Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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häufig, adj. und adv.

häufig, adj. und adv.
zu haufe, welches seit dem 17. jahrhundert das vorige häuficht für die schriftsprache verdrängt hat. conglobatim, turmatim heufig Alb. gg 3ᵇ; in verschiedenem sinne.
1)
nach haufe 1 in bezug auf eine aufgeschichtete menge von gegenständen, in haufen, haufenweise, reichlich: an dem stengel stehen die blumen und der same ganz dick und häufig. Tabernaem. 817; etwas häufig haben, abundare aliqua re Frisch 1, 425ᵃ; doch war Müller gutes muthes, trug häufige steine zusammen. Göthe 32, 36;
die ir acht für gros sünd und schand
gelt anrüren mit bloszer hand,
und nempt dasselbig heufig doch
in ewer hendschuch immer noch.
Fischart v. S. Domin. G 1ᵃ;
weil itzt in Hafis kasse doch das geld
nicht eben allzuhäufig ist.
Lessing 2, 235;
und wie dem meerpolypen, den einer hervor aus dem lager
aufzog, häufige kiesel (πυκιναὶ λάϊγγες) die ästigen glieder umhangen.
Odyssee 5, 433;
diesem (dem ölbaum) umher das gemach erbauet ich bis zur vollendung,
häufige stein anordnend und bühnete zierlich die decke.
23, 193;
wenige retteten sich aus graulicher fluth ans gestade
schwimmend daher, und häufig umstarrt die glieder das meersalz.
23, 237.
häufig heiszt auch reich an gütern, eine fülle gutes habend, wie haufe ohne weitern zusatz gut und schätze bezeichnet (sp. 583): o o pfaffen, sie sein selig, dʒ sie in dem herren verstorben sein, und ir todt ist kostparlich vor gottis augen, sie haben ein ewig leben, und sein nicht tod vor got und ir leben ist heufiger und volkomlicher worden in irem stand. Carlstadt sermon v. stand der christglaub. seelen B ijᵃ.
2)
nach haufe 3 in bezug auf eine menschenschaar, in menge, in schaaren, haufenweise, dicht gedrängt: da kamen die fürsten und landvögte heufig fur den könig. Dan. 6, 6; und liefen die teufel heufig zu. Ayrer proc. 3, 1; das volk geht heufig zur kirchen, homines innumeri sacra frequentant. Stieler 796; da geschahe mitten in der predigt ein solcher erschrecklicher harter donnerschlag in die kirchen, dasz .. die leute häufig ausz der kirchen liefen, und sich viel in mein hausz reterierten. Schuppius 219; ich hatte aber kaum den einen fusz in die stadt gesetzet, da liefen die jungen häufig zu. Simpl. 2, 270 Kurz; man hat das werk den augen der neugierde entziehen wollen: man hat die gemeinen leser, welche der name Berengarius zu häufig anlocken dürfte, wollen vorbeischieszen lassen. Lessing 8, 332;
in welcher stadt es heufich geith
die aller klügsten handwerksleut.
J. Ayrer 103ᶜ (522, 16 Keller);
zu durchstürmen die häufigsten schaaren der fliehenden Troer.
Stolberg 11, 367;
allein ihr habt der freunde häufig,
sie sind verständiger als ich bin.
Göthe 12, 161.
in bezug auf schaaren von thieren: häufig zusammenfliegen, catervatim et gregatim volare Henisch 1149, 48; auch handelte ich sogleich mit den einwohnern um solches gefieder (fasanen), welches sie auch sogleich häufig, getödtet, herbeibrachten. Göthe 27, 171;
die thier zohen heufig zu feldt.
B. Waldis Esop 2, 52, 33.
von den wogen der see, die vom dichter als feinde und belebt aufgefaszt sind:
die see brach häufig ein. das todte schiff ertrank.
P. Fleming 82;
die seen kahmen ganz das schwache schiff zu decken,
und spielten heufig ein.
204.
3)
häufig copiosus, uber, superfluus, nach haufe 9, in bezug auf eine vielheit irgend welcher art oder einen hohen grad: dem dritten meinem bruder dem allerliebsten, ist desz untergangs ursach gewesen die gar häufige lieb desz ehrlichen und gemeinen guts. Schuppius 757; ein heufiger regen, nimbus, imber densissimus Stieler 796; heufige kugeln in der schlacht, imber plumbeus das.; unter vergieszung häufiger thränen. Felsenb. 1, 113; häufigen dank sagen, cumulate gratias agere Frisch 1, 425ᵃ; einem dinge häufig ein genüge thun, abunde rei satisfacere Steinbach 1, 712; der saame sie (die gespenster) zu glauben, liegt in uns allen, und in denen am häufigsten, für die er (der dramatische dichter) vornehmlich dichtet. Lessing 7, 51; in meiner seele hat es einen häufigen vorrath des süszesten trostes hinterlassen. Weisz die Wiener haupt- und staatsactionen 175;
jetzt geht mein unglück heüfich an.
J. Ayrer 343ᵈ (1722, 29 Keller)
da flosz
häufig die thräne vom aug mir herab, du weintest, ich weinte.
Göthe 1, 300.
4)
die moderne sprache braucht von hier aus häufig vielfach in bezug auf ereignisse und handlungen, die sich oft wiederholen, und als adverbium kann es geradezu durch oft ersetzt werden: seine allzuhäufigen besuche bei ihr fielen auf; es kommt häufig vor, dasz das ganz unerwartete geschieht; sie kamen sehr häufig in groszer anzahl in die stadt. Seume mein leben 70; im kriege .. sind die ausnahmen häufiger. s. 74; da diese werke vermuthlich sehr gern gelesen und häufig gekauft werden würden. Bürger 331ᵃ; beschuldige mich nicht der anglomanie, lieber leser, wenn ich in diesem buche sehr häufig von Engländern spreche. H. Heine 2, 121;
seit du mir die bibel gegeben,
les ich so häufig darin.
Hölty 41 Halm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 593, Z. 65.

häufiglich, adv.

häufiglich, adv.
mit haufen, a greggi, per branchi. Hulsius 71ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 595, Z. 11.

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Zitationshilfe
„häufiglich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4ufiglich>, abgerufen am 17.10.2021.

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