Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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hoch, adj. und adv.

hoch, adj. und adv.,
altus, alte.
A.
Form und verwandtschaft. goth. hauhs; alts. hôh; ndl. hôg; fries. hâch; ags. heáh, engl. high; altnord. hâ-r; schwed. hög, dän. höi, althochd. haoh, hôh, mhd. hôch. der schlieszende stammhafte consonant des wortes hat mehrfach eine schwankende stellung, während er sich bisweilen zu g verdichtet (so dasz auch schon im ags. die nebenform heágost der höchste, fries. hâgera höher erscheinen), ist er anderwärts verflüchtigt oder verschwunden, und wie im altnordischen die form hâ-r ausschlieszlich waltet, so ist schon ags. heá neben heáh verbreitet genug, und ahd. wie mhd.neben hôch gewöhnlich; ein abfall des schlieszenden stammconsonanten, der bis in die älteren nhd. zeiten durch bestimmte schreibung bezeugt ist:
ach junger helt, der zaun ist ho,
darumb so schrei zu frue nit fro.
fastn. sp. 130, 24;
so stürzt sie doch zuletzt die hogestiegne pracht.
v. Haugwitz Maria Stuarda 4, 203;
im superlativ:
suͦchstu in gelt den hösten hort.
Schwarzenberg 145ᵃ.
abgesehen von diesem ab- oder ausfall hat sich seit den mhd. zeiten die stellung des stammschlieszenden consonanten im ganzen so geregelt, dasz derselbe zu einem fast unhörbaren hauche zurückgeht, wenn ihm ein bildungs- oder flexionsvocal folgt (geschrieben h: ir hôhiu minne Nib. 509, 4; ein hoher berg; höhere töne); dasz er aber kräftig (und alsdann ch geschrieben) im auslaute und wenn unmittelbar consonanten folgen, sowie dann hervortritt, wenn das wort das erste glied von compositen bildet. doch wird sich diese stellung des stammesschlusses immer nur eigentlich in dem kreise der schriftsprache bewegt haben, denn noch heute halten die mundarten sowol des mittleren als des oberen Deutschlands an dem stärkeren laute (ch) in allen verhältnissen fest, so dasz ein hocher berg wie der höchste berg gehört wird. schriftsteller, die der mundart einflusz auf sich gestatten, bringen dies vereinzelt in die schriftsprache: wann die jungen kinder schätzen ain klaine gab als einen apfel oder ain schellen höcher dann die ganzen welt. Keisersb. granatapfel 1510 B 3ᵃ;
o ihr verborgne ritzen
in hocher felsen spitzen.
L. v. Schnüffis mirant. flötlein (1682) s. 29;
auf den hochen ehrenthron.
s. 308.
Für die ältere sprache ist der superlativ höhest und hohest neben höchst gebräuchlich: gottes höheste lesterer. Luther 3, 516ᵇ; gesegnet bistu tochter, vom herrn dem höhesten gott. Judith 13, 23; dises buch ist der hohest schatz der uff erden bleibet. Melanchthon anrichtung der lat. schul (Bonn 1543) A 3ᵃ;
glänzt sternenhell, und schaut des höhsten angesicht.
Rompler 100.
hoch, goth. hauh-s scheint seiner bildung nach ein redupliciertes intensivum zu sein, dessen reduplicationssilbe, wie es ja auch sonst weise der intensiva, dem vocale nach möglichst schwer ausgeprägt ist. die zu grunde liegende wurzel hu, unverschoben ku hat im allgemeinen den begriff des schwellens und wachsens, verschiedenartig hervortretend in griech. κῦμα welle, woge, κυμάς schwangere, lat. cu-mulus haufe, redupliciert in slav. kuku gewölbt, krumm, litt. kaukaras hügel, anhöhe; auch das goth. hiuh-ma haufe, menge, ist in gleicher weise gebildet.
B.
Bedeutung. die bedeutung von hoch hat sich in bezug auf ort, zeit und grad manigfach entwickelt.
I.
hoch örtlich, erhebung über einen punkt der ebene bezeichnend.
1)
ohne beigesetztes masz, von dingen, die in bedeutender weise ansteigen: hohe berge; hohe bäume; ein hohes haus; trat auf einen hohen felsen. 2 Macc. 14, 45; (die stadt) hatte grosze und hohe mauren. offenb. 21, 12; hohes wasser, alveus plenus, inundans proxima loca humiliora Frisch 1, 457ᵇ;
sie trug mich auf ein hohe stigen.
fastn. sp. 119, 15;
gleich einem kahn auf hohen wogen.
Wieland 22, 185 (Oberon 4, 65);
silberfarben dein (des mondes) kleid, wenn du vom hohen gewölb
deines himmels die stadt und das dörfchen beschaust.
Hölty 67 Halm;
der ahorn und die linde wehn
mir bange seelenschauer,
und hohe, düstre schatten gehn
rings an der kirchhofmauer.
s. 173;
durch alte städte thät ich wallen
und sah die hohen münster an.
Uhland ged. 223;
bis der könig sank in der hohen halle.
225;
noch éine hohe säule zeugt von verschwundner pracht.
392.
technisch: ein hoher ofen, zum schmelzen der erze, vgl. hochofen;
da ritt in seines zornes wuth
der graf ins nahe holz,
wo ihm in hoher öfen glut
die eisenstufe schmolz.
Schiller gang nach dem eisenhammer.
2)
auch von dingen die in einer bedeutenden erhöhung sich befinden: in bergstädten gibt es eine hohe strasze, die über den andern straszen gelegen ist (verschieden von hohe strasze unten III);
auf einen hohen altan trat.
mückenkr. 1, 452;
das hohe meer, die hohe see, die offene see, die vom strande aus gesehen höher zu liegen scheint:
du hast das hohe meer durch dein gebot erfunden.
Fleming 28;
doch so fähret der fischer dem hohen meer zu.
Göthe 1, 335;
der hohe himmel; als ausruf:
hilf, reicher Christ vom himmel hoch!
Uhland volksl. 261;
gott im hohen himmel!
H. v. Kleist Käthchen 5, 11;
die hohe sonne:
hohe sonne, du weilst und du beschauest dein Rom?
Göthe 1, 282;
das hohe Deutschland nannte man den südlichen gebirgigen theil des reiches, gegenüber den niedern ebenen: Hochteutschlant, Norica, Teutonia. voc. inc. theut. h 2ᵇ; (meinen sohn schickte ich) gen Straszburg oder in eine andere kaufmansstadt des hohen Teutschlands. Schuppius 736; vgl. unten hochdeutsch.
3)
auch von körpern und körpertheilen, die ansteigen: er ist ein hoher, stattlicher mann; ein mann von hohem wuchs; die Emim haben vor zeiten drinnen gewonet, das war ein gros, stark und hoch volk (ἔθνος μέγα καὶ πολὺ καὶ ἰσχύοντες septuag.). 5 Mos. 2, 10; ein gros, hoch volk, die kinder Enakim (λαὸν μέγαν καὶ πολὺν καὶ εὐμήκη sept.). 9, 2; er hat eine hohe stirne; hohe schultern haben; éine hohe schulter im gegensatz zu der andern, niedrigern; er hat einen hohen rücken, ist ausgewachsen; eine schöne mit hohem busen, vgl. unten hochbusig; die hohe ader, hervortretende, spannader: daher essen die kinder von Israel kein hohe ader auf dem gelenk der hüfte .. darumb das die hohe ader an dem gelenk der hüft Jacob gerüret ward. Luther 4, 182ᵇ;
Achilles war hoch von statur.
Weckherlin 370;
es steigt das riesenmasz der leiber
hoch über menschliches hinaus.
Schiller kraniche des Ibykus;
an wuchs und antlitz hoch und hehr.
Bürger 37ᵃ.
hier öfter mit specieller nebenbedeutung: hohes leibes sein, schwanger: da sie in ihrem 6 jährigen ehestande noch niemals so glücklich gewesen, hohes leibes zu sein. Felsenb. 3, 389; bis endlich der hohe leib dieser dame ihre unziemliche liebe jedermann offenbarte. Guirsfeld histor. rosengeb. 778; sie (eine schwangere) sieht auf ihren hohen leib. Klinger 5, 335; die hohe nase, als zeichen von hochmut und verachtung (vgl. die nase hoch tragen unter 7):
sie ist nicht stolz, wie die nach standsgebühren
geehrten fräulein oder fraun,
dîe auf uns sünder, die das von nicht führen,
mit hoher nase niederschaun.
Hölty 180 Halm;
vgl. hochnäsig. — Von thieren:
rasch galoppirt ein graf hervor,
auf hohem ross ein edler graf.
Bürger 36ᵇ.
bildlich: auf hohem rosse sitzen, traben, stolz, übermütig sein; vgl. hochtrabend: das exempel dient uff böse exempel geben, als ordenslüt thuͦn, die etwan hohe rosz reiten, dadurch die edlen etwan geergert werden. Pauli schimpf u. ernst 50 Österley.
4)
der gegensatz von hoch, tief, wenn eine absenkung unter den punkt der ebene bezeichnet werden soll, oder niedrig, wenn nur eine mindere erhebung angedeutet wird, ist oft mit hoch verbunden: der himel ist hoch und die erden tief. spr. Sal. 25, 3; der herr ist hoch und sihet auf das nidrige. ps. 138, 6; es war nie kein berg so hoch, das thal war so niedrig. Schottel 1144ᵃ;
sô hôher berg, sô tiefer tal,
sô hôher êr, sô tiefer val.
Boner edelst. 39, 37;
auf! seelen, tretet doch zum heiland mehr herbei,
und schaut wie niedrig er, wie klein er worden sei,
der höher als die stern, und tiefer als die erde.
Lohenstein himmelsschlüssel 26;
o diese zeit hat fürchterliche zeichen,
das niedre schwillt, das hohe senkt sich nieder.
Göthe 9, 266.
5)
zu hoch tritt eine maszbestimmung, den begriff fester beschreibend, entweder auf dem wege der composition (vgl. zollhoch, fuszhoch, haushoch, himmelhoch), oder im accusativ: der baum ist dreiszig fusz hoch, das gras ist noch kaum einen zoll hoch; die wogen gehen berge hoch; er macht auch den reuchaltar ... zwo ellen hoch. 2 Mos. 37, 25; zehen eherne gestüle, ein jglichen .. drei ellen hoch. 1 kön. 7, 27; ein haus zwei stockwerke hoch; oder endlich auch im genitiv: und macht im eine leisten umbher einer hand breit hoch. 2 Mos. 37, 12; der hals mitten auf dem gestüle war einer ellen hoch. 1 kön. 7, 31; einer halben ellen hoch. 35; es giengen leisten herumb ... einer quehrhand hoch. Hes. 40, 43; es war dreier gemach hoch. 42, 6; die edle geschichtschreiberin der feen beschreibt sie als eine kleine frau, einer hand hoch. Wieland 11, 94, anm. 10;
die alten moosbedeckten eichen dort,
ich sah sie alle einer lanze hoch!
18, 23;
(wenn) er glorreich eines hauptes höher
als zehntausend alltagsmenschen ragt.
Bürger 87ᵇ.
6)
anderwärts, wenn gruppierung und gliederung von massen angegeben wird, betont hoch mit näherer maszbestimmung erstreckung vom messenden weg nach dem hintergrunde: eine gute zugordnung insgemein ist 5 schuh breit und 10 schuh hoch. Böckler kriegssch. (1668) s. 555. so auch in dem abgeblaszteren: sie kamen zehn mann hoch angerückt, wo ursprünglich das aufmarschieren hinter einander gemeint ist.
7)
besonders hervorzuheben ist hoch in einer reihe fester fügungen als praedicatives adjectiv mit verben der bewegung oder der ruhe: die hand hoch heben;
da hebt er hoch die hände, der ritterliche greis:
der fink hat wieder samen: dem herrn sei dank und preis!
Uhland ged. 370;
den kopf hoch halten; machet die thore weit, und die thüren in der welt hoch. ps. 24, 7; er trägt das haupt hoch, als zeichen des stolzes oder des selbstvertrauens; da müszte sich der hochmuth einmal legen, da wagt' es keiner mehr, den kopf so hoch zu tragen. Arnim schaub. 1, 313; eine art (menschen), die ire augen hoch tregt, und ir augenlied empor helt. spr. Sal. 30, 13;
stumm weide, gleich dem thiere fern,
in staub gebückt, der thor.
wir, hoch das antlitz, singen gern
mit bien und lerch im chor.
Voss 6, 90;
trägt hoch das haupt mit goldner kron:
er dünkt mir wohl ein könig.
Uhland ged. 385;
ob armuth euer loos auch sei,
hebt hoch die stirn, trotz alledem!
Freiligrath ges. dicht. 3, 42;
die nase hoch tragen, zeichen des hochmuts (vgl. oben 3): ei die alte lehre! du sollst die nase nicht allzuhoch tragen. Engel phil. f. d. welt 69;
ha! wie sie hoch die nase trägt.
Gotter 1, 82.
ebenso einen hoch über die achsel, über die hohe achsel ansehen, mit verachtung; etwas auf die hochachszlen nemmen, etwas aufnemmen, alsz ob es ausz stölze und übermuͦt geredt wäre, accipere aliquid in superbiam. Maaler 226ᵈ. einem den brotkorb hoch hängen, ihn darben lassen; man soll ihm den brotkorb höher hängen. Simrock sprichw. 69; die trauben hängen hoch;
wol! wol! tretet nur für das loch,
und hebt den hindern wacker hoch.
A. Gryphius 1698 1, 739.
8)
hoch, als adverb der richtung in begleitung entsprechender verben: bawet sein heiligthum hoch. ps. 78, 69; der sich so hoch gesetzt hat. 113, 5; die könige leszt er sitzen auf dem thron imerdar, das sie hoch bleiben. Hiob 36, 7; so inen (den gemsen) nachgejagt wirt, so steigend sy ye lenger ye höcher auf die felsen. Forer thierb. 64ᵃ; faule arbeiter heben hoch auf (den arm) und schlagen hernach niemand. Schottel 1144ᵇ; hoch gnug und weit davon ist gut für den schus. 1144ᵃ; der Main ist hoch entsprossen. Pistorius 7, 81; steige nicht zu hoch, so fällst du nicht zu tief. Simrock sprichw. 533, und danach incorrect mit adjectiver stellung die hohen steiger fallen gern. Schottel 1132ᵃ. bildlich:
je höher dein erkenntnisz steigt,
je mehr wird diese (die liebe) steigen.
Gellert 2, 134;
hoch aufhorchen, an das 'spitzen der ohren' erinnernd: Ekkehard horchte hoch auf. Scheffel Ekkeh. 81. technisch, in der jägersprache: hoch beschlagen ist ein thier oder wildpret, wenn es trächtig oder tragbar ist und nunmehr bald setzen will. Jacobsson 2, 268ᵃ; hoch gehet der hirsch, wenn er völlig verendet hat und gut bei leibe ist. das.; hoch beschuhet sagt der rosshändler vom pferde, dessen weiszes merkmal am fusze gar zu hoch heran geht. 6, 89ᵃ;
die geometria lert Euclites,
die misset hoch, tief, eng und weit.
fastn. sp. 741, 16;
si schuszend doch vil zuͦ hoch.
Liliencron volksl. 2, 97, 12;
das war ein grill, gar guter art,
zu kriegshändeln mit fleisz gespart,
abgericht sich hoch zu erheben,
zu springen über alle gräben.
mückenkr. 1, 799;
wie hoch ein floh im dunkeln springe?
Wieland 10, 166;
die myrthe still und hoch der lorbeer steht.
Göthe 1, 177;
híer musz ich ruhn,
ich kann nicht höher klimmen.
Ramler 2, 13;
das kleinste seh ich zu höchst sich schwingen.
Platen 55;
hoch und höher schwebten beide
durch des himmels glanz und wonnen.
Uhland ged. 279.
in einem zweideutigen satze:
ein man, der frauen dienen wil,
der bedarf gesangs und seitenspil,
damit er hoch und nider reicht.
fastn. sp. 743, 15;
das herz schlägt hoch, in der erregung:
nicht, dasz beim kommen oder scheiden,
das herz ihr höher schlug.
Wieland 22, 170 (Oberon 4, 44).
Die richtung ist durch zusätze näher bestimmt: hoch am himmel streichen die wolken;
doch mich leitet die andacht auf starken brennenden flügeln
hoch in die wolken, und läszt mich die hälfte der erde beschauen.
Zachariä tageszeiten (1757) s. 13;
hoch auf dem fernen ufer stand
ein schwarm von gaffern, grosz und klein.
Bürger 36ᵇ;
die schnell auf flügeln Dädals eilen,
hoch über meer und über land.
Ramler 1, 26;
sind blitz und donner unter mir,
so steh ich hoch im blauen hier.
Uhland ged. 21;
in gras und blumen lieg ich gern,
... wenn hoch oben hin
die hellen frühlingswolken ziehn.
36.
sogar nach dem hier auffallenden superlativ höchst:
ders glöcklein gegossen, der gieszt nicht um lohn,
der gieszer sitzt höchst auf dem himmlischen thron.
Arndt gedichte 333.
Ungewöhnlich und incorrect ist die bedeutung von der höhe, aus der höhe: ich bin zwar hoch gestiegen, aber auch hoch gefallen. Schuppius 132;
in den öden fensterhöhlen
wohnt das grauen,
und des himmels wolken schauen
hoch hinein.
Schiller glocke 217;
aber schon alt: dann eʒ ain wênich hœher velt. Megenberg 89, 1. Auch maszbestimmungen können zu dem adverb treten (vergl. oben 5): er wohnt zwei treppen hoch; die see geht häuser hoch;
der kiehl sasz auf dem felsz, es schlug der zorn der wachten
kajuten hoch und mehr.
Fleming 80.
9)
hoch im sinne von oben bei citaten: Merkurs kinder reuten ein apfelgrawes pferd, wie hochgedachter Eulenspiegel. Fischart groszm. 92; zum unterhalt für hochbesagtes reichsgericht. Möser patriot. phant. 2, 311.
II.
hoch von der zeit.
1)
von der tageszeit, und hier zunächst an den hohen stand der sonne angelehnt: es war schon hoch am tage oder am hohen tage; laszt uns hinauf ziehen, weil es noch hoch tag ist, ei es will abend werden, und die schatten werden gros. Jer. 6, 4; bis zum hohen mittage lief ich athemlos. Schiller 709;
das blaue schlosz des himmels
entfärbt sich ob der that. von stürmen desz getümmels
erblaszte Cynthia samt ihrer güldnen schaar,
und eilet an die wacht, als es noch hoch tag war.
Fleming 10;
dann auch allgemein: wie hohe zeit haben wir?;
S. wie hoch ists an der zeit? G. glock halb auf zwölf.
H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 3, 6;
in diesem augenblick schlug die schloszglocke zwölf. es ist hoch mitternacht, sagte der graf lächelnd, und eben gerechte zeit. Göthe 17, 126; selbst von der sommerlichen jahreszeit: im hohen sommer; vgl. hochsommer.
2)
von einem seinem endpunkte zueilenden zeitabschnitt; so von der menschlichen lebenszeit: er hat ein hohes alter erreicht; hohes alter, grandaeritas, senium, aetas decrepita Stieler 36; eine sehr kluge und mäszige matron .. die auch in ihrem höchsten alter .. nie die knütte von ihren händen geleget. Micrälius 3, 389; er war ein mann noch nicht hoch in jahren. Göthe 20, 247;
doch der getreue schläft wohl lange schon
den ewgen schlaf, denn er war hoch an jahren.
Schiller Maria Stuart 5, 6.
in bezug auf schwangerschaft, die ihrem ende zugeht: madame Melina, ungeachtet ihrer hohen schwangerschaft. Göthe 18, 277, vgl. hochschwanger; endlich allgemein, in bezug auf den nahen schlusz irgend einer frist: du hast hohe zeit gehabt, sagt man drohender weise, ferres infortunium si tardius venisses, vel si hoc non fecisses. Frisch 1, 457ᵇ; es war hohe zeit, dasz Sickingens reiter zu uns stieszen. Göthe 8, 96;
jetzt ist es hohe zeit,
dasz du ihr gnädig seist.
Fleming 23;
auf! es ist hohe zeit, dem übel zu entstehn.
106;
komm bruder, lasz uns eilen,
wir haben hohe zeit.
214;
nichtswürdge! — sie ist fort! es war ihr hohe zeit.
Göthe 7, 84.
3)
von längst vergangenen zeiten: die völker des höchsten alterthums; von höherer zeit und kunst sind eine Pallas .. Winkelmann 3, 129.
III.
hoch vom grad.
1)
hervortretend in bezug auf den wert; namentlich
a)
bei zahlen- und preisverhältnissen: etwas um eine hohe summe kaufen; einen hohen preis zahlen; er hat an ihn eine höhere forderung als ich; der anschlag für diesen bau wird sehr hoch; drei ist eine höhere zahl als zwei; er findet ein mittel, gegen ein geringes darlehn ein hohes procent zu erhalten. Gellert 7, 67; einen hohen gewinn machen; um einen hohen einsatz spielen, und daher auch synekdochisch ein hohes spiel spielen;
sind des richters ohren zu? mache du die hand nur auf,
recht hat jetzt, wie alles ding, einen eben hohen kauf.
Logau 3, 248, 171 ('feile gerechtigkeit').
daran angeschlossen in adverbialer stellung: ich habe es hoch zahlen müssen; etwas hoch kaufen; das kommt ihn hoch zu stehen; eine waare hoch im preise halten; und wer wein höcher geb, der solt 11⁄2 dn. geben. d. städtechr. 4, 39, 3; wie man sie das flesch höher hiesz geben. 5, 168, 1; mit einer durch das verbum scharf hervorgehobenen bildlichen wendung die preise sind hoch gestiegen; nachdem der lohn in wenig jahren etwas hoch gestiegen. reform. guter policey (Augsb. 1548) tit. 24, § 2; hoch spielen, wie schon mhd.:
wand er gerne hôhe spilt.
Flore 4669;
ir spilnt hôhe od nidere.
4767;
und daher auch:
friunt, sprach er, nû nement war
wie hôhe ir wellent bieten (als spieleinsatz).
5069.
b)
an diesen gebrauch von hoch lehnen sich freiere fügungen an; so unpersönliches hoch kommen (vgl. th. 5, sp. 1661 no. 25), das wol zunächst an die stellung der rechenpfennige auf dem zahltische anknüpft: unser leben wehret siebenzig jar, wens hoch kompt, so sinds achtzig jar. ps. 90, 10; denn der nächste verwandte dieser redensart scheint das vollere und persönliche hoch ans bret kommen zu sein, wo dann die bedeutung von hoch unten 2, e eingreift:
er denkt nicht wie er komm hoch an das bret für allen,
und könne königen und herren wolgefallen.
Opitz 1, 154;
kürzer auch hoch dran kommen:
es kritzlet selber mich im sinn,
das ich so hoch dran kummen bin (als kanzler).
Murner geuchm. 905 Scheible.
unter bret th. 2, sp. 374 ist die redensart anders bezogen. ferner einem etwas hoch anrechnen, nach der lobenden wie der tadelnden seite hin: Engländer und Franzosen rechnen es sich einander hoch an, wenn sie einige lebende sprachen gelernt haben. Klinger 11, 106; hoch schätzen, wo das verbum bestimmt auf zahlenverhältnisse hinweist, und das gleichbedeutende hoch achten: (wie wenn du fragest) einen kaufmann, wie hoch er deine wahr, gegen seine achten wölle? Syr. 37, 12; als ich seine gaben wirklich sehr hoch schätzte. Göthe 26, 252; achtet euch unternander einer den andern höher, denn sich selbs. Phil. 2, 3; auch zusammengerückt geschrieben: es ist mir nicht eingefallen sie hochzuachten, geschweige zu lieben. Rabener 3, 206;
es stehe wer da wil hoch an des glückes spitzen,
ich schätze den für hoch, der kan hier unten sitzen,
da keine hoffart ist.
Opitz 1, 158.
ebenso von einem eine hohe meinung haben; mein onkel hat einen so hohen begriff von ihrem eifer. Gotter 3, 27; er hat einen zu hohen begriff von seinem werth. Göthe 57, 13.
c)
auch die superlative formel aufs höchste, zum höchsten ist aus ähnlicher anschauung erwachsen: wenn wir um fünf uhr aufs höchste nicht oben gewesen sind; so ist der ganze procesz zum henker. J. E. Schlegel 2, 76; zu was sind sie (die galgen) auch nütze? zu nichts, als aufs höchste, dasz unser einer, wenn er vorbei geht, die augen zublinzt. Lessing 1, 305; alle ihre übrigen regeln können, aufs höchste, nichts als ein schulmäsziges gewäsche hervorbringen. 5, 70; und was wagen wir? zum höchsten unser leben. Göthe 8, 268. vgl. höchstens.
d)
der hohe norden geht wol von der hohen zahl der breitegrade aus, unter welchen die zu ihm gehörigen länder liegen: alsobald that sich als erwünschte vermittlerin die schöne kunst (des schrittschuhlaufens) hervor, welche die ersten raschen wintertage zu verherrlichen und neues leben in das erstarrte zu bringen im hohen norden erfunden worden. Göthe 22, 100; daher adverbial: da diese elenden (die Eskimos) als bärtige fremdlinge von den unbärtigen Amerikanern hoch hinaufgedrängt sind. Herder zur philos. 5, 6.
e)
hoch steht allgemeiner, bei eigenschaften, thaten, besitz, in groszer manigfaltigkeit, wo es wert, güte, hervorragen des substantivbegriffes hervorhebt, auch bei personen, die sich durch derartige eigenschaften auszeichnen: Albrecht Dürer, ein hoher kopf. Agricola sprichw. no. 379, auslegung; hocher redner, altiloquus, vulg. ein trostiger reder. voc. inc. theut. k 2ᵇ; das ist der unterschied zwischen hohen und niedrigen gemüthern. Weise politischer redner 335; das sind hohe gemüther, welche allezeit etwas sonderliches haben wollen. 316; in jedem edeln herzen brennt ein ewiger durst nach einem edlern, im schönen nach einem schönern; es will sein ideal auszer sich in körperlicher gegenwart .. erblicken, um es leichter zu erstreben, weil der hohe mensch nur an einem hohen reift, wie man diamanten nur an diamanten glänzend macht. J. Paul Tit. 1, 7;
du warfst die hülle von dir,
die mit der körperwelt dich hohen geist verband.
Ramler 2, 40;
den hohen mann, ...
den göttergleichen Agamemnon.
Göthe 9, 4;
sie,
das hohe kind, wird euren plan vereiteln.
286;
treffliche personen von hohen sitten. 28, 254; er begegnet ihm mit hoher achtung;
vil haben durch natürlich art ...
inn hoher tugent vil volbracht.
Schwarzenberg 156ᵈ;
zu hoher tugendt stundt ir sinn.
157ᵃ;
ihn, der hohe tugendthaten übte.
Hölty 62 Halm;
habt der väter ihr gedacht,
manche hohe that besungen,
aus der vorzeit dämmerungen.
Uhland ged. 5;
und bin ich nicht geboren
zu hohem heldenthum.
70;
göttinnen ... sind eine gute art von frauen,
ihr hoher stolz sitzt in der miene nur.
Wieland 10, 173;
die hohe schönheit, die ewig in mir stralet. J. Paul Hesp. 1, 61;
nun glaub ich wohl, wie mirs in sinnen steht,
dasz eure freundin hohe schönheit trägt.
Uhland ged. 424;
also prangt die natur in hoher, voller erscheinung.
Göthe 1, 328;
weil gott
mit reicher schönheit ihren leib geschmückt,
mit hohen wundergaben sie gesegnet.
Schiller jungfrau, prolog 2. auftr.;
eine poesie (wie die französische), welche alles grosze, die vulkane der leidenschaften, die hohen formen des herzens und des geistes, höchstens zu schaugerichten ausgebacken, auf spiegelplatten aufträgt. J. Paul vorsch. d. ästh. 3, 20; (der kolossalkopf des Antinous) ist von .. groszer und hoher kunst. Winkelmann 6, 303; die hohe schöne ruhe mischt sich darin (in der elegie) so schön mit der leidenschaftlichen farbe des augenblicks. Schiller an Göthe 248; umb der hohen liebe willen, so er hie an Christo sihet. Luther 6, 357ᵃ; sage ich euch hohen und groszen dank. Schuppius 424; mit hohem dank ein ding aufnemmen, aequo animo aliquid accipere Maaler 230ᵃ; für diese hohe gnad will ich deinen schatten ehren. Schuppius 792; da die bürger zu Jerusalem in höchster sicherheit lebten. 186; dasz die Hetrurier .. ienen hohen frieden genossen. Winkelmann 3, 171;
auch ihr, der staaten friedliche wächter, habt
ein hohes recht an unsern geflügelten gesängen.
Ramler 1, 86;
gröszer und höher werk (als die übergabe des augsburgischen bekenntnisses) .. ist nicht geschehen von der apostel zeit an, Schuppius 842;
was ihr begehrt (der ritterschlag) ist eine hohe sache,
die nur ein tadelloser bitten soll.
Uhland Ludwig 72;
die äuszere luft ist in hohem grade dephlogistisirt. Herder zur phil. 5, 6; in hohem grade wunderbar erscheint uns alles beim ersten hinabschauen vom Brocken. H. Heine 1, 78; glücklich ist dein loos, auch nur éinen gerettet zu haben; du findest hohen lohn in deiner that. Klinger 5, 23;
o frau das wer mein hochste lab.
wan ir neur hie mit worten mir
ganz treu vergecht nach meiner gir.
fastn. sp. 130, 20;
ohne wein und witz und freude,
was ist da der höchste schmaus?
Gökingk 1, 142;
eine hohe fahrt, eine weite, wichtige:
gerne gönnen wir die schnellste reise,
gern die hohe fahrt dir; güterfülle
wartet drüben in den welten deiner.
Göthe 2, 75 (seefahrt);
wie mhd.: sît si der hôhen verte heten nu gegert.
Nib. 356, 1;
hier gelangt ein wohldenkender geschäfts- und hofmann durch mancherlei trübsale zu hohen ehren. Göthe 24, 223;
der mir sô hôher êren gan,
got müeʒe im êre mêren.
Walther 18, 23;
das höchste gut. Kant 7, 317;
das leben ist der güter höchstes nicht,
der übel grösztes aber ist die schuld.
Schiller braut v. Messina, schlusz;
so kenn ich in Europa keinen fürsten,
dem ich mein höchstes kleinod, meine freiheit,
mit minderm widerwillen opfern würde.
M. Stuart 2, 2;
komm du hervor, du bringer bittrer schmerzen,
mein theures kleinod jetzt, mein höchster schatz.
Tell 4, 3.
f)
hoch, in bezug auf willen und macht, kann durch stark, gewaltig umschrieben werden: der du dein volk aus Egyptenland gefüret hast, mit starker hand, mit groszer macht, und hoher gewalt. Baruch 2, 11. bildlich und an die sinnliche bedeutung des adjectivs angelehnt: mit einem hohen arm (μετὰ βραχίονος ὑψηλοῦ) füret er sie aus dem selbigen (Egypten). apostelgesch. 13, 17;
so manches jahr bewahrt mich hier verborgen
ein hoher wille, dem ich mich ergebe.
Göthe 9, 3.
g)
in bezug auf schicksal, strafen, schmerz, schmach, zwietracht, wo es das schwere, drückende bezeichnen will: das ist bei hoher strafe verboten; bei höchster strafe gebieten, supremo supplicio sancire Frisch 1, 457ᶜ; höhers und kümerlichers herzenleid mag einem auf erden nicht zustahn. Garg. 214ᵃ; mit hohen schmerzen sprach sie dieses stumme nein. J. Paul Titan 3, 81;
und kam so hoch derselbig span,
das auch die Franciscaner han
sich in die vierzehen sect getrent.
Fischart dicht. 1, 148, 611 Kurz;
schande, wenn ich was versagte,
hohe schande wär es mir!
Bürger 5ᵇ;
(das leiden) das ein hohes schicksal uns auflegt.
Göthe 40, 328;
in hoher noth sein; in hoher noth stecken; hohe noth, ingens urgens necessitas Frisch 1, 457ᵇ;
da zeigte mir gott, zu dem ich rief,
in der höchsten, schrecklichen noth,
aus der tiefe ragend ein felsenriff.
Schiller taucher;
auch: ach eile, weil die noth ietzt in dem höchsten ist,
weil du mein einge hülf und starker beistand bist.
Fleming 20;
mhd. der küneginne rîche
ir ougen fuogten hôhen pîn,
dô si gesach den Anschevin.
Parz. 23, 23;
die eltern waren um das kind in hoher angst; die höchste sorge haben; hohe brüche, delicta majora Frisch 1, 457ᵇ; davon hab ich ihn kaum noch durch meine höchste erniedrigung abgebracht. Schiller kab. u. liebe 3, 2. — Der superlativ substantiv: einen aufs höchste treiben, zur verzweiflung:
wie scharf und schnell sein zahn das feine gift
mir in das blut geflöszt, wie er das fieber
nur mehr und mehr erhitzt — du denkst es nicht!
gelassen, kalt, hat er mich ausgehalten,
aufs höchste mich getrieben.
Göthe 9, 192.
h)
in bezug auf krankheit bezeichnet man mit dem substantiv gebrauchten superlativ das höchste die epilepsie: das höchste. med. maulaffe 307;
der alte bekam vor ärger das höchste, und blau
ward er.
Z. Werner der 24. febr.
i)
hoch in bezug auf pflicht und eid:
inn meiner kindheit on verstand,
kam ich inn dieses closters band,
desz pflicht und regel scharpf und hoch.
Schwarzenberg 140ᵃ;
einen hohen eid schwören; einen hohen schwur leisten;
und nimmt in Heinrichs lande
der bürger hohen eid zum frühen unterpfande.
J. E. Schlegel 4, 14.
entsprechend steht hoch adverbial: fieng .. an zu brüllen wie ein ochs und zu wiehern wie ein pferd, dasz .. einer hoch geschworen hätte, es wären rosse und rinder vorhanden. Simpl. 1, 271 Kurz; da sie aber hoch und tewr schwuren, sie wüsten nicht wo er were. 2 Macc. 14, 32; hoch und theur sich verschwörend, er wolte mich nach Amsterdam ins zuchthaus thun. Simpl. 1, 431 Kurz; hoch und theuer schwur er, von dem golde nichts angerührt zu haben. Göthe 15, 198;
mit hoch gethanem eid.
B. Ringwald l. warh. 146.
ähnlich: gesatz hoch und theür gebotten, bei verlurst leibs und guts, oder beim eid gebotten, sacratae leges Maaler 226ᵈ; hoch reden, betheuern: wolt sich nichts underwinden, dann mit ains rats wissen und willen. das redet er als hoch als ers reden mocht. d. städtechr. 5, 203, 18. in einem sprichworte, mit seinem gegensatze verbunden: hoch schweren zeigt an tiefe lügen. Luther 4, 365ᵃ.
k)
hoch, in bezug auf die erkenntnis, forschung, wissen, wo es wichtigkeit und eindringen zeichnet, übrigens das bild tief ebenso berechtigt ist und häufig angewendet wird: das .. verstand und hohe weisheit bei dir funden sei. Dan. 5, 14; Daniel aber ubertraf die fürsten und landvögte alle, denn es war ein hoher geist in im. 6, 3; es stehet einem narren nicht wol an, von hohen dingen reden. spr. Sal. 17, 7; wie aber das zugangen sei, das gott also ruget von allen seinen werken, ist freilich eine hohe frage. Luther 4, 15ᵃ; darumb ists hoch geredt und mus hoher verstand hie sein ('tiefer sinn darin liegen' würden wir jetzt sagen), das gottes gnade und wahrheit, oder seine güte und trew walte uber uns, und oblige. 5, 135ᵇ;
so kann mein geist den hohen rath
des opfers Jesu nicht ergründen.
Gellert 2, 147.
Als prädicatives adjectiv: darumb bekenne ich das ich hab unweislich geredt, das mir zu hoch ist und nicht verstehe. Hiob 42, 3; wandele nicht in groszen dingen, die mir zu hoch sind. ps. 131, 1; solchs erkentnis ist mir zu wünderlich und zu hoch, ich kans nicht begreifen. 139, 6; das der könig foddert (kenntnis eines traumes) ist zu hoch. Dan. 2, 11; wie sollen wir denn die zwei zusamen fügen, das die schrift zeuget .. das gott on unterlas schaffet und wirkt, bis an den jüngsten tag, und hie Moses dagegen sagt, er habe geruget am siebenden tage von allen werken? ich habe sorge, es sei höher denn mans geben künd für den gemeinen man. Luther 4, 15ᵃ; die frag ist mir viel zu hoch. Schuppius 75;
nein, das ist mir zu hoch! jetzt klagen sie mich an,
und sagten nur vorhin, sie hättens selbst gethan!
Göthe 7, 83.
l)
hoch in bezug auf die sinne, gehör, gesicht, geruch.
α)
ein hoher ton, ein durch schnellere schallschwingungen hervorgebrachter, im gegensatz zum tiefen ton: das hohe a; die hohe stimmlage; daher hoch singen; hoch blasen;
doch zumeist, bald hoch bald tiefe,
blus er dieses: 'Heinrich schliefe'.
Freiligrath ges. dicht. 4, 11 (in einem komischen gedichte);
hoch hinauf können, mit der stimme; ein lied zu hoch nehmen, zu hoch anstimmen; so in der trunkenen litanei bei anstimmung des bohnenliedes: man sagt — 'nems nicht zu hoch, bruder'. man sagt — 'ist noch zu hoch'. Garg. 92ᵇ. übertragen: da ich zum ersten das ablas angreif, und alle welt die augen aufsperrete, und sich lies dunken, es were zu hoch angehaben. Luther 5, 53ᵃ; ein instrument steht hoch, hat eine hohe tonlage; hoch spannen, die saiten, dasz sie hoch klingen, tendere chordas ad acutum tonum Frisch 1, 458ᵃ; auch bildlich, im sprichwort: wenn man die saite zu hoch spannt, so reiszt sie. Simrock sprichw. 469;
nâch disen lieden sang ich dô
einen leich mit noten hô
und ouch mit snellen noten gar.
frauend. 422, 14;
und engel stehen da
wie die kapellenmeister
das grosz allelujah
mit uns auf hohen geigen (violinen im gegensatz zu violen),
auf lauten und pandor
zu machen, nichts sol schweigen
im basz, diskant, tenor.
Rist himml. lied. 5, 334.
hoch entwickelt hier gern auch den sinn laut: und prediget fast inn dem höchsten ton, wie Muntzer zu Alstadt und hernach zu Mülhausen. Alberus widder Witzeln G 3ᵃ; hoch pfeifen ist nicht allezeit lieblich zu hören. Lehmann 39;
der Jupiter fragt nichts darnoch,
wann sie (die frösche) schon schreien noch so hoch.
E. Alberus 22ᵃ;
da flog der han ...
auf die hauszthür, und sang so hoch.
164ᵇ;
her domine, lieber here mein,
nu musset ir hoge singen (könnt laut singen, vor freude).
Hildebrand volksl. 253, 31;
sing dises lied, so du hast
gestern früe von uns empfangen,
und thu in hoher stimb anfangen.
J. Ayrer 394ᵈ (1981, 21 Keller);
hört wie die braune kuh im nechsten thale brüllt,
dasz ihre rauhe stimm hoch über feld erschüllt.
Opitz 1, 155;
ich bins ja, der recht geist- und muth- und eivers voll
dich in dem wüsten thal der welt ausrufen sol,
und dich mit hoher stimm in aller ohren nennen!
A. Gryphius 1698 2, 393;
gar stolz die schäferin blicket,
sie ruft mit hohem schall.
Uhland ged. 229;
vergl. mhd. ir (der vögel) sanc was sô mislîch,
hôch unde nidere.
Iwein 617.
aber auch die bedeutung begeistert, von begeisterung gehoben tritt nicht selten hervor:
hoch klingt das lied vom braven mann,
wie orgelton und glockenklang.
Bürger 36ᵃ;
in königlicher weisheit unterwiesen,
von kriegestugend gleich erhitzt,
sind beide hoher hymnen werth.
Ramler 1, 71;
provinzen hätten sie mit wachem blick beschirmet,
in hohes saitenspiel begeisterung gestürmet.
Gotter 1, 91 (137);
und selbst das instrument, das begeisterte töne hervorbringt, wird mit demselben epitheton bezeichnet:
so tönt oft zur silbernen laut und am hohen klaviere
ihre bezaubernde stimme.
Zachariä víer stufen des weibl. alters (1757) 13.
β)
hohe farben, die besonders frisch und scharf ins auge fallen: eine hohe farbe, color floridus, mit hohen farben mahlen, coloribus hilaribus pingere Steinbach 1, 764; die hohen und starken farben hieszen bei den Römern saturi, und die flauen farben und von niedrigerm tone diluti. Winkelmann 5, 193; eine höhere farbe. Mathes. Sar. 79ᵇ;
die blumen, die mit gelb und blau
und roth die flur bemalen,
und unterm hellen morgenthau
in höhern farben stralen.
J. M. Miller gedichte 14;
anmuth und hoheit eröffnen die lippen,
in den höhesten purpur getaucht.
Zachariä vier stufen 12.
γ)
auch vom durchdringenden geruch gilt hoch:
es dampfte die küche
hohen geruch, von braten, pasteten und kräftigen brühen.
Zachariä Murner in d. hölle (1757) s. 15;
vergl.:
hierauf bot sich der rücken des rehbocks, welchen ein förster
vom blocksberge gesandt; er bezeugte die fernere herkunft
durch den erhöhten geruch.
Voss 2, 228 (Idyll. 13, 185).
δ)
dasz endlich auch hoher geschmack, wofür wir jetzt das fremdwort pikant brauchen, in anwendung gewesen, beweist eine bildliche wendung Lessings: ich entsage daher gleich anfangs allen verbindlichen wendungen, sowie aller ironie, womit sie ihrer antwort einen so hohen geschmack zu geben bedacht gewesen. 11, 518.
m)
hoch in bezug auf die empfindung, bezeichnet das hinausragen über das gewöhnliche, alltägliche; so schon mhd. in der so häufig gebrauchten verbindung hôher muot:
tougen minne diu ist guot,
si kan geben hôhen muot.
minnes. frühl. 3, 13;
vil silbergeschirr und rotes gold
ward den eidgenossen zuͦ sold,
darzuͦ ein güldin sessel,
vier hundert und zwenzig büchsen guͦt
machten inen hohen muͦt.
Liliencron volksl. 2, 80, 14;
laszt uns hohen muthes trinken.
Uhland ged. 12;
der schönste der diener trug hohes gemüth.
Bürger 32ᵇ;
hoher sinn, hoher drang:
Rom war nie besser auf, als wie die hohen sinnen
ein niedrigs dach bewohnt.
Opitz 1, 133;
du hast gar einen hohen sinn.
Göthe 1, 190;
bei gott! der graf trug hohen sinn.
doch höher und himmlischer, wahrlich! schlug
das herz, das der bauer im kittel trug.
Bürger 37ᵃ;
es wallt ein pilger hohen dranges,
er wallt zur selgen gottesstadt.
Uhland ged. 210;
in sehr anschaulichem bilde:
hoch und hehr zu jeder frist,
wie die sonn am himmel ist,
heiszt ers (der sänger sein herz) vor den edeln werden.
Bürger 75ᵇ.
in ähnlichen verbindungen: hohe empfindungen, von freundschaft, von verachtung der welt. Kant 7, 381; wolltest du nicht .. unser gefühl nach deinem höhern gefühle spannen. Fr. Müller 1, 9; seine liebe war höher oder seltener. J. Paul Tit. 1, 6;
(dasz du) jetzt der höchsten freundschaft die stunden weihst.
Ramler 1, 115;
du gabst mir schwingen hoher begeisterung!
Stolberg 1, 13;
dem ich das hohe sehnen gab.
Uhland ged. 210;
er ist von hoher wonne trunken.
das.
n)
in gleichem sinne substantiv das hohe: alles hohe und schöne im menschlichen leben;
sie singen von allem süszen, was menschenbrust durchbebt,
sie singen von allem hohen, was menschenherz erhebt.
Uhland ged. 391.
o)
der mensch den solche empfindungen durchziehen, fühlt sich hoch gehoben, hebt sich hoch; weh euch, wenn das gefühl euch nicht höher wirft! Schiller Fiesko 1, 1;
die ewigen gefühle
heben mich, hoch und hehr,
aus irdischem gewühle.
Göthe 1, 98.
eine fügung der ältern sprache ist jetzt ungewöhnlich geworden: der arme wird viel öfter und herzlicher lachen und frölich sein (als der reiche) .. und ist aller angst zu hoch. Butschky kanzl. 469.
p)
in manchen verbindungen geht hoch mehr auf äuszerliches und kann etwa durch stolz, prächtig, hochtrabend umschrieben werden, namentlich wenn es der rede gilt: ampullari hoher und stolzer wort brauchen Dief. 637ᵇ; und ein solcher gebraucht sich itzund hoher wort. Aimon bog. i;
verzeih, ich kann nicht hohe worte machen, ...
mein pathos brächte dich gewisz zum lachen.
Göthe 12, 22;
oder dem ganzen gebahren jemandes: hastu genarret und zu hoch gefaren und böses fürgehabt, so leg die hand aufs maul. spr. Sal. 30, 32, vgl. hochfahrend und hoffart;
sagen: Galenus (als vertreter der medicin) uns reichlich nert,
Justinianus hoch her fehrt (die rechtsgelehrtheit ist vornehm).
B. Waldis Esop 2, 21, 50;
warlich ich musz derer lachen,
die so breit und hoch sich machen.
Logau 3, 178, 27 ('groszsprecher');
mit jemand in einem hohen tone reden; er brauchte gegen mich einen ziemlich hohen ton.
q)
in einer groszen anzahl adverbialer fügungen ist die sinnliche bedeutung von hoch so verblaszt, dasz es nicht mehr wie das adverbiale stark, sehr bedeutet, mit welckem letztern es auch einmal tautologisch verbunden ist:
liebst du mich noch so hoch und sehr,
wie du mir sonst geschworen.
Göthe 1, 217;
das verdrusz nun den von Argun und nam die wort so hoch verübel. d. städtechron. 5, 201, 29; und David der könig frewet sich auch hoch. 1 chron. 30, 9; wiewol über diese nicht gar hoch zu klagen ist. weish. Sal. 13, 6; da sie den stern sahen, wurden sie hoch erfrewet. Matth. 2, 10; denn sie höreten das sie mit zungen redeten und gott hoch preiseten. apostelgesch. 10, 46; weiwol ablas zu lösen nicht geboten ist, jedoch ist er denen, so es bedürfen, hoch zu rahten. Luther 1, 15ᵃ; es ist hoch gnug gott versucht. 3, 85ᵇ; darauf sich das jüdische volk hoch verlies. 233ᵇ; (hat) manchmal den fürsten hoch ersucht. 416ᵃ; (wir sollen) gott .. für unsere feinde bitten, so hoch wir können, das sie gott je nicht lasse fallen in solche angst, so hoch solt uns ir jamer erbarmen. 4, 37ᵇ; das gott sich seiner so hoch annimpt. 80ᵇ; itzt warnet er in so hoch. das.; zwar solche fragen bekümmern mich nicht hoch. 302ᵃ; sie verachten gott und den Türken zu hoch. 439ᵃ; denn ich fürchte nichts so hoch, denn das nicht der teufel umb euch bule, und euch von Christo reisze. 6, 357ᵃ; wenn ein Jüde sich so hoch demütiget, das er beten wil. 8, 102ᵇ; es ist darbei hoch zu gedenken, dasz keine irrung, falsch oder betrug dahinter sei. buch d. liebe 224ᵈ; so den Darison so hoch als sich selbst liebet. Amadis 416; dasz unmüglich, dasz sie ihn höher lieben köndt. 402; diese wort bedachten und erwagen die andren herren gar hoch. Wickram rollw. 161, 6 Kurz; die erkändtnusz der sprachen, wie hoch sie einem prediger von nöten sei. Kirchhof wendunm., vorr.; stilleten unsere mägen, dessen ich dann trefflich hoch vonnöthen hatte. Simpl. 1, 416 Kurz; so dorfte er sich auch meiner nicht hoch annehmen, dann er hatte mit ihm selbst zu thun, sich durchzubringen. 397; euer ehre .. die mir doch so hoch befohlen worden zu beobachten. 3, 13; welches mir denn hoch kümmerlich zu gemüthe gestiegen. Schweinichen 3, 302; dasz er sich über das verlorne vieh so hoch betrübt und bekümmert habe. Schuppius 158; (Christus) der so hoch und inniglich für uns gebeten hat. 390; da er sich denn, wegen der darinnen (in dem handbrieflein) gebrauchten kürze so hoch zu entschuldigen nicht gehabt. Butschky kanzl. 65; o himmel! strafst du mich so hoch! Lenz 1, 91; still! dasz kein mann uns belausche, wie hoch wir uns mit dem abfall seiner fürtrefflichkeit brüsten. Schiller Fiesko 1, 1;
das seinen vater hoch vertrosz.
Theuerd. 104, 82;
das mich so hoch betrübt.
Schwarzenberg 151ᵃ;
all sündt und laster hoch verpeüt.
154ᵃ;
sein lob ist hoch zu melden.
Körner histor. volksl. 223;
bei fürsten, potentaten ...
wirt sein lob hoch erkandt.
217;
es müht sich mancher hoch, zu sitzen oben an.
Logau 1, 184, 73;
Deutsche mühen sich jetzt hoch, deutsch zu reden fein und rein:
wer von herzen redet deutsch, wird der beste Deutsche sein.
2, 162, 13;
das Perseus doch
so unvertrewlich handlet,
mich nicht in stein verwandlet,
die ich es wünsch so hoch!
L. v. Schnüffis mirant. flötlein 24, 11;
die braut holt er jetzt ab zu Imisee,
und diese nacht wird hoch geschwelgt zu Küsznacht.
Schiller Tell 4, 3;
ein schattenbild ist hoch willkommen.
Göthe 3, 126.
vgl. hierzu eine anzahl unten folgender adjectivischer composita, deren begriff durch vorgesetztes hoch verstärkt wird, und die zum ausdruck des superlativen grades gewöhnlich höchst- als erstes compositionsglied zeigen (s. an alphabetischer stelle), wenn auch die gewöhnliche superlativbildung nicht ganz ausgeschlossen ist (vergl. z. b. hochbegabtest unter hochbegabt). — Im comparativ, besser, sorgfältiger: solches .. hub er höher auf als mancher die orientalische perlen. Simpl. 1, 223 Kurz; ausführlicher: grosze not zwingt mich, hoher hie zu schreiben von Ludwico dem kaiser, will ich anders, dasz die nachkomend histori ire ordnung hab. d. städtechr. 3, 125, 4. im superlativ höchst: ich werde solches mit ehestem werkstellig zu machen mich höchst bemühen. Butschky kanzl. 107; bis endlich Nero höchst verursachet worden den kindlichen respect hin- und abezulegen. Schuppius 529; (der pöbel der) das neue höchst verabscheut, das ihn aus seinem gleise leiten will. Göthe 8, 37; was Albert .. gesprochen war Werthern höchst zuwider gewesen. 16, 149; im sinne der zeit, die ein solches erscheinen höchst begünstigte. 26, 145; für mich war der umgang mit Lavatern höchst wichtig und lehrreich. 269;
doch jetzo bitt ich, hoch und höchst,
für diesesmal mich zu entlassen.
Göthe 12, 74.
in der ältern sprache auch aufs höchste, zum höchsten (verschieden von oben III, 1, c sp. 1596): diser irthumb ist zum höchsten dem evangelio entgegen. Melanchthon im corp. doctr. christ. (1560) s. 34; dessen ich dann zum höchsten erschrack. Schweinichen 1, 280; zum höchsten bitten. 288; bedankte mich vor alles mir erzeigte gute zum höchsten. Simpl. 2, 304 Kurz; da die erste welt den erzvater Noa aufs höchste verachtete. Schuppius 186; darauf der schuster aufs höchst lachend, aufgeschrien. 709. noch jetzt häufig er war aufs höchste überrascht, aufs höchste erschrocken.
r)
bei verben des auffassens und empfindens hebt hoch nicht selten ein stark nach der übeln seite hervor (vgl. oben g), etwas hoch empfinden = übel, schmerzlich empfinden: können wir uns allhier leicht einbilden, dasz ihr liebe zuhörer bei euch selbsten anklagen und hoch empfinden werdet der Agrippae desz Neronis mutter grausamen todt, den er ihr anthun lassen. Schuppius 527; sie müssen den trockenen empfang meiner tante nicht so hoch aufnehmen. Schiller neffe als onkel 2, 4; Eduard empfand .. die hindernisse sehr hoch, die man ihm in den weg legte. Göthe 17, 145; erklärte ich ihnen ernstlich die unart und unschicklichkeit ihres betragens. .. diesz nahmen sie etwas hoch auf. 57, 5; und ob ers gleich nicht fordert, fühlt ers doch, und fühlt es hoch, dasz du sorgfältig dich vor ihm verwahrst. 33;
Tasso. ich bin als ein verbrecher angesehn,
und, was mein herz auch sagt, ich bin gefangen.
Alphons. du nimmst es höher, Tasso, als ich selbst.
Göthe 9, 165.
2)
hoch, hervortretend in bezug auf rang und würde (zum theil an oben 1, e sp. 1596 anrührend):
ging die hohe Maria, unwissend der eigenen würde,
die ihr die unschuld gab.
Klopstock 3, 195;
der hohe, dem wir heut uns neigen (Hölderlin).
Freiligrath ges. dicht. 4, 60;
zürnend sprach sie und hoch, die einzige, würdiges wesens.
Göthe 40, 353.
a)
auf geburt und stand zielend: ein mann von hoher abstammung, von hoher geburt; hohe und höchste herrschaften, wie schon mhd. hôhe herren. Berthold 34, 32; das sich bücken musz alle höhe der menschen und demütigen was hohe leute sind. Jes. 2, 17; sintemal ich so schlechten nutzen von meiner hohen geburt zu hoffen. Simpl. 3, 51; davon ihr hohes haus wenig ehr haben konte. 65; dieweil sie ihn allbereit an ein fast hohes haus zu verheurathen versprochen. 66; in seiner hohen familie. Wieland 19, 334; welch einen schönen sommeraufenthalt würden höchste und hohe personen finden. Göthe 43, 336; mit beifall und gnade seiner höchsten gönner. 26, 258; der hohe adel (gegenüber dem niedern);
(eine tochter) diu zuht unde schœne,
hôhe geburt unde jugent, ...
güete und wîse rede hât.
Iwein 6465;
got grusz den wirt von hoher art.
fastn. sp. 97, 4;
je höher einer ist vom stande.
Fleming 502,
vgl. hochgeboren. im devoten stile wird hoch in diesem sinne viel verwendet: der diamantfeste knoten, der die hohen alliirten zusammen verbindet. Pasquini staatsphantasien (1697) 216; etwas von hoher hand bekommen; von hoher hand, e literis vel per manum vel de manu magni viri. Frisch 1, 457ᶜ; selbst in hoher person, ipse praesens. das.; ferner hohen orts, höchsten orts (bei hofe); an höchster stelle (beim fürsten); es ist hohen orts übel vermerkt worden;
der edel ritter hoch genent (Zriny).
Körner histor. volksl. 223.
selbst in misbildungen, auf deren ernsthaften gebrauch ein deutsches wörterbuch nur mit bedauern hinweisen kann, wie hochderselbe, höchstderselbe, allerhöchstderselbe: gnädigste frau! von Bock war so glücklich, höchstdenenselben das strumpfband zu überreichen. Schiller kab. u. liebe 3, 2; Tieck sagt einmal scherzhaft: damit sie der leser, oder ein edles publikum so entgegennehmen, dasz höchst es die geschichte selbst um so annehmlicher oder verständlicher finden, und sein vergnügen daran sich herausstellen möchte. nov. kranz 4, 3. vergl. auch unten hochangeboren, hochermeldet, hochselig, höchstselig u. a.
b)
auch substantiv heiszt es die hohen, proceres, nobiles:
es ist der fluch der hohen, dasz die niedern
sich ihres offnen ohrs bemächtigen.
Schiller braut v. Messina 487;
da ist ein brief; er musz von jemand hohem sein,
das siegel ist sehr grosz, und das papier ist fein.
Göthe 7, 56.
von den göttern:
haben uns die ewig hohen
eine sprache doch vergönnt!
Schiller klage d. Ceres.
c)
hoch, auf den rang weisend: ich achte, ich sei nicht weniger, denn die hohen apostel sind. 2 Cor. 11, 5; mein klügster, liebster und trewester rat, der nach dem könig der höhest ist. stücke in Esther 1, 3; der hohe priester, oft in éin wort (hoherpriester) zusammengeschrieben, obschon beide bestandtheile ihre gesonderte declination behalten; erhebt er eine blosze figur zu einem höhern wesen. Lessing 6, 442; die hohe officier. Simpl. 3, 45 Kurz; beides, hohe und nidere soldaten. 46; bei hohen und niedern officiern. 88; je höher der officier, je gröszer das verbrechen. Pistorius thes. par. 4, 81; hohe beamte; herren von hohem range; der hohe rath eines staates;
seit der hohe gott der lieder
muszt in liebesschmerz erbleichen.
Uhland ged. 266.
Auch hier bei titulaturen: die hohe obrigkeit; die hohe versammlung; das hohe haus der abgeordneten; das hohe ministerium; um die aufmerksamkeit des hohen senats nicht ohne noth ... zu ermüden. Wieland 20, 264;
mein hoher herr, hier lieg ich dir zu füszen.
H. v. Kleist Käthchen 4, 2.
d)
in diesem sinne gilt hoch auch von dingen; von festen: die hohen feste der christenheit; in den höhesten festen. pers. reisebeschr. 3, 1; hohe tage, die tage der charwoche. Frisch 1, 457ᵇ; der hohe mittwoch (mittwoch nach pfingsten). das.; hohe zeit, festzeit (vgl. unten hochzeit); sô diu zît ie hœher unde heiliger ist, sô diu sünde ie grœʒer und swærer ist, die man dran begêt. Berthold 128, 30;
bedenkt den hohen tag (das christfest), der alle welt erfreut.
A. Gryphius 1698 1, 39;
erinnre dich, mein geist, erfreut
des hohen tags der herrlichkeit.
Gellert 2, 116;
ein schmuck! mit dem könnt eine edelfrau
am höchsten feiertage gehn.
Göthe 12, 143;
einmal an einem hohen feste
beeilten sich die frommen gäste,
zur heilgen messe hinzuwallen.
Uhland ged. 420.
von dingen des cultus: der hohe altar (gegen den nebenaltar); und ob man sie auch schon mit gülden tüchern unter den hohen altar begrübe. Luther 1, 283ᵃ; eine hohe (feierliche) messe. von schulen und stiften: höhere schulen im gegensatz zu niederen; die höheren lehranstalten eines staates; ein hohes stift, ecclesia cathedralis. Frisch 1, 457ᵇ; hoher wohnsitz, von einer residenz:
so sang Urania, die voll entzücken
jüngsthin zu Friedrichs hohem wohnsitz kam.
Ramler 1, 27.
hoche schul, universitas, gimnasium, hoche schul der fechter, gimnasium, est scola, ubi docetur ritus et consuetudo gentilium bellatorum dimicatorum. voc. inc. theut. k 2ᵇ; der jung Pfauser hat zu Tübingen uf der hochen schul studiert und den gradum magisterii annemen wellen. Zimm. chron. 4, 118, 25. auch in freierem sinne: das zuchthaus ist oft die hohe schule der verbrecher; und selbst als titel von lehrmitteln: die hohe schule des violinspiels heiszt ein notenheft mit stufenweise erschwerten geigenstücken; von einem der auf einer hohen schule gebildet ist:
wâ diu natûr verirret ist,
waʒ schikt dâ hôher pfaffen list?
edelstein 99, 74;
und von einem der an solcher lehrt:
er hœrt vil hôher meister lesen,
ein tôr muoʒ er doch iemer wesen.
99, 77.
von rechten und institutionen: die hohe gerichtsbarkeit im gegensatz zur niedern, die bestimmte schwere fälle nicht aburtheilen kann; die hohe jagd, das recht so einer hat das edlere wildpret zu jagen. Frisch 1, 457ᵇ, und darum wieder hoch wildpret, ferae ad venationem majorem relatae. das.; die freiheit in religionssachen ist der stände höchstes regale. Pistorius thes. par. 5, 2; die höhere schreibart, der höhere stil, gegenüber dem niedern, dem lat. genus dicendi sublime und tenue nachgebildet; ein lied im höheren ton; das hohe lied Salomonis, wo das adjectiv in der bedeutung an oben III, 1, e sp. 1596 anrührt; und daher wieder: wenn der hohe lyrische, oder epische dichter sprache und kritik, als sklavinnen, an seinen triumphwagen fesselt. Gotter 1, vii; die höhere mathematik, und viele andre kenntnisse, die nicht zum gemeinen gebrauche, also auch nicht fürs volk dienen. Herder zur phil. 6, 43; die pflicht des geistlichen, sittlich im täglichen sinne, religiös im höheren, auf die menschen zu wirken. Göthe 26, 262;
aber die andacht leiht höheres leben dem stein.
Schiller spaziergang v. 70.
hohe karten, spielkarten, im gegensatz zu niedern, die weniger geltung haben; hohe metalle, edle; hoher weg, hohe strasze, die heerstrasze, landstrasze, gegen den bloszen verbindungsweg. Mone urgesch. des bad. landes 1, 148 ff. (mit zahlreichen belegen aus dem 13.—16. jahrh.).
e)
eine reihe von hierher fallenden fügungen zeigen hoch als prädicatives adjectiv oder als adverb: du bist hoch kommen, mein son, durch grosze sieg. 1 Mos. 49, 9; als einer, der durch den degen hoch zu kommen oder zu sterben gedenkt. Simpl. 1, 434 Kurz; der herr ist gros zu Zion, und hoch uber alle völker. ps. 99, 2; er lies in hoch her faren auf erden (gab ihm einen hohen rang). 5 Mos. 32, 13 (verschieden von hoch fahren sp. 1600); die könige leszt er sitzen auf dem throne imerdar, das sie hoch bleiben. Hiob 36, 7;
(wir sehen) gewalt inn poszheit schweben hoch,
di tugent ghät weit hinden nach.
Schwarzenberg 157ᵃ;
was hoch ist unter den menschen, das ist ein grewel fur gott. Luc. 16, 15, und hieran angeschlossen: was der welt hoch ist, das ist vor gott ein greüwel. Frank weltb. 39ᵃ; eine hoch gestellte person. auch freier: einen hoch stellen, in seiner achtung: du hast mich sehr hoch gestellt, dasz du damals so köstliche gefühle und gesinnungen vor mir aussprachst. Bettine briefe 1, 273; ebenso einen hoch halten, in ehren halten (vergl. aber hierzu oben III, 1, b sp. 1595): warum ich dich so herzlich liebe und so hoch halte. Simpl. 1, 417 Kurz; von dingen, und so dasz verbum und adverb zusammengerückt geschrieben werden: einen ring, welchen er sehr hochhielt. Schuppius 226; das sie (die falsche lehre) die welt nit allein werd annemen, sonder loben, hochhaben und machen. kriegsb. d. fr. 127; ähnlich hochzielen bei Fischart hoch schätzen: werden ir die süsze diser holdseligen büchlein .. fülen und hochzilen. Garg. 22ᵃ; hoch ziehen, ebenso:
ein reicher sinn und gabenreicher geist,
dem obenab der gute fug verlieben,
des herren lob in reimen hoch zu ziehen.
Opitz 2, 26;
einen hoch empfangen, wie es hohen personen zukommt: und ist er gar hoch empfangen worden. Reiszner Jerus. 2, 111ᵃ; sich hoch halten, von seinem range einen hohen begriff haben:
dan weil sich Straszburg hoch thet halten,
als wan sies römisch reich verwalten,
sich auch für hoch und gwaltig schezen,
man must ein kaz aufs kefig sezen (sie einschüchtern).
Stöbers Alsatia 1858, 71.
zu höherem geboren, berufen sein: es geht mir auch wie jenem schulmeister, da er mist auszführet, und ein stimm vom himmel hört, Achaci, Achaci lasz dein klöpfen sein, du bist zu höherem berufen. Garg. 151ᵇ; hoch wollen oder hoch hinaus wollen, einen hohen rang erstreben: sie wolten hoch hinaus, sie wolten gott gleich sein. Schuppius 649; auch sonst verwegene pläne und gedanken haben: der ehrliche Rodrich, der so erfahren und mäszig ist, nicht zu hoch will, und doch nichts fallen läszt. Göthe 8, 228. doppelsinnig und mit der eigentlichen bedeutung von hoch spielend: kurz, der major sahe, dasz er mit aller gewalt höher wollte: (das hängen pantomimisch anzeigend) er brachte ihn also auf guten weg. Lessing 1, 546; es hoch bringen, eine hohe rangstufe erklimmen: Dörfflinger hat es hoch gebracht, vom schneider zum general: dann auch in anderm sinne: die entsagung bringt niemand so hoch, als ein geplagter ehemann. Rabener 1, 206; hoch laufen, auf hohe ziele steuern:
wolan für solches gutt, für so viel hohe gaben
was werde gegentheils ich zu vergelten haben?
mein wesen lauft nicht hoch. an vieler dinge stat
nemmt meinen gutten sinn, und denket für die that
nimmt gott das herze selbst.
Tscherning (1642) 28;
hoch leben, auf hohem fusze leben, als vornehmer;
nun lebt ich hoch.
Bürger 107ᵃ.
f)
der wünschende ruf er lebe hoch! oder gekürzt nur hoch! hat zwar tieferen sinn, als die letztangeführte gleiche fügung, betont aber doch auch das fröhliche, brausende eines festlichen lebens, wie es durch unpersönliches hoch hergehen (oben sp. 1101) ausgedrückt wird: man trinkt auch wohl unter freiem himmel gesundheiten, und das wörtlein hoch! läszt sich oft besser als die waldhörner hören. Gottsched vernünft. tadl. 1, 79; vivat, herr könig, hoch! und abermal hoch! Göthe 8, 170; hoch lebe unsre kaiserin! Holtei Chr. Lammfell 11;
drum lebe das gelobte land,
das uns den wein erzog;
der winzer, der ihn pflanzt und band,
der winzer lebe hoch!
Hölty 190 Halm;
lebe hoch, wer leben schafft!
Göthe 1, 135;
dafür: leben jetzt im hohen ton
redliche gesellen!
136;
gläser klirrten, lieder schallten,
die champagner-pfropfen knallten —
dreimal hoch das hauptquartier!
Freiligrath ges. dicht. 3, 33;
ungut aber: hoch! dem groszen Egmont hoch! und abermal hoch! Göthe 8, 174; vgl. das subst. hoch.
g)
der superlativ der höchste wird, nach dem vorbild der bibelsprache, gern auf gott gewendet: und er war ein priester gottes des höhesten. 1 Mos. 14, 18; und gedachten, das gott ir hort ist, und gott der höhest ir erlöser ist. ps. 78, 35; wer unter dem schirm des höhesten sitzt, und unter dem schatten des allmechtigen bleibt. 91, 1; der heilige geist wird uber dich komen, und die kraft des höhesten wird dich uberschatten. Luc. 1, 35; gott den allerhöhesten. Schuppius 809;
der reine wille nur des höchsten ist allein
das muster und die art der dinge so hier leben.
Opitz 1, 344;
dein thron, o höchster, höchst erhöhet.
Weckherlin 25;
des höchsten wort gern zu erfüllen.
Gellert 2, 144.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1590, Z. 75.

hoch, n.

hoch, n.
1)
die höhe:
ich bin zwar auch ein theil und denen beigestellet
die ihres geistes hoch zusammen hat gesellet
zu treffen einen bund, zu würken tapfre frucht.
Logau 2, 56, 13.
2)
nach dem adj. hoch (III, 2, f) wird mit dem subst. hoch kurz auch der ruf er lebe hoch bezeichnet, neben lebehoch (s. d.): man brachte ihm ein donnerndes hoch;
diesen sei ein hoch gebracht.
Göthe 1, 136.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1605, Z. 6.

hoch, f.

hoch, f.
für höhe, s. d.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1605, Z. 15.

hoch, interj.

hoch, interj.
auf der jagd: der (jäger), so sein gesellen mit der stimm berufen wil, sol schreien also: hoch da. der antwort geben wil, schreit mit langer stimm, also: hoch da. das gegengeschrei beschicht doppelt, also: hoch da, hoch da. weidw. 1, 3ᵇ. 4ᵃ. auch als hetzruf der hunde gegen den hirsch. 4ᵇ. 5ᵃ. vergl. unter ho 1, sp. 1586.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1605, Z. 16.

höchst, höchster

höchst, höchster,
s. unter hoch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1633, Z. 8.

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Zitationshilfe
„höchster“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6chster>, abgerufen am 27.10.2021.

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