Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

häuslein, n.

häuslein, n.
aediculae, domuncula, ahd. hûsili und hûsilîn, mhd. hiusel und hiuselîn.
1)
in eigentlicher bedeutung: huszel domuncula voc. inc. theut. k 5ᵇ; heüszlin, aediculae, casa mapalia Maaler 220ᵈ; wie ein heuslin im weinberge. Jes. 1, 8; wie wol das häusel ein kleines höffel und ziemliche kammer hatte. Lazarillo de Tormes 69; rechts stand ein gothisch - lombardisch kapriciöses häuslein, in dessen innern eine süsze, flatterhafte mädchenstimme .. trillerte. H. Heine 2, 67.
2)
gehäuse über oder um ein schnitzwerk, baldachin: machet im (dem schnitzbilde) ein feines heuslin, und setzts an die wand, und heftets fest mit eisen, das nicht falle. weish. Sal. 13, 15; eben so sind ihre götzen. wenn man sie in ire heuslin setzt, werden sie vol staubs, von den füszen dere, die hin ein gehen. Baruch 6, 16.
3)
häuslein für abtritt, mundartlich sehr verbreitet (Fromm. 6, 147 u. ö.), bei Frisch 1, 427ᶜ aus Keisersbergs postille nachgewiesen; häuslein, heimliches gemach, cloaca, latrina Kirsch cornuc.;
das häuszle stuond offa, drein sind si all gloffa.
schwäb. lied v. 1633 bei Fromm. 4, 94, 59.
vielleicht fällt dieser bedeutung auch zu: und sollen auch keine kandelle (canäle) und drauf von der nachparn dechen und hauseln in den hoff gefürt noch geleidt werden. weisth. 2, 262 (v. 1539).
4)
häuslein, grab: sohen den engel uff dem stein huszen sitzen vor dem grab oder hüszlin. Keisersberg post. 3, 4ᵇ.
5)
häuslein von thierwohnungen: wenne man in (den vogel galander) gevæht und in besleuʒt in ainem häusel. Megenberg 176, 8; heüszlin der imben, favus Maaler 220ᵈ; liesz die (löwen) ausz ihrem loch oder heuszlin. Amadis 242; schneckenhaus:
dann wann vom häuszlin kriecht die schneck,
so trägts ein jedes kind hinwegk,
ja da nieman steckt in dem häuszlin,
sah ich spilen damit ein mäuszlin.
Fischart ehez. (1591) C 6ᵇ;
von der schaale einer schildkröte:
da ward sie (die schildkröte) ergetzt widerum,
sprach, o häuszlin, mein heiligtum,
truck tapfer nur, ich trag dich gern,
forthin solt mich nicht meh beschwern.
D 5ᵇ;
testudo haiʒt ain snek, darumb .. daʒ er mit ainr schaln bedecket ist, als er in ainem häusel sitz.
Megenberg 258, 24.
6)
häuslein, das kernhaus beim obst, wie haus sp. 644; ferner die aus dem blütenkelche entwickelte hülse der judenkirsche: nehmet judenkirschen, die schön und wol, auch zeitig seind, ziehet ihnen das häuslein ab. Hohberg 3, 1, 158ᵇ.
7)
häuslein, bildlich für mutterleib:
warumb weinet ein kindlin gleich
wann es von muterleibe weicht?
darumb, das es sich merket blosz,
und seiner teck und häuszlins los.
Fischart ehez. (1591) C 8ᵃ.
ebenso für vulva:
dreu jar noch bleib ich ungewert,
das sie mir nicht leh das heuslein,
do die pruchmaisen fliegen ein.
fastn. sp. 123, 25.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 678, Z. 43.

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Zitationshilfe
„häuslein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4uslein>, abgerufen am 24.10.2021.

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