Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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hock, m.

hock, m.
ein nicht gemeindeutsches wort, mit der allgemeinen bedeutung des zusammen geschichteten; vergl. unten hocke und hocken.
1)
schweizerisch ein haufe, besonders ein klümpchen aus vier nüssen, äpfeln u. ähnl. bestehend, von denen drei neben einander in einen kreis, das vierte stück obenauf gelegt wird. Stalder 2, 48.
2)
reihe, kreis von leuten, die wie auf einem klümpchen sitzen; und sitz oder plätzchen zum sitzen. Stalder das., Tobler 269ᵇ, mit dem plural höck.
3)
in Tirol heiszt hock neben hocker ein haufe getreides oder heues auf dem felde; ein getreidehock besteht aus zehn garben, sechs hocken bilden einen schober oder mandel. Fromm. 6, 152.
4)
bei Frisch 1, 459ᵃ wird hock als volksausdruck sowol für hügel als für rücken aufgeführt.
5)
hock oder park heiszt in einem seearsenal oder seemagazin der ort, wo die general- und particularmagazine verschlossen sind und wo die schiffe des principals gebaut werden; in einem schiffe ist es ein mit bretern verschlagenes behältnis, zwischen zwei verdecken, worin das vieh verwahrt wird, welches die officiere zu ihrer provision einschiffen lassen. Jacobsson 6, 704ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1647, Z. 62.

hocken, verb.

hocken, verb.
gebückt sitzen und gebückt tragen, ein mit seiner ebenso häufig gebräuchlichen nebenform hucken (s. d.) seit dem 14. jahrh. bezeugtes, seit dem 16. jahrh. vielfach erscheinendes wort. als nächster verwandter desselben ist anzusehen das sp. 572 aufgeführte hauchen kauern, das vielleicht einmal ein starkes verbum gewesen ist (ahd. hûchan wie sûfan, lûchan), und über mehr als den oberdeutschen dialect verbreitet, wenn das im altnordischen verwaist stehende particip hokinn bowed, bent (Vigfusson 278ᵃ, mit hokra, to go bent, crouch, ebenda) auf ein verbum hûka zurückgeht. hocken, hucken stellt sich als intensivbildung zu dem erwähnten hauchen wie ducken zu mhd. diuhen und nhd. tauchen, vgl. theil 2, 1491. hocken bedeutet
1)
in gebückter stellung, zusammengekrümmt weilen, kauern, von menschen und thieren: hocken, als ein henn ob den hünlinen. Maaler 227ᶜ; etlich (affen) auf der erden hocktend, die andern aber klebeten an den bäumen. Forer thierb. 2ᵇ; sie setzte sich neckisch auf ein bänkchen, das sie kaum noch trug ... pfui, übers hocken! rief sie, sprang auf und lief mit dem lustigen bruder voran. Göthe 21, 141; während sie absenker von ihren lieblingsnelken machte, da hockte sie am boden, und hielt die pflanzen in der hand. Bettine tageb. 70; der soufflör, der in seinem seitenhöhlchen und dachskessel .. hockt. J. Paul jubels. 55; neben ihm hockte auch ein polnischer wolf. H. Heine 12, 124;
auch das unter Mariae rock
der münchisch haufen wohn und hock.
Fischart dicht. 1, 247, 4546 Kurz;
von der gekrümmten lage eines kranken, gichtbrüchigen:
ich hugke, ich gê crump unde schieb.
Germ. 7, 488 (anfang 15. jahrh.);
stet auf und werft hin die krucken!
ir schült nimer also jemerlich hucken,
ir schült nu laufen und springen.
fastn. sp. 603, 19;
o lieber gott, wie lang! wie lang willst du verstokken!
du strafest sünd mit sünd, und laszt uns krüppel hokken,
bisz dasz wir kümmerlich, wie frühlings-eisz, vergehn.
Rompler 35.
von einem schlechten sitzen bei tisch: o du hockst wol zu tisch. Garg. 97ᵃ.
2)
auch mit mehr abgeblaszter grundbedeutung sitzen mit der nebenvorstellung des unbequemen, sitzend weilen, entweder erwartend oder mit eifer etwas betreibend: hocken, warten, sitzen, obsidere, desidere Maaler 227ᶜ; unfal hocket uns vor der thür, es ist uns unglück auf dem halsz, oder unglück wirt uns angon, und das bald, impendet nobis malum. das.; ein jeder theil satzte sich, wohin er konte, Hoffart oben an die decke, Verschwendung an des Juli seite, der Geitz in des Avari herz, und ich hockte und behalf mich auf dem narrenkistlein, weil Demuth nicht vorhanden war, denselbigen platz einzunehmen. Simpl. 2, 143 Kurz; ich kletterte .. an einem ast oder zelgen hinauf .. da hockte ich nun in der höhe. 3, 433; (er) ist im unterirdischen gang im sperrwasser gefangen und aufgefischt worden, seitdem musz er hier hocken. Arnim kronenw. 1, 402; die mädel so allein auf deinem zimmer hocken zu lassen. Fr. Müller 2, 60; wir möchten .. uns, wenn es anginge, ein haus hinter dem ofen bauen, und warm drin hocken. H. Heine 3, 11; ein gelehrter hockt über seinen büchern; des studirens und tag und nacht über den büchern zu hocken, wär ich schon vorlängst müd worden. Simpliciss. (1713) 2, 29;
disz (krönung zum dichter) kan die schönen gaister lokken,
die sonst unnutzlich schier nur ob sich selber hokken,
wan niemand ihrer achtt; sie stekken da und dort
durch armut undertruckt und können niergend fort.
Rompler 161;
ihr vater hockt in dem stübchen und flicht
aus eggen warme pantoffeln.
Voss musenalm. von 1798 s. 197;
andere hocken zu haus und brüten hinter dem ofen.
Göthe 40, 260;
hocken bleiben, nicht vom flecke kommen; in der schule hocken bleiben. Kehrein 190; der verlag (vom Götz von Berl.) hört Mercken, der ist aber in Petersburg, ich schicke mich nicht zum buchhändler, ich fürchte es bleibt hocken. Göthe und Werther s. 174. in der derben sprache des wirtshauslebens: wenn ein miszlaut hörbar war, so galt er der stubenmagd, die sie da im trocknen hocken lasse, dasz es keine art habe. J. Gotthelf schuldenb. 5. in Tirol einen in der brühe, im butter, auf dem mist hocken lassen, in der verlegenheit lassen. Fromm. 6, 152.
3)
hocken, mit entsprechenden beisätzen, ein enges beisammensein betonend: man bate nicht mehr für die seelecken (seelchen), die im fegfeur ubereinander hocken. Fischabt bienk. 5ᵃ; ich habe gar zu schlecht geschrieben, kein buchstabe steht gerade, sie hocken einer auf den andern, als ob sie junge hecken wollten. Lessing 1, 295; und wir rechtgläubigen christen hocken da in einem einzigen himmel auf einander wie die kaninchen. 13, 220; mir ist heute so tanzerlich zu muthe .. ich könnte fast von einem stern auf den andern springen, und wol darüber weg, da sie einander so nahe hocken. J. Paul leb. Fibels 108; die frau accise-einnehmerin, die frau inspektorin und die frau infibulationsräthin hocken beisammen. H. Heine 3, 34; er .. hockt mir immer auf dem hals, obstat importuna praesentia, haeret ad latus. Serz 70ᵇ.
4)
hocken, sich auf einen kauernd niederlassen, niederkauern:
und umb daʒ so wirt funden menger list,
wie ainer den andern truck
und uff in mit recht oder unrecht huk.
Mone schausp. d. mittelalt. 1, 313 (vom 14. jh.);
und mir war, als hockt unfreundliche last auf die schulter.
Voss 2, 206 (idyll. 12, 122);
es darf sich einer wenig bücken,
so hockt mit einem leichten sprung
der teufel gleich dem teufel auf dem rücken.
Göthe 4, 353.
schweizerisch einem auf das maul hocken, es ihm stopfen: (eine magd findet) dasz man ihn gar nicht gschweigen könne und es sie düeche (gut dünke), wenn sie ihm nur auf das maul hocken dürfe. J. Gotthelf schuldenb. 31; 'höre ich euch noch einmal, so hocke ich euch kehrum auf das maul, dasz ihr das reden auf acht tage vergeszt, zählt darauf.' die drohung wirkte, einen zwei und einen halben centner schweren wirth auf dem munde haben, ist allerdings ein gewichtig heftpflaster. Uli der pächter (1870) s. 218.
5)
auch reflexiv, sich niederlassen, niederkauern: vom hügel kommen nun seine kinder. die erwachsnen schleppen die kleinsten, und die mittlern kriechen auf allen vieren nach und hocken sich um den traurenden vater. Fr. Müller 1, 116.
6)
hocken, transitiv, in gebückter stellung eine last zum tragen aufnehmen oder tragen: hocken, auf dem rücken tragen, bajulare, vectare dorso. Frisch 1, 459ᵇ als wort der vulgärsprache; einer hockte den mantelsack auf den rücken. Göthe 16, 285; einen sack korn in die mühle hocken.
7)
getreide hocken, in hocken (sp. 1648) setzen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1649, Z. 30.

hocken, höcken, verb.

hocken, höcken, verb.
höckergeschäfte, kleinverkauf betreiben; bei Frisch hoken, in kleinen verkaufen, insbesondere eszwaare. 463ᵃ; aushöken oder aushökern, als ein hocker verkaufen, minutim vendere aliquid. 463ᵇ; rheinisch hocken rohe eszwaaren auf öffentlichem platze verkaufen. Kehrein 199; es hokt mancher, und hat mehr gelt als ein groszer kaufmann, multi minutim nundinantur, qui facultatibus ipsos magnarios vincunt. Stieler 849;
weist du dasz deine mutter
den pfeffer rieb und höckte mit der butter?
Reinhold reime dich (1673) s. 5.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1650, Z. 74.

höcken, verb.

höcken, verb.
hangen: in einem gesträuch kann ein wandersmann nicht wohl fortkommen, bleibet bald hie, bald dort höcken, es ritzt ihn ein dornstrauch. Scriver seelensch. 1, 75. der bedeutung nach berührt sich dieses höcken mit haken 3, sp. 181; auch die form steht nicht fern, wenn man berücksichtigt dasz ö für umgelautetes e stehen kann. sp. 747 ist ein hecken für hängen aufgeführt und als druckfehler für henken vermutet worden; es ist aber möglich, dasz dieses wort mit dem hier aufgeführten in der nächsten beziehung steht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1651, Z. 4.

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Zitationshilfe
„höcken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6cken>, abgerufen am 27.10.2021.

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