Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

höfisch, adj.

höfisch, adj.,
mhd. hövesch,
1)
wie höfig 1 zu einem hofe gehörig; einem frohnhofe angehörend: ein ieglicher hovischer mann (mann des domprobsteilichen frohnhofes zu Frankfurt). weisth. 6, 750; ein probst oder sein geschworner schultheis mag vor den schepfen allen oder eintheils in seinem hove zu hovischen leuten empfangen und uffnemen igliche frome leute. 751; solch ungepotten ding oder hovisch gericht. 753 (und noch oft in diesem weisthume). einem fürstenhofe angehörend: (die bulle Clemens VII) zeigt auch an, was die höfischen zu Rom, und frembden zu thun schüldig sind, den ablas des jubeljars zu erlangen. Luther 3, 92ᵇ;
der herzoge was selber mete uf der fart,
und sin bruder der bastart
und manchir hobischir man.
Liliencron volksl. 2, 85ᵇ.
einem fürstenhofe eigen, an ihm üblich: also soll ein kluger hoffmann thun, den höffischen verheiszungen zwar glauben, aber mit forcht und vorsichtigkeit. Zinkgref apophth. 1, 284; nun hört sie nichts mehr von ihm, als höchstens berichte seiner höfischen freuden. J. Paul Hesp. 3, 99;
du findest mehr behagen
an höfischem geräusch.
Wieland 18, 198.
2)
höfisch auf das feine und zierliche in erscheinung, betragen und reden, wie es an einem fürstenhofe erfordert wird, bezogen: höfische, den unterschied der stände mit sorgfältiger pünctlichkeit bezeichnende phrasen, welche von der höflichkeit, die auch sich gleich achtenden nothwendig ist, ganz unterschieden sind. Kant 5, 270; die französische nation ist höflich, wenn es gleich jetzt auszer der mode gekommen ist, höfisch zu sein. 10, 352; keineswegs hab ich sie zwischen diese geweiszten wände in diese höchst unedle umgebung berufen; ein so schlechter hausrath fordert nicht auf, sich höfisch zu unterhalten. Göthe 22, 116;
geh im fürstenparke nicht spazieren,
wo sich büsch und bäume höfisch zieren.
Rückert 398;
da tanzt die schöne herzogin,
sie lacht laut auf beständig;
ihr tänzer ist ein schlanker fant,
gar höfisch und behendig.
H. Heine 18, 30.
3)
auch mit tadelndem beisinne, mit betonung des kalten, listigen, oder auch schmeichelnden des höfischen verhaltens: der höfische mentor hatte keinen begriff davon, dasz man einem jungen fürsten die ausübung aller tugenden ... unter der gestalt von verbindlichkeiten vorstellen müsse, deren forderungen eben so dringend als unverletzlich sind. Wieland 7, 11; sie ist durchaus höfisch und liebt niemand, als aus eigennutz. Tieck 12, 324;
nie durch höfisches lob zu entweihn
die heilige dichtkunst.
Klopstock 2, 11;
deutlich seh ich nun
die ganze kunst des höfischen gewebes!
mich will Antonio von hinnen treiben,
und will nicht scheinen dasz er mich vertreiht.
Göthe 9, 216.
vergl. hübsch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1685, Z. 58.

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Zitationshilfe
„höfisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6fisch>, abgerufen am 20.10.2021.

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