Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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haupt, n.

haupt, n.
caput.
A.
form und verwandtschaft. goth. haubiþ; alts. hôƀid, nd. hôvet, hoofd; altnfr. houvot, hôvit, niederl. hoofd; ags. heáfod, altengl. haved, heved, neuengl. head; fries. hâved, hâfd, hâd; altn. höfuđ, schwed. hufvud, dän. hoved; ahd. houbit, mhd. houbet. die hochdeutschen formen verlaufen in zweierlei weise. in den eigentlich oberdeutschen dialecten, dem alemannischen und bairisch-östreichischen, vermag das alte i der endsilbe den stammhaften vocal gewöhnlich nicht umzulauten, der mhd. form houbet folgt ein jüngeres houpt, haupt, dessen labialis in der Schweiz öfter verloren geht (haud, haut ein haupt Tobler 258ᵇ; ebenso niederländisch: hood, hooft, caput Kilian), während in Österreich der wortschlusz eigenartig assimiliert wird: so sol man in nemen und sol in mit dem haupp setzen in dye grueb. weisth. 3, 694 (von 1460); dazu stimmt die kärnthnische form happ Lexer 134; in Tirol happ, hap Fromm. 5, 448. im mitteldeutschen gebiete dagegen, zunächst vorzüglich in Franken und Hessen war eine mit umlaut des stammvocals versehene form sehr gebräuchlich, deren ältester beleg noch in die ahd. zeit hinauf reicht: also daʒ hoibet richtet caetera membra. Williram 70, 17 u. ö.;
vane vüeʒin unz an diʒ hoibit.
Anno 761;
caput heubit, heubt, heupt Dief. 99ᵇ (mittelrhein., 15. jahrh.); hett mich der churfurst uberkummen, er hett mirs heupt vom hals genummen. Alberus widder Witzeln M 5ᵃ; der herr wirt von Israel auszreuten häupt und schwanz. Reiszner Jerus. 2, 123ᵇ; saufen macht das häupt schwer. Schuppius 199; da ihm die dornerne krone noch auf dem häupte sasz. 277; hals und heubt. weisth. 3, 332 (Hessen, 1419); hals und heupt. s. 333; in Düringen und Obersachsen waren die umgelautete und unumgelautete form gleich häufig in anwendung, wie im nd. hovet und höfd; Luther braucht die erstere, und auch nach seiner zeit erscheint sie bei schriftstellern düringischer, obersächsischer, auch niederdeutscher heimat: das häupt. pers. rosenth. 5, 17; ein weib, das auf den knieen liegend am creuz, ihr häupt auf seine verwundete füsze legt. Scriver seelensch. 2, 331;
als er zu tische sasz, erfeuchtet häupt und bart
das nardenwasser dem, der vor gesalbet ward
zu dem gedritten ampt.
Fleming 6;
wie desz Atlasz töchter gehen
üm desz sternenochsens häupt,
wenn sie unümnebelt stehen,
und kein südwind sie vertreibt.
335;
dann steht er wie ein held, so prächtig wie zuvor,
und hebt sein tapfres häupt trotz deinem grimm empor.
Neumark lustwäldchen 141.
aber wie diese form gegen die unumgelautete bereits selten gebraucht wird, so verdrängt diese letztere die erstere seit dem 17. jahrh. in der schriftsprache vollständig, bis auf eine bis jetzt gebliebene spur. die pluralform des wortes ist nämlich mehrfach, entweder der unumgelauteten singularform gleich: hew ihn beiden die haubt ab. heldenbuch 1545 Lᶜ; oder mit antritt der silbe -er, ahd. -ir gebildet, welche silbe umlaut wirkt (häupter; heubter Stieler 791); ungewöhnlich ist hier das fehlen des umlautes:
vier grausamlicher wilder tier,
die wolten in verschlicken schier
mit geduckten haubtren gar forchtsam.
H. Sachs von Gödeke 1, 130;
eine dritte form von jener umgelauteten singularform herstammend und ihr gleich: die heubt der löwen. offenb. 9, 17, hat sich in der festen verbindung zu häupten, aber bis in die neueste zeit erhalten: zwei lichter .. eins zu häupten, das ander zun füszen. Wickram rollw. 36;
solt Alexander ruhn, und schlafen mit vergnügen,
so musten buch und tolch zu seinen häupten liegen.
Fleming 223;
er hätte des vorhangs äuszersten saum,
zun häupten, mit zeigefinger und daum
ganz sacht ein wenig weggeschoben.
Wieland 21, 76;
zu häupten sah er dreizehn schilde hangen.
Göthe 13, 188;
und mir zu häupten thürmen golden
sich wolken auf in stiller pracht.
R. Reinick lieder 6;
weitere beispiele siehe unten B I, 2, a und c; ähnlich:
lasz die reichen körbe sehen,
die ihr auf den häupten traget.
Göthe 41, 24.
wie von der unumgelauteten form mundartlich die labialis ausfiel, so auch von der umgelauteten; die beispiele hierfür zeigen das wort nur in übertragenem sinne (unten B II), aber nur deswegen, weil dasselbe in eigentlicher bedeutung dem volke nicht mehr gerecht und durch kopf ersetzt ist: in Hessen häubt, häud, heid krauthaupt Vilmar 154; in Koburg hæd krauthaupt Fromm. 2, 278, 57; in Luxemburg häd krautkopf, en häd zalot (salat). Gangler 193; in Düringen und Obersachsen haid, hêd, z. b. in krauthaid, krauthêd; heut, pflughaupt Thaer beschreibung der nutzbarsten neuen ackergeräte s. 2; rheinisch-westfälisch:
da kommt der wind und häkelt es (das spinngewebe) vom haid.
Droste-Hülshoff ged. 40.
Was die abstammung des wortes betrifft, so hat es Kuhn (zeitschr. für sprachvergleichung 1, 137) sicher, indem er goth. haubiþ aus früherem hahubiþ, hahubaþ erklärt, zu dem altind. kakubh gipfel, kakuha aus kakubha hervorragend gestellt, und auf eine sonst nicht belegte wurzel kubh emporragen zurückgeführt, die schon unter haube und haufe herangezogen wurde. mit dem deutschen haupt kann lat. caput, griech. κεφαλή nur insofern verwandt sein, als diese worte auf eine wurzel kabh hinweisen, die als nebenform von kubh anzusehen, nichts hindert, da gerade, wie unter haufe angeführt ist, diese letztere wurzelform mehrfach so im vocale wie im schlieszenden consonanten schwankungen zeigt.
B.
bedeutung.
I.
haupt im eigentlichen sinne, an menschen und thieren.
1)
die moderne sprache hat für den begriff caput zwei worte, haupt und kopf, das erstere gewöhnlich nur in gehobener rede verwandt, das letztere der sprache des gemeinen lebens mehr eigen; das erstere zumeist den betreffenden körpertheil nur nach seiner äuszern erscheinung bezeichnend, das letztere sowol nach seinen äuszern als nach seinen innern bezügen. die denkmäler früherer jahrhunderte aber kennen, da kopf sich erst nach und nach an stelle des ältern haupt eindrängt (vergl. th. 5, 1749), diesen unterschied im gebrauche noch nicht, haupt steht hier auch noch in gewöhnlicher redeweise, wo uns jetzt kopf ausschlieszlich gerecht wäre: dô juncvrouwe Gerderût alsô kranc wart in urme houbte. chronik des Clarenklosters zu Weiszenfels, neue mittheil. des dür.-sächs. vereins 11, 404; so es doch alles nach ewern haupt geen musz. Aimon bog. Aiij; verwickelt oder verbunden haupt, involutum caput, wüst haupt, turpe caput Maaler 213ᶜ; von dem haupt ziehen durch eingegäbne arznei, deducere de capite 213ᵈ; zuweilen des heubts zu verschonen mit der gröszern arbeit. Luther 5, 43ᵇ; durch schwacheit meines heubts. 6, 11ᵃ; das sie nichts mehr am kriegsmann hoch achten, dann den übergülten helm uff dem häupt. Alberus ehbüchlin E 4ᵃ; ein armer mensch, welcher in verwirrung des haupts gerathen war, und der dolle Johannes genannt wurde. Schuppius 229;
ine weiʒ, wie mir mîn dinc stê:
mîn houbet tuot mir sêre wê.
Tristan 320, 34;
als ob nit ouch inn tütscher art
noch wer vernunft, sinn, houbter zart ('feine köpfe'),
do mit man wyszheit kunst möcht leren (lernen).
Brant narrensch. 92, 20;
so wolt sie mir das haubt waschen.
fastn. sp. 756, 3;
in der rechtssprache: das hoeste gericht zu Aula uber hals und heubt. weisth. 3, 332 (v. 1419), vergl. unter hals sp. 247; in redensarten: widerumb auf unser seiten, ist der adel so frech und stolz, als wüsst er nicht, ob er auf dem heubt gehen wölle. Luther 5, 202ᵇ; wan sie .. nit gleich nachkommen können, brechen sie ihre häupter, und denken nicht, dasz sie es hetten bleiben lassen sollen. Spee güld. tugendbuch 698 (vergl. den kopf brechen th. 2, 347. 5, 1759); item als vil höupter so vil sinne. S. Brant bei Steinhöwel 142ᵇ, wie niederl. so menich hooft, so menighe sin. Marnix 81ᵇ; auf eim vollen bauch steht ein frölich haupt. Agr. spr. (1560) 53ᵃ; wann das haupt liegt, so liegt der leib, sagt das sprichwort. Creidius 2, 399; wie das haubt, also der leib. Schottel 1124ᵇ; er hat ein loch im haubte. 1118ᵃ; darum könnte ich die legation dergestalt auf mich nicht nehmen, denn es möchte mir am haupte mangeln, da ich das hütlein hinsetzen sollte. Schweinichen 1, 226; in der fügung vom haupt bis zu den füszen: wenn aber der aussatz blühet in der haut, und bedeckt die ganze haut, von dem heubt an bis auf die füsze. 3 Mos. 13, 12; von der fussolen bis aufs heubt ist nichts gesundes an im. Jes. 1, 6; vol grewlicher schrecklicher gotteslesterung vom heubt an bis zun füszen. Luther 1, 58ᵇ; ähnlich haupt und glieder:
so wie ihr, ihr fürstengold,
haupt und gliedern heil und hold
gabt durch den vermählungsring.
Logau 2, 28, 3.
vergl. auch eine anzahl der unten folgenden composita, hauptader, hauptkissen, hauptwehe u. a.
2)
von diesem alten gebrauche des wortes reichen noch andere feste formeln zum theil bis in die heutige sprache hinein.
a)
so zum haupte wachsen, übermächtig werden, heute gewöhnlich über den kopf wachsen: unser missethat ist uber unser heubt gewachsen. Esr. 9, 6; so lesset er (gott) ein mechtigs reich aufkommen und den andern zun heupten wachsen. Mathes. Sar. 82ᵇ; summa weil die greckischen reichstedte und ire fürsten unter einander eins blieben, waren sie dem persischen reich zun heupten gewachsen. 85ᵃ; damit sie ihrem gegentheil zun haupten wachsen. 87ᵃ; wir sind euch zum (so) haupten gewachsen. Schuppius 837; dasz sie sie (die mutter ihre töchter) sich hat lassen zu den häuptern wachsen. frau Schlampampe leben 78; keine macht konnte unbemerkt und sicher den schwächern zu haupte steigen. Möser patr. phant. 1 (1798) 172; noch in ganz sinnlicher verwendung:
den trägern in den furchen all
wächst übers haupt der trauben schwall.
Uhland ged. 320.
b)
auf das haupt schlagen, zur veranschaulichung vollständiger vernichtung, weil das haupt der edelste und wichtigste theil des ganzen körpers ist: sich völlig so geberdeten, als ob der filosof nun aufs haupt geschlagen sei und gar nicht wieder aufstehen könne. Wieland 19, 62; der feind ist bis aufs haubt geschlagen, occidione occisus est hostis. Stieler 791; da man die Midianiter aufs haupt erlegt, beuten die Juden auch blei aus. Mathes. Sar. 101ᵇ; hernach erlegten sie den Triarius aufs haupt. Lohenstein Arm. 1, 212ᵇ.
c)
häufig ist orts- und richtungsbestimmung nach dem haupte: dein himel der uber deinem heubt ist. 5. Mos. 28, 23; ewige freude wird über irem heubte sein. Jes. 35, 10; die hoffnung fuhr wie ein stern, der vom himmel fällt, über ihre häupter weg. Göthe 17, 359;
steh mir immer am haupt, wenn mich des morgenschlafs
leiser fittig umweht, lächelnder wonnetraum.
Hölty 76 Halm;
die erde bebt und über deinem haupte
bricht das gewölb zusammen.
Uhland ged. 187;
siehst du hoch ob meinem haupte
jenen vogel?
R. Reinick lieder 170;
namentlich in der verbindung zu haupt:
ihr zum haupt nun trat sie.
Odyssee 4, 803;
zu haupt zwei sanft erglühende (rosen),
zwei dunkle niederwärts.
Uhland ged. 117;
es saust ihm zu haupte der schwarze wald.
s. 213;
eine verbindung die seit alten zeiten auch pluralisch verwendet wird, wie zu händen für zu hand sp. 338, zu köpfen 5, 1752 (die pluralische verbindung wol, um dadurch die ungefähre, nicht ganz scharf bestimmte richtung nach der kopfseite hin anzugeben); es gilt zu haupten und auch zu häupten, vergl. oben sp. 597: sein gehäsze (kleidung) zuͦ den haupten auf das pette leget. Steinhöwel 83, 38 Keller; er nam einen stein des orts, und legt in zu seinen heubten. 1 Mos. 28, 11; der spies des königs, und der wasserbecher, die zu seinen heubten waren. 1 Sam. 26, 16; oben zu seinen heubten heften sie die ursach seines todes beschrieben. Matth. 27, 37; da sah er sein liebes honigkrüglin über im zu haupten hangen. Garg. 225ᵃ; mein mäntlein zun häupten. Schweinichen 1, 111; eine (frau) welche dem schönsten herbsttage glich, den man sehen kann, sasz zu seinen häupten. Wieland 6, 98; die haare von der stirne des fuchses, wenn man sie kleinen kindern zu häupten legte, wären gut gegen das ertrinken. Eichendorf Lucanor 153. das pluralische dieser verbindung vollständig ins licht zu stellen, heiszt es bei Wilw. v. Schaumburg: und als der krank fürst zu nacht schlafen solt, hette er auf nichts zu liegenn, den das im stroe in sein kamer gestreit und sein regenmantl under die haubt gelegt, bis so lang im sein betgewant wider bracht warde. s. 191;
wenn wir des kummers last zu unsren haupten legen.
Logau 1, 4;
denn wie leuchtets ihm zu haupten?
Göthe 41, 230,
der sonst die umgelautete form braucht: so stand nun der sarg Ottiliens, zu ihren häupten der sarg des kindes, zu ihren füszen das köfferchen. 17, 408;
(wenn) nachts das übermasz der sterne
prächtig mir zu häupten glüht.
47, 69;
trost und segen
soll er dir zu häupten legen.
s. 187.
andere ortsbestimmungen: weiszestu auch, das der herr wird deinen herrn heute von deinen heubten (über dir hinweg) nehmen? 2 kön. 2, 5; namentlich in bezug auf die lage des kopfs im bette, wofür auch schon vorher beispiele: sie geht nach dem bette, er folgt ihr; sie zieht einen dolch von häupten. Göthe 42, 229;
so stoszt in euer bet
ein messer unter euer haupt.
H. Sachs von Gödeke 1, 196.
Von einer richtungsbestimmung geht auch aus das adverbial gewordene und zusammengerückt geschriebene überhaupt, s. dass., das der bedeutung nach aber allerdings an die kopfzahl (unten 9, b) angelehnt ist, es heiszt in der richtung oder erstreckung über alle, insgemein; gleicher bedeutung ist ein älteres zu haupt: kämen die partheyen also weit in der thädingh, dasz sie urtheil sezten, urtheil, welche der hof weisz were, die solle er weiszen ohne wiederspruch; urtheil, die er nicht weisz were, die soll er zu haupt heischen zu Winkel für meines herren schöffen auf der partheyen kosten. weisth. 2, 386 (v. 1506).
d)
das haupt dient auch als maszbestimmung: (Saul) war ein junger feiner man, .. eines heubts lenger, denn alles volk. 1 Sam. 9, 2;
und eines hauptes länger als die ritter alle
stand er vor könig Artus.
Wieland 18, 14.
3)
der neuere und seit dem häufigen aufkommen von kopf allmälich entstandene gebrauch von haupt weist dieses wort vorzugsweise der gehobenen, dichterischen rede an. gewöhnlicher wird es nur nach seiner hervorragenden stellung und äuszern erscheinung gezeichnet, seltener als sitz des denkens betont: er soll itzt einen rath ertheilen, und sein haupt ist mit dünsten beschweret. Gellert 6, 297; der bauch der vetteln soll plötzlich mehr wissen, als das haupt und das herz der weisen. Immermann Münchh. 2, 173; (die sonne) erwärmte mein haupt, dasz alle unreife gedanken darin zur vollreife kamen. H. Heine 1, 11, vergl. unten 9, c;
(du must mich wol) für einen groszen esel halten.
denn hätt ich auch ein haupt von kohl
mit spreu gefüllt, so kahler lehren,
zum henker! könnt ich doch entbehren.
Wieland 18, 376.
fügungen wie die folgende:
aber die dritt bleibt ungegleubt,
und will mir nit so bald zu heupt.
B. Waldis Esop 4, 84, 62,
sind jetzt durch zu kopf verdrängt. die adjective, die zu dem worte treten, sind vielfach von dem haare, als dem auffallendsten theile des hauptes genommen: sein heubt aber und sein har war weis, wie weisze wolle, als der schnee. offenb. 1, 14; grauw haupt, caput canum Maaler 213ᶜ; mit kahlem weiszen haupt. J. Paul Tit. 4, 130; die junge dame war sehr schön. eine herrliche gestalt, auf dem lockigen haupte ein helmartiger, schwarzer atlashut. H. Heine 1, 77; mit kopf wechselnd: M. wer vom kaiser einen auftrag hat, den sieht es (das kind) mit einem schein um den kopf ... H. ists wahr, mein kind? siehst du einen schein um mein graues haupt? Göthe 42, 344;
er senkte
sein weiszes haupt und schwieg.
Wieland 18, 26;
mir beugts das graue haupt.
Uhland ged. 201;
da warf er in den nacken stolz
sein triefend haupt zurück.
Freiligrath ged. (1845) 120.
studentisch ein bemoostes haupt von alten studenten.Von dieser anschauung her wird dann gesagt das haupt scheren, das haupt raufen (Hiob 1, 20), für das haupthaar.
4)
durch haltung und bewegungen des hauptes werden empfindungen des menschen angedeutet.
a)
der mutvolle, zuversichtliche, freudige, stolze, kecke trägt das haupt hoch, hält das haupt empor: er wird trinken vom bache auf dem wege, darumb wird er das heubt empor heben. ps. 111, 7; wenn aber dieses anfehet zu geschehen, so sehet auf, und hebt ewer heubter auf, darumb, das sich ewer erlösung nahet. Luc. 21, 28; aber itzt hat sie (die wahrheit) den sieg, und tregt das heupt empor. Luther 6, 496ᵇ; er schritt erhobenen hauptes durch die versammlung; er trägt das haupt so hoch, als wenn die hand der majestät nicht über ihm schwebte. Göthe 8, 185; wem mut und stolz gegeben wird, dem wird das haupt erhoben: und wird nu erhöhen mein heubt, uber meine feinde die umb mich sind. ps. 27, 6.
b)
das haupt senkt, beugt der demütige, mutlose, traurige, müde, nachdenkliche: der oberamtmann bedachte sich, senkte das haupt. Immermann Münchh. 4, 50;
sie spinnt mit dem gesind indessen um die wette,
und netzt die finger wol, bisz sie auch allgemach
das haupt legt auf die brust, und folgt dem manne nach (zu bette).
Opitz 1, 139;
Zythere hing ihr häupt (trauernd).
Fleming 665;
traur ihn, Georgia,
du seine lieblingin,
und rolle einen schleir um dein gesenktes haupt.
Hölty 45 Halm;
(da zeigt sie ihm) ein holdes mägdlein sitzend warten
am bächlein, beim hollunderstrauch;
mit abgesenktem haupt und aug,
sitzt unter einem apfelbaum,
und spürt die welt rings um sich kaum.
Göthe 13, 130;
und dieses haupt, das trauernd niederhieng,
es hebt sich in der blumen frischem schmucke.
Uhland ged. 185;
senkt die lanz als müder streiter,
neigt das haupt, wie schlummerschwer.
249;
er schlummert auf demselben stein
schon manche hundert jahr,
das haupt gesenket auf die brust,
mit grauem bart und haar.
307;
er liesz das röszlein langsam gehn,
das haupt er traurig senkte.
345;
du lehnst das haupt auf deine hand.
o schönes mädchen, bist so still;
dein blick schweift von der barke rand,
als ob er etwas suchen will.
R. Reinick lieder 162;
daher heiszt ein so gesenktes haupt auch ein sinnendes haupt:
und mit sinnendem haupt sasz der kaiser da,
als dächt er vergangener zeiten.
Schiller graf v. Habsburg v. 111.
dem sorgenvollen ist das haupt schwer:
du lösest ohne mühe,
wovon das haupt mir schwer.
Uhland ged. 312;
es wird im schmerze hin und her gewendet:
wir verkehren häupt und hände,
und thun kläglich mehr als sehr.
Fleming 307.
c)
in trauer wird das haupt verhüllt: David aber gieng den oleberg hin an und weinet, und sein heubt war verhüllet. 2 Sam. 15, 30; sie gehen trawrig und betrübt, und verhüllen ire heubter. Jer. 14, 3; der alte Moor verhüllt sein haupt in das kissen. Schiller räuber 2, 2; sie verhüllte das haupt und schwieg. Riehl culturgesch. nov. 364; im höchsten schmerze wird es gerauft (vergl. oben 3): da stund Hiob auf und zureis sein kleid und rauft sein heubt. Hiob 1, 20; symbol der trauer ist das werfen von staub und asche auf das haupt (vergl. asche theil 1, 580): Josua aber zureis seine kleider ... sampt den eltesten Israel, und worfen staub auf ire heubter. Jos. 7, 6; warf Thamar asschen auf ir heubt und zureis den bunten rock, den sie anhatte. 2 Sam. 13, 19; und danach:
doch den heitern pilgern folgen
andre barfusz und bestaubt,
angethan mit härnen hemden,
asche tragend auf dem haupt (als büszer).
Uhland ged. 287.
d)
der zweifelnde, verneinende, unwillige schüttelt das haupt: ich wolt auch mit worten an euch setzen, und mein heubt also uber euch schütteln. Hiob 16, 4; und die fur uber giengen, lesterten in, und schüttelten ire heubter (goth. viþôndans haubida seina). Marc. 15, 29; darum (verzweifelnd) winseln auch die geister des abgrunds, aber der im himmel schüttelt das haupt. Schiller räuber 5, 1; es heiszt auch das haupt zweifelnd wiegen;
ein zechgesell, der keinem glaubt,
begrüszt ihn, schüttelnd mit dem haupt.
Uhland ged. 321;
sie machten ein groszes wesen
und schüttelten kläglich das haupt;
sie nannten mich den bösen.
H. Heine 15, 101.
e)
das nicken mit dem haupte ist zeichen des einverständnisses und beifalls: da er bemerkte, dasz der vornehme ihm verstehende blicke zuwarf und bei einigen stellen (der predigt) beifällig mit dem haupte nickte. Immermann Münchh. 3, 34; nachdem N. ausz zufall nicht reden mag, durch mich gefragt, hat mit zeichen oder winken der achseln oder desz haupts verwilliget. notariatsordn. zu Cöln 1512, § 7.
f)
der unterwürfige neigt, entblöszt das haupt: der ritus adorationis war eine solche ceremonie, da man, nach dem unterschiede des standes, durch tiefes haupt-schlagen, neigen des leibes etc. die ehrerbietung an den tag legte. Hahn histor. (1721) 1, 64 not. k; ich aber legte meine arme kreuzweis auf die brust, beugte gläubig das haupt. H. Heine 1, 140; er durchschwärmte Deutschland .. mit unbedecktem haupte, barfusz, und erbettelte sein brod vor den thüren. Schiller räuber 2, 2;
empfieng, mit bloszem haupte,
die herren an der thür.
Hölty 9 Halm;
voran drei schlegelkönge, zu fusz, demüthiglich,
mit unbedecktem haupte, die augen unter sich.
Uhland ged. 362.
das neigen des hauptes als grusz:
als ausgefüret wurt der teuer,
sach er sein lieb im fenster wol,
er neiget ir sein haubet.
H. Sachs von Gödeke 1, 208.
g)
dagegen ist es das recht des freien mannes und des herschers, als zeichen ihres ranges das haupt zu bedecken: sie (die drei pfeifer beim Frankfurter pfeifergericht) tragen blaue mit gold verbrämte mäntel .. und haben das haupt bedeckt. Göthe 24, 34; der könig .. betrat den thron, bedeckte sein haupt mit dem helm und verlas folgende .. thronrede. volkszeitung vom 6. august 1866.
5)
beim haupt wird geschworen: auch soltu nicht bei deinem heubt schweren, denn du vermagst nicht ein einigs har weis und schwarz zu machen. Matth. 5, 36; wie man dem entsprechend strafe, unglück, verderben, böse folgen auf ein haupt kommen, fallen läszt: ewer blut sei uber ewer heubt, ich gehe von nu an rein zu den heiden. apostelgesch. 18, 6;
wenn dennoch eben dieser Schweden ankunft —
gerade die es wär, die das verderben
beflügelte auf ihr so sichres haupt?
Wallenst. tod 5, 5;
abgeleitet ist
auf das geliebte reine haupt der blitz,
der mich zerschmetternd sollte niederschlagen.
das.;
lad ich nicht
auf mein haupt alle fürchterlichen folgen?
5, 6;
häuft alles leiden sich auf meinem haupt?
Tell 4, 2;
vergl. auch unten 9, a die bezeichnungen schuldiges, schuldvolles haupt. der fluch wird von jemandes haupte genommen: ihr werdet freilich den fluch von seinem haupte laden. Schiller räuber 1, 1. Wie das unglück, kommt auch glück über das haupt:
thau, himmel, heil, und lasz gut glücke regnen
auf dieses edle häupt.
Fleming 475.
6)
zur ruhe wird das haupt niedergelegt: sein haubt nicht sanft legen. Schottel 1118ᵃ; wenn ich mein haupt niederlegen und ruhen will. Göthe 19, 12; des menschen son hat nicht, da er sein heubt hin lege. Matth. 8, 20; wer nicht hat, wohin er sein haupt hinlegt, leidet oft kleinere pein, als der nicht hat, wo er seine — hand hinlege. J. Paul uns. loge 2, 95;
nehmt mein haupt in euren schosz!
H. Heine 15, 136.
das haupt legen für sterben:
nun wer wir ruh im herzen haben,
weil das kind hat sein haubt gelegt,
das mich zu trawren hat bewegt.
H. Sachs 3, 2, 225ᵇ;
bis mein müdes haupt ich lege
ferne in ein kühles grab.
H. Heine 15, 45.
7)
einem das haupt bieten, ihm trotzen (vergl. den kopf bieten theil 5, 1753): einem das haubt bieten, cornua alicui obvertere. Stieler 791.
8)
anders das haupt bieten, darstrecken, zur vollziehung der todesstrafe: sein haupt darstrecken oder darbieten ab ze schlahen, dare cervices alicui Maaler 213ᵈ; worzu ich .. auch mein altes haupt willig darstrecken will. Zigler Banise (1700) s. 31; weil das tödten durch abschlagen des hauptes bewirkt wird: so werde mir wie einem verbrecher das haupt abgeschlagen. Bürger 332ᵃ;
dein haupt muosz dir über ein swertklingen hopfen.
fastn. sp. 297, 21;
Roland ihn bei den haaren griff,
hieb ihm das haupt herunter.
Uhland ged. 342.
daher das haupt verlieren, getödtet werden, wie mhd.
swer ir minne gerte   der muose âne wanc
driu spil an gewinnen   der vrowen wol geborn:
gebrast im an eime,   er het daʒ houbet verlorn.
Nib. 326, 4.
9)
vielfach wird haupt für den ganzen menschen genommen (wie kopf 5, 1752).
a)
so wird es zu adjectiven gestellt, die eigentlich nur auf die menschliche person gehen: um mein träumendes haupt. H. Heine 1, 55;
ach wüsztest du,
wer vor dir steht, und welch verwünschtes haupt
du nährst und schützest.
Göthe 9, 14;
dasz ich an dir ein schuldvoll haupt beschütze.
15;
ich bin Orest! und dieses schuldge haupt
senkt nach der grube sich und sucht den tod.
s. 49;
wo ist der alte? dasz ich ihn sehe,
das theure haupt, das vielverehrte,
das mit den göttern zu rathe sasz.
s. 58;
welch ein gespräch der fürsten find ich hier!
diesz ist des königes verehrtes haupt!
s. 91;
denn rief ich nicht mit thörigem beginnen
gefahr und tod auf dieses theure haupt?
s. 313;
und über seinem schuldgen haupte bricht
das schöne bild der ganzen welt zusammen.
19, 13;
die edle Bern erhebt ihr herrschend haupt.
Schiller Tell 4, 2;
hierher namentlich gekröntes haupt für herscher, weil das haupt eines königs die krone trägt:
doch bis die krone nun, die goldene,
dein haupt umfangen wird.
Uhland ged. 183;
welches eine der vornehmsten tugenden gekrönter häupter ist. Zigler Banise (1700) s. 44; die diamanten sind spitzige pfriemen, welche gekrönten häuptern ihre ruhe verstören. 676; er war klug genug einzusehen, dasz die gekrönten häupter sein freches unternehmen nicht wohl vermerken .. würden. Göthe 19, 116;
auch lady Gray war ein gekröntes haupt.
Schiller M. Stuart 1, 6.
b)
nach häuptern wird die menschenzahl bestimmt: das sind die kinder Levi unter irer veter heuser, und furnemsten der veter die gerechnet wurden nach der namen zal bei den heubtern. 1 chron. 24, 24; so manch heubt, so manch halber sekel (abgabe). 2 Mos. 38, 26; nemet die summa der ganzen gemeine der kinder Israel, .. alles was menlich ist, von heubt zu heubt. 4 Mos. 1, 2; in die häupter erben (in capita, nach köpfen). Mainzer landrecht 1755, 14 § 7;
er zählt die häupter seiner lieben,
und sieh! ihm fehlt kein theures haupt.
Schiller glocke.
c)
auch in andern verbindungen vertritt haupt die ganze person, so wenn denken und wissen derselben betont werden soll: das dritte haubt tregt schwer. das einem zu eng, ist dreien zu weit, und zweien gerecht: was über zwei herze kommet, das kommet aus. Schottel 1121ᵇ;
das qualvoll uralte räthsel,
worüber schon manche häupter gegrübelt.
H. Heine 15, 253;
aber auch anderweit:
sie rettet unversehrt ihr unerkanntes haubt.
Hagedorn 2, 19;
in die tage des flügelkleids,
die, im scherzenden tanz, über mein haupt entflohn.
Hölty 72 Halm;
es ist (Wallenstein) ein gar zu groszes haupt.
Schiller Wallenst. tod 5, 2;
des lebens dunkle decke breitete
die mutter schon mir um das zarte haupt.
Göthe 9, 29;
nein, nein, wir lassen dich nicht wandern,
du wärst ein zu gefährlich haupt.
A. W. Schlegel Arion.
graues haupt (oben sp. 600) für einen alten mann: fur eim grawen heubt soltu aufstehen, und die alten ehren. 3 Mos. 19, 32; o, wie fein stehets wenn die grawen heubte weise und die alten klug .. sind. Sir. 25, 6.
10)
wie von menschen, so gilt haupt natürlich auch von thieren: sollen ire hende auf des farren heubt legen. 2 Mos. 29, 10; die heubte der rosse, wie die heubt der löwen. offenb. 9, 17; sahe ein thier aus dem meere steigen, das hatte sieben heubter. 13, 1;
das mendlein (der viper) stöszt vor lieb sein haubt
dem weiblein in sein munde.
H. Sachs v. Gödeke 1, 168;
langbärtig aus den zweigen
schaut eines geisbocks haupt herab mit ernstem neigen.
Freiligrath ged. (1845) 404.
es wird namentlich das grosze vieh, rinder und pferde nach häuptern gezählt, das kleine nach stücken: der (hofbauer) sol han süben ziechender vihes houpt. weisth. 1, 438; niemand darf .. auf der gemeindeweide mehr als 100 häupter groszes, und 500 stück kleines vieh grasen lassen. Niebuhr 3, 15; von jedem haupt groszes, von jedem stück kleines vieh. 3, 17; in Balz war ein gesammt-rindviehbestand von 392 haupt: davon sind 12 getödtet und 380 haupt sind gerettet. Hall. zeitung 1869, no. 225; bair. ain, zwei haupt oder häuptlein menend (zugvieh). Schm. 2, 223. nach dem altdeutschen rechte fällt beim tode eines eigenmannes das beste haupt an den lehnsherrn, vergl. RA. 364: wanne dasz heupt von dem haus mit thoid abgehet, ist die witwe oder erben ein best heupt schuldig under dem gespaltenen fuesz (d. h. unter den rindern). weisth. 2, 123.
II.
haupt in übertragenem sinne.
1)
wie haupt das hervor und aufragende glied des menschlichen körpers ist, so wird der, der nach rang und ansehen sich auszeichnet, ein haupt genannt.
a)
allgemein von dem ersten einer vereinigung, anführer, befehlshaber, vorsteher: ouch so besich ob yergens zwen oder dry houpt zusamen stoszent und wolten einen eigen raidt halten. mittelalterl. hausb. 36, 4; (gott) hat in (Christum) gesetzt zum heubt der gemeine uber alles. Eph. 1, 22; das Christus ist eines jglichen mannes heubt, der man aber ist des weibes heubt, gott aber ist Christus heubt. 1 Cor. 11, 3; berief er das ganz Israel und ire eltesten heubter, richter und amptleute. Jos. 23, 2; da nam sie David an, und setzt sie zu heubtern uber die kriegsleut. 1 chron. 13, 18; sie wurden halstarrig und wurfen ein heupt auf. Neh. 9, 17; gott .. hat diese nacht der gottlosen heubt umbracht, durch meine hand. Judith 13, 26; (die wächter) die unser haubt hinausz verordnet hette. Götz v. B. 75; wanne dasz heupt von dem haus mit thoid abgehet. weisth. 2, 122; das haupt das die andern all anricht, antistes Maaler 213ᶜ; die dritte sagt, vielleicht wird aus diesem kind ein tapfrer und kühner soldat werden, der .. zu einer hauptmannstelle wird gelangen, dann in solchen triumphspiel soll spadi in höherem preis sein, als denari, wordurch mancher zu einem haupt wird, der einen schlechten kopf hat. Abr. a S. Clara merks Wien (1680) s. 15; ungeachtet Roderich ihn zwar zum haupte seiner heere gemacht. Lohenstein Arm. 1, 174ᵇ; diese zeitung veranlaszte eine geheime berathschlagung unter den häuptern der räuber. Wieland 1, 57: vielleicht ist mehr erbitterung, rachsucht und eigennutz als wahre vaterlandsliebe in den beweggründen der häupter der empörung. 7, 182; der sänger wurde für seine ergötzende mühe durch gastfreie aufnahme in den wohnungen der häupter, auf den versammlungsplätzen der menge belohnt. A. W. Schlegel 12, 386; das haupt dieser familie. Immermann Münchh. 1, 201;
und wirt nit wol regieret,
wa vil der heubter sint.
Uhland volksl. 912;
zumahl als haupt und als soldat
befehlen wol und wol verrichten.
Weckherlin 365;
o haubt der götter! (Zeus).
Hagedorn 2, 29;
der noth gehorchend, nicht dem eignen trieb,
tret ich, ihr greisen häupter dieser stadt,
heraus zu euch.
Schiller braut v. Messina;
es sind die hohen häupter der schlegelbrüderschaft.
Uhland ged. 361.
b)
speciell von dem politischen herscher, fürsten, könige, kaiser: wie Samaria das heubt ist in Ephraim, so sol der von Remalia das heubt zu Samaria sein. Jes. 7, 9; gott der herr hat den ungläubigen jüden den keiser Nero zum haupt geben. Reiszner Jerus. 2, 122ᵇ; Scheschian ist ohne haupt; alles elend und alle gräuel der anarchie schlagen über dem unglücklichen lande zusammen. Wieland 7, 193; der prächtigste staatswagen, auch im rücken mit einem ganzen spiegelglas versehen, .. liesz uns ganz bequem kaiser und könig, die längst erwünschten häupter, in aller ihrer herrlichkeit betrachten. Göthe 24, 305; der pabst, das haupt der kirchen. Ernst bilderhaus 2 (1686) 474;
als viler völker haupt, herr, deines knechts person
hast du das regiment zu führen selbs gekrönet.
Weckherlin 72,
nach ps. 18, 44: machest mich ein heubt unter den heiden;
du (Karl V.) bist ain haupt und herr auf ertreich
und got dein herr im himelreich.
Schade sat. u. pasqu. 2, 181, 202.
häufig ist hier die formel hohes, oberstes haupt, auch im officiellen stile: die röm. kaiserl. .. majt. unser allergnädigster herr, das höchste haupt und obrigkeit. Dreyhaupt Saalkreis 1, 378; er wisse und verstehe nicht, wie man mit hohen häuptern umbgehen solle. wann er noch ein jahr oder drei bei hofe sei, so werde er es endlich wol lernen. Schuppius 244; dasz man saget, thut es doch unser amptman, unser junker, unser voigt, unser bürgermeister, ja unser fürst, unser könig. da meinen die gemeinen leute, was solche hohe häupter thun, dasz sei ihnen unverbotten. 513; der gärtner leitete die hohen häupter, und den sich eindringenden hof zu einer groszen aloestaude. Lohenstein Arm. 1, 1174ᵃ; ihr wahret ein freies volk, und durftet niemanden als dem höchsten haupte zu gebote stehen. unwürd. doctor 618; bis alle und jede ... den höchsten häuptern ihre aufwartung gemacht und sich einzeln denselben dargestellt hatten. Göthe 24, 310;
das vierd ist ir meineid schwern,
das solten die obersten haubt in wern.
fastn. sp. 294, 2;
sag deinem keiser dem öbersten haubt,
im sei recht und unrecht erlaubt.
298, 4;
diese zwei, disz treue paar,
das die höchsten häupter lieben.
Fleming 478;
von den mitgliedern eines rates: und ward dieser meyer in nechstvolgender enderung eines radts deren hohen heupter eines. Wickram rollw. 161, 8 Kurz.
c)
wie lebendig diese bedeutung als bildliche gefühlt wird, davon zeugt die zusammenstellung von haupt in dem angegebenen sinne mit andern gliedern des leibes: er wird das heubt sein, und du wirst der schwanz sein. 5 Mos. 28, 44; weil der grosze leib des reiches und so viel glieder des volkes nicht ohne haupt sein .. könte. Lohenstein Arm. 1, 183ᵇ; das land für sich genommen ist eigentlich .. ein corpus, das haupt davon seid ihr selbst; mich dünkt, der vergleich ist richtig. Fr. Müller 3, 343; der aufgerichte fried .. zwischen haupt und gliedern (des reichs). reichstagsabsch. von Regensburg 1654, § 1; reformation der kirche an haupt und gliedern;
die höchsten in der welt, herr, haben abgenummen;
dann füsze sind zum haupt, und haupt zu füszen kummen.
Logau 1, 126, 41.
bei feststellung der verwandtschaftsgrade: eigintlichin cʒu nemen, so ist mein vater und mein muter ein houbt und ein stam alle der kynder, dy von in komen. wen worum? sy sint der elderen glyder ghenant. Magdeb. blume 2, 1, 21. — Mit bezug auf den spruch: der mann ist des weibes haupt heiszt es: gleich wie ich wol weisz, dasz das weib nicht aus des manns haubt, aber wol aus seiner seiten genommen (habe ich keine herschgelüste). Simpl. 3, 38 Kurz.
d)
haupt von der politisch hervorragendsten landschaft oder stadt eines reiches: Nineve, .. das heubt im keiserthum zu Assyrien. Luther 3, 220ᵇ; wie Damascus das heubt ist in Syria. Jes. 7, 8; Gilead, du bist mir das heubt im Libanon Jer. 22, 6; hätte doch Scipio .. das haupt Carthago mit erwünschtem ausschlage angefallen. Lohenstein Arm. 1, 195ᵃ; Erfurt ist das haubt in Thüringen, Erfordia metropolis Thuringiae est. Stieler 791;
Teutschland, haubt und kaiserin
aller königreich auf erden.
Rist Parn. 463.
e)
dann geht auch haupt auf das vorzüglichste, hervorragendste irgend einer art oder sache: das haupt der frage, summa rei, status causae Stieler 791; bair. ist das haupt beim scheibenschieszen der hauptpreis, und der platz wo um denselben geschossen wird. Schm. 2, 224;
die gottesfurcht, das haubt und mutter aller sachen.
Rist Parn. 799.
in einem ausgeführten bilde: wie der zu schwach ausgestoszene aussatz der revolution, zu oberflächlich geheilt, zurücktrat in herz und haupt der gesellschaft. Gervinus gesch. des 19. jahrh. 8, 884. in der angeführten bedeutung ist haupt namentlich als erster theil von compositen häufig und drückt hier entweder etwas schlechthin vorzügliches, hervorragendes aus (vergl. unten hauptfrau, haupthahn, hauptkerl u. a., sowie die adj. hauptgut, hauptschlimm), oder das erste unter mehreren in vergleich gesetzten gleichartigen dingen (hauptartikel, hauptbegriff, hauptsache u. a.): wenn unser nachsinnen etwa ein solches vornimt, das als etwas vornehmes, erstes, lobwürdiges .. sol vorgestellet werden, findet es unter anderen die wörter haubt, uhr, erz, hoch, höchst. Schottel 96.
2)
haupt, der oberste, einem kopfe verglichene theil irgend einer pflanze (vergl. die form haid, hêd oben sp. 597): aber der eher (ähre) der das haupt gegen dem erdtereich neiget, und der ast nitt (nieder) sich, die seint voller weiszen (weizen) und öpfel. Keisersberg narrensch. 137ᵃ; haupt .. eines baumes sind oben alle seine zweige zusammen. Jacobsson 6, 52ᵃ;
und wie das müde haupt desz mohnes niedersinkt,
im fall er ohngefehr zu viel von regen trinkt.
Opitz 2, 99;
die tanne fäll ich, drauf die adler horsten;
sie kracht zu boden, schnee vom haupte schüttelnd.
Freiligrath ged. (1845) 292;
vergl. auch kohlhaupt, krauthaupt, th. 5, 1593. 2119; salathaupt u. ähnl. dichterisch heiszt der kelch der blume das haupt:
die lotosblume ängstigt
sich vor der sonne pracht,
und mit gesenktem haupte
erwartet sie träumend die nacht.
H. Heine 15, 94.
haupt wird aber auch die zwiebelknolle des knoblauchs genannt. und zwei haubt knobelauches. b. v. g. speise 13, 16; überhaupt eine knolle: bol, bolle, haupt, caput, a sphaerica figura. Henisch 448, 43.
3)
haupt, von dem gipfel eines berges: der Aetna mit seinem beschneiten haupte. Seume spaziergang 2, 162; und drauszen brauste es, als ob der alte berg mitsänge, und einige schwankende freunde behaupteten sogar, er schüttle freudig sein kahles haupt. H. Heine 1, 93;
ob ihm (dem Zobtenberge) sein haupt behüllt mit einer feuchten hauben.
Logau 1, 193;
der berge haupt im weiszen schleier.
Gökingk 1, 276;
traf den weitumschauenden
Kroniden sitzend auf dem höchsten haupt
des vielbewipfelten Olymps allein.
Bürger 146ᵃ;
wir eilen immer ihrem schatten nach,
der göttergleich in einer weiten ferne
der berge haupt auf goldnen wolken krönt.
Göthe 9, 32;
diese felsen bücken ihre häupter nicht
vor seinem hute.
Schiller Tell 4, 1.
4)
auch das vorgebirge, cap, hiesz im 17. jahrh. bisweilen haupt: ob wir zwar unsere waffen bisz an das euszerste nordhaupt .. und zum weiszen meere an Scythien geführet. Lohenstein Arm. 2, 904ᵃ;
wir haben erst umbfahren
der guten hoffnung haupt.
Opitz 1, 108.
nl. hoofd in de zee, promontorium, mons in mare prominens Kilian; niederd. hövt eine landspitze Dähnert 189ᵇ.
5)
haupt, ein theil der flur, wol das nach einer bestimmten richtung hin schmal vorspringende acker- oder weidestück: wasser und weide sei seiner f. gn. wie auch das haupt hinter der burg zu Friedewalt, gelegen an dem Drienberge, und der acker auf dem Dreienberge, der zum haupt gehoret. das ander haupt allernechst gegenuber zusambt des ackers ein theil, so zum haupt gehöret, sei dero von Milnrode. weisth. 3, 332 (Hessen, 1436). vergl. kopf 6, th. 5, 1770, und fürhaupt 3, th. 4¹, 744.
6)
haupt, die quelle eines flusses, schon ahd. mehrfach: Kaltenbahhes houbit; Hôriginpahes houpit. Förstemann namenb. 2, 704; nhd. zuͦ latin in capite Oeni, zuͦ teutsch, am haupt oder ursprung des Yns. Stumpf chron. (1586) 570ᵃ. umgekehrt wird aber haupt auch für die mündung eines flusses gebraucht: Ptolomeus setzet drei heupter oder geng des Rheins, die die Latini ostia nennen. Frank weltb. 27ᵃ.
7)
haupt, hervorspringende theile an bauten; der oberste theil der säule: haupt oder deckel auf der saul, capitellum, epistilium Dasypod.; nd. capitellum dat heuft van den calumnen Dief. 97ᵇ; capitellum hovede der piler nov. gloss. 73ᵃ; die häupter und füsze der säulen. Göthe 27, 110; ferner: haupt (wasserbau) ist eben das, was man am bleszwerken kopf nennet, und bestehet in einer hervorragenden dreieckigen spitze, den stromstrich abzuweisen (niederd. höft). Jacobsson 2, 269ᵃ; nl. hoofd aen den waterstroom, mola, sive agger eminens quo fluminum vis coercetur. Kilian; häupter oder schlengel heiszen auch geringe wehre, reiszen oder gerinne an den flüssen, die gemacht werden, damit der ablauf keine so grosze gewalt wie bei groszen wehren haben möge. Jacobsson 3, 622ᵇ; an wällen und dämmen ist haupt der abhängige, mit rasen bedeckte theil. Frisch 1, 425ᵇ; im mühlenbau jedes von den beiden enden des fachbaumes, welches an der erde oder dem ufer an den seiten des baches oder flusses zu liegen kommt. Jacobsson 2, 230ᵃ.
8)
haupt, das untere stück holz am pfluge, an welches der pflugschar befestigt ist. öcon. lex. (1731) 943.
9)
haupt heiszt in der Schweiz ein gewisses gemasz flüssiger dinge, vorzüglich der milch, enthaltend eine masz oder an gewicht vier pfund. Stalder 2, 26.
10)
haupt, der oberste theil eines schildes, caput scutarium. Frisch 1, 425ᵇ.
11)
haupt, der balken, in dem die zähne des harkens befestigt sind. niederd. höft Danneil 83ᵇ, vergl. harkenhaupt sp. 479.
12)
haupt, der kopf des nagels, im gegensatz zur spitze.
13)
haupt am stuhl: und der stuel hatte sechs stuffen, und das heubt am stuel war hinden rund, und waren lehnen auf beiden seiten umb das gesesze. 1 kön. 10, 19.
14)
die bedeutung von haupt in den folgenden stellen kann nicht mit sicherheit gegeben werden: item die hindergerüst in oder under der kolekisten (eines schiffes) sol keins verspert sin, oder kein heupt darfur machen. Mone zeitschr. f. d. gesch. des Oberrheins 9, 33, § 19; deszglichen in beiszeln (kähnen?), gros oder klein, sol man kein heupt machen mit borten oder anderm. das. § 20; vergl. auch item sollent sie einen fusz fur den rub (cajüte) setzen, den luden ir gut und sich selbs darin zu behalten, und in oder under der kolekisten mogen sie ir gerust machen unverspichert und unverheupt, das der beseher (revisor) darin sehen möge. das. s. 34, § 26.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 596, Z. 35.

häuptern, verb.

häuptern, verb.
vom kraut, sich zu einem haupt, zu häuptern schlieszen. in der Wetterau heiszt es sprichwörtlich: wenn das korn wächst (im herbste nach dem aussäen aufgeht), häuptert das kraut.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 610, Z. 56.

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Zitationshilfe
„häuptern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4uptern>, abgerufen am 26.10.2021.

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