Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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haut, f.

haut, f.
cutis; corium. alts. hûd; ags. hŷd, engl. hide; fries. hûd und hêde; nl. huyd, huid; altn. hûđ, schwed. dän. hud; ahd. hût, plur. hûtî und später hiute, mhd. hût, plur. hiute. das wort ist urverwandt dem lat. cu-tis und scu-tum, griech. κύ-τος und σκύ-τος, und gehört, wie unter haus sp. 640 angeführt ist, zur sanskr. wurzel sku bedecken, verhüllen, so dasz der ursprüngliche allgemeine sinn hülle, berge zu grunde liegt. der umlaut in der stammsilbe des wortes, der im ags. und fries. schon in der nominativform des sing. sich zeigt, erscheint in den ältesten quellen des nhd. nur ungewöhnlich hier, ist aber noch jetzt oberpfälzisch (Schm. 2, 255):
ich merk den adel tut biszen
die hüt, sie mochten wol beschiszen
die hend an die eidgenoszen.
J. Lenz Schwabenkr. 28ᵃ;
ebenso im acc.:
do schetzt man dann die armen leut,
nimpts hor hinweg und auch die heut.
klagred Huttens C iij (Schade sat. 1, 10, 114);
auch die andern casus des sing. haben selten, dem mhd. hiute entsprechend, noch den umlaut:
dergleichen du buͦb in der heut (unten no. 8)
mit inen auch hast zuͦgestimpt.
Schade sat. u. pasqu. 3, 126, 37;
es ist ein bub in seiner heut,
der solch lügen bringt under die leut.
B. Waldis Esop 1, 11, 27;
wann ich denk erst in meinem mut,
auf ganzer häwt sei schlafen gut.
H. Sachs 5, 347ᶜ;
gewöhnlich tritt in der schriftsprache der umlaut erst an den pluralformen zu tage. haut bezeichnet
I.
cutis, cuticula, die haut des menschlichen körpers; über das verhältnis des wortes zu fell ist 3, 1495 gehandelt.
1)
man redet von einer feinen, weichen, geschmeidigen, linden, zarten, weiszen, glänzenden, rauhen, zähen, spröden, harten, hornichten, runzlichen, aufgesprungenen haut; das die haut seines angesichts glentzet. 2 Mos. 34, 29; meine haut ist verschrumpfen und zu nicht worden. Hiob 7, 5; meine haut uber mir ist schwarz worden. 30, 30; dasz .. ir (der alten leute) haut alt und zähe sei. Agr. spr. (1560) 56ᵃ; einen ganz schwarzen habit .. aus welchem meine weisze haut hervor schien wie der schnee. Simpl. 1, 365 Kurz; die tiefe narben, so mir die purpeln (pockengeschwüre) in die haut gefressen. s. 382; die harte haut in händen und füszen, callus manuum et pedum Steinbach 1, 719; viel arbeit macht harte haut, nimius labor manibus obducit callum. ebenda; du bist so gar vast eraltet, das wol dasz sprichwort war an dir erscheint, die haut die sei kain törin, sy wisse wol die zeit wann sy sich rimpfen sol. Wirsung Calixstus (1520) F 1ᵃ;
wirt denn gehaiszen ain prut,
und hat ain rünzelehtiu hut.
Suchenwirt 31, 72;
der junge schnee der haut kam zu dem schnee der haare,
auf dasz mit jenem der auf eine zeit sich paare.
Logau 3, 88, 61;
es nähern sich vom hügel
zwei reuter, gelb von haut.
Freiligrath ged. (1845) 236.
die blosze haut, die nicht bekleidete; er trägt auf der bloszen haut ein wollenes hemd;
dô truoc der reine gotes trût
ze lîche an sîner blôʒen hût
ein herteʒ tuoch hærîn
halp und halbeʒ wüllîn.
Barl. 163, 12;
eine dicke haut hat der unempfindliche, fühllose und widerspenstige (s. dickhäutig 2, 1081): unvermerkt werden sie eine menge von vorurtheilen und die dicke haut der fühllosigkeit, die sich gleichsam um ihr herz gezogen hatte, abstreifen. Wieland 6, 162; er hat eine zehe haut, die seel ist in ihm verwickelt. Schottel 1124ᵃ; eben so werden solchen menschen mehrere häute beigelegt: die neunerlei heud einer bösen frawen, sambt ihren neun eigenschaften. H. Sachs 1, 519ᵈ; die weiber haben neun häute und in jede ist ein eigen schelmenstückchen eingewickelt. exorcist 18; die weiber haben drei heut ... erstlich ein hunds haut, das ist, wann mann sie schilt oder straft, bellen sie herwider wie ein hund, hiff, hiff. die ander haut ist ein sewhaut, da muͦsz man scharpf hawen, sol mann hindurch hawen, wirt sie aber getroffen die sewhaut, so kröcht sie, och, och, wie ein saw. die dritt haut ist ein menschenhaut, wer die trifft, der hört ein solche stimm: ach herzlieber man, ich wil alles thuͦn was dir lieb ist. Agr. spr. (1560) 197ᵇ. von ähnlicher anschauung aus heiszt es: der mensch hat viel häute abzuwerfen, bisz er seiner selbst und der weltlichen dinge nur einigermaszen sicher wird. Göthe an Plessing, bei S. Hirzel fragm. aus einer Göthebibliothek s. 10; und gieng doch dem krieg alle tag ain haut ab; wer het, der behielt. Wilw. v. Schaumb. 55. Die redensart eine zu kurze haut erklärt sich im texte:
des wolt sei sich do puken,
die floh ze tot ertruken.
secht, do ward ir dhaut ze kurz,
ir geschach nicht recht, sei liesz ein furz.
ring 38, 2.
2)
verwundungen, schläge treffen zunächst die haut: schmeiszt ihme die haut voll! Werth. deduct. 2, 189; sie drescheten ihn derb ab, also, dasz die haut rauchte. polit. stockf. 24; heran, ihr erzberenhäuter, ich will euch die haut sonder seifen und balsam einschmieren. A. Gryphius Horrib. s. 82; (der kommandant der feste Ziebingen) liesz die kriegfestunggesetze, gleich dem zendaveste, der auf 1200 häute geschrieben worden, blosz weitläuftiger und gröber, doch unleserlicher, weil das kurze schreibrohr ein langes spanisches rohr war, auf die kompagnien von häuten schreiben und bringen, für die er zu stehen hatte (er liesz seinen soldaten die gesetze auf dem rücken einprügeln). J. Paul Nepomukkirche 118; dessen fleisch will ich in stücken reiszen und hungrigen geiern zur speise geben, der ihm nur die haut ritzt oder ein haar kränkt! Schiller räuber 4, 5;
und wolt euch iemant swechen an eurn eern,
dem wolt wir selber sein haut vol pern.
fastn. sp. 627, 18;
und het im sein haut darumb volgeslagen,
das im kracht het sein magen.
81, 3;
seim knecht ward die haut volgeslagen.
Liliencron volksl. 2, 19, 326;
trug also seins gespottes lohn
mit wolgeblewter haut darvon.
H. Sachs 4, 3, 69ᶜ;
und stoszen denn die tafel umb,
das jeder baldt von leder kumb,
so wird manchem zerhackt die haut.
Scheidt grobian (Frankf. 1568) E 6ᵃ;
von hier aus: aber da sitzen sie und heilen sich die haut. Lessing 1, 523; und die heile haut ist zunächst die im kampfe unverletzt gebliebene, doch steht die fügung häufig in sehr freiem sinne: sie waren jedes mahl von den verehrern der gryllischen muse so übel empfangen worden, dasz sie, um mit heiler haut davon zu kommen, für gut befanden, sich in zeiten der majorität zu submittieren. Wieland 19, 299; in einem andern noch schlechtern trauerspiele, wo eine von den hauptpersonen ganz aus heiler haut starb. Lessing 7, 11; mit ganzer haut davon kommen, salvo ventre discedere, latere tecto. Serz 65ᵇ;
und, wie das alte sprichwort laut,
wol schlafen auf gesunder haut.
Ringwald l. warh. (1585) 119;
der raubt sich heerden, der ein weib,
kelch, kreuz und leuchter vom altare,
berühmt sich dessen manche jahre
mit heiler haut, mit unverletztem leib.
Göthe 41, 11.
die haut wird geschunden, abgezogen: die haut abziehen oder schinden, detrahere pellem alicui Maaler 215ᵇ; als der heilig zwelfbot sant Bartholomeus thett, der liesz sich schinden, und sin hut über die oren abziehen. Keisersberg bilg. 20ᶜ; ir schindet inen die haut abe, und das fleisch von iren beinen. Micha 2, 2; wenn ir inen die haut abgezogen habt, zubrecht ir inen auch die beine. v. 3. über den bildlichen gebrauch der redensart die haut über die ohren ziehen sieh unten II, 2.
3)
an die verwundung der haut knüpfen mancherlei redensarten an, so jemandem auf die haut gehen, greifen, einem auf die haut kommen:
und wirstû für dise stunt
der rede iemer mêre lût,
eʒ gât dir ûf dîne hût.
a. Heinrich 588;
dise hetzten ime die zwen grafen von Lutzelstain, gebruder, an die haut. Zimm. chron. 3, 410, 12; stieszen einander die gläser in das gesicht, mit den dägen herausz, und auf die haut, bisz hie und da einer nider fule und liegen bliebe. Philander 1 (1642) 342; einen in die wolle, auf die haut greifen. Schottel 1118ᵇ; eine kugel einem auf die haut jagen. 1112ᵇ; hätte er hierin was versehen, sein edelman würde ihn trefflich auf die haut gegriffen haben. pol. hofmädgen 43; wann der könig in Schweden sehe, dasz ihm ein jeder auf einmal auf die haut tringen wolle. Schuppius 394; die trübsal ist ihm noch nicht auf sein eigen haut kommen. 160; hier gieng ihnen nun Kleon vollends auf die haut. Heilman Thucyd. 486; die fleiszige keller gehen ihren untergebenen buben wacker auf die haut, dasz sie denen gästen geziemend aufwarten. Neiner tändlmarkt 391; die schüler .. können das, so sie lernen, wo ihnen ein rechter meister auf die haut trit, nicht vertheidigen. Hugos civ. mag. (1. ausg.) 2, 237 aus Melchior von Osses politischem testamente;
du den bären, löwen, drachen,
fertig warest auf der haut.
Spee trutzn. 242;
Ursin ist ärgerlich und geht mir auf die haut,
dasz ich ihm jüngst mein buch, den Phädon weggenommen.
Lessing 1, 26;
sich seiner haut fürchten, seine haut schonen, sparen: sy forchten ir haut. Keisersberg has im pfeffer Bb 6ᵃ; etliche fürchten auch der haut, sorgen, sie müssen leib und gut drüber verlieren. Luther 5, 151ᵃ; darnach nimpt er die schrift für sich, dafür sich seine haut furchte, und wil sie bezaubern, das sie in nicht hawen solle. 3, 63ᵇ; die unberittene reuter, die unachtsamer weise ihre pferde verderben lassen und sich auf merode begeben, damit sie ihre haut schonen. Simpl. 1, 408 Kurz; wann es gelegenheit gab, bei deren ich vor mein person vom feind etwas zu erschnappen getraute, so sparte ich meine haut so wenig als ein soldat. 3, 37; — zu seiner haut sehen, sich seiner haut wehren, seine haut wagen, dran setzen: die christen muszten sich ihrer haut erwehren. Schütz Preuszen 19; sein haut vertheidigen. Kirchhof mil. disc. 162; wo nicht, so wollen sie haut und haar daran wagen. b. d. liebe 207ᵈ; wann einer gleich das seinige thut, und die haut wacker dran streckt, der ander aber ist faul, und wil nicht ziehen: so verderbt er seinen gesellen auch. Creidius 1, 386; an den tröster musz die welt glauben ... und die alte haut dran wagen. Claudius 8, 90; wenn man seine haut für die allgemeine glückseligkeit dran setzte. Göthe 8, 112 (dafür: wenn man seine haut für das allgemeine wohl darbieten konnte. 42, 377); unsere haut davon zu bringen, setzen wir unsere haut dran. 8, 113; mich meiner haut zu wehren. 8, 122; setz ich nicht meine haut an anderer gut und geld, sollt ich sie nicht an mein wort setzen? 8, 133; Götz, sei unser hauptmann, oder sieh zu deinem schlosz und deiner haut. 8, 141; sorgt für unsere haut und eure. auf! auf! 8, 147; geschwind! rettet eure haut! 42, 352; dem schlendriane nach sollten wir auch neben andern dingen fechten und reiten lernen, um uns gelegentlich unserer haut zu wehren und zu pferde kein schülerhaftes ansehn zu haben. 24, 230; es gilt haut üm haut, jus talionis hic viget, in usu est, requirit. Stieler 802;
botz hirn, botz marter, kraft und macht!
wir wend dapfer und frölich wagen die heüt
als die frommen Teütschen und ehrlichen kriegsleüt.
Berner fastn. spiel v. 1522, D iijᵇ;
kein weg ist euch zu fern und krumb,
wo ir ein schleckbiszlein erschmeckt,
dasz ir nicht ewer haut dran streckt.
mückenkr. 1, 156;
sich seiner haut gewehret.
Soltau volksl. 476 (v. 1628);
der mensch nur kömmt vom weibe
ganz blosz als wie er ist mit mutternacktem leibe
ohn schupp, ohn borst, ohn horn, bringt nichts nicht an den tag,
darmit er seiner haut sich künftig wehren mag.
Opitz 1, 99;
dem feinde die haut hinhalten:
der an die feindt nicht helt die heut,
dem wirdt nichts von der auszbeut.
B. Waldis Esop 1, 34, 39;
die haut dem tode nachtragen, dem tode im kampfe entgegen gehen: es ist im eben als dem, der all stundt dem tod die haut nachtregt. Fronsperg kriegsb. 1, 96ᵇ;
die haut tragen sie nach dem tod,
wissen nicht wann er die wirt holn.
3, 73ᵃ;
dann er dem todt die haut nach tregt.
91ᵃ;
mit der haut zahlen, getödtet werden, ursprünglich doch nur vom fallen im gefecht hergenommen: hat er den Lenzenberg unversehenlich überfallen, eingenomen und, wer sich zu wehr gestellt, erstochen, unter denen auch der vom Lenzenberg gewesen. der hat mit der haut bezallt. Zimm. chron. 2, 501, 22; aber erfar ich der bösen dück mehr von dir, so mustu es mit der haut bzalen. Pauli schimpf 173ᵃ; er muͦst zuͦletst auch haar lassen und zalet sein tirannei mit der haut. Frank weltb. 55ᵃ; musz ichs auch mit der haut bezahlen, so sterb ich selig in meinem beruf. Otho 500; wer nichts hat, musz mit der haut bezahlen. Pistorius thes. par. 5, 10; auch findet man leicht den grund, warum alle fremde anfänglich als knechte angesehen werden. mit ihrer haut konnten sie damals noch wenig bezahlen, und man borgte ihnen darauf das geleit nicht, wie jetzt. Möser osnabr. gesch. 1, 28;
schold ich eʒ gelten mit der hewt.
Suchenwirt 18, 442;
ir maniger ward erschossen,
sy zaltens mit der hewt.
Soltau volksl. 177;
die haut geben: und derhalb nit allein die propheten, Christus und die apostel die haut haben darumb müssen geben. Frank weltb. 38ᵃ; einen auf die haut legen, ihn umbringen. Schm. 2, 255; mit der haut haftet der schuldner, der im falle der zahlungsunfähigkeit leibesstrafe leidet: diese, denen ich das meinige auf ihre blosze haut borge, müssen mir auch mit ihrer haut haften; und sie danken gott, dasz ich ihnen kredit darauf gebe. Möser verm. schriften 1, 362;
so hett ichs nimmer mer getraut,
ich hett auf in verwettet mein haut.
fastn. sp. 82, 14.
etwas an eigner haut erfahren, zu eigenem schaden:
wenn man der jugend reine wahrheit sagt,
die gelben schnäbeln keineswegs behagt,
sie aber hinter drein nach jahren
das alles derb an eigner haut erfahren,
dann dünkeln sie, es käm aus eignem schopf.
Göthe 41, 100.
die haut verkauft der, der sich für kriegsdienste anwerben läszt: die haut verkaufen. Schottel 1112ᵃ; da kam mir manchmal der gedanke, meine haut den Engländern zu verkaufen. Riehl culturgesch. nov. 377;
drum hab ich meine haut dem kaiser verhandelt,
dasz keine sorg mich mehr anwandelt.
Schiller Wallenst. lager, 6. auftr.
4)
empfindungen des kitzels, der furcht und des schreckens äuszern sich auf der haut:
ich merk den adel tut biszen (jucken)
die hüt.
J. Lenz Schwabenkr. 28ᵃ;
es juckt ihn die haut, man musz sie ihm gerben, man musz ihm mit eim eichenen flederwisch die leusz abstrelen. Garg. 194ᵇ; aber ich schwieg wie ein weiser, weil mich die haut nicht juckte. Simpl. 3, 373 Kurz; der alte Fonseca beliebte sich auch einmal zu netzen (baden) und die alte haut durch lauliches wasser zu kützeln. pol. stockfisch 344;
ich weisz dasz dirs recht kerre thut
und kützelt dich an deiner haut.
Menantes 1, 221;
ich fürchte mich fur dir, das mir die haut schawert. ps. 119, 120; kann ich lachen, wenn mir die haut schaudert? Schiller räuber 5, 1; wenn bei der ballade (die Lenore ist gemeint) nicht jedem es kalt über die haut laufen musz, so will ich mein leben lang Hans Casper heiszen. Bürger 464ᵇ; weil .. haut und haar ihr zu berge steigen. Grimm deutsche sagen no. 176;
und wenn ich schmeck ein ölkraut,
davor graust mir all mein haut.
fastn. sp. 621, 27;
secht, stet, märkt und pauren,
last euch die haut schauren.
Liliencron volksl. 2, 504, 116
er (der bär) schleicht und brummet für und für,
dasz einem haut und haare schauert.
Picander 2, 366.
vergl. gänsehaut.
5)
wie die haut voll schlagen (oben no. 2) ist gebildet sich die haut voll lachen, wol an den kitzel anknüpfend, der mit dem lachen verbunden ist: aber diser possenreiszer lachte ihm die haut voll an. Hörl v. Wätterstorff Bacchusia s. 330; daher dann diese beide ihnen die haut voll lachten. Salinde 51; über meinen bisherigen zeitvertreib lachten sie sich die haut voll. a. mann im Tockenb. 37. vergl. unten hautsatt. die gleiche fügung zeigen andere formeln: wann seine schüler in dem examine übel bestehen, so setzet er sie von der obersten auf die unterste bank, schilt ihnen die haut voll, und sagt: du esel, du schütz, du bärenheuter. Schuppius 654; — die haut voll danzen, indulgere choreis Maaler 215ᵇ; die haut voll zu thun haben: sodann hat der gute schultheisz seiner haut voll zu thun. baurenst. lasterpr. 107; hier, liebe frau, das von Zimmermann, ich hab heut die haut voll zu thun. Göthe an frau v. Stein 1, 8; die haut voll lügen; dafür: es existieren nämlich eigentliche weiberhändler, die .. lügen können, fast mehr als in die haut mag. Gotthelf schuldenb. 5. eigenthümlich heiszt es: dasz alle wachter vor forcht und schröcken, was sie nur ausz der haut bringen kundten, darvon liefen. Hörl v. Wätterstorff Bacchusia 81.
6)
andere redensarten und sprichwörtliches: alt leut, alt heut. Agric. spr. (1560) 56ᵃ; es ist gut in seiner haut schlafen. Schuppius 1143ᵇ; die haut ist allweg näher als das hemd. J. Gotthelf schuldenb. 308; leichtsinnige bursche bohren löcher in andrer leute haut. Lehmann bei Eiselein 291; worauf angeregter corporal sein anschlag machte, mir hinter die haut zu kommen (obscön). Simpl. 3, 69 Keller; ähnlich nach der haut brauchen: (die) kunigin von Frankreich .. die hat studenten und andere, die ir gefallen, einzogen, und nach der haut gebraucht. Zimm. chron. 1, 440, 7, vergl. 2, 504, 6 und noch mehrfach; sie musten blosz mit dem, was sie an der haut trugen, die stadt räumen (blosz mit den kleidern auf dem leibe). polit. hofmädgen 162; etwas fällt an blosze haut, an einen armen, der sonst nichts hat: die (zehntausend gulden) fielen an blosze haut, dann sie der wol bedurften. Zimm. chron. 2, 541, 26; der mertail und insonderhait die ligenden gueter sein Heinrichen von Landow zu Lautrach haimgefallen; der ist iren ganz notturftig gewesen und an blose haut kommen. 4, 364, 1. um eine nicht zu entfernende angewohnheit zu kennzeichnen, sagt man es ist ihm in die haut geheilt; das kartenspielen ist ihm ganz in die haut geheilt (er kann es nicht lassen). in der Wetterau; was in der haut ist, kann man nicht abstreifen wie ein paar hosen. Lehmann 197; da könnt einem ein glück in die haut schieszen (ironisch). Schm. 2, 255; etwas sehr ähnliches ist einem wie aus der haut geschnitten: er ist ihm also ehnlich, als were er ihm aus der haut geschnitten. Schottel 1138ᵇ; er ist ihm gleich, als wäre er ihm aus der haut geschnitten. Duez 63; man trinkt, dasz die haut dampft; man schlägt, dasz die haut in fetzen herum fliegt; die verfluchten spitzbuben hätte er abschlagen lassen, dasz die haut der wind genommen hätte. J. Gotthelf schuldenb. 385; zu einem unwerten wird gesagt: aber du bist nicht werth, dasz dich die haut zusammenhält. Gellert lustsp. 1748 298 (loos in d. lott. 3, 4, später unterdrückt); ein matter kann seine haut kaum tragen:
du thust als künst du dhaut kaum tragen.
H. Sachs 1, 513ᶜ;
vor hunger ich die haut kaum trag.
522ᶜ;
bis auf die haut nasz werden;
jetzt kommt er an, bis auf die haut
einmal recht tüchtig durchgewaschen.
Schmidt v. Werneuchen alm. 1798, s. 12;
wir lagen manche liebe nacht
durchnäszt bis auf die haut.
Holtei mantellied.
7)
häufig ist die zusammenstellung von haut mit andern theilen des körpers. von einem abgemagerten wird gesagt, er sei nur haut und bein, haut und knochen: ir haut henget an den beinen, und sind so dürr als ein scheit. klagel. Jer. 4, 8; mein gebein hanget an meiner haut und fleisch, und kan meine zeene mit der haut nicht bedecken. Hiob 19, 20; es ist nicht dann haut und bein. Agr. spr. (1560) 56ᵇ; unbarmherzig an ihnen saugen, bis ihnen nur die haut auf den knochen übrig bleibt. Wieland 6, 159; Luther war von mittlerer gestalt (1519), damals noch sehr hager, haut und knochen. Ranke reform. 1, 412;
die mutter die — nur haut und knochen —
selbst auf dem kind erblassen musz.
A. Gryphius 1698 2, 283.
man schwört bei haut und bein: wann man einen kaufmann fraget, was dises oder jenes koste? alsdann schweren sie bei haut und bein, dasz sie es selbst so und so vil koste. Albertinus narrenhatz 334. Besonders häufig und alt ist die zusammenstellung von haut und haar, mhd. hût unde hâr (Zingerle allitteration bei mhd. dichtern s. 26): füret man den andern auch hin, das sie iren mutwillen mit im trieben, und zogen im haut und har ab. 2 Macc. 7, 7; aber die kätzlein, die sich so freundlich stellen, die fornen lecken und hinten kratzen, die sind eben die jenigen, welche .. unserm ganzen geschlecht nach haut und haar, nach leib und leben trachten. Schuppius 292; hier gehts noch um haut und haar (bei einer prügelei). Immermann Münchh. 4, 24;
und scholt dein toben wern über jar,
es behielt mancher weder haut noch har.
fastn. sp. 625, 8, vergl. 629, 7,
und schint die bauren ganz und gar,
dasz in bleibt weder haut noch har.
Schade sat. u. pasqu. 1, 9, 73;
do mit dasz man mög ursach haben,
uns haut und har gar ab zuͦ schaben.
2, 225, 1083;
ja, ja, beim glase wein hört ich wohl manchen prahlen,
er liesze haut und haar für meine provinzialen.
Göthe 7, 44;
als blosze formel gebraucht: verbrenten si sich (an glühenden spieszen), das in haut und har an den henden abgieng. Wilw. v. Schaumb. 21; es ist weder haut noch haar gut an ihm, tantus quantus est, scelus est. Stieler 803; namentlich in festen fügungen, von haut und haar, an haut und haar: viel mehr vertrauen die bauren denen, welche sie weder von haut oder haar angehen oder kennen, als selbigen, die ihnen mit blutsfreundschaft verwandt und zugethan sein. baurenst. lasterpr. 173; Judas der 11. zeug, der sonst beides an haut und haar entwicht ist, kan er doch der wissentlichen warheit nicht zugegen sein. Ayrer proc. 2, 11;
mich ein frau gar ser heut pat,
dergleich ist nit in dieser stat
mit schon von leib, an haut und har.
fastn. sp. 277, 19;
denn sih er ist an haut und haar
durch Adams fall verderbet gar.
Ringwald l. warh. (1585) 11;
dan sie (die unzucht) verderbt den menschen gar
an wirden, ansehn, haut und haar.
164;
mit haut und haar, eine formel die das äuszerlichste am menschlichen körper betonend, etwas als bis aufs äuszerste, letzte vollbracht bezeichnen will: wenn es one die groszen herren were, so fressen die kleinen ihre armen leut mit haut und har. Mathes. Sar. 82ᵇ; das (füllen) hätte er angefallen und gefressen mit haut und haar. Grimm deutsche sagen no. 214; es hat der teufel den Luther in alle lant gefürt. sie haben in mit haut und har gar fressen. Schade sat. u. pasqu. 3, 101; ewer sei disz büchlin gar mit haut und haar. Garg. 17ᵇ; eine eben solche beschmierte birne mit haut und haar aufzufressen. Chr. Weise erzn. 410; als ich schon spürte dasz monsieur Schmaalhans bei diesem edelmann mit haut und haar einlogirt war. Jucundiss. 117; wer mit haut und haar gauch ist. Klopstock 12, 137;
und stöst man einmal sich an solchen stein,
so geht man drauf mit haut und haar und bein.
Schönborn bei A. Gryphius 1698 2, 504;
der ihr beweist,
herr Meffert sei mit haut und haaren
ein schöner geist.
alm. der deutschen musen 1780, s. 217;
anbete du das feuer hundert jahr,
dann fall hinein, dich friszts mit haut und haar.
Göthe 4, 353;
wir haben ihn!
er ist mit haut und haar gefangen.
11, 152. 153.
die formel haut und haar in der rechtssprache (für ausstäupen und haarabschneiden), vergl. rechtsalterthümer 7. 702 und Haltaus 852: nycht, wen czu hout und czu hore sol man richtin uber eine swanger frawe und ubir einen rechtin torin. Magdeb. blume 2, 2, 186; ist abir dy dube under dren schillingin, man richtit czu im czu hout und czu hore. 234; wer leip odir hant, hout odir hor, dy im um deube oder valsch odir wanmoʒ vorteilt wird, mit gelde loʒt, der blybit rechteloʒ. 2, 3, 24; einige maleficanten an haut und haar bestrafen. Hahn hist. 1721 1, 258; dasz .. der sendgraf (missus) hingegen der auszerordentliche richter zu haut und haar gewesen. Möser patr. phant. (1798) 1, 329; dieses ihr richteramt auch auf die fälle zu haut und haar zu erstrecken suchten. 4, 197;
es gilt in weder hor noch heut.
fastn. sp. 610, 16.
an haut und halse lohn empfangen, getödtet werden:
nachdem der Halirrhoth des wassergottes sohn
Alcippen dir befleckt; der billich seinen lohn
von dir hat mit der haut und halse weggetragen.
Opitz 1, 93.
8)
die bedeutung von haut als hülle und berge tritt namentlich dann voll hervor, wenn der mensch in der haut steckend dargestellt wird: dann er der werdest und anmütigest kerles war, der in seiner haut und kappen stack. Garg. 240ᵃ; o wenn .. ich doch in eurer haut stäke. Riehl culturgesch. nov. 421; ich möchte in deiner haut nicht stecken (möchte nicht du sein); der steckt nicht in seiner eigenen haut, der vermag und versteht mehr, als ein natürlicher mensch versteht und vermag, es ist in ihm eine fremde macht wirksam; aber auch er kennt sich nicht mehr vor zorn (in Hessen). Vilmar 155; in kleiner haut stecken grosze leut. Schottel 1144ᵃ;
allein mir ist ganz wohl in meiner haut.
Wieland 10, 178 (189);
er stekt in keiner guten haut. Schottel 1118ᵃ; er muste lange zeit das bett hüten und die leute sagten schon herum dasz er in keiner guten haut stecke. Zingerle hausm. 2, 31; ich redete darauf einen jungen nebenstehenden fremden an, dem es auch .. nicht ganz wohl in seiner haut zu sein schien; denn auch er war verstummt. Göthe 28, 218;
dem ist es schlecht in seiner haut,
der in seinen eignen busen schaut.
4, 325;
nähms einer auch zum frühstück täglich ein,
weder schlimmer, weder besser,
sollts ihm in seinen häuten sein.
11, 165
(vergl. über den plur. oben 1 sp. 702); das die welt doch wil bleiben wie sie ist, und lesset ir die alte haut nicht auszihen, und nicht besser werden wil noch kan. Luther 5, 534ᵃ; er (gott) wil, das wir den sinn brechen, und in eine andere haut kriechen. 4, 102ᵃ; dasz man in eine ander haut schluppe, hilft nit in himmel. Lehmann bei Eiselein 290;
an witzen bistu taib und blind,
und gar gewisz desz teüfels kind,
zeüchstu nit ab die alten haut.
Schwarzenberg 141ᵇ;
Möchus ward mit ernst vermahnt, in ein andre haut zu krichen;
als er dieses nun gethan, ward er dennoch auszgestrichen.
Logau 3, 104, 17.
häufig ist der älteren sprache die redensart er ist ein bube, schalk, narr in der haut, womit wechselt in der bubenhaut stecken (2, 463), in der narrenhaut, in der kindshaut stecken, vergl. narrenhaut und kindeshaut 5, 757;
manch narr ist der do bettet stät ...
das er kum von der narren hut.
Brant narrensch. 45, 4;
das sind heuchler in der haut, und füren nur einen schein, die warheit zu schützen. Luther 1, 235ᵃ; er ist vermaledeiet und ein bube in der haut, gott ist nicht mit im. 4, 506ᵃ; ja das sie auch mörder, todschleger, und buben in der haut sind. 522ᵃ; das wir verzweivelte buben in der haut sind, die vol abgötterei stecken. ebenda; die christen für kätzer zu achten, schelten und tödten, so sys doch selbst in der haut seind. Frank weltb. 45ᵃ; die (jüden) doch alle nichts als lauter lose lecker und buben in der haut sein. Ayrer proc. 3, 2; aber ich fande dasz diese so sich oftmals vor die allerfrommsten angestellet die allerärgsten in der haut waren. Jucundiss. 209;
wer etwas von dem Witzel helt
und sich darumb zu im gesellt
und seiner falschen lere vertraut,
der ist ein bube inn seiner haut.
Alberus controfactur A 4ᵃ;
der ist ein narr in seiner heut.
H. Sachs 4, 3, 179ᵈ;
ein lauser in der haut.
B. Ringwald l. w. 114;
ein unflat in der haut.
141;
ein lügner in der haut.
142;
ein hanreh in der haut.
185;
ein hudler in der haut.
404;
ein biederweib im angesicht, ein schandsack in der haut
ist manche; geiles liegt bedeckt und fromes wird geschaut.
Logau 2, 103, 21.
aber auch ohne verächtliche beimischung findet sich ein mann, ein mensch in seiner haut sein:
und hett in meiner menschen haut
das liecht der sonnen nit beschawt.
Ringwald tr. E. G 7ᵃ;
ich war ein man in meiner haut,
der seinem ackerbau vertrawt.
J 6ᵃ.
es wird gesagt einer fährt aus der haut, ist nicht mehr bei sich, zunächst vor verzweiflung, schmerz und wut: mancher gehet dahin zwenzig jar, hat keinen anstosz, wenn ein mal ein fieber kompt, das uber drey tage wehret, so wil er aus der haut faren. Luther 4, 508ᵇ; wo es aber ist in ernstlichen hendeln und sachen, da verzweiveln sie gar, bringen sich selbs umb, oder wollen sonst aus der haut faren, das inen die ganze welt zu enge wird. 5, 312ᵇ; wie mancher mensch eifert, stürmet und poltert in seinem hause über ein geringes versehen seines gesindes, als wolt er aus der haut fahren. Scriver seelensch. 1, 697; D. ich möchte aus der haut fahren. — L. thun sie das, und fahren sie in eine klügere. D. wie lange soll ich noch den beleidigungen der nichtswürdigsten kreatur ausgesetzt sein? Lessing 1, 272; vater. fasse dich nur ... Niklas. vater, ich fahre aus der haut. Göthe 11, 105; o schweig, ich fahre aus der haut. Arnim schaub. 1, 100; ich fahre vor eifersucht aus der haut. 2, 31; wo drückt euch denn der schuh so stark, dasz ihr aus der haut fahren möchtet? Riehl culturgesch. nov. 422; vor furcht: den nächst an diesem zimmer liegenden und ruhenden pursch dermaszen erschreckete, dasz er aus heftiger furcht ... hätte aus der haut fahren mögen. Salinde 108; aber auch aus freude, entzücken: vor freuden fast aus der haut fahren. westphäl. Robinson 188; vor allzu groszer freude wuste er fast in der haut sich nicht zu behalten, sondern sprang in der stube herum und frolockte. polit. hofmädgen 93; mein lied an Luther musz gut sein, denn sogar Wilm wollte dabei aus der haut fahren. Voss briefe 1, 332;
er fuhr aus neuer freud und lust schier aus der haut.
A. Gryphius 1698 1, 661;
vor verwunderung: hätte ich abermahls vor übermäsziger verwunderung aus der haut fahren mögen. Felsenb. 2, 344.
9)
diese verwendung von haut (no. 8) führt darauf, das wort für den menschen selbst zu brauchen (vergl. balg 1, 1085. 1086); zufrühest vorkommend als scheltwort:
daʒ er sî mit der hant sluoc
alsô daʒ die guote
vil sêre bluote.
er sprach: ir eʒʒent, übel hût!
Erec 6523;
ist dann die fraw zu lang ausz dem hawsz gewest, und der man zu ir spricht: sag an du pöse haut, wo gestu her, wo pistu so lang gewest? Albr. v. Eybe 14; dise verwegne haut (eine ruchlose hausfrau) mit einem guten brügel beeren. Wickram rollw. 147, 4 Kurz; wer mit einer solchen bösen haut (bösen ehefrau) berathen ist. pers. baumg. 7, 22; sie ist eine lose haut, scelestissima et corruptissima pellis est. Stieler 803; kärntn. etwas anders haut eine arme weibsperson Lexer 136; mit witziger anlehnung an die eigentliche bedeutung von haut: das frau ruffeteufelin, meine widersacherin, eine böse haut ist, wie wol sie 40 jahr von kreuzherrn, pfaffen, ratherrn und kaufleuten gegerbt ist, so könte ihm doch der teufel nicht ein paar schuhe aus der bösen haut schneiden. Henneberger 484;
die muter spricht: du faige haut!
ich wolt auch gern sein ein praut.
fastn. sp. 96, 19;
mulier mala herba,
ein weib ist ein böses kraut,
hüt du dich,
loquitur blanda verba,
red freundlich,
die böse haut,
die narrt dich.
Thomas Elsbeth newe auszerlesene weltl. lieder (1599) no. 16;
dann als scheltwort für männer: keiser Maximilian der erste hielte einen edelmann an seinem hofe, der eine frevele haut war. Frey garteng. 55; es ist nur der zähen haut (einem geizigen) zu wenig gewesen. Kirchhof wendunm. 181ᵃ; für die gesammtheit der bewohner eines dorfes:
Oberndorf, du schebige haut,
du scheust die feindt mit kabaskraut.
Zimm. chron. 2, 349, 21.
Die neuere sprache braucht haut in viel milderem sinne, in vertraulicher, leise komischer redeweise: (er war) zugleich eine gute haut, der die ganze zeit auf der schule zugebracht. maulaffe 51; wunderliche haut! Lessing 1, 269; o der närrische herr! .. die possierlichste haut von der welt. 2, 489; ehrliche haut! tröste dich! Gotter Jeannette 3, 5; eine ehrliche haut, mein vater; er starb an der auszehrung. Fr. Müller 2, 175; ihr wiszt, ich bin eine ehrliche haut. Kotzebue dram. sp. 1, 13; ein so braver mann, dasz man sagen möchte eine ehrliche deutsche haut. Göthe 27, 163; dasz der besagte legazionrath Oefel die unbedeutendste haut ist, die wir beide nur kennen. J. Paul uns. loge 1, 172; dasz die ehrliche haut von einem mann aus einfalt denkt, der jüngste tag sei da oder schon vorbei. a. d. teuf. pap. 1, 5; weil er die gefälligste haut war, die je über die erde lief. Titan 1, 121; in der that, vor mancher lustigen haut hätt er sich ganz lächerlich gemacht. 3, 87; ich unglückliche haut. flegelj. 3, 148; Hamlet ist die ehrlichste haut von der welt. Heine 6, 148; sie giengen so einfach, so schlicht, dasz Winkler manchmal das grüszen vergasz, was wol auch an den immer schwächer werdenden fünf sinnen der alten haut lag, die noch immer vergebens auf beförderung wartete. Gutzkow ritter v. geiste 7, 5; Hans Joggi war eine gutmüthige haut und glaubte leicht. J. Gotthelf schuldenb. 361;
wars nicht die gute haut, der laienbruder?
Lessing 2, 337;
die gute haut von informator,
der marzipan ihr statt der ruthe gab.
Musäus kinderkl. 48;
wollt er (Aeneas) bei nacht, incognito,
zu schiffe sich begeben,
und wenn die gute haut (optima Dido, Aen. 4, 291) noch ruht,
und sichs nicht träumen läszt, auf gut
französisch sich empfehlen.
Blumauer Aen. 1, 160.
10)
auch in andrer weise steht haut für die persönlichkeit selbst: in der Oberpfalz sagt die mutter zur braut, nachdem sie das drangeld empfangen 'nun bist du braut und hast die haut verkauft'. Schönwerth 1, 57; ebenso schlesisch:
glück zu, vergnügte braut, die haut ist nun verkauft.
Günther bei Steinbach 1, 720.
und er (der arzt) möchte auch wieder mit unserer armen schwester haut seine erfahrungen erweitern. Göthe 11, 48;
die weih kan hurn und buben bald
bringen in ein ander gestalt
und machen aus in heilge leut,
wenn schon bleiben die alte heut.
G. Nigrinus beschlag R 3ᵇ.
Bei der haut gottes wird geschworen: summer botz haut! Kirchhof wendunm. 395ᵃ; bei der haut gottes. wiszbad. wisenbrünnl. 2, 166.
II.
haut an thieren.
1)
es ist unter fell 3 und 4 (th. 3, 1496—1498) auf den unterschied im gebrauche von fell, haut und balg bereits aufmerksam gemacht, zugleich aber auch darauf hingewiesen worden, wie man sich nicht streng an diese terminologie bindet und mit den ausdrücken wechselt. pardus haiʒt ain pard. daʒ ist ain tier manigvirbig sam daʒ pantier .. wan eʒ hât vil fleck an seiner haut. Megenberg 156, 14; stirbit einem manne ein pfert odir ein ander vy, daʒ im czu pfande gesatzt were .. er sol dy hout vorbrengin. Magdeb. blume 1, 138; und man sol dem brandopfer die haut abziehen. 3 Mos. 1, 6; der natern alte abgestreifte haut, senectus Maaler 215ᵇ; der hase hat sechs häute, lepus sex cutibus tegitur. Steinbach 1, 719; man streifet erst dem aal die haut ab. öcon. lex. (1731) 5; schneidet (den schnecken) .. mit einem scharfen messer die haut los. 2208; das schaf trug am nämlichen tage seine eigene natürliche wolle, wie sie ihm aus der haut heraus gewachsen war. Hebel 3 (1853) 84;
von visches hiute truoger an
ein surkôt und ein bônît.
Parz. 570, 2;
er truoc an seltsæniu cleit:
zwô hiute het er an geleit:
die heter in niuwen stunden
zwein tieren abe geschunden.
Iwein 466;
panzer liegt mir noch am leibe,
wie dem drachen seine haut.
Uhland ged. 249;
auf eines tigers bunter haut
liegt der gebieter.
Freiligrath ged. (1845) 102.
2)
sprichwörtliches und redensarten. alte häute dürfen viel gerbens. Schottel 1113ᵇ; was hilft flickens und pletzens am pelz, da haut und haar nicht gut ist. 1119ᵃ; sondern alle unsere werk nichts anders sind, denn (mit urlaub) eitel leuse in einem alten unreinen pelz, da nichts reines auszumachen, und kurz, da weder haut noch har mehr gut ist. Luther 6, 74ᵇ; auf der faulen haut liegen, otiosum esse, vergl. bärenhaut 1, 1128: damit wir hier nicht auf der faulen haut liegen. Pierot 1, 462;
es hilft nicht, dasz du dich mit ihren (der eltern) nahmen deckst,
wann du dich auf der haut des müszigganges streckst.
Caniz ged. (1727) 137;
die haut nicht ehe dann der beer gefangen seie, verkaufen. Kirchhof milit. disc. 148; um die haut zanken, ehe der bäer gestochen. Schottel 1118ᵃ; man verkaufet die haut nicht, man habe dann den bären gefangen. kunst üb. alle künste 61, 2. von einem dürren klepper heiszt es:
ir pfärt gein kumber was verselt:
man het im wol durch hût gezelt
elliu sîniu rippe gar.
Parz. 256, 18.
manche ursprünglich hierher gehörige formeln sind auf menschen übertragen. so heiszt es nach dem schneiden der riemen aus der thierhaut: aus eines andern haut ist gut riemen schneiden. Schottel 1113ᵇ; aus andrer häute riemen schneiden. 1125ᵇ; ja es ist in ein fremde haut gut schneiden, es ist leicht andern gesetz auflegen, die uns nichts angehen. Luther 5, 240ᵃ; von dergleichen haut gemeinlich alle bäpst geschnitten worden. Kirchhof wendunm. 368ᵃ. von dem abbalgen der thiere ist das bild einem die haut über die ohren ziehen, ihn bei einer leistung oder zahlung unbarmherzig behandeln, hergenommen (Frisch 1, 429ᶜ): dürften wir nur so einmal an die fürsten, die uns die haut über die ohren ziehen. Göthe 8, 8; ihm ein gütlein zu theuer anzuhängen, um dann in zwei drei jahren ihm die haut über die ohren zu ziehen und ihn sammt seinen kindern über das nest hinauszuwerfen. Gotthelf schuldenb. 7;
stadt und land hat viel gestriten,
wer im kriege mehr erlidten?
aber nun liegt an der thür
wie sich städte brechen für,
wer also die haut gefunden,
die dem lande weggeschunden.
Logau 2, 138, 100.
eben so ist an den verkauf der thierhaut angelehnt die eigene haut zu markte tragen: ein ieder musz seine eigene haut zu markte tragen, cuique alea sua subeunda est. Steinbach 1, 719; (er) brachte immer die eigene haut zu markte. Heine 12, 192.
3)
haut, etwas aus der thierhaut bereitetes; ein schlauch: und sie gab irer magd eine gepichte haut vol wein. Judith 10, 6; eine schäferhütte, schäferzelt: mapalia hiute sumerl. 42, 6, vergl. kalberheütle 5, 55; pergament: hut die da dun ist als das bergamen, membrana voc. inc. theut. k 5ᵇ; erfuhr ich die wahrheit, dasz sie (die goldne bulle) nur eine alte haut sei. Heine 12, 34.
III.
haut, eine dünne decke an theilen des thierischen organismus, an pflanzen u. ähnl.
1)
decke an innern körpertheilen: hut darin der ougapfel ist, soletatica voc. inc. theut. k 5ᵇ; zwischen der weichen und harten haut des gehirns. Lichtenberg 5 (1803) 146; so hängt er (gestoszener diamant) sich bei der verdauung an die häute des magens und der eingeweide. Göthe 34, 376; vergl. harnhaut, hornhaut, jungfernhaut, netzhaut. ähnlich haut im ei: hut in dem ay, membranum tenue quod latet in ovo. voc. inc. theut. k 5ᵇ.
2)
haut an pflanzen und früchten: hut zwischen der schel und des kerns in der nusz, nauci. ebenda; haut .. über castanien corium, über mandelkern cortex, corium Frisch 1, 429ᶜ;
hert ist gerstûn kornes hût.
Otfrid 3, 7, 25;
im heiszen stübchen eng und traut
giebts nun kartoffeln mit der haut.
Schmidt von Werneuchen alm. 1798 s. 84;
nimm und schäle derweil, Amalia, birnen und äpfel;
lös auch nüssen die haut.
Voss Luise, 3. Idylle I;
es hat neun häute,
beiszt alle leute.
volksrätsel auf die zwiebel.
3)
haut die sich bildende decke über etwas verdunstendem oder geronnenem: haut auf der milch; haut, die aus nassen materien obenher wird, als aus der feuchtigkeit der geschwüre, crusta Frisch 1, 429ᶜ; die über eingekochten materien wird, cuticula obducta ebenda. s. harnhaut 2, grindhaut, milchhaut, auch häutchen.
IV.
haut, übertragen.
1)
die bretter und planken, womit das schiff von auszen bekleidet ist. Jacobsson 2, 236ᵇ; das verdeck war eingeschossen, die bohlen der haut wie abgeschunden. Niebuhr leb. Niebuhrs 1, 294.
2)
haut, in einer redewendung bezüglich eines modelles: so wurde in kurzer zeit durch gemeine arbeiter dieses ungeheure modell bis gegen die letzte haut fertig gebracht. Göthe 35, 333.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 701, Z. 8.

häuten, verb.

häuten, verb.
1)
die haut abziehen, mhd. hiuten, in transitiver und reflexiver fügung: man häutet wildpret; der hering wird gehäutet, ehe er auf den tisch kommt; sich häuten, wie schlangen und insecten. Frisch 1, 430ᵃ; auch von unsern schlangen sind manche, zumal wenn sie sich noch nicht lange gehäutet haben, an farbe und zeichnungen schön. Hebel (1853) 2, 33. nach dem letzteren auch übertragen: denn will er (der kanzelredner) zuhörer, die (in den kirchenschlaf) hereinkommen, um sich nach acht tagen geistlich zu häuten, wie der frosch sich nach eben so vielen körperlich ausbälgt. J. Paul jubelsenior 122; wenn doch in der studierstube eines gelehrten der glaube desselben sich so oft verwandeln, häuten, einspinnen, verlarven, verpuppen musz, bis solcher wieder endlich entpuppt ausfliegt. friedenpredigt 52. infinitiv in substantiver stellung: während .. ihres häutens (während sie sich auskleidete). Titan 3, 198.
2)
häuten, mit einer (festen) haut umgeben: es ist uns einer bekannt, der auch einmal mit einem bauer, zu gleichem zweck (als agent für gelderaufnahme) nach Bern ging und noch nicht recht gehäutet und gestählt war. J. Gotthelf schuldenb. 262.
3)
die unumgelautete form hauten, die im 16. jahrh. mehrfach erscheint, schlieszt sich dem sinne nach zunächst an die bedeutung 1 an, sie bezeichnet einem zu leibe gehen: dann graf Lassla ein unverträglich man, so liesz graf Ludwig sich nit hauten; sie kamen kurzlich hernach mit worten anainandern. Zimm. chron. 3, 415, 18; hernach wer den man fieng, hat auch sein haut. daher kompts, dasz man sagt, mit eim herumb hauten, sein haut darstrecken. Garg. 194ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 711, Z. 6.

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Zitationshilfe
„häuten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4uten>, abgerufen am 27.10.2021.

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