Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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höfflichkeit

höfflichkeit,
hoffnung gebende beschaffenheit, eines gebirges oder ganges. bergmännisch. Veith bergwörterb. 274.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1672, Z. 80.

höflichkeit, f.

höflichkeit, f.,
nach höflich in verschiedenem sinne.
1)
nach höflich 2, ansehnlichkeit, höfische pracht, luxus. hofligkeit, pracht und herrligkeit in kleideren und malzeiten. lautitia. Maaler 229ᵈ;
durch heilgen pracht und höflichkeit
und durch hochprächtisch heiligkeit
führt in versuchung er die leut.
Fischart dicht. 2, 247, 203 Kurz.
2)
nach höflich 3, höfische art des wesens, feine bildung, hoher anstand: hoflichkeit curialitas. voc. inc. theut. k 3ᵃ; facetia höfflichkeit, höfflicheit, hofflicheit ł manierlicheit. Dief. 222ᵃ; urbanitas hoflicheit in sitten etc. 629ᶜ; hofligkeit, zucht, urbanitas, condecentia. Maaler 229ᵈ; dises letst India ist mit aller reichthumb und höflicheit des volks das fürtreffenlichst vor den andern. Frank weltb. 191ᵃ (wenn hier nicht die bedeutung 1 gemeint ist);
umb sie seind nu vil jungfrawen,
welcher schön und höflichkeit
nimmet leichtlich die freiheit
denen welche sie anschawen.
Weckherlin 349;
von höflichkeit hast du geberden.
372.
3)
jetzt, nach höflich 4, das feine, artige des wesens, sofern es im umgange und gespräch mit andern sich zeigt; schon bei Maaler 229ᵈ hofligkeit, scharpfe, stattliche kurzweilige reden, sales, liegt der übergang in diese bedeutung angedeutet: dasz eins bauren höflichkeit und curtesia nicht eher gesehen werd, als wann er ein bescheiszen oder sonst ein gewinn von einem haben will. Opel u. Cohn 374 (von 1621); auch liebt ihn (den schleichenden süszen komplimentierton) der verfasser überhaupt nicht, der mehr das lob der bescheidenheit, als der höflichkeit sucht. die bescheidenheit richtet sich genau nach dem verdienste, das sie vor sich hat; sie giebt jedem, was jedem gebühret. aber die schlaue höflichkeit giebt allem alles, um von allen alles wieder zu erhalten. Lessing 8, 2; die alten kannten das ding nicht, was wir höflichkeit nennen. ihre urbanität war von ihr eben so weit, als von der grobheit entfernt. ebenda; er war aus dem königlichen hause, und mich wunderte deswegen seine artigkeit etwas mehr, da höflichkeit in der regel bei uns nicht mit zu den ausgezeichneten tugenden der hausoffizianten der groszen gehört. Seume spazierg. 1, 130; in der bibliothek bewirthete man mich, als einen Leipziger, aus höflichkeit mit den actis eruditorum. 2, 23; höflichkeit ist nicht schuldigkeit. höflichkeit ziert den mann und kostet nichts. Simrock sprichw. 256;
höflichkeit und treue
bringt nimmer reue.
ebenda.
4)
auch die äuszerungen solches höflichen wesens: einem eine höflichkeit erweisen; ich hatte indesz der frau pfarrer meine höflichkeit gemacht (sie zur ankunft begrüszt). Göthe 16, 43; eine höflichkeit ist der andern werth. Simrock sprichw. 256; von den übrigen herren habe ich viel höflichkeit erhalten, aber nichts zu essen. Seume spazierg. 1, 39; auch im plural: er hat mir viele höflichkeiten erzeigt.
5)
nach höflich 5, klugheit, gewandtheit: (Esop) berühmt, beide seiner guten schwenk und höffligkeit halben. E. Alberus 14ᵇ.
6)
höflichkeit, in der sprache der bergleute, hoffnung erregende beschaffenheit eines erzganges. Veith bergwörterb. 274. vgl. höflich 6 und höfflich.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1690, Z. 54.

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Zitationshilfe
„höfflichkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6fflichkeit>, abgerufen am 06.12.2021.

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