Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

häuslichkeit, f.

häuslichkeit, f.
1) (nach häuslich 1) der gesamte zustand des hauswesens und dieses selbst: die häuszliche herrschaft und herrschaftliche häuszlichkeit. Garg. 63ᵇ; wie beschämen uns im punkt der häuslichkeit die altgriechischen wohnungen und paläste! Herder z. sch. litt. 19 (1830) 141; der zierliche topf nimmt manchen strauch, manche zwiebel auf, um in winterhafter häuslichkeit den sommer zu heucheln. Göthe 33, 152; so hoffe ich, sie werden die einfache treue rechtlichkeit deutscher zustände nicht verschmähen, und mir verzeihen, wenn ich .. kein anmuthigeres bild finde, als wie sie uns der deutsche mittelstand in seinen reinen häuslichkeiten sehn läszt. 21, 126; dasz eine wirthin sich sehnt, wieder ungestört in ihrer stillen häuslichkeit zu leben. Immermann Münchh. 4, 100; verzeihen sie uns das unzarte eintreten in ihre häuslichkeit. Freytag handschr. 1, 90;
edle deutsche häuslichkeit
übers meer gesendet.
Göthe 47, 208.
2) die liebe zum hauswesen und die neigung darin zu weilen und zu wirken (häuslich 2): und (das weib) inn aller zucht und heuszlichkeit .. bleibet und verharret. Mathes. Sar. 7ᵃ; ein rechtschaffen weib .. liebet ir hauszgesind, will nit in kleidern, sonder in rechter häuszlichkeit gesehen sein. Fischart ehez. (1591) L 1ᵃ; aber häuszligkeit und tugend stehet .. wol neben einander. Lohenstein Arm. 1, 199ᵇ; ohne das hätt ich des guten menschen gewissenhafte häuslichkeit zeither schon gern ein biszchen ausgeweitet. Göthe 7, 133;
die schnecken die heidochsen neiden,
weil sie die häuszlichkeit gar meiden,
und drumb auch nicht der immen schonen,
und im zerfallnen gmäur gern wonen.
also soll auch ein ehefraw meiden,
was sie von häuszlichkeit will scheiden.
Fischart ehez. (1591) C 6ᵃ.
3) (nach häuslich 3) wirtschaftlichkeit, sparsamkeit: welcher aber allgemach sich wird herauszwickelen (aus den schulden), der macht ein gewonheit der häuszligkeit und mit diesem fleisz hilft er dem gemüth und vermögen. Schuppius 739;
ein weibchen, die ... was sein (des mannes) fleisz gewinnt,
durch kluge häuslichkeit vermehret.
Gotter 1, 254.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 681, Z. 45.

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Zitationshilfe
„häuslichkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4uslichkeit>, abgerufen am 20.10.2021.

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