Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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heben, verb.

heben, verb.,
capere, tollere.
I.
Formelles. goth. hafjan, praet. hôf; altsächs. hebbian, hôf; mnd. nnd. heven, hôf; altniederfr. hevan, huof; niederl. heffen, hief; fries. heva, hôf; angels. hebban, hôf; engl. heave, hove und heaved; altnord. hefja, hôf; schwed. häfva, dän. häve mit nur schwachem praet. (häfvade, hävede); ahd. heffan und hevan, praet. huob, mhd. heben und heven, praet. huop. die formen schwanken manigfach.
1)
das verbum von der wurzel deutsch hab, lat. cap ausgehend, wie bereits sp. 46 erörtert ist, bildet seine praesentialen formen mittels eines in den deutschen sprachen wenig gebräuchlichen determinierenden elementes ja, so dasz im gothischen der infinitiv haf-ja-n, in jüngeren dialecten unter assimilation und umlautung des wurzelvocals hebbian, hebban, heffan entsteht, der unter vereinfachung der so entstandenen doppelconsonanz zu heven, heben verläuft (die ältere form zeigt sich dem gegenüber im ältern nhd. nur noch selten: was ist der andere grose hôcke, domitthe der bese geist diese menschen hebbende ist? Merswin 107; oder allain etwas zuͦ heffen und an das radt zuͦ greifen. S. Frank spr. 2, 103). daneben finden sich vereinzelt spuren, dasz die praesentialen formen in der gewöhnlichen weise eines starken verbums gebildet sind, ahd. also inf. haf-a-n: elevare arhafen im voc. sti. Galli bei Hattemer 1, 14ᵇ; praes. inpor arhafit anhelat Graff 4, 820; mhd. man sal in haben von der stat dô her umbillîchen liget. d. myst. 1, 154, 16 (nachher 21: man sal in heben von der stat);
sun, habe daʒ du getragen maht;
daʒ dir ze swære sî, lâ ligen.
MS. Hagen 1, 367ᵇ
(Winsbecke 33, 1, Haupt liest mit einer handschrift hebe); nhd. erhaben, efferre, hochlich loben. Maaler 111ᵃ; erhabende, der erhebt, efferens das. seit der mhd. periode ist so formelle gleichheit mit einzelnen bildungen des schwachen verbums haben erzielt, welches bei der wurzelgemeinschaft auch begrifflich theilweise anrührt (vergl. unten heben II, 1 u. 2 mit haben sp. 50), wie haben auch sonst formen von heben angenommen hat (sp. 49. 50), und wiederum der inf. heben für haben steht:
almuͦsen sol man denen geben,
die gar nichts übernächtigs heben.
Schade sat. u. pasqu. 1, 35, 302.
2)
das praet. goth. hôf, ahd. mhd. huob huop, waltet als hub in den älteren nhd. quellen uneingeschränkt, wie die unten folgenden beispiele reichlich ergeben. die praeteritalform hob, die wol nur nach falscher analogie von quelle qoll, oder schere schor gebildet ist, und als deren frühester anfang unten das praeteritalparticip gehoben neben dem eigentlich allein berechtigten gehaben schon aus dem 16. jahrhundert nachgewiesen wird, ist von grammatikern und lexicographen des 17. jahrh., namentlich Schottel und Stieler, noch gar nicht aufgeführt, erst Steinbach verzeichnet sie, aber auch ausschlieszlich, so dasz hub bei ihm nicht erscheint. hob war in Schlesien längst volksmäszig gebräuchlich gewesen (obschon die dichter der ersten schlesischen schule, und später noch Günther es vermeiden): also dasz sich sein schreiber der nutzung des gutes anmaszte, mit den gärtnern aufhob. Schweinichen 2, 146; die .. Semnonen hoben auf diese zeitung alsbald die belägerung der stadt Clusium auf. Lohenstein Arm. 1, 748ᵃ; drang aber bei den schriftstellern anderer heimat noch nicht durch, bis endlich nach der mitte des 18. jahrh. die autorität der grammatiker (Gottsched kern der sprachkunst 1753 s. 156) die form hob die vorwiegend gebräuchliche werden liesz, so dasz Adelung hub nur noch für dialectisch, für 'oberdeutsch' erklärte. dennoch dauert hub bis in die neueste zeit neben hob:
die wolke hub sich.
Stolberg 3, 325;
und als die sichel zu felde ging,
hubs an sich zu regen und strecken.
Bürger 61ᵇ;
so will ich für Hektorn zeugen,
hub der sohn des Tydeus an.
Schiller siegesfest v. 111;
mein schwesterlein klein
hub auf die bein.
Göthe 12, 237;
Nereidenstimmen erhuben das lied.
Platen 135ᵇ;
er hub zu rosz das schöne weib.
Uhland ged. 208 (und öfter, neben erhob s. 113).
eben so lange wie hub hält sich der optativ hübe (jetzt höbe nach dem dominierenden hob), für den einigemal die an das niederländische praeteritum hief anklingende form hiebe begegnet: ob er nicht wisse, dasz die dünste, welche sich zur sonne erhieben, von ihren stralen zerstreuet würden? Lessing 7, 289;
wenn wir erhieben den grabstein.
Ayrer fastn. sp. 4ᵃ (2352, 31 Keller),
eine form die die eben gemachte vergleichung mit dem niederl. nach analogie reduplicierender verben gebildeten hief um so mehr zuläszt, als die Zimm. chron. auch die indicativform hieb neben hub und hueb gewährt: es gehieb sich sein, des knaben, muetter ganz übel. 1, 434, 8; der gehieb sich innigclichen übel. 4, 298, 8. — Neben der starken form hat sich (schon mhd., wb. 1, 643ᵃ) die schwache hebte ausgebildet: letzlich hebte ein schulmeister ... also an. Schuppius 699; wir hebten aber unsere herzen und stimmen zu gott in den himmel. 714; letztlich aber die ohren hinzu hebet, hörte ich diese wort. 772; wofür auch mit rückumlaut habte: deszwegen erhabt er sich viel leichtlicher auf, dann Galpan. Amadis 77.
3)
die eigentliche starke form des part. praet. ist gehaben, eine form die im 16. jahrh. noch die durchaus gewöhnliche ist, im 17. jahrh. unterzugehen beginnt, aber noch in resten bis in die zweite hälfte des 18. sich hält:
in ihrem anschaun glücklich zu sein,
ist einem einzgen aufgehaben (: haben).
Wieland 21, 68.
jetzt dauert sie noch in dem adjectiv gewordenen particip erhaben fort, vergl. die ausführungen bd. 3, 832. die form gehoben, an der der übergang des verbums in eine andere ablautreihe sich vorzubereiten beginnt, erscheint bereits bei Luther, allerdings als ungewöhnliche neben gehaben, und nur in einer reimenden formel: wie auch herzog George für andern allen gehoben und geschoben hat. 6, 15ᵇ (die volle stelle unten II, 9). belege für das aufkommen von gehoben im 17. jahrh. s. unter erheben bd. 3, 841. neben der starken form ist die schwache gehebt alt und häufig (mhd. s. Ben.-Müller a. a. o.): weren sie menschen und in ihrer ersten unschuld blieben oder durch Christum wider in ihre erste unschuld und menschheit gehäbt. kriegsb. d. fr. 36; durch Christum also wider in die erst, ya ein bessere natur und unschuld gehäbt. das.; solt nicht in das land komen, darüber ich meine hand gehebt habe. 4 Mos. 14, 30; darnach der henger .. (einen körper) widerumb an der stange auf den rost gehebt. Luther 3, 419ᵃ; mit aufgehebten arm. Amadis 90;
ist alles leidens überhebt.
Wickram irr reit. bilger 4ᵇ.
noch jetzt ist sie in Oberdeutschland volksmäszig in mancherlei schattierungen: bair. gehebt und gehabt neben gehoben, gehaben und geheben Schm. 2, 138; kärntn. höbat, gihöp und gihouben Lexer 136; in Schwaben und in der Schweiz gehebt.
II.
Bedeutung. Als erste bedeutung von heben musz nach dem als urverwandt hingestellten lat. capere, capulum, griech. κώπη die des festfassens, haltens gelten, woraus sich die des aufrecht oder emporhaltens modificiert.
1)
heben = halten, festhalten, hat sich jetzt nur bei den südlichen Hochdeutschen, Alemannen und Baiern erhalten, wo es volksmäszig ist und sich mit haben (sp. 50) mischt, während es in fränkischen landstrichen selten (Kehrein 190), in den andern mittel- und den niederdeutschen gegenden nicht begegnet. die belege aus älterer zeit stehen überhaupt an zahl gegen die der zweiten hauptbedeutung zurück. mhd.
dâ mit (mit einem ringe) was ze der selben zît
der saphir ûf den sarc gehaben.
Wigalois 212, 30;
nhd. zunächst öfter mit einfachem objectsaccusativ: der ein hocke (haken) domitte der bese geist diese menschen hebbet. Merswin 107; Theagenes kniet ihm (seinem gegner beim ringen) mit den knien zwischen die schenkel auf die gemecht, hub ihn also stark, dasz er sich nicht regen kundt. b. d. liebe 227ᵈ; was inen in die scheren gehebt wirt, fassen und heben sie stark. Forer fischb. 121ᵃ; Galoar gab sein rosz den jungfrauen zu heben. Amadis 273; der meister befalh den knechten, sy solten in heben (einen jungen mann, zum zahnausziehen). Wickram rollw. 118, 12 Kurz; der verfolgete einen dieb mit lautem nachschreien, hebt den dieb! Philander 1 (1642) s. 68;
nemmen den keyben gfängklich an,
heben in stark, lond in nit gon.
Daniel 1545, H iijᵇ;
dieweil es aber dozumal noch ain newe badstuben und die hitz nit wol hueb, hett das frölin so übel im badt gefroren, das man ime ain belz hat muesen ins badt tragen. Zimm. chron. 2, 452, 18; lieber halt oder heb mich das ich nit fall, retine me obsecro. Maaler 215ᶜ; wie noch jetzt im volksmunde häbet-a haltet ihn (und nehmet ihn fest), in Appenzell. Tobler 248ᵃ. allitterierend ist heben und haben verbunden (vergl. halten und haben sp. 50): hot ein man seinem weibe gebin sein gut gancz odir gar, cʒu hebin und cʒu habin nach seinem tode. Magdeb. blume 2, 2, 118. Dem object treten ortsbestimmungen hinzu, entweder im dativ oder accusativ: fromme leut heben sich nur am himmel, drumb haben sie kein glück aufm boden. Lehmann 1, 242;
glüende brand sie brauchen,
hebens ihm an den leib.
Körner hist. volksl. 331;
auch: (da ich) letztlich aber die ohren hinzu hebet, hörte ich diese wort. Schuppius 772. diese richtungsbestimmung tritt auch in dem intransitiven schweiz. of nebes heba, nach etwas zielen (Tobler 248ᵃ) hervor.
2)
transitives heben wendet sich zur bedeutung aushalten, ertragen: musz doch schauen, ob das körbchen auch einen krach hebt, dachte er sich, nahm einen tüchtigen stein und legte ihn in das körbchen. Zingerle kinder- u. hausm. aus Südd. 89. in bezug auf eine ertragungsfähige mittelmäszigkeit an personen: er laszt sich wol heben, mediocriter doctus est, haud excellit. prompt. von 1618, bei Schm. 2, 139.
3)
heben, intransitiv, in mehreren schattierungen der bedeutung.
a)
haften, von gegenständen: in summa, es war allda ein solch einreuten von wein zur ächszt und schiff, als vil all berge trauben geben, wie vil kornär an stengelein heben. Garg. 59ᵃ; weil ein ganz land an im gehebt hat. 110ᵇ; du plünderst deinem manne haus und hof ab, bis ihm kein hemd mehr am leibe hebt. Schiller räuber 2, 3.
b)
aushalten, ausdauern, in bezug auf personen und gegenstände: bair. guete arbeit hebt lang, nahrhafte kost hebt lang her. Schm. 2, 138; schweiz. s wetter häbet. Tobler 248ᵇ; von personen er mos häba (herhalten, für jemand zahlen). 248ᵃ. hierher die reimende formel leben und heben, deren letztes glied das längere verweilen in einem orte oder zustande betonen will: und forthin mit euch friedlicher leben und heben wolle. Abele künstl. unordn. 1, 82;
er lebt noch! lebt noch und hebt noch,
doch frag mich keiner: wie?
Scheffel gaudeamus s. 88.
c)
anhalten, still halten, zögern: er (Jesus) reit für sich zuͦ der stat in zuͦ sinem tod, er huͦb nit still. Keisersberg bilg. 174ᵈ;
do nam ers in der mitte,
er tet ir ich waisz nit wie,
der man wol auf der dillen schrai:
ei heba, ich bin noch hie,
ich bin noch nit im hew.
Uhland volksl. 729;
der drite sprach: heb, schüz, nun beit!
wünsch, das wir nit verderben.
Gödeke u. Tittmann liederb. 372, 119;
und breit dich ausz, und brang dahin,
und nimb die halben gassen in,
und stosz ein andern an ein seiten,
sprich landsmann, hebah, gib mir weiten.
grobianus (Frankf. 1568) D 4ᵇ (b. 1, cap. 5).
in der verbindung anheben (was 1, 370 nicht erwähnt ward): heb an, unflat, ich han dichs gheiszen versuͦchen, nit gar frässen. Diog. C ijᵇ;
anheb! wenn ich im noch techt (dächte) ...
fastn. sp. 836, 21.
d)
auch der begriff des hindernisses tritt hervor: wo hebts denn (woran liegt es?) da hebts. Schm. 2, 139; es hebt hert, sie bleiben bei einander. Pauli 38.
4)
reicher gegen die vorigen bedeutungen ist heben, in die höhe fassen, emporheben (der gegensatz von senken) entwickelt, zunächst mit dem acc. des objects, dem vielfach richtungsbestimmungen hinzutreten: was du nicht heben kanst das las ligen (sprichwort). Luther 6, 146ᵃ; er hob drohend den stock; der wind hebt den staub, ventus pulverem in sublime fert. Frisch 1, 430ᵇ; es (das wasser) trug ihn, und der geschickte schwimmer beherrschte es. bald hatte er die vor ihm fortgerissene schöne erreicht; er faszte sie, wuszte sie zu heben und zu tragen. 17, 331; jedes blatt das vom winde gehoben wird. Bettine tageb. 31;
ohne stock und stein zu heben.
Bürger 32ᵃ;
wie sie ihn erblickt,
hebt sie die erschrickt,
mit erstaunen eine weisze hand.
Göthe 1, 243;
kein sterblicher, sagt sie,
rückt diesen schleier, bis ich selbst ihn hebe.
Schiller bild zu Sais v. 29;
ich nahe mich mit süszem bangen,
sie aber hebt den schleier leicht.
Uhland ged. 25;
der dritte hub ihn (den schleier) wieder sogleich
und küsste sie auf den mund so bleich.
238;
klein Roland hebt die augen hell.
338;
nur des waldes höchste eiche
hebt nicht mehr die stolzen wipfel.
257;
heben in die höhe, levare Dasyp.; das sie die hörner der heiden abstoszen, welche das horn haben uber das land Juda gehaben. Sach. 1, 21; in das land, darüber ich habe meine hand gehaben, das ichs gebe Abraham, Isaac und Jacob. 2 Mos. 6, 8; ich wil meine hand in den himel heben. 5 Mos. 32, 40; hebet ewer augen in die höhe und sehet. Jes. 40, 26 (vergl. auch emporheben); hub derowegen mein gesicht gen himmel. Philander 1 (1642) 538; seine reiter huben ihn aufs pferd. Göthe 8, 94; bildlich: es (ein schauspiel) übrigens aufs deutsche theater zu heben, sehe ich noch keine handhabe. an Schiller 820; sie konnte nichts aus der froh beschwerten brust auf die lippen heben, als die demüthigen worte ... J. Paul Hesp. 1, 110;
forschend übersieht dein blick
eine groszgemessne weite.
hebe mich an deine seite!
Göthe 1, 52;
aber nach Bacchus, dem weichen, dem träumenden, hebet Cythere
blicke der süszen begier, selbst in dem marmor noch feucht.
274.
der schreiben wollende hebt die feder:
und da die volksgeschichte
den griffel wartend hebt.
Uhland ged. 96;
der trinker hebt das glas:
ein neiglein noch drin ist,
du ein fauler zecher bist,
heb hinten übersich das glas!
Uhland volksl. 592,
vergl. auch aufheben. das object wird hier vielfach kurzer hand unterdrückt:
alrêst huob er unde tranc
vil manig ungefüegen slunt.
weinschwelg in Wackernagels leseb. 734, 11;
es läszt sich keiner scherzen,
wenns der gesundheit gilt, er hebt von ganzem herzen
und leert die schale wol.
Fleming 96, 82 Lappenberg;
der stolze hebt das haupt, den kopf; also wurden die Midianiter gedemütiget fur den kindern Israel, und huben iren kopf nicht mehr empor. richt. 8, 28; er wird trinken vom bache auf dem wege, darumb wird er das heubt empor heben. ps. 110, 7; der betende und schwörende hebt die hand; hub sie die hände gen himmel, dankte herzinniglich gott. unw. doct. 540;
sie wârun irô henti   zi gote heffenti.
Otfrid 1, 4, 16;
ein färber kömmt, der schwören soll.
der färber hebt die blaue hand.
Lessing 1, 16;
warum besuchen wir die heilgen häuser
und heben zu dem himmel fromme hände?
Schiller 511 (braut v. Messina);
er sprachs, und jener bösewicht, gewandt
in jeder list, Pelasger im betrügen,
hebt himmelan die losgebundne hand.
zerstörung von Troja 26;
da hebt er hoch die hände, der ritterliche greis:
der fink hat wieder samen, dem herrn sei dank und preis!
Uhland ged. 370;
da hoben sie zu ihrem heiligthum,
dem speer des Mavors, flehend blick und hand.
379;
der kämpfer hebt den arm, das schwert, der sieger hebt die fahne:
ein etwas ists, wofür den arm ihr hebet.
Rückert 131;
wir waren herzensfreunde, waffenbrüder,
für eine sache hoben wir den arm.
Schiller jungfrau 3, 1;
es hebt die freiheit siegend ihre fahne.
Tell 4, 2;
der tanzende hebt den fusz:
wie sich leise der kahn schaukelt auf silberner flut,
hüpft der gelehrige fusz auf des tacts melodischer woge;
säuselndes saitengetön hebt den ätherischen leib.
Schiller tanz;
mit ausgelassenem object das pferd hebt schöne, equus gressus glomerat superbos Stieler 805; technisch ein haus wird gehoben, gerichtet (vergl. hebemahl, hebeschmaus); der reiter wird in den sattel gehoben; mit der andern (hand) hub er ihn in sattel. Philander 1 (1642) 332; davon übertragen auf einen, dem man die mittel zum fortkommen reicht: zweitens hob er keine vettern in den sattel. J. Paul Hesp. 1, 35; ein könig, anführer wird auf den schild gehoben;
wer hub dich auf den thron?
A. Gryphius 1698 1, 27;
athem, seufzer heben die brust; athem der die brust hebt. Bettine tageb. 50;
seufzer werden ihren busen heben,
thränen über ihre wangen beben.
J. M. Miller ged. 85;
hebt den busen
nicht éin mitleidiger seufzer für mich?
Ramler 1, 14;
ein kuss auf deines mädchens wange,
oder auf ihren gehobnen busen.
Hölty 106 Halm;
noch mit liedern ihren busen
huben nicht die weichen musen,
nie mit saitenharmonie.
Schiller triumph der liebe v. 19;
die brust von leisem drang gehoben.
Uhland ged. 14.
an stelle der rein transitiven erscheint häufig reflexive fügung:
als hübe sich ein adler in die lüfte.
Lessing 1, 96;
doch als ihr (einer schlange) frost und noth entwich,
erhohlte, regt und hub sie sich,
und lohnte dem mit bisz und stich,
den ihre rettung so bemühte.
Hagedorn 2, 29;
und von ihrem gott ergriffen
hub sich jetzt die seherin.
Schiller siegesfest v. 146;
da hebt sich aus dem grunde
ein ritter jung und fein.
Uhland ged. 177;
und der jüngling sank vom rosse,
konnte kaum sich wieder heben.
219,
jener hub sich in den bügeln,
wuthvoll seine lanze schwingend.
277;
von gegenständen, denen dadurch der schein von selbstthätigkeit verliehen wird: die bäume heben sich in die luft; die winde hoben sich und brausten dahin. Bettine tageb. 117;
eine schale des harms, eine der freuden wog
gott dem menschengeschlecht; aber der lastende
kummer senket die schale,
immer hebet die andre sich.
Hölty 96 Halm;
da, wo rings um die wand sich polster schwellend heben.
Wieland 22, 219 (Oberon 5, 53);
seufzend hub sich ihr busen.
Stolberg 1, 139;
ich sehe dich, wenn auf dem fernen wege
der staub sich hebt.
Göthe 1, 65;
da hebt sich aus der tiefe
'ne hand wie elfenbein.
Uhland ged. 177;
und dieses haupt, das trauernd niederhieng,
es hebt sich in der blumen frischem schmucke.
185;
schon huben sich die bleichen augenlieder,
ihr auge schmachtete zu mir empor.
143;
blumen heben sich und bäume
sind erfrischet vom gewitter.
256;
der vorhang hebt sich über einer welt,
die längst hinab ist in der zeiten strom.
101;
zum dritten mal hebt sich die sonne.
239;
bezüglich des emporragens eines gegenstandes über einen andern:
aber eh
Pervonte noch das letzte wort vollendet,
hebt ein palast vor ihm sich luftig in die höh.
Wieland 18, 163;
schau hin, dort hebt sich Rheims mit seinen thürmen.
Schiller jungfr. 3, 9;
hier ist das felsenriff, drauf Tell aus der barke gesprungen;
sieh! ein ewiges mal hebet dem kühnen sich hier.
Uhland ged. 111;
auf schroffem steine,
dem man die burg gebrochen, hebt sich neu
ein wolkenschlosz, ein zauberhaft gebäu.
119;
dort in der fruchtbaren ebene heben sich die grünen saatfelder;
wo hoch und golden sich die ernte hebt,
mit rothen, blauen blumen hell durchwebt.
Uhland ged. 115.
bei participialconstruction wird das reflexivum unterdrückt: so hatten mich ihre behenden sichern füsze nie entzückt, und nie so ihre braunen hebenden locken über den schönen weiszen hals, sammt aller ihrer kleidung. Heinse Ardinghello 1 (1838) s. 149; ein hebender busen. Klinger 3, 88; die hebende brust drückte das gewand von ihrem busen. 4, 99; die lieblichen augen, den hebenden busen. Tieck Sternb. 2, 147; der lebensbeschreiber liegt hier ... auf dem hebenden grase. J. Paul uns. loge 3, 98.
5)
in anlehnung an die bedeutung 4 wird heben vielfach unsinnlicher verwendet. so
a)
vom schalle, liede, gesange:
o lerche, dein sang,
er hebt sich, er schwingt sich in wonne.
Uhland ged. 33.
b)
in bezug auf seelenstimmungen. das fortleben des mhd. so häufigen unhô heben für gering, unwichtig achten:
daʒ ein rîcher hebt unhô,
daʒ machet einen armen frô.
Freidank 43, 2;
mich huop die wunde vil unhô.
frauend. 74, 21;
läszt sich für die spätere sprache durch beispiele nicht nachweisen. erst die neuere zeit braucht heben in einigermaszen anderm sinne, nämlich vom aufragen der seele über die gewöhnliche stimmung:
ohne leben lebt der welt,
wer nicht gut gewissen hält;
gut gewissen in der zeit
hebt schon an die ewigkeit.
Logau 3, 211;
wahre freuden fliehn
mit ihr (der unschuld), und jedes mächtige gefühl,
das deine seele hub.
Stolberg 3, 7;
unsre seelen huben sich auf der liebe seufzer.
1, 150;
sie (die liebe) .. hebet uns auf eine himmelsleiter,
wo wir den glanz der gottheit schaun.
Hölty 200 Halm;
(wann) mich zum gipfel der gefühle
deine silberstimme hebt.
Gotter 1, 165;
Bacchus becher hebt den muth.
265;
was nennt man grosz? was hebt die seele schaudernd
dem immer wiederholenden erzähler?
Göthe 9, 86;
des herzens andacht hebt sich frei zu gott.
Schiller M. Stuart 5, 7;
wie ich auf einmal so leicht, so gehoben mich fühle! Schiller kab. u. liebe 4, 8; wenn die natur alle röhren des lebensstromes öffnete, und wenn alle ihre springbrunnen aufstiegen und brennend in einander spielten von der sonne übermalt: dann wurde Viktor ... von ihnen gehoben und erweicht. J. Paul Hesp. 1, 167; als Viktor seine seele hob an den hohen weiszen säulen des vom lord entworfenen parkes. 260; strömte vor meinem gesicht eine ätherische morgenluft vorüber, sie drückte mich nicht mit dem schwülen west eines trauerfächers, sondern hob mich mit dem wehen einer freiheitfahne. uns. loge vorr. 21; eine gereinigte hebende maienluft. 3, 65. Als folge einer solchen seelenstimmung erscheint die gehobene rede, die gehobene sprache, der gehobene stil; auch der gehobene gang:
Satan verliesz das gebirg, und ging mit gehobenem schritte
über Jerusalem her.
Klopstock 3, 150.
c)
in bezug auf lob und preis: das heist warlich hoch angefangen, die liebe trefflich gepreiset und gehaben. Luther 6, 46ᵃ; heben einen bisz in den himmel, das ist, sehr loben, in coelum ferre Frisch 1, 430ᵇ;
und darum hueb er auch den Wilhelm, den geehrten
von Rappoltstein, so hoch.
Rompler 106;
es nähret auch der Elbestrand
in schönen leibern kluge sinnen,
die billig sind sehr hoch zu heben.
Rist Parn. 339.
d)
in bezug auf rang, ansehen, würde: die vermögensverhältnisse dieses mannes haben sich gehoben; die revolution hob leute niedrigen herkommens, liesz alte geschlechter sinken; einen aus einem niedrigen stand heben, exaltare, ad dignitatem promovere Frisch 1, 430ᵇ; hebe in darnach, und sihe durch die finger. Luther 1, 559ᵇ; das er des brots gestalt (beim abendmahle) so hoch hebe, das wir des gedechtnis des herrn vergessen. 3, 80ᵇ; jeder dachte daran, sich zu heben, die umstände zu nutzen, zu regieren. L. Tieck ges. nov. 4, 10; Christian von Wolf, der die universität Marburg so sehr hob. Hugo civ. mag. 5, 59; hebt sich jetzt der bauer aus seiner erniedrigung. H. Heine 13, 141; cavaliere und adjutanten ertrugen die geheimen dornen ihrer stellung ohne die laute kritik, welche sonst wohl von der umgebung souveräner herren ausgeht .. denn der fürst verstand es, sie vor fremden zu heben. Freytag handschr. 2, 331;
wenn unsre thaten uns nicht aus dem dunkeln heben.
J. E. Schlegel 1, 224;
J. man tadelt den der seine thaten wägt.
A. auch den, der wahren werth zu stolz nicht achtet,
wie den, der falschen werth zu eitel hebt.
Göthe 9, 9;
sich über einen heben:
stürzt der rüstigste läufer der bahn, so lacht man am ufer,
wie man bei bier und taback über besiegte sich hebt.
Göthe 1, 408;
vergl. überheben.
e)
auch anderweit, bezüglich gegenständen, die vor andern hervortreten, sich von ihnen abheben: das dunkle gewand hob die weisze ihres halses; durch den seidenen schuh wurde die zierlichkeit des fuszes gehoben; die dunkle wandfläche hebt die an ihr befestigten marmorbüsten; alle diese stücke, kleinere und gröszere, die in der jetzigen ausgabe korrekt, rein und schön dastehen, sind lyrische gedichte, d. i. gesang. also erhebe man die stimme und lese sie vor, auch wenn man sie sich selbst lieset. so heben sie sich vom blatt und werden nicht nur verständlich, sondern lebendig. Herder z. sch. litt. 20 (1830) 324; er trat auf den von fünf einzelnen tannenbäumen gehobnen berg. J. Paul Hesp. 3, 141;
siehe, wie rings um den rand die netten bänke sich dehnen,
wie von buntem gestein schimmernd der estrich sich hebt!
Schiller Pompeji u. Hercul. v. 24;
da tritt mit eins im vollen fackelschein
des Bacchus göttlich marmorbild hervor ...
in jugendfülle hebt sich die gestalt.
Uhland ged. 315.
f)
endlich auch in bezug auf eine die seele drückende last: mir wäre es auch ein trost, einen repräsentanten meiner neigung und herzlichen theilnahme bei ihnen zu wissen; doch auch das soll nicht sein, und gerade trifft das alles zusammen in einer zeit wo ich auch mancherlei zu heben und zu schleppen habe. Göthe an Zelter 85.
g)
metrisch: der viermal gehobene vers; vergl. hebung 2; doch hebt der accent bei uns in gewissen fällen auch kurze sylben, zuweilen bis zur scheinlänge, wie er öfter bei längen niedersinkt oder gänzlich fehlt. F. A. Wolf kl. schr. (herausg. v. Bernhardy) s. 936.
6)
mehrfach wird heben nicht sowol vom eigentlichen acte des emporhebens gebraucht, als von der fähigkeit dazu: ein starker mensch hebt mit leichtigkeit zwei centner; die wage hebt tausend pfund. Adelung.
7)
häufig ist heben im sinne von anheben, anfangen, beginnen; zwar nicht gerade mit transitivem accusativ, eine fügung, die nach dem mhd. erst wieder bei neueren beobachtet wird: mhd.
sô diu katze vriʒʒet vil,
zehant sô hebet si ir spil.
Iwein 824;
dô niemen durch sî dô niht tete,
dô huop sî ein schelten.
a. Heinrich 1319;
dô huob er eine wîse, diu was von Amilê.
Gudrun 397, 1;
nhd. auffahrend, hebt er
neuen gesang.
Voss 3, 76;
sie findt die todeswunden zwei:
da hebt sie wildes klaggeschrei.
Uhland ged. 353;
da hebt den flötenden wonneschall
aus duftigen büschen die nachtigall.
Lenau Faust 51;
und die zofen und eunuchen
hoben wieder ihre lache.
H. Heine 18, 22;
wol aber in reflexiver fügung: ahd. heve sih ouh wîg gagen mir. Notker ps. 26, 3; mhd.
die virkêrten sich in diu doleheit,
dannin hûbin sich diu leit.
Annolied 56;
hie hevet sich ein mære.
klage 1;
dô huob sich der juden leit.
Walther 15, 37;
nhd. hiemit da huͦb es sich,
es ward ain sturm und ain dosz.
Hätzlerin 263, 310;
da hub sich ein donnern und blitzen. 2 Mos. 19, 16; hub sich der streit im walde Ephraim. 2 Sam. 18, 6; da selbs hub sich ein gros freudengeschrei. Hes. 23, 42; und hub sich ein gros ungewitter auf dem meere. Jona 1, 4; da hebt sich denn das schmeichlen und lieb reden. Luther 1, 255ᵃ; da gehet ein new wetter her. ich hatte mich schier zu ruge gestellet, und meinet, es were ausgestritten, so hebt sichs aller erst. 3, 35ᵇ; es würde eben ein solch angst und not sich heben uber diesem erkentnis und gedechtnis, wie sich erhaben hat bisher uber dem, das man Christus leib wirdiglich empfangen wolte. 83ᵃ; da hebt sichs denn, da gehets, plitz, platz, wer da ligt der ligt. 185ᵃ; hie hebt sich nu die frage, ob Jona auch gesündiget habe? 200ᵇ; aber nach den vierzig tagen, da er sahe, das die bestimpte zeit fürüber war, hebt sich sein zorn. 220ᵇ; wenn wir sehen, das der schimpf aus ist, und sich der ernst hebt. 4, 132ᵃ; itzt hebt sichs auch hin und wider in landen, nachdem das evangelium wider aufkomen ist, das jederman anhebt zu klagen. 145ᵃ; was ists aber, das zuvor eine thewrung ins land kompt? das ists, wenn das evangelium recht angehet, mus sich zuvor ein hunger und kummer heben im gewissen. 148ᵃ; da wird sich ein schlachten und opfern heben. 291ᵃ; da wird sich trübsal heben. 296ᵃ; weil sich hie der zank uber diesem heubtstück hub. 8, 3ᵃ; darüber sich auch der zank gehaben hat, dasz man ihnen nicht hat proviant zuführen lassen. tischr. 432ᵃ; da sie das sahen, hub sich ein jämmerlich geschrei. buch d. liebe 219ᵃ; hebt sich ein grosz geschrei und getümmel unter dem volk. 227ᵇ; da hub sich ein schönes gestech. 266ᵃ; da hube sich ein groszer schrecken von dem volk. 269ᵃ;
weil sich als (alles) unglück heben wil.
P. Rebhuhn klag d. a. m. 7;
da wirt sich heben iamer und not.
hist. Magelonae spielweis D ijᵇ;
sich soll balt hebn der bettlerstanz.
Ayrer fastn. sp. 86ᵈ (2775, 18 Keller);
erst thet der bettlers danz sich heben.
mückenkr. 1, 543;
wie, rief Hermann, du bliebest zurück, und nah an Karthago
hebt sich der kampf, und tönet des schimmernden feldes getöse?
Pyrker Tunisias 2, 140;
und es hebt sich flötengesäusel.
Platen 259;
zu Speier im saale da hebt sich ein klingen.
Uhland ged. 327.
8)
die bedeutung von heben modificiert sich aus der des reinen empor, in die höhe hebens zu der wegheben, davonheben. dies zeigt sich zunächst, wenn richtungsbestimmungen dem verbum hinzutreten. die kranke wurde aus dem bett gehoben; er hob das kind vom pferd herab;
daʒ phert mit dem zoume   zucken si began,
und bat sich snelleclîchen   von dem satele heben dan.
Nib. 1251, 4;
die leviten aber huben die lade des herrn er ab. 1 Sam. 6, 15; reumet den weg, hebt die anstösze aus den wegen meines volks. Jes. 57, 14; Rega hub sogleich ein bret von der kiste. Göthe 29, 335; fischer huben ihr netz aus dem flusse;
wenn dann, wie gehoben aus den achsen
zwei gestirn, in körper körper wachsen.
Schiller 1, 46 Kurz;
er hebt eine schüssel von tisches mitt
und trägt sie stumm hinaus.
Uhland ged. 335;
hub er gleich sich oft vom lager.
281;
auch ohne richtungsbestimmung, namentlich in technischer sprache: der fuchs oder wolf hebt die lockspeise ( Adelung); mit knappem ausdrucke: einen graben heben, den schlamm aus demselben wegheben, ihn räumen: dergleichen gräben (auf feuchten äckern und wiesen) sollen alle jahr im februario oder martio ... gehoben, das ist geräumet und ausgeworfen, oder sonst nur allezeit reine gehalten werden. öcon. lex. (1731) 847; ähnlich bergmännisch einen stollen heben, ihn ausräumen; stolln aufheben. miner. lex. 543ᵃ. vergl. ferner unten no. 12.
9)
heben in der vorigen bedeutung ist vielfach unsinnlicher oder bildlich verwendet: es wird sich freilich fragen, ob wir hierin recht und fug gehabt haben, wider des capitels freie walh .. einen andern bischoff zu welen, und damit sie irer freien walh zu entsetzen und aus der gewehr zu heben. Luther 8, 1ᵇ; in der formel gehoben und geschoben, auf das wegräumen der hindernisse zielend: denn ich habs selbs zu Wormbs gesehen, und itzt zu Augsburg erfaren, wie auch herzog George für andern allen gehoben und geschoben hat, und gerne ein unglück und blutvergieszen angericht hette. 6, 15ᵇ; so aber eins stirbt, so loben sy gott, das diser von allem unglück und übel gehebt und erlöset sei. Frank weltb. 86ᵇ; wendete alle seine macht wider die Wandalier, dasz er sie aus Hispanien heben möchte. Micrälius 1, 70; gute arzneien, die nach dem ersten gebrauch das siechthum eher zu vermehren scheinen, das sie doch, wenn fleiszig fortgenommen wird, am ende wirklich aus der wurzel heben. J. Paul biogr. belust. 1, 147; seine flöte hob das herz aus dem schlagenden fieberblut sanft in den beruhigten äther des himmels im traume hinüber. Hesp. 1, 250; der eigendünkel eines halbklugen egoisten hebt ihn über alle menschen hinweg. Göthe 14, 188; über vieles, was ich begehrte und nicht erlangte, hast du mich hinweg gehoben. Bettine briefe 1, 194;
die ewigen gefühle
heben mich, hoch und hehr,
aus irdischem gewühle.
Göthe 1, 98;
dich hier zu finden, hat mir das gefühl
von schmerz und tod aus meiner brust gehoben.
10, 316.
im ritterlichen kampfe wurde der gegner von dem siegenden aus dem sattel gehoben; dies wird übertragen auf besiegte, in irgend welcher weise unterliegende: er sasz in schönen umständen, der mann; aber wie gesagt! die einzige verdammte redensart hob ihn glatt aus dem sattel. Engel phil. f. d. welt (1775) 1, 72; zweitens hob er keine vettern in den sattel, sondern schlimme daraus. J. Paul Hesp. 1, 35. ähnlich ist einen aus der stelle heben:
dasz man führt bei hof ein spiel: wie gefällt dir dein geselle?
schickt sich recht; man hebt daselbst einen gern ausz seiner stelle.
Logau 3, 184, 66.
die redensart ein kind aus der taufe heben, pathenstelle bei ihm vertreten, mittellat. levare de sacro fonte, fuszt auf dem altchristlichen brauche, dasz der taufzeuge den täufling aus dem taufbrunnen erhob und ihn in die kirche einführte, ein brauch der seit aufkommen der kindertaufe sich verlieren muste, während der ausdruck sich hielt:
gie zuo der muoter sîn
und zuo der edeln künegîn,
diu het in ûʒ der toufe erhaben.
Wigalois 37, 25;
der ein hebt in ausz dem tauf, der ander zu dank ins grab. Garg. 110ᵇ; als landgraf Philips hertzog Heinrichen dem jungen zu Wolfenbutel ein sohn ausz der tauf hebte. Zinkgref apophth. 1, 167; der dolmetscher, dem sie ... ein kind aus der taufe gehoben hatte. Göthe 24, 134. gekürzt heiszt das auch nur das kind heben: ich bitte aber .. alle die jenigen, so da teufen, kinder heben und dabei stehen, wolten zu herzen nemen das trefflich werk und den groszen ernst, der hierinnen ist. Luther 2, 249ᵃ; frau Charlotte wird das kind heben. Schiller an Göthe 189;
daʒ kind hieʒ er ze toufe tragen,
er huop eʒ selbe und hieʒ eʒ sus
nâch sînem namen Grêgorjus.
Hartman Gregor. 963;
C. da kam zu mir nit weit von hinnen
Jesus und wolt mein gfatter sein.
U. wolt er dir hebn das kindlein dein?
ey, ey, du solst in gwonnen han.
Ayrer fastn. sp. 28ᵇ (2476, 33 Keller);
(weil) mein weib ist eins kindts genessn,
das biszher ist ein heid gewessn,
so bit ich euch durch gott, das ihr
solches mein kind wolt heben mir
und machen einen christen drausz.
29ᵃ (2480, 11 Keller).
verschieden von diesem ist ein kind heben, es zur welt fördern, bezüglich der hebammen gesagt.
10)
alt und häufig ist reflexives heben von personen und personificationen, zur bezeichnung der veränderung eines früheren platzes, des hinzu- oder fortgehens: ahd.
denne hevit sih mit imo   herjô meista.
Muspilli 75;
mhd. an jenem morgen fruo huoben si sich dan.
Nib. 476, 1;
die snellen Burgonden sich ûʒ huoben.
1462, 1;
Ludewîc und Hartmuot sich huoben mit ir schar
mit vanen ûf gerihtet vil zorneclîchen dar.
Gudr. 777, 1;
mit grisgramenden zenden ze hant huop er sich dar.
1510, 2;
zuozim huop er balde sich.
Barlaam 37, 38;
nhd. wolauf, lieber herr Pinkenpank,
die drei böse weib nemen dasz vich ân meinen dank.
dar umb heb dich schnell dar zue.
fastn. sp. 491, 24;
ganz ungewöhnlich ist geworden J. Pauls: die pfarrleute hoben sich endlich in den belaubten concertsaal. Hesp. 2, 95, denn die fügung hat seit der festsetzung des nhd. gemeinhin nicht den sinn des sich hinzu begebens, sondern den des fortbegebens behalten: wir wollen gerne leiden und zusehen, das ir mit dem wort fechtet, das die rechte lere bewerd werde, aber die faust haltet stille .. oder hebt euch zum lande aus. Luther 2, 459ᵇ; hebt euch aus dieser gemeine. 4 Mos. 16, 45; heb dich an deinen ort. 24, 11; da sprach Jhesus zu im, heb dich weg von mir (griech. ὕπαγε ὀπίσω μου). Matth. 4, 10; wer zu diesem berge spreche, heb dich und wirf dich ins meer (griech. ἄρθητι καὶ βλήθητι εἰς τὴν θάλασσαν, goth. ushafei þuk jah vairp þus in marein). Marc. 11, 23; heb dich hin aus und gehe von hinnen (ἔξελθε καὶ πορεύου ἐντεῦθεν). Luc. 13, 32; und der herr sprach zu Abram: heb dich aus deinem heimat und von deiner fründtschaft und aus deines vaters haus, in ein land, das ich dir zeigen wil. Züricher bibel 1530 6ᵇ (1 Mos. 12, 1; gehe aus deinem vaterland bei Luther); vor im fleucht und hebt sich das erdtrich, der ganz umbkreis mit allen denen die darauf wonend. 435 (Nahum 1, 5); heb dich an galgen, i in crucem! Maaler 215ᶜ; gedenket, dasz ir euch von dannen hebt, denn sollt ihr euch ein weil hie enthalten, es müszt euch den leib kosten. b. d. liebe 273ᵈ; heb dich weg von mir, der du unwissend ... bist. pers. baumg. 10, 5;
wir haben zu laufen ferr und weit.
heben wir uns, es ist wol zeit.
fastn. sp. 419, 28;
so hebe dich mir aus den augen geschwind.
Bürger 61ᵇ;
verruchter! hebe dich von hinnen!
Göthe 12, 174;
o himmel, welch gefühl ergreift mich nun,
da sich die nacht von berg und thälern hebt!
bin ich es selbst? bin ich hierher gekommen?
es weicht die finsternis ...
10, 277.
11)
nahe hierzu tritt den fusz heben für fortgehen:
hub ruhig weiter fusz und stab.
Bürger 32ᵃ;
eigenthümlich ist den tritt heben für tritte hebend formieren, gehen:
du hebst den tritt der unsterblichen,
und gehest hoch vor vielen landen her.
Klopstock 1, 252.
12)
heben, wegheben, erheben, entnehmen, in bezug auf geld und geldeswert, steuern und abgaben: und dieweil er (der müller) nun die freiheit hat, dasz esz frei mühle ist, und die nachbarn ihme den dienst thun, soll er mahlen umb halben molter, doch also, er soll heben von dem malter zwei fasz. weisth. 2, 289; einer freier banmölle, die also steet, soll han zween trinnen weisz und rocken, und soll mollen geleich nach seinem werdt und davon molter heben. 308; daʒ nyemands andern enden dann bei ew traid heben und anschütten solle. Chmel urk. Max. 128; es seie dann, dasz der mann aus solchen meliorationen schon so viel gehoben, als sie ihn gekostet. Mainzer landr. (1755) I § 6; ich habe Johann in die stadt geschickt, einen wechsel für mich zu heben. Thümmel 2, 287; sie stimmten alle darin überein, dasz das geld, was sie höben, blos zu unterhaltung der wege angewandt würde. Möser patr. phant. 2 (1798) 289; sie, deren gesetz die münze verbannte, huben jetzt jährlich tausend talente. Stolberg 9, 57; durften keine kriege geführt, keine steuern gehoben werden. Schiller 780; Natalie ist dein. ich bin der zauberer, der diesen schatz gehoben hat. Göthe 20, 306; zahlungen aus der casse heben. an Voigt 396; einen vorrath von urkunden heben. J. Grimm in den Berl. jahrbüchern 1841, no. 101, s. 801;
der niemals geld vom wucher hebt.
Opitz psalmen s. 31;
und sein samen sol das land
als ein rechtes erbtheil heben.
s. 49;
wann der fürst nur einen liebet
und die andern übergibet,
wird in vielen viel vergeben
was, nur einer, nicht kan heben.
Logau 2, 90, 64;
obrigkeiten heiszen götter, solln den menschen wolfahrt geben:
wollen aber meistens selbsten von den menschen wolfahrt heben.
3, 63, 36;
schaw, wie wir oft von einem jetzt nutz, jetzt schaden heben.
3, 240, 124.
ähnlich: und im fall, wo es nicht sein wil, bei dem ungelenken man, und nicht zu heben ist ein zeugnis von h(erzog) G(eorgen) ewres redlichen wandels, so habt ir daran mehr denn gnug, das beide gott und die welt .. zeugen, das ir christlich und allein um Christus willen solchs thut und leidet. Luther 5, 508ᵃ;
man diene gott, mit mäszig leben,
doch so, dasz man nicht mangel leide,
das ist dem höchsten keine freude,
wer damit wolt den himmel heben.
Simpl. 1, 82 Keller;
du hast den weinstock sampt den reben
weit aus Egypten wollen heben.
Opitz psalmen s. 156;
diesz siegel nur kann nichts zerreiszen.
du schwaches gefäsz von fleisch und blut,
du hobst es.
Wieland 18, 226;
nun du deinen mann in dem hamen hast, must dus auch fein schlau anfangen, dasz du ihn hebst. Schiller räuber 2, 3.
13)
hieran knüpft die formel heben und legen, eigentlich einkünfte erheben und steuern oder lasten erlegen, daher vortheile und lasten tragen (Schm. 2, 138): darby er dann nit anders finden .. könnte, dann das sy in begertind under ze trucken, also das er allein irem zwang ergeben sin, und mit inen weder heben noch leggen solte. Hotz Züricher urkundenbuch 1, 58 (v. 1548); dieweil dann alle drey regiment (reuter, fuszvolk, arkelley) zusammen gehören, so ist billich, das sie raht und kriegssachen mit einander beschlieszen, auch sonst mit einander heben und legen. Fronsperg kriegsb. 1, 67ᵃ; sie versprechen als fromme unterthanen und bürger sich zu halten, mit uns zu heben und zu legen, und in wasser und feuersnoth der ganzen lieben gemeine treulich beizustehen. Chr. Weise com. 265. so deutet die formel auch das gesamtverhalten eines in einem bestimmten wirkungskreise an: wie viel sie ihnen (die lehrer den schülern) sonsten, auch dem leibe nach, mit rennen und laufen, mit wachen und leiten, mit vorsorge und wartung, mit heben und legen, in allem ihrem anliegen, sonderlich in krankheiten und dergleichen, gutes gethan haben. Philander 1 (1642) 502; weiter die gesamte ausführung einer sache: das alte testament .. da sie (die Juden) Moses und die propheten inne heben und legen. Luther 8, 122ᵃ, worin sie nur Moses und die propheten kennen, das ihnen mit diesen beschlossen ist; ich hatte zwar die liebste im arm, hingegen aber tausenderlei gedanken im kopf, wie ich meine sache heben und legen wolte. Simpl. 1, 338 Kurz. in Tirol heiszt heben und legen einem kranken alle hilfe angedeihen lassen. Fromm. 6, 147.
14)
heben als technischer ausdruck in der rechenkunst, compensare: zehn gegen zehn hebt sich; gegenseitige foderungen, insofern sie auf denselben gegenstand gehen, wirken als einander gegenseitig hebend (compensation). Hugo heut. röm. recht (1826) 302;
ihr wille gegen meinen!
eins gegen eins,
mich dünkt es hebt sich!
Göthe 33, 243.
15)
heben geht endlich aus dem begriffe des weghebens in den des beseitigens, entfernens über: will man nun sagen, trösten hiesze, die schmerzen der seelen vertreiben, oder lindern, die aus dem leiden des leibes bei einem siechen menschen entspringen: so fragt sichs nur, wie man diese verringern oder heben kann, wenn man jene nicht vermindert oder wegschafft? Gellert 5, 31; einen widerspruch heben. Kant 4, 85; es ist geschehen! gehoben das furchtbare hindernis! Schiller kab. u. liebe 4, 8; (Mittler) war der mann alle sorgen zu heben und alle augenblicklichen hindernisse bei seite zu bringen. Göthe 17, 299; das hindernis ist gehoben. 20, 188;
und hübe deine rede jeden zweifel.
9, 95;
in einem augenblicke soll entstehn,
was jahre lang bereitet werden sollte,
in einem augenblick gehoben sein,
was mühe kaum in jahren lösen könnte.
189;
E. entgegen treibt mich dir die höchste noth.
G. ist sie zu heben möglich, sei mirs pflicht.
361;
am ende, freund, ists nichts als atonie der seele,
die leicht zu heben ist.
Wieland 18, 180;
und das band der länder ist gehoben,
und die alten formen stürzen ein.
Schiller 101ᵇ.
16)
nur biblisch ist heben, ein hebopfer bringen, und von Luther nach hebe 5 (sp. 718) verwendet: desselben speisopfer heben zum gedechtnis, und anzünden auf dem altar. 3 Mos. 2, 9; alles fett des sündopfers sol er heben. 4, 8; wie ers hebt vom ochsen im dankopfer. v. 10; es sol einer heben seine hand vol semelmelhs vom speisopfer, und des öles, und den ganzen weirauch der auf dem speisopfer ligt, und sols anzünden auf dem altar. 6, 15; auf das sie nicht entheiligen das heilige der kinder Israel, das sie dem herrn heben. 22, 15; den zehenden der kinder Israel, den sie dem herrn heben. 4 Mos. 18, 24; alles golds hebe, das sie dem herrn huben. 31, 52; das sol nu das hebopfer sein, das ir heben sollet. Hes. 45, 13.
17)
vergl. abheben, aufheben, ausheben, beheben, davonheben (2, 865), einheben, emporheben, entheben, entgegenheben, erheben, fortheben, geheben, herheben, heranheben, herausheben, herunterheben, hinheben, hinwegheben, losheben, nachheben, niederheben, überheben, verheben, vorheben, wegheben, zurückheben.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,II (1877), Sp. 721, Z. 1.

höber, m.

höber, m.
1)
höcker: sprünkelicht hüner, mit höbern, gibberae sunt. Alb. Hh 2ᵇ. vgl. unten hofer und huber.
2)
auch hufner, hufenbesitzer, in fränkischen denkmälern. weisth. 1, 608. 609. s. unter huber.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1590, Z. 53.

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Zitationshilfe
„höber“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6ber>, abgerufen am 19.10.2021.

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