höhle f
Fundstelle: Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1715, Z. 78
caverna, spelunca, ahd. holî, mhd. hüle, eine form die auch im ältern nhd. noch nachklingt: wie ein löuw in seiner hüle. Reiszner Jerus. 2, 132ᵃ; so das weiblin anhebt zu leichen, so verschlieft es sich in ein hüle. Forer fischb. 9ᵃ; vgl. weitere belege unten verstreut;
in d' hüle han ich ouch kein lust,
wil mich recht wyter bhelfen sust.
trag. Joh. D iij;
plur. hülinen, später höline: die brüder zuͦ sant Gallen wolltent entrinnen, ... fluchend derselben nacht zertrent und zerstört uf die velsen, berg, hülinen und ainödinen. Gallus Oheim chron. v. Reichenau 120, 17; fliehen sie in grosze gruben und höline under der erden. S. Frank weltb. 226ᵃ; welcher wieder zu den singularformen hülen, hölin in verbindung steht: concavitas hulin Dief. 138ᶜ; ward ich einer einsamen und finstern hülen gewar. Kirchhof wendunm. 202ᵇ; kompt in dieselbige hülen dieser löw. 203ᵃ;
ja wie ein löw, unwillig schier
in eine hölin sich verbirget.
Weckherlin 37;
in diser hölin frei
von kaltem wind und schnee.
783.
höhle bezeichnet
1)
aushöhlung, vertiefung im allgemeinen: concavitas hule, hulin, hole (neben holigkeit, holheit) Dief. 138ᶜ; ire (der elennthiere) haar sind alle hol: wiewol herr Geszner .. in haaren kein hölin gefunden. Forer thierb. 40ᵃ; noch bei Göthe von der höhlung eines bechers, die auch vorher so genannt wird:
hier ist ein saft, der eilig trunken macht.
mit brauner fluth erfüllt er deine höhle.
12, 44;
hohlweg: und entlich in die glamen, felsen und hölen oder enge weg getrieben. Fronsp. kriegsb. 3, 142ᵃ (sonst hohle, s. d.); schlupfwinkel, abgelegener, verborgener ort: daʒ sü von sime angesiht fluhent und sich wider in ir hüle leitent. d. städtechron. 8, 52, 27; bei Fleming wird ein dichter wald höhle genannt, jedenfalls mit rücksicht darauf, dasz man in ihn wie in eine dunkle höhlung hineinblickt:
erbarme du dich meiner quahlen,
du dicker wüster hain,
dem Titans allerhellste strahlen
doch geben keinen schein.
wie dunkel hier ist deine schwarze höle,
so finster auch ist meine kranke seele.
486.
von den eintiefungen an körpertheilen und aushöhlungen in solchen, vergl. achsel-, augen-, bauch-, brust-, mund-, nasen-, ohrenhöhle u. ähnl. (und im bilde auch fensterhöhle theil 3, 1524); Maaler unterscheidet höle am körper von hüle spelunca: höle under der uͦchs da das haar stadt, alarum vallis, die höle eines gschwärs, sinus ulceris, die höle oder tiefe im aug, recessus in oculo, die höle des munds, die tiefe, oris recessus, oris inanitas, die höly in dem huffbein acetabula 228ᵃ (gegen hüle oder gruͦb under dem erdtrich, antrum, hüle und läger der wilden thieren, lustrum, hülinen und klüft da sich die thier erhaltend, cubilia 231ᵈ). auch der ganze leib wird als höhle gedacht:
Prometheus hatte zwar aus seiner weiszheit stärke
dem menschen, welchen er vor ohne geist gemacht,
des feuers edlen schein vom himmel eingebracht,
durch nütze dieberei in seines leibes höle,
die erstlich dunkel war.
Opitz 1, 53;
disz ist der letzte hauch, in dem die fromme seele
aus ihrem miethause, desz keuschen leibes höhle
in ihr recht vaterland, den hohen himmel reist.
Fleming 132.
2)
am häufigsten ist höhle ein ausgehöhlter gröszerer raum im innern der erde: antrum hole, höle, hule, hüle Dief. 39ᵃ; caverna hule, hüle 108ᵃ; specus hüli, hule 545ᶜ; im mhd. noch selten gegen hohl (sp. 1714) und mit diesem wechselnd:
die (riesen) lâgen in der hüle
und wâren alle zornes vol
und îlten balde vür daʒ hol.
virginal 505, 3,
später ist das neutrum hohl zu gunsten von höhle untergegangen: Lot .. bleib also in einer höle mit seinen beiden töchtern. 1 Mos. 19, 30; das wilde thier gehet in die hüle. Hiob 37, 8; darnach begrub Abraham Sara sein weib, in der höle des ackers, die zwifach ist. 1 Mos. 23, 19. bildlich: da die blitze der leidenschaft über sein ganzes leben fuhren und das gebirge der zukunft und die höhlen der vergangenheit beleuch teten. J. Paul Tit. 2, 212;
als ein fuchsz sein jungen erzoch
vor jenem berg in einem loch,
ein kleines füchszlin wolt gehn spielen
hinausz ins veldt vor jener hülen.
B. Waldis Esop 1, 49, 4;
ein bettler kam für eine mülen,
lag vor eim berg bei einer hülen.
4, 47, 2;
ich denk, ir häuser sind kein hülen,
darinn löwen und bären wülen.
Fischart dicht. 2, 42, 1503 Kurz;
es daucht si, das sie die stimm fül,
als wann ein wind bliesz in ein hül.
189, 370;
ja, vögel haben auch begriffen,
näster zubauen, drein zu schliefen,
und der vierfüsig grose hauf
hat gworfen schanz und hülen auf.
3, 263, 56;
roszfliegen, die in den ronnen
und in der erden höln wonen.
mückenkr. 1, 738;
ein stilles schattenvolles thal
führt ihn der höhle zu, wo sich die nymfen baden.
Wieland 10, 159;
keine höhle,
kein busch, kein sumpf verbirget mich.
Ramler 2, 12;
in höhlen wohnt der drachen alte brut.
Göthe 1, 177.
als verächtliche bezeichnung eines schlechten wohnhauses: sie schwur, eine solche höhle nicht zu betreten ... vater. hörst du? eine höhle! das soll man mir nicht zum zweitenmale sagen, morgen musz das dach herunter! ich will die höhle schon luftig machen. 11, 283;
da macht ich mich, mit donnerstimme,
noch endlich aus der höhle fort.
1, 212.
3)
bei den bergleuten heiszt höhle, auch höle und hölle ein kasten von bestimmten dimensionen (ursprünglich aus gehöhlten baumstämmen), in welchem das erz auf die hütten geschafft wurde. Veith bergwörterb. 274.
4)
auch anderweit technisch: hölin oder hole löcher in den aufgerichten hölzeren oder häspeln, darein man die end der wallböumen stoszt, das sy darinnen umbgangind, chelonaria, chelonia Maaler 228ᵇ.
hohle f
Fundstelle: Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1715, Z. 64
in ältern quellen, namentlich mitteldeutschen, so viel wie höhle (s. das. unter 1 und 2): caverna hole neben hüle Dief. 108ᵃ; mhd.
ich hân ûʒ einer hole wît
gesehen valken vliegen.
Haupts zeitschr. 5, 290, 808;
später von höhle geschieden, und selten geworden; in der bedeutung hohlheit, höhlung: die hole meines stabs. Simpl. 3, 98 Kurz. in Düringen und Obersachsen ist hohle aber die länglich laufende aushöhlung des erdreichs, hohlweg, schlucht: die hohle hinter Dresenhof ist in den glimmerschiefer eingeschnitten. Göthe 51, 85; ebenso bairisch: die hôl, höhle und hohlgasse. Schm. 1, 1083 Fromm.; schweiz. hole, hohle, hohlweg; jede einsenkung des bodens, sie sei lang oder kurz, schmal oder breit, eingeschlossen oder zum theil offen. Stalder 2, 51.
Zitationshilfe
„höhle“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6hle>, abgerufen am 14.12.2019.

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