Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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hobel, m.

hobel, m.
runcina, planula.
1)
der name dieses werkzeuges, heute allgemein deutsch, scheint dennoch zufrühest nur niederdeutsch gewesen zu sein. zwar begegnet mhd. hovel in dieser bedeutung im Parzival, der goldenen schmiede und bei Suchenwirt je einmal (Ben.-Müller 1, 723ᵃ), aber in bildlichem gebrauch und so dasz es den eindruck eines ungewöhnlichen wortes macht. dagegen haben die vocabularien, die seit dem 14. jahrh. entstanden, soweit sie niederdeutsch sind oder auf niederdeutschen einflusz zurückgehen, das wort übereinstimmend und häufig: dolabrum ein hofel, hobbel Dief. 189ᵃ; leviga, levigal stoyszbloch ł hobbel, hubel, hobel, hobbel, hoffel, hofel, en hovel den de tymmerlude hebben 325ᶜ; leviga hovel dar me dat holt mede slichtet nov. gloss. 232ᵇ; während gleichzeitige oberd. vocabularien entweder andere worte dafür setzen (stoʒebloc; stosz-beumlin; gestosz-ysen, stosz-isen 325ᶜ, schlichtholcz 440ᶜ) oder das wort noch durch ein anderes erklären (plana ain stoszblock ł hobel 440ᶜ). immerhin darf für das 15. jahrh. die verbreitung und der allgemeine gewöhnliche gebrauch des wortes auch für Oberdeutschland angenommen werden. neben der gewöhnlichen form geht eine mitteldeutsche hubel, die noch im 17. jahrh. schlesisch ist:
hie ist mein schurzfell und mein hubel.
macht doch nicht einen solchen trubel.
A. Gryphius 1698 1, 743;
und eine umgelautete, nd. hövel, die vielleicht alt ist, aber sich erst später nachweisen läszt: hövel brem. wb., höwel Schamb. 80ᵃ; höbbel um Fallersleben Fromm. 5, 148; ihr entspricht eine umgelautete mitteldeutsche: hübel planula Alb. y 1ᵃ, neben hobel: dolabella ein hübel, schrothobel ll 4ᵇ; vergl. auch unter hobeleisen; Stieler 805 zählt die formen hebel, hobel, höbel und hefel auf, mit der pluralform hebel; in der neuern sprache ist eine umgelautete pluralform ganz vergessen. den umlaut zeigt auch das wol aus dem nd. entlehnte dänische hövl, schwed. höfvel und hyfvel, während die altnordisch noch nicht bezeugte, erst isländ. form hefill auf den zusammenhang des wortes mit der wurzel haf, goth. hafjan heben am deutlichsten hinweist.
2)
hobel ist das werkzeug der holzarbeiter, um holz eben und glatt zu machen; auch in der eisenindustrie wird der hobel zur glättung des eisens verwendet. nach grösze, form und wirkung wird durch compositen unterschieden (bank-, faust-, grund-, kehl-, leisten-, nuth-, schrot-, schlicht-hobel u. a.); hobel, rauchhobel, scalprum, dolabra, dolabrum, dolabella Maaler 226ᶜ. scherzhaft erwähnt Fischart eines hobels zum zerkleinern der grünen Graubündener kräuterkäse: stunden derwegen da vil krautige, kütreckige, graszgrüne schabziger, sambt den holeisen und hobeln ausz Schweizerland. Garg. 55ᵃ.
3)
redensarten. den hobel fühlen: bei keiser Ottens bart, dein mann soll den hobel fühlen (gezüchtigt werden)! Ernst histor. bilderhaus (1686) s. 144; den hobel ausblasen, in den hobel blasen, als umschreibung einer rohen einladung (vgl. theil 1, 566. 833. 2, 69): sie künen mir und den herrn Zürichern alle mit einander mit sal veni zredn den hobel auszblasn. Schwabe tintenf. A 8ᵇ; fertig bin ich. wem ichs nit recht gmacht hab, der kan mir itzunder den hobel auszblaszn. s. 74; attachement und ehrfurcht blas mir in hobel. Fr. Müller 2, 44; vgl. Fromm. 6, 279.
4)
hobel bei den sammetwebern, eine in dem sammetstuhle eingenietete messerklinge, womit die kettenfäden aufgeschlitzt werden. Adelung. vgl. driet theil 2, 1409.
5)
in Appenzell ist hobel, plur. höbel, das schneidemesser in obstmühlen zur verkleinerung des vom trichter herabgleitenden obstes. Tobler 269ᵃ.
6)
hobel, eine art fischnetz, das wie eine reuse eingerichtet und gebraucht wird. Schm. 1, 1039 Fromm.
7)
auch der teufel wird (fränkisch) mit hobel verhüllend genannt: wêi der hobel! das.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1587, Z. 44.

hobel, höbel, m.

hobel, höbel, m.
decke, deckel.
1)
das wort ist derselben form wie das vorhergehende, aber von anderer ausbildung des grundbegriffes, indem die wurzel haf heben hier die bedeutung des deckenden und schützenden hervorkehrt (vgl. alts. heƀan, ags. heofon himmelsdecke von derselben wurzel), und von eigentlich oberdeutscher heimat und ausbreitung, mhd. hobel (Ben.-Müller 1, 695ᵇ); das engl. hovel schuppen, hütte rührt eng an. hobel bedeutet decke im allgemeinen, bârhobel deckel einer bahre:
ab im zart er (der scheintote) den überdon (leichenhülle)
und warf den bârhobel dan.
Servat. 3421;
am meisten aber decke über einen wagen, wagendeck, so noch im 16. jahrh.: da gieng der wagen von einander, und das hindergestel mit dem höbel bleib sten. Ulensp. s. 93 Lappenb.; vgl. unten hobeldecke und hobelwagen.
2)
hobel, plur. höbel ist auch der gedeckte wagen selbst: vier plahen über die höbel. d. städtechron. 4, 257, 11; 31 ellen ze plahn über vier höbel. 257, 42.
3)
höbel, hügel, verwechselung mit hübel (s. d.): der höbel oder höhe, da Reynhardt auf stundt. Aimon bog. J iij. — Anders niederd. höbel höcker: gibbus hövel, höker Chytraeus cap. 29; vgl. hofer.
4)
beim zinngieszer ist hobel derjenige oberste theil einer schüssel- oder tellerform u. dergl., der innerhalb eine vertiefung nach beschaffenheit des gerätes hat, das zwischen ihm und dem kern, dem untern stück einer solchen form, gegossen werden soll. Jacobsson 2, 267ᵃ. der beschreibung nach fällt der name hierher und nicht zu dem vorher aufgeführten hobel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1588, Z. 31.

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Zitationshilfe
„höbel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6bel>, abgerufen am 25.10.2021.

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