Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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häuslich, adj. und adv.

häuslich, adj. und adv.
domesticus, frugi. ein huszlicher, heimscher, domesticus Dief. 190ᵃ; in ältern quellen öfter ohne umlaut: hauszliche sparsamkeit. Fischart ehez. (1591) C 2ᵇ in mehrfacher anwendung.
1)
das eigene hauswesen betreffend, den haushalt angehend; so in bezug auf das wohnen: sich häuslich niederlassen, ein hauswesen gründen; kein eigen domicilium und häuslich wesen gehabt hab. Ayrer proc. 1, 7; ob er .. etwan irgends eine häusliche wohnung hätte? Simpl. 3, 198 Kurz; ist klar, wie heftig die alten auf die ehrbare zucht unter den studenten gesehen, beides in öffentlichen collegien, und häuszlichen wohnungen. Happel acad. rom. 24; geist- welt- und häuslicher stand (d. i. der angesessene bürgerstand). Olearius reisen, auf dem titel; er hat diesen namen weder öffentlich noch häuslich (in seiner wohnung) ausgesprochen. Hippel lebensl. 1, 198; indesz sich der dichter, wohlverwahrt, häuslicher wöhnlichkeit freut. Göthe 33, 147; wir richten uns immer häuslich ein, um wieder auszuziehen. 17, 318;
ihr (einer jungen frau) war kein ander ohrt, kein andre statt bewust,
als die, wo sich ihr mann wolt häuszlich lassen finden.
Rist Parn. 782;
in bezug auf die führung des hauswesens und alles, was mit dem eignen haushalt zusammenhängt: nit minder gebüret die ehen und das häuszlich wesen .. recht zusammen zu ordenen und zu reimen. Fischart ehez. (1591) A 2ᵃ; schöne häuszliche lehren. C 7ᵃ; die vielleicht zur häuslichen gehülfin unter meiner anleitung am besten herangewachsen wäre. Göthe 17, 10; ich .. finde zuletzt nichts bequemer, als dasz andre für mich bauen, pflanzen, und sich häuslich bemühen. 318;
heimlich stahl mir Luise das vorbild aus dem gewandschrank
ihres papas, wie Rahel die häuslichen götter des Laban.
Voss Luise, 2. Idylle;
wär ich ein häusliches weib (eine hausfrau), und hätte, was ich bedürfte,
treu sein wollt ich und froh, herzen und küssen den mann.
Göthe 1, 367;
der ursach halb ich armer man weder zuͦ weib noch kinden darf, musz also von hewszlichen eren bleiben. Chmel urk. Max. 304; das ich mich vor meinen glaubigern niendert darf anheim thuͦn, und ich von hewszlichen eren kommen. 346 (vergl. hausehre sp. 656); den häuslichen wohlstand. Herder z. sch. litt. 19 (1830), 141; der genusz der lang entbehrten häuszlichen glückseligkeit. Wieland 7, 180; häusliche, sittliche, literarische vergnügungen. Herder zur sch. litt. 6 (1827) 259; findest dein glück in einem stillen bürgerlichen leben, in den ruhigen häuslichen freuden. Göthe 10, 103; jede häusliche empfindung wird rege. 33, 152; häuslicher friede, häuslicher zank, zwist;
immer ist so das mädchen beschäftigt und reifet im stillen
häuslicher tugend entgegen, den klugen mann zu beglücken.
Göthe 1, 343.
in bezug auf personen die mit dem hauswesen zusammenhängen: die häusliche gesellschaft; häusliche freunde;
und drinnen waltet
die züchtige hausfrau,
die mutter der kinder,
und herschet weise
im häuslichen kreise.
Schiller glocke;
in bezug auf thiere, die im hauswesen unterhalten werden: kein heuslich vihe zur narung. Dryander vorrede zu H. Stadens historia B 2; wie groszes gefallen die natur oder vil mehr got ir schöpfer, an der hauszhaltung trage, sihet mann daran, dasz er zu förderung .. derselbigen sonderes zames, geheimes und häuszliches vieh hat gegeben. Fischart ehez. (1591) M 1ᵃ; unter den zahmen und häuszlichen thieren. J. Prätorius storchs winterqu. P 6; die thiere, die der mensch zu zähmen und häuslich zu machen gelernt hat. Kant 5, 438;
mit ihr wohnten in einem zimmer zwei häuszliche thiere,
Cyper, ein fleckigter kater, und ein geschwätziges papchen.
Zachariä Murner (1757) s. 4;
rings noch freut sich der stoppel ein schwarm glattleibiger rinder,
und der gefallenen körner die häusliche gans mit dem feldhuhn.
Voss Idyllen 4, 18.
2)
häuslich von personen gesagt, gern um das hauswesen sich kümmernd, im hause weilend und schaffend: ein heuslich weib ist irem manne eine freude, und macht im ein fein rügig leben. Sir. 26, 2; das sie die jungen weiber leren .. sittig sein, keusch, heuslich, gütig, iren mennern unterthan. Tit. 2, 5; wann die männer schon häuszlich, geschickt, arbeitsam, karg und sparsam sind. Fischart ehez. (1591) G 8ᵇ; als nun der kirchgang beschehen was, fieng der guͦt jung mann an, gar hauszlich zuͦ sein. Wickram rollw. 76, 1 Kurz; die frau war in der zeit heuszlich. Frey garteng. 88; darumb wenn die frauwe hernach sich voriger faulheit annam, dröuwet er ir mit erzehlter arzney zu helfen, dasz sie dennoch etlicher maszen solcher sich entwehrete und häuszlicher begundt zu werden. Kirchhof wendunm. 114ᵇ; hauszlicher frommer knächt, der fleiszig auf den nutz seines meisters sicht, ein treüwer diener und redlicher hauszknächt, servus bonae frugi Maaler 215ᵃ; lebte mit seiner frau arbeitsam und häuslich. Hebel 2 (1853) s. 110;
werist du langist als huslich gsin,
und nit gesessen bi dem win,
früe und spad, dag und nacht,
het uns fil me nütz gebracht.
fastn. sp. 821, 34;
so wil ich ein weil heuszlich sein,
die stuben kern und heizen ein.
H. Sachs 3, 3, 42ᶜ;
wollt mir beschaffn ein solches weib
die heüszlich keüsch und frumb beleib.
Schmelzl hochzeit 9ᵇ,
das man mich (schnecke) gar für häuszlich hält.
Fischart ehez. (1591) C 8⁵;
es lockt und reizte licht und luft den häuslichsten zum ausspazieren.
Brockes 7, 563;
unterdessen schleichet auf dem gange
häuslich spät die mutter noch vorbei.
Göthe 1, 247;
denn noch so häuslich im hause,
mögen sie öffentlich gern als müszige damen erscheinen.
1, 343;
du bist, häusliches mädchen, gemeint.
1, 391;
drum kommet, damit wir vernehmen,
ob sie gut und tugendhaft sei, ein häusliches mädchen.
40, 296.
3)
häuslich, das hauswesen gut führend, das seine zu rathe haltend, sparsam: hauszlich, ein guͦter hauszhalter, frugi, parcus Maaler 215ᵃ; nun wolan, was woltstu aber thun, so durch Circes kunst köntest ausz eim trunkenen mann einen nüchteren machen, ausz einem schlemmer einen kargen, kündigen, ausz eim unhäuszlichen ein häuszlichen. Fischart ehez. (1591) T 1ᵃ; welcher auszgäbiger ist in einem: ist vonnöhten dasz er mäszig, karg und häuszlich in einem andern seie. Schuppius 739;
vor dem lehnstuhl
prunkte mit Dresdener tassen der schön geäderte theetisch,
welche die häusliche frau vornehmeren gästen nur anbot.
Voss Luise, 2. Idylle.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 679, Z. 77.

häusling, m.

häusling, m.
mietbewohner eines hauses; ein eigenes haus nicht besitzend, schutzverwandter: der himmlische vater wird seine kinder und häuslinge schon wissen zu versorgen. Otho 1291; solten sie auch unsre mietvölker an sich zu ziehen versuchen, so würde doch solches alsdenn nur gefährlich für uns sein, wenn wir ihnen nicht samt unsern häuslingen (griech. μέτοικοι) allein schon gewachsen wären. Heilman Thucyd. 166. namentlich in Niedersachsen: nicht weniger schlimm steht es mit dem begriffe des häuslings. in der regel denkt man unter demselben einen nicht angesessenen einwohner der gemeinde, der hauptsächlich von tagelohn lebt. er kann aber auch ein handwerk oder sonstiges kleines gewerbe betreiben, und durch diese nebenbestimmung kommen wir denn in eine allmälige reihenfolge von veränderungen hinein, welche am ende den arzt, den advocaten, den kaufmann etc. ebenfalls zum häusling stempeln kann. Stüve wesen u. verf. 56;
wo ich umseh, keiner hört mich an,
häusling oder sassen!
Voss 5, 3.
hie und da in Obersachsen wird häusling der bewohner des armenhauses genannt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 682, Z. 5.

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Zitationshilfe
„häusling“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4usling>, abgerufen am 06.12.2021.

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