmen, ist goth. haubiþ, ahd. houbit haupt, sowie hûba haube an die nebenform der wurzel griech. κυφ, sanskr. kubh angelehnt, wörter denen allen gemeinsam der begriff des emporragenden, in die höhe oder hervorstehenden innewohnt. so hat auch ahd. hûfo neben acervus, aggestus, cumulus, caterva die glossen strues, agger, tumba, tumulus, die an sanskr. kakubh bergesgipfel rühren; mhd. steht hûfe für ameisenhügel:
sô lîst du (ameise) in dem hûfen dîn.
Boner 41, 27,
und noch nhd. wird in diesem sinne von einem maulwurfshaufen, ameisenhaufen geredet, wiewol gewöhnlich durch haufe nur eine eng vereinigte menge bezeichnet wird, die man sich nicht als aufgethürmt zu denken braucht.
Bedeutung.
I.
1)
haufe, eine zusammengeschichtete menge von gegenständen irgend welcher art, selten ohne nähere bezeichnung: huffen machen, cumulare, aggerere voc. inc. theut. k 4ᵃ; und dann in der regel von aufgespeicherten gütern, erntevorrat und schätzen verstanden: wer seinen acker vleiszig bawet, der macht seine haufen gros. Sir. 20, 20; das glück ist eine thörin, das tappet als nach dem gröszesten haufen, macht es wie der teufel, der schmeiszet wo dreck ist mehr zu. interim 377;
ich möchte wissen wie es käme
dasz gut wo einen haufen neme?
Logau 1, 166, 11;
aber, ach! nicht das sparen allein, um spät zu genieszen,
macht das glück, es macht nicht das glück der haufe beim haufen.
Göthe 40, 272.
gewöhnlich näher bestimmt: und sie namen steine und machten einen haufen. 1 Mos. 31, 46; laszt sie auch zwisschen den garben lesen, und beschemet sie nicht, auch von dem haufen laszt uberbleiben und laszt liegen, das sie es auflese. Ruth 2, 16; viel körnlein machen einen haufen. Schottel 1121ᵇ; die steine, welche von einem theile weggebrochenen mauerwerks herrühren, liegen in einigen unordentlichen haufen in dem düstersten theile der krypte umher. Immermann Münchh. 3, 200; die bestimmung geschieht durch ein beigesetztes substantiv, das die ältere sprache gewöhnlicher in den theilungsgenitiv, die jüngere in den nominativ stellt: ahd. dîn wamba ist samo weizes hûfo. Williram 59, 22; nhd. huffen stros oder gestros tritura, hufen aschen aggestus, cumulus cineris voc. inc. theut. k 4ᵃ; haufen kornysz acervus, tritura Dief. 9ᵃ; die rotte der gottlosen ist wie ein hauf wergs, das mit fewer verzehret wird. Sir. 21, 10; behaltet sie (die lehre) wie einen groszen haufen golds. 51, 36; da aber Paulus einen haufen reiser zusammen raffelt. ap. gesch. 28, 3; haufen gelt, acervus pecuniae Maaler 213ᵇ; haufen korn, numerus frumenti, haufen schnee, nivei aggeres 213ᶜ; haufen der schönsten früchte. Göckingk 3, 124; bewegte der morgenwind einen groszen haufen brauner, gelber und weiszer federn. Immermann Münchh. 3, 4; den groszen haufen garn. Heine 7, 75;
so stub ein groszer hauf
sandts bis an das gewölk hinauf.
mückenkr. 1, 805;
hat der schmerz,
als schütterte der boden, das gebäude
in einen grausen haufen schutt verwandelt?
Göthe 9, 244.
2)
haufe, ohne weiteren zusatz, vom koth: indessen der eine einen haufen dorthin hoffirte. Simpl. 3, 369 Kurz; so ists denn eine thorheit, wenn mancher mensch zu seiner entschuldigung spricht: man sollte mich zufrieden lassen. wer mich aber reget, der reget einen faulen haufen. Scriver seelensch. 1, 71; er hat einen haufen hingesetzt, fecit oletum. Serz 64ᵇ.
3)
haufe, eine dichtgedrängte menschenmenge, schaar: huff des volkes caterva voc. inc. theut. k 4ᵃ; ich wil dich wachsen lassen und mehren, und wil dich zum haufen volkes machen. 1 Mos. 48, 4; der hauf seiner jünger und eine grosze menge des volks (goth. hiuma sipônjê is jah hansa mikila manageins). Luc. 6, 17; es folgete ihm aber nach ein groszer haufe volks und weiber. 23, 27; die weil wir solchen haufen zeugen umb uns haben. Hebr. 12, 1; der ganze haufe der weltweisen vor Leibnitz. Kant 8, 18; unter einem haufen grobe bauern. Simpl. 4, 411 Kurz; indem er von einer gruppe zur andern ging, hier das räthsel aufgab: wann der hase über die meisten löcher laufe? dort einen rothkopf warnte, er solle nicht so nahe an die scheune gehen, .. einem dritten haufen die geschichte vom prinzen Pralle erzählte. Immermann Münchh. 3, 54; wer einen reichen kindersegen hat, spricht von dem haufen seiner kinder; haufen kind, examina infantium, puerile agmen Maaler 213ᵇ (vergl. kinderschar); ein haufen dienstmägten, famula cohors das.; worzu halt ich so ein haufen mägd im hausz, wann ihr alles selbst thun wollet? Simpl. 4, 60 Kurz; die römischen vornehmen haben einen ganzen haufen bedienten im hause. Seume spazierg. 2, 80; unter einem haufen zuschauer. Wieland 12, 84; jezo siehet man ein haufen verwundete hier. Lessing 12, 3;
der gotlosen hauf.
Weckherlin 38 (ps. 10, 14);
was schlägst du deine brust, o du betrübter haufen,
ihr Phryger weibervolk?
Opitz 1, 223;
wo Scythen und prälaten saufen,
da ist der gott der freuden nicht dabei;
es herrscht in ihren wilden haufen
die zwietracht und die völlerei.
Gleim 1, 162;
nun freut ein haufen anverwandten
sich auf den tanz.
3, 101;
und thut sie erst die schaltern auf,
da kommt das ganze städtchen,
und feilscht und wirbt mit hellem hauf
ums allerlei im lädchen.
Göthe 1, 37.
haufe, von einer tischgesellschaft:
straff was dich nicht dunkt lustig sein,
red undern ganzen haufen nein,
und wer darwider reden wil,
so zürn mit ihm, so schweigt er still.
grobianus (Frankf. 1568) G 7ᵃ (b. 2, c. 3);
so sitz die ganze nacht zu saufen,
und lasz ir keinen von dem haufen.
J 5ᵃ (b. 2, 8).
wie haufe auch von der schaar der todten gilt: da liegen viel erschlagene und grosze haufen leichnam. Nahum 3, 3, so heiszt zu dem alten haufen gehen sterben: Calasiris ist zu dem alten haufen. buch d. liebe 211ᵇ.
4)
haufe, eine schar der durch den stand mit einander verbundenen, die gemeinde in politischer und kirchlicher beziehung: das ist das vierte dankopfer, für den rechten haufen, nemlich für die auserwählten kinder gottes, und alle heiligen auf erden, welches die wahrhaftigen christen sind. Luther 5, 48ᵃ; Lutherus sagt bei einweihung der schloszkirchen zu Torgau: es musz der christliche hauf einen gewissen ort und stund haben, wan und wo sie zusammen kommen können. Schuppius 62; das gebet ist nie so stark und so kräftig, als wo der ganze haufe einträchtig mit einander betet. das.
5)
haufe, ohne weiter bestimmendes substantiv, bezeichnet auch das volk mit verächtlichem nebensinne, pöbel: er wil auch den haufen an sich henken, und allein herr sein, darausz kompt dann ein zerrüttung, aufruͦr, unfrid und bluͦtvergieszen. Agr. spr. (1560) 21ᵃ;
wenig achtet sie (die weisheit) der haufe.
Göthe 11, 259;
so lange
der fasching währt, verehren wir die lüge, ...
den süszen rausch des haufens nicht zu stören.
Schiller Karlos 1, 9;
häufig mit adjectivischer bestimmung, der gemeine, grosze haufe: der ander gemeine haufe, krämer, sudler. Kirchhof mil. disc. 201; ich weis freilich, dasz es richter giebt die zum groszen schaden ihrer häuslichen nahrung ganz anders gesinnt sind, .. aber das weis ich auch, das der gröszte haufe von ihnen ganz anders, und gründlicher denkt. Rabener sat. 3 (1757) 83; ich kann nicht läugnen, dasz es ein vortreffliches werk sei; aber ein so enthusiastischer bewunderer, als der gröszte haufen ist, bin ich nicht. Bürger 138ᵃ;
der pöbel ist der gröszte hauf auf erden.
Gellert 1, 169;
gold kauft die stimme groszer haufen,
kein einzig herz erwirbt es dir.
Göthe 47, 9.
6)
haufe von einer geschlossenen schaar bewaffneter, krieger: mhd.
der turney was zewâre guot.
manc ritter drinne hôch gemuot
mit hurte durch den hûffen brach.
frauendienst 87, 19;
nhd. versties den zeug, das sie in vier haufen aller erst nach sechs orn, da es heller liechter tag was, vor der stat zusamen kamen. Wilw. v. Schaumb. 88; er teilete die drei hundert mann in drei haufen. richter 7, 16; thaten eine grosze schlacht, und Judas mit seinem haufen .. behielt den sieg. 2 Macc. 12, 11; die Andabati, so mit zugethanen augen streiten und in den haufen schlagen. Simpl. 2, 193 Kurz; hinter die geschlossenen haufen der Römer. Lohenstein Arm. 1, 42ᵃ; Froto riet selbst durch alle haufen seines kriegsvolks. 2, 895ᵇ; ein reichsstand, der wider sich selbst stehet, und in zweien haufen reitet. Butschky Patm. 729; es flohe freund und feind. nur du kleiner hauf hieltest mir den rücken frei. Göthe 8, 100; wir waren mit hellem wüthigem hauf herum, und er oben aufm kirchthurn wollt gütlich mit uns handeln. s. 137;
auf der socken folgte geschwindt
der ganz hell hauff, das hoffgesindt.
mückenkr. 1, 334;
aus den het Scannacaballa acht
schwader oder haufen gemacht.
1, 824;
herr graf, es zieht ein haufe das obre thal herab:
sie tragen schwere kolben; der hauptmann führt im schild
ein röslein rot von golde und einen eber wild.
Uhland ged. 359;
nun hielt auf Hohenstaufen
der deutsche kaiser haus:
der zog mit hellen haufen
einsmals zu jagen aus.
371.
der verlorne haufe hiesz der vortrab eines heeres, der gewaltige oder grosze haufe das hauptheer: verloren hauf, rorarii, ferentarii Dasyp.; die den angriff thun, scharmützler, so geringe rüstung führen, der verlohren haufen. Henisch 1738, 61; laszt uns mit der beute gelassen zu dem groszen haufen ziehen. Göthe 8, 138;
die vögel wie ein pfeil zuflogen:
der verlorn hauf ward erst erschlagen.
darnach die vögel all gemein
setzten zum gwaltigen haufen ein.
die thier wurden in die flucht bracht:
die vögel gwunnen also die schlacht.
B. Waldis Esop 1, 34, 17 ff.
wenn sich mit diesem haufe der nebensinn der streitbarkeit, kraft, macht verband, so erklärt sich eine in Halle a. S. unter dem volke oft gehörte formel: da bin ich nicht der haufe dazu, d. h. das vermag ich nicht; ähnlich rheinisch: er ist kein haufe, ein kleiner, schwacher mensch. Kehrein 189.
7)
haufe von einer schaar thiere: teileten die elephanten in die haufen. 1 Macc. 6, 35; ein haufen ochsen, armenta boum Maaler 213ᶜ; der stier der vor dem haufen gadt, armenti dux das.; in einer leeren tonnen findet man selten ein haufen ameisen. Schottel 1145ᵃ;
wie nehmlich da herum ein haufen wilde schwein
sich sehen lassen, die da grosz und böse sein.
Opel u. Cohn 278, 9;
und der lämmer froher hauf
hüpfte dreimahl frölich auf.
Fleming 446.
8)
nach gramm. 4, 195 darf sich mit haufen als mengenbegriff, zumal bei hinzugefügtem gen. plur., der plur. des verbums verbinden, häufig auch wechselt sing. und plur. des verbums ab (vergl. namentlich die stelle aus Schuppius unter no. 4): und der ganze haufe stund auf und führeten ihn für Pilatum. Luc. 23, 1; es sind mir ein haufen freunde gestorben, grex amicorum meorum morte deciderunt. Steinbach 1, 712; in seiner aufregung begann nun der haufen (bauernburschen), nachdem er viel getrunken hatte, durch die gegend zu schwärmen ... sie schossen ihre gewehre ab, luden wieder, lärmten und schrieen. Immermann Münchh. 4, 70; da sah Oswald .. einen haufen von wohl zwanzig bauern, die sämmtlich mit gewehren bewaffnet waren. s. 71;
ich kann pokäle schnitzen,
wo auf dem rand umher ein haufen satyrs sitzen,
und sehen wie man trinkt.
Gleim 3, 42.
9)
vielfach ist haufen auch unsinnlicher und bildlich gebraucht, um eine vielheit, fülle, grosze anzahl, auch einen hohen grad zu bezeichnen: ein haufen fürdernus oder eer, cumulus commendationis Maaler 213ᵇ; gegen Alkeyr bringt man papagei, sittich, mörkatzen und geschwenzte affen den haufen. Frank weltb. 16ᵃ; gegen den gottsheüsern, der er hin und wider den haufen bawet. 41ᵃ; disz alles hat Lusitania den haufen. 71ᵃ; das acht und letzt cap. begreift einen ganzen haufen lieblicher, höfflicher, grobianischer hoffböszlin. grob. (Frankf. 1568) Jvᵃ; log noch einen solchen haufen dings darzu. Simpl. 3, 217 Kurz; macht einen ganzen haufen französischer complimenten. 4, 63; welche ausz hoffart und damit sie gesehen sein möchten, einen haufen unteutsche wörter einzumischen pflegen. 401; das ganze pabstum ist voll domine, domine, herr, herr, da ist ein haufen wachen, opfern, seelmessen, walfahrt und dergleichen. Schuppius 640; bishero hat die gelegenheit mir an der stirn ein haufen haar gezeigt, welche ich versaumt oder verachtet hab. 753; liebe mutter, der kerl redt ein haufen dinges, das ich nicht versteh. Chr. Weise Machiavell 26; ich bildete mir ein haufen ein, was ich an dir vor einen wackern cavalir bekommen würde. Jucundiss. 120; ja wenn sie nicht sonst noch ein haufen länder unter ihrer botmäszigkeit hätten! Heilman Thucyd. 96; sie machen ein haufen aufhebens von ihren verdiensten. 102; ein haufen wortwechsel und irrungen. 452; hierüber hatte Theramenes schon seit geraumer zeit ein haufen redens gemacht. 1144; diese stadt hat einen haufen thürne, magnus turrium numerus in hac urbe est. Frisch 1, 424ᶜ; das kostet einen haufen geld, hoc requirit magnam summam pecuniae. das.; die advocaten kosteten beiden partheien einen haufen geld. Eichendorf Lucanor 82;
wir werden glücks den haufen han.
Berner fastnachtsp. v. 1522 Ejᵇ;
umb diesen brunnen rumb war gar ein haufen schatten.
D. v. d. Werder Ariost 2, 34, 1;
dem folgen allenthalben haufen
von königlichen sorgen nach.
Gleim 5, 177.
niederd. sogar ên hupen slimm, sehr schlimm. Dähnert 200ᵇ.
10)
landschaftlich wird haufe als masz gebraucht, und bezeichnet eine gewisse quantität zusammengeschichteter gegenstände. so machen in Baiern vier klafter scheitholz einen haufen; der haufen, nach dem die dachschindeln verkauft werden, besteht aus sechzig lagen oder schichten. Schm. 2, 154. auch heu, stroh, korn, steine werden in regelmäszige haufen geschichtet und so vermessen und verkauft; nd. hôp eine anzahl von zehn garben getreides. Schambach 74ᵃ; (der pastor bekommt) in der zinsen wiesen den fünft hoppen oder haufen heuwes. Hardt Luxemburger weisth. 137.
11)
haufe an der nabe des rades: an der nabe des rades unterscheidet man den mittleren und dickeren cylindrischen theil, in welchen die speichen eingelassen sind, er heiszt der busch oder haufen. Karmarsch 1, 855.
II.
haufe hat sich mit praepositionen zu festen formeln verbunden, in denen der begriff des substantivs bald mehr, bald weniger sinnlich hervortritt.
1)
in haufen zusammen, auf einmal, insgemein, mit kommen, gehen, werfen u. ähnl. verbunden: stürzten in haufen nach dem kleinen, spiegelhellen wasserschatze. Seume mein leben 62; denn also hat auch Christus gethan, die predigt hat er lassen in haufen gehen uber jederman. Luther 3, 158ᵇ; aber das sacrament sol man nicht also unter die leut in haufen werfen. 159ᵃ; in haufen reden: ingemein oder in haufen reden, in plenum dicere Maaler 213ᶜ; wer vol ist, der schempt sich nicht, redet in haufen, da ist kain vernunft, kein rath. S. Frank trunkenheit 1531 C iijᵇ; in haufen fassen, zusammen fassen, addieren; wenn mans (die arche Noae) nu abmisset nach dem wie es hie beschlossen ist, und fassets in haufen, so ist es sechsmal lenger denn breit, und zehen mal lenger denn hoch gewesen. Luther 4, 47ᵃ; in einen haufen schlagen, zusammen werfen, insgemein behandeln: ist nun s. Lucas nicht ein feindseliger man, der mit eim einigen wort (so zu reden) auf einen schlag, so grosze risen und helden, beide tutisten, figuristen und deutisten, und alle schwermer in einen haufen schlegt? Luther 3, 497ᵃ; sol man für jederman bitten, und das gebet in gemein hingehen lassen, und in einen haufen schlahen beide feind und freund. 4, 186ᵃ;
das sie (die gerechtigkeit) nicht sehen sol noch hören,
ob die wag recht gebrauchet werd,
ob den schüldigen treff das schwerd,
sondern sol frech in haufen schlagen,
die unterthan müssens wol tragen.
froschm. 2, 1, 6, Vijᵇ;
der zornige will alles wagen
und mit der faust in haufen schlagen.
2, 3, 4, Ffiijᵇ.
aber in haufen reiszen, zusammenreiszen: Sathan, der alle augenblicke gerne die welt in haufen risse. Neander vom sel. absterben A vij; ähnlich in éinen haufen stoszen: wie das buch ist, also ist auch der glaub, und wie der glaub ist, also ist auch das wetter, alles verkehrt, bisz es gott endlich in einen haufen stöst, die welt mit feuer verzehrt, und die ungläubige in den feurigen pful stürzet. Schuppius 614; in einen haufen werfen: sonst würfe es (das christenthum) der teufel in einen haufen, und risse es alles umb. Luther 6, 47ᵇ; kompt her wider sie, .. öffenet ire kornheuser, werft sie in einen haufen, und verbannet sie, das ir nichts ubrig bleibe. Jer. 50, 26.
2)
mit haufen, in fülle, reichlich, im gefolg von vorhanden sein, kommen, gehen, laufen, überfallen, finden, erlangen u. a.: wie gott alzeit solchen ungehorsam on alle barmherzigkeit endlich gestrafet, unangesehen auch der gegenwertigen und zukunftigen drawenden strafen, so mit haufen vorhanden. J. Greff Lazarus, vorr. A 3ᵇ; sind das nicht herrliche mechtige verheiszunge gottes, mit haufen heraus geschut (geschüttet) auf die so sich der dürftigen annemen? Luther 3, 395ᵃ; denn er ist doch ja ein herzlicher, gnediger, fromer, gütiger gott, der ... eine güte uber die ander mit haufen uber uns ausschüttet. 5, 44ᵇ; wer es nicht gleuben wil, der lese alle historien, .. da wird mans mit haufen finden. 46ᵇ; und wenn man hieneben die historien ansihet, so findet sichs mit haufen, wie gott die tyrannen .. stürzt. 158ᵇ; schrecken und furcht, angst und pein (werden) mit haufen erein schlahen. 6, 63ᵃ; meine schwere sünde sind durch seine strafe erwachet, und mit haufen mir auf den hals komen. klagel. 1, 14; das volk gieng abermal mit haufen zu im (συμπορεύονται πάλιν ὄχλοι πρὸς αὐτόν). Marc. 10, 1; dasz man ir mit haufen find. Fischart bienk. 142ᵇ; als er im yetz endtlichen fürsatzt, die fart und opfer zu leisten, hat in die arbeit mit hauf überfallen. Wickram rollw. 8, 1 Kurz;
das ungelück kombt als mit haufen.
H. Sachs 3, 2, 119ᶜ;
wenns unglück kumpt, so kumpts mit haufen.
J. Greff Lazarus J 7ᵇ;
den ich zuwider bin gesyn,
die bringen mirs mit haufen yn.
B. Waldis Esop 1, 12, 22;
diesem tumult kamen mit haufen
die leut aus der stadt zugelaufen.
mückenkr. 1, 283;
sie kommen dar mit haufen.
Soltau volksl. 513 (v. 1638);
den rebensaft mit haufen
wie Scythen in sich saufen,
ist nicht für dich und mich.
Tscherning (1642) 208;
des bücherschreibens ist so viel, man schreibet sie mit haufen.
Logau 3, 106, no. 26;
wen nun der mai kommt auf die bahn,
und erst die kält ist abgethan,
den wächst die lust mit haufen.
Rist Parn. 197.
es heiszt mit hellem, vollem haufen: von diesem leiden nun, welches ihn hernach am ölberge und am creuz mit hellen haufen und ganzen fluthen überschwemmt und umgeben. Scriver seelensch. 2, 107; zwischen dem .. abwege des Paschasius, den die kirche mit vollem haufen einschlug. Lessing 8, 317;
(da) reiszt schand und üppigkeit mit hellem haufen ein.
Opitz 1, 133;
und fehd entbrannte bald darauf
und zogen rosz und mann
bei Döffingen mit hellem hauf.
Schiller 12;
was von auszen kummen soll, kumm euch auch mit mildem haufen,
leben, gnügen, freude, trost, segen, hülle, völl und taufen.
Logau 3, 86, 53.
daneben bedeutet mit haufen auch gemeinschaftlich, zusammen auf einmal, insgesamt: berget im nichts, es sei was es wolle, so werfts mit haufen eraus für im, als wenn ir ewer herz eim guten freunde ganz und gar eröffnet. Luther 3, 299ᵇ; darauf singt man alleluia mit haufen. Fischart bienk. 150ᵇ; fielen sie auf ihre knie, huben die händ auf, und lieszen mit einem haufen ein klägliches heulen. b. d. liebe 220ᵇ; da fällt man mit haufen zu, und spricht: er hat dennoch das errathen, er wird das ander auch nicht fehlen. Schuppius 614;
da theten sich die vögel rotten,
hinausz zu fliegen nach irer speisz,
wie im herbst ist der vogel weisz.
als sie die schwalb mit haufen sach,
zuläszlich zu den vögeln sprach ...
B. Waldis Esop 1, 16, 39,
wann Epimetheus nicht
ein fasz hätt aufgethan, und an das sonnenliecht
viel übel das uns kränkt mit haufen auszgelassen.
Opitz 1, 54;
frew dich, weltkind, auf das erben!
deine mutter wird bald sterben;
was das feuer nicht verzehret,
ist mit haufen dir gewehret.
Logau 1, 154, 60;
und bellt so wüthig, dasz mit haufen
die nachbarn alle, grosz und klein
zu fenstern und zu thüren laufen.
Bürger 32ᵇ.
3)
bei haufen, gregatim Stieler 795; Simson sprach, da ligen sie bei haufen, durch eins eselskinbacken hab ich tausent man geschlagen. richt. 15, 16;
(seitdem) hanswurste, clausnarrn und arlekin ...
mit all ihren schelln und peitschen bei haufen
nicht hinter den kaiser die wette mehr laufen.
Gleim 5, 259;
geld hat er bei haufen.
Gökingk 2, 182.
dafür hauf auf hauf, acervatim:
bunter klee, gesunder quendel,
kömt gesprossen hauf auf hauf.
Fleming 377.
4)
zu haufen, so dasz eine schaar oder gemeinschaft gebildet wird, in verbindung mit fügen, machen, gehen, kommen, tragen u. ähnl.: machten alle sampt einen bund zu haufen. Neh. 4, 8; wir wandelten im hause gottes zu haufen. ps. 55, 15; welche gott zu haufen gefüget, kan der mensch nicht sondern. Georg v. Sachsen bei Luther 3, 192ᵃ; und nun doch keiner muth genug hatte, in der stadt zu bleiben, sondern jeder sich lieber aufs feld zu haufen zog. Klinger theater 4, 121; was die ameise vernunft mühsam zu haufen schleppt, jagt in einem hui der wind des zufalls zusammen. Schiller Fiesko 2, 4;
das wasser und gewülk mit zagen
musz dick und dunkel voll getösz
des herren stim zu haufen tragen,
darab dan zittert gut und bösz.
Weckherlin 127 (ps. 29, 5);
ein bach, ein regenbach, vom himmel her gestärket ...
mischt was er in sich hat, treibt was er führt zu haufen,
dasz fisch, frosch, holz und schlamm hin mit einander laufen.
Logau 2, 68;
Veit hatte zwar fünf sinnen, doch sind ihm drei entlaufen,
zwei suchen drei, ich zweifel, er bringt sie nicht zu haufen.
3, 200, 56;
und alle kommen doch zu haufen
ihr ihre waaren abzukaufen.
Göthe 13, 46;
Braun und Isegrim sandten sofort in manche provinzen
offene briefe, die söldner zu locken: sie sollten zu haufen
eilig kommen.
40, 79;
und wenn der feind zu haufen lag,
und kürass hatt am bauch.
Rückert 158.
zu haufen rennen, fallen, stürzen, so dasz der fallende einen haufen bildet, niederrennen, niederfallen, niederstürzen: mhd.
swer im da zorse vor gesaʒ,
zeime hûfen er den sluoc.
Willehalm 388, 21;
nhd. dasz er ihn desto ehe zuhaufen rennet. Amadis 290; ob gleich sie oft an stöcke, steine, stämme und bäume liefen, und noch öfter zuhaufen fielen, rafften sie sich doch geschwind wieder auf. Simpl. 1, 171 Kurz;
das mir der oten nit gelag
von disem ungestümen schlag
und ich nit ging zu haufen nider
das nimpt mich immer wunder sider.
H. Folz in Haupts zeitschr. 5, 515, 165;
wenn einr aus schwachheit fellt zu haufen,
den wil ein jeder uberlaufen.
B. Waldis Esop 1, 85, 23.
nebenform ist zu haufe, vergl. oben sp. 583: conserere manum tzuhaufe tzyhn Trochus F 3ᵇ; lesit zuͦ houfe des êrstin den râten. Behaims evang.-buch, Matth. 13, 30, vorher geht lesin si zuͦ samene. v. 28; die .. mit groszem gewalt zu haufe laufen und sich rotten. Luther 3, 111ᵃ; steine, die er im felde zu haufe lasze. 189ᵃ; wie reumet sich das zu haufe? 263ᵃ; denn die zwei gehören zu haufe, glaube und gott. 4, 389ᵃ; darumb musstu auch dis stück lassen gehen durch alle gebot, als die schele oder bögel im kranz, das ende und anfang zu haufe füge, und alle zusamen halte. 408ᵇ; ihr werdet ihn plumpen sehen, dasz der schlam über ihn zu haufe schläget. interim 24; wozu es denn ... genutzt habe, dasz so viele bücher mit so vielen kosten hier zu haufe gebracht worden. Lessing 9, 2; dasz sie die schicklichsten gründe zu haufe geführt. J. Paul liter. nachlasz 4, 123;
ob wol ein schwacher zaum oft, mitten in dem laufe,
ein mutigs ross verhelt, und etwas es zu haufe
zwar zeucht.
D. v. d. Werder Ariost 11, 1, 2;
besonders häufig in der kürzung zu hauf: soler ophthalmia, wann einer des morgens die augen nit ufthuͦn kan, und seind zu hauf gebacken. Alberus T 3ᵃ, gleich nachher zusamen backen; nd. to hôp hangen, zusammen hangen. Danneil 84ᵇ; also stunden auf jeder seiten vor dem thor vier tissche, das sind acht tissche zu hauf. Hes. 40, 41; diese zwei, herr oder herrschaft, und arm oder armut, reime zusamen, fasse sie mit deiner vernunft zu hauf. Luther 5, 477ᵇ; was ich von werken find, dʒ will ich zuhauf raffen, alle sprüche von thun und lassen will ich zuhaüf schmelzen. Alberus wider Jörg Witzeln L 7ᵇ; ich hab schon ein langen catalogum zuhauf gesamlet. L 4ᵃ; wicklen es wol achtfach über einander und neens mit eitel kelberhaar zuͦhauf. Frank weltb. 159ᵇ; bracht ihm einen haufen böser buben ohn seines vaters willen zu hauf. Henneberger 390; einer ausz denen, so die tranksteuer zu hauf bringen. Kirchhof wendunm. 222ᵃ; also dasz beide ein ansehenliches vermögen zu hauf brachten. Simpl. 4, 154 Kurz; nachdem sie ihre zu paaren getriebene ideen wieder zu hauf gebracht hatte. Hippel lebensl. 1, 19; man steckt die köpfe zusammen, rottiert sich zu hauf. Schiller Fiesko 2, 4; unterdessen füllt sich die gesellschaft. der baron F ... der hofrath R ... das kommt zu hauf. Göthe 16, 104; ach willst du diesem kind zu lieb nicht alle diese menschen zu hauf verlassen? Bettine briefe 2, 35;
er hiesz ein schaf und ander thier,
dʒ ir zuhauf warn eben vier,
die fordert er zu solcher jagt.
E. Alberus 15;
so weckt er auch mit im zuhauf
als ein person die todten auf.
B. Ringwald l. warh. 200;
jetzt machen sie sich grosz, jetzt ziehn sie sich zu hauf,
jetzt decken sie sich vol, jetzt machen sie sich auf.
D. v. d. Werder Ariost 2, 9, 3;
trägt eilends schilf zu hauf
und altes moos (der noth musz alles taugen)
zur lagerstatt.
Wieland 23, 29 (Oberon 7, 40);
o leset von dem grunde
die einzeln hälmlein auf,
und traget sie zu bunde,
und traget sie zu hauf.
Rückert 214;
wenn die wässerlein kämen zu hauf,
gäb es wol einen flusz.
315;
wollt jagen dort in Winchesters wald,
rief seine herrn zuhauf.
Uhland ged. 304;
besonders bevorzugt diese formel, die in der modernen sprache gewöhnlich auch die stelle des ältern mit haufen (sp. 587) eingenommen hat, Göthe:
die blumen, in den wintertagen,
versammeln froh sich hier zu hauf.
4, 95;
auf berges ferne ballt sich auf
ein alpenheer (wolken), beeist zu hauf.
119;
als wo man emsig und zu hauf
macht vogelbauer auf den kauf.
13, 45;
das leichte, tolle, scheckige geschlecht,
es kam zu hauf, und immer kam es recht.
140;
die hohen berge schröpfen wir
aus vollen adern schöpfen wir;
metalle stürzen wir zu hauf
mit grusz getrost: glück auf! glück auf!
41, 56;
da liegt das rothe gold zu hauf,
geschwinde zu und raff es auf.
285;
vergl. ferner 5, 259. 41, 190. 261. — zu hauf bringen heiszt aber auch an einander hetzen, wie zusammenbringen oft gleichen sinn hat; vergl. nd. to hôp kaomen in streit, zank geraten. Danneil 84ᵃ;
ich hab gebracht in diser zeit
zuo hauf zwei alte böse weib.
bruder Rausch A ij,
nach dem niederd. texte:
ik hebbe to hope gebrowen
twe alde bose vrowen.
weimar. jahrb. 5, 393, 243.
5)
auf einem haufen liegen, vom gefallenen: denn wo menschliche weisheit und gewalt itzt solt Deudschland regiren, es lege morgen auf einem haufen. Luther 5, 47ᵇ; denn wo die winkelmessen solten fallen, wanne lieben kinder, wo solt das bapstum so bald auf einem haufen ligen. 6, 89ᵇ; auf haufen stehen, zusammengeschichtet: durch dein blasen theten sich die wasser auf, und die flut stunden auf haufen. 2 Mos. 15, 8. auf einen haufen legen, werfen, sammeln, zusammenfassen: das der gottlosen güter .. böse güter sind und verdamlich, darumb das sie nur auf haufen gesamlet und nicht den dürftigen mitgeteilet werden. Luther 3, 292ᵇ; wenn man gleich aller münche werk auf einen haufen schlüge, wie köstlich sie gleiszen mügen, so weren sie doch nicht so edel und gut, als wenn gott ein strohalm aufhübe. 4, 422ᵃ; dergleichen unzelichen wunder mehr, die alle in diesem vers begriffen sind und in der christenheit auf einen haufen gerhümet werden, mit diesen kurzen worten: ich danke dir, das du mich demütigest, aber hilfest mir auch widerumb. 5, 65ᵇ; wilchs Salomo alles auf einen haufen verwirft. br. 2, 603; die Christum, sacrament, heiligen und all unsern glauben auf einen haufen verspotten und verlachen wissentlich. Frank weltb. 155ᵇ.
6)
ob einem haufen, zusammen: das euch botz marter alle mit einander ob einem haufen schend! Wickram rollw. 169, 17 Kurz.
7)
über einen haufen, sich über einen haufen erstreckend, die form eines haufens bildend, haufenweise: die andern alle uber ein haufen (so viel ihrer sind, zusammen) sint leicht, täglich und vergebliche sünden. Fischart bienk. 104ᵃ; über haufen fressen:
du gehest sehr gemach, und frissest über haufen:
isz mit den füszen doch, das maul lasz lieber laufen.
Opitz 2, 458.
häufig ist dies über einen haufen mit verben des werfens, fallens, stürzens verbunden, anzudeuten dasz der fallende die form eines haufens bildet: er wirft die gottlosen uber einen haufen. Hiob 34, 26; praecipital verba, er wirfts übern haufen, dasz man es schwerlich verstehet, was er redt. Alberus G 4ᵃ; Ataulph kommt nach Gallien: wirft Jovinum über einen haufen. Mascou 1, 326; ihn .. unversehens über den haufen in das die gasse herabflieszende wasserbächlein warf. Salinde 74; (welcher) so stark wider mich gerent ist, dasz er mich und mein pferd uber hauf gestürzt. Amadis 366; einer ritte ihn übern haufen. Simpl. 1, 46 Kurz; dasz ihn Caspari über den haufen stiesz. Salinde 69; man solte ihn zufrieden lassen, oder er stiesze einen über den haufen. 119; wo dus verräthst, so stosz ich dich mit dem brodmesser übern haufen. Lenz 1, 177; da sie beiderseits ein wenig berauscht waren, so taumelten sie gegen einander, und taumelten sich alle beide über den haufen. Münchhausens reisen 111;
die felder ligen öd,
wirdt weder gesäet noch geähret,
als über hauf gekehret
von den kriegsleuthen schnöd.
Soltau 470 (v. 1622);
darumb müssen sie fallen uber einen haufen. Jer. 6, 15; dabei oft einer mit dem andern uberhaufen felt. Lehmann 129; dasz ich mit ihr (der leiter) übern haufen und endlich gar die stegen hinunter gefallen. Simpl. 4, 60 Kurz; solcher tollen unwitzigen ding gehen oft in geheimen canzeleien viel für, davon ein regiment müste übern haufen fallen, wann gott das böse nicht zum guten lenkt. Schuppius 21; dasz sie (Platos republik) aber, wann sie jemal gestanden, überhaufen gefallen were, hat Plato selbst wol gesehen. 560; sein system über den haufen fallen sehen. Kant 9, 103; ich bin ein bettler, wenn die itzige verfassung nicht übern haufen fällt. Schiller Fiesko 1, 3; wenn er endlich nach verschiedenen jahren seinen schaden einsah, so fiel das werk mit einmal über den haufen. Göthe 37, 269; da dann die kutscher auf die pferde weidlich hauen und ihr kutschen alsdenn so anstellen, dasz oft wagen und pferde uber ein haufen gehen. Neander vom sel. absterben C ij; wil einer da, der ander dort hinausz, so musz das geschirr brechen, und wagen und pflug übern haufen gehen. Creidius 1, 332; alles schien nun über einen haufen zu gehen. Lohenstein Armin. 2, 893ᵃ;
sie liefen weidlich an,
dasz übern haufen gieng gar mancher tapfer mann
und würd ertreten wol von ihnen mit den füszen.
Opel u. Cohn 279, 74;
diesen formeln zur seite steht über einem haufen mit den verben der ruhe liegen, stehen, bleiben: es mag leicht ein sturmwind kommen, so ligt die bettelei über eim haufen. Schuppius 242; so wird sich das wasser, das von oben erab fleuszt, im Jordan abreiszen, das uber einem haufen stehen bleibe. Jos. 3, 13; da stund das wasser das von oben ernider kam, aufgericht uber einem haufen. v. 16;
weil ich lebte, kunt ich beine wol so hoch, als fleisch, verkaufen;
würmen schenk ich jetzt was fleischicht, beine bleiben überm haufen.
Logau 3, 238, 112 (grabschrift eines fleischers).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 582, Z. 61.

haufen, häufen, verb.

haufen, häufen, verb.
cumulare. die nicht umgelautete, in Oberdeutschland heimische form geht zurück auf ahd. hûfôn cumulare, acervare, gahoufôn accumulare (Graff 4, 834. 835), mhd. hûfen; die umgelautete form, seit dem 17. jahrh. die in der schriftsprache durchaus gewöhnliche, vor der sich haufen in die mundarten zurückgezogen hat (Schm. 2, 154), weist auf ein unbelegtes ahd. hûfjan, hûfan zurück, das wahrscheinlich in der mhd. praeteritalform hûfte (pass. 74, 4 Hahn) sich wieder findet. acervare huffen Dief. 9ᵇ; catervare hauffen, huffen, nd. hupen 107ᵃ; cumulare huffen, hauffen, heiffen 162ᵇ; zuͦsammen haufen, coacervare Dasyp.; heufen, erschitten aggerare ders.; heufen acervare, cumulare Stieler 796; in verschiedenen beziehungen und fügungen.
1)
einen haufen formieren, von gegenständen (haufe I, 1).
a)
absolut, vom aufhäufen der schätze: aber dem sünder gibt er unglück, das er samle und heufe, und doch dem geben werde, der gott gefelt. pred. Sal. 2, 26.
b)
transitiv: und sie heufeten sie (todte frösche) zusammen, hie einen haufen und da einen haufen, und das land stank davon. 2 Mos. 8, 14; die erde um ein gewächs häufen, adagerare humum Frisch 1, 424ᶜ; ich wil auch von dem wipfel des hohen cedernbawm nemen, und oben von seinen zweigen ein zartes reis brechen, und wils auf einen hohen geheuften berg pflanzen. Hes. 17, 22;
so ich ein wenik (mist) auf die gabel hauf.
fastn. sp. 563, 30;
wär ich Voltaire, warlich, freund!
ich häufte keinen schatz und schlüge keinen feind!
Gleim 5, 270;
rings um die alten mauern ist holz und stroh gehäuft.
Uhland ged. 362;
man häuft ein masz: den scheffel häufen, cumulare modium Frisch 1, 424ᶜ; gehauft masz zu lieferen. weisth. 2, 202;
sy miszt mir triu mit halber elen
und gibt mir sprewr für das koren.
was ich ir hauf, das streicht sy mir.
Hätzlerin 75ᵇ, 98, 5;
ein grabhügel wird gehäuft:
aber nachdem wir den todten verbrannt und die rüstung des todten
häuften ein grabmal wir und stelleten oben die säul auf.
Odyssee 12, 14.
bildlich, wie wir ähnlich thürmen gebrauchen: ich wil alles unglück uber sie heufen. 5 Mos. 32, 23; hungert deinen feind, so speise in mit brot .. denn du wirst kolen auf sein heubt heufen. spr. Sal. 25, 22;
die gluth auf gluth um deinen scheitel häufen.
Göthe 12, 61;
ihr wohl und weh auf meinen busen häufen.
89;
laszt den herrn (poeten) in gedanken schweifen,
und alle edlen qualitäten
auf euren ehrenscheitel häufen.
90.
c)
reflexiv: der staub häuft sich auf der strasze; der schutt hatte sich um diese alten mauern gehäuft; bildlich: auf die caliphen häufte sich ein ungeheures reich, das sie durch statthalter musten regieren lassen. Göthe 6, 42.
2)
seltener nach haufe 3—7 eine schaar bilden, schaaren, transitiv und reflexiv: werfet zu Zion ein panir auf, heufet euch und seumet nicht. Jer. 4, 6; und sie werden komen und auf der höhe zu Zion jauchzen, und werden sich zu den gaben des herrn heufen, nemlich zum getreide, most, öle. 31, 12; ja wolt got, sie (die bettelklöster) weren alle abe, oder je auf zween oder drei orden gehaufet. Luther 1, 302ᵃ; sie (die wölfe) sollen sich auch, wann es grimmig kalt ist, inn groszer anzal zusammen haufen. Sebiz feldbau 613;
doch er empörte sich auch zum könige! häufte Judäa
um sich herum.
Klopstock 4, 82.
3)
recht gewöhnlich ist häufen (nach haufe 9) unsinnlicher gesetzt, als poetischer ausdruck für hinzufügen, mehren, vermehren.
a)
transitiv: zu heufen eine sünde uber die ander. Jes. 30, 1; du aber nach deinem verstockten und unbusfertigen herzen heufest dir selbst den zorn auf den tag des zorns und der offenbarung des gerechten gerichtes gottes. Röm. 2, 5; aber hernach da man die mesz hatt geschetzt für ein sonderliches opfer für die sünde und für allerley not, ... da hat man sie one masz und ziel gehaufet und ein rechten jarmarkt oder kremerei darausz gemacht. Flacius Illyricus Otfrid, vorrede β 8; wolan so rechent sie wol, wo ihr es anderst können. aber ich glaub wol, dasz ehe ihr von mir kommen, ihr eine schandt mit der andern häufen werden. Amadis 405; ein laster auf das ander haufen, cumulare scelus scelere Maaler 213ᵇ; schand auf schand haufen, ein laster über das ander thuͦn, scelus sceleri ingerere das.; die gehäuftesten merkmale von ergebenheit. Schiller 908; er fing mit gehäuftem athem an. J. Paul Hesp. 1, 42; in dem kleinen garten hatte er nacheinander die meisten erfindungen gehäuft, durch welche die moderne gartenkunst die erde verschönert. Freytag handschr. 1, 35;
dieweil mir nach fleischlicher art
alzeit angenemb und lieber wart,
das menschlich geschlecht zu heufen und mehrn,
als zu verderben in kriegshörn.
J. Ayrer 408ᶜ (2052, 23 Keller);
ihr seid der väter haar? ihr häuft noch ihre schuld.
Fleming 13;
sie läszt bei einer gruft,
wo sohn und mutter liegt, gehäufte thränen flieszen.
Chr. Gryphius poet. wäld. 2, 235;
seht, wie ein seichter flusz, der voller wirbel läuft,
je minder tief er ist, die kleinen kreise häuft!
Hagedorn 1, 118;
der brüderschaft ergrimmte zucht
häuft täglich die gewohnten tücke.
2, 28;
diesz unbefangne herz ...
will dich besänftigen, und häuft sein unrecht nur.
Gotter 2, 433;
in die tiefste meereshöhle
senke dein gehäuftes leid.
Ramler 2, 17.
b)
reflexiv: so sich marter und unglück haufet. b. d. liebe 217ᵃ; sintemal aber stolz und frechheit durch gewünschte glückseligkeit sich pflegt zu haufen. Kirchhof wendunm. 91ᵇ; die soldaten heufen sich im lande, exercitus augetur, multiplicatur, legiones explentur. Stieler 796; seine güter heufen sich, opes ejus amplificantur. das.; dergleichen beispiele lieszen sich ins unendliche häufen. Wieland 11, 35;
das übel wird sich stets mit übeln häufen.
Göthe 9, 223.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 591, Z. 44.

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Zitationshilfe
„häufen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4ufen>, abgerufen am 19.10.2021.

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