Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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hohn, m.

hohn, m.
contumelia; cavillatio, ludibrium. ahd. und mhd. nicht bezeugt, dafür im ahd. ein fem. hôna bei Otfrid, häufiger ein fem. hônida; im mhd. ebenso hône, hœne und hœnde. zufrühest ist das masc. hôn im mitteldeutschen des 14. jahrh. aufgefunden:
zubrochin ist mit valle
dînis houbtis crône,
gedigin ist zu hône
dîn rûm, dîn êre und al dîn prîs.
Jeroschin 21973;
später wird es auch in oberdeutschen quellen häufig.Die ursprüngliche bedeutung des wortes erniedrigung, schmach (vgl. auch unten das adj. höhn) weist auf eine zu grunde liegende sinnliche vorstellung entweder des zu boden liegens oder auch des zerstückeltseins hin; doch sind die beziehungen von hohn zu wörtern der urverwandten sprache noch nicht klar, und nur zweifelnd kann griech. ξύειν, reiben, abschaben, kratzen und sanskr. kshud stampfen, zerstampfen herangezogen werden. hohn bezeichnet
1)
erniedrigung, schmach, schande die einem widerfährt: verstund wol, das dem knecht der hon, so ime widerfaren, ubel verdros. Wilw. v. Schaumb. 67; las den hohn uber dich gehen, wo du in der sachen gefeilet hast. Sir. 4, 30 (περὶ τῆς ἀπαιδευσίας σου ἐντράπηθι septuag.); da kompt verachtunge, und schmach mit hone. spr. Sal. 18, 3; die götzenmacher müssen alle sampt mit schanden und hohn bestehen. Jes. 45, 16; das du tragen müssest deine schande und hohn, fur alles das du gethan hast. Hes 16, 54; disz mein büchlein ist allein von guͦter kurzweil wegen an tag geben, .. niemandts zuͦ schmach, hon oder spott. Wickram rollw. 3, 20 Kurz;
als ewer haupt ....
die feind bald ihren wohn (wahn) und pracht in hohn und rew,
die freind ihr leid in frewd zu verkehren gelehret.
Weckherlin 650;
o haupt voll blut und wunden,
voll schmerz und voller hohn!
P. Gerhard 22, 1;
sieh her! sieh her! mit jammer und hohn
trag ich dafür nun den schmerzlichen lohn
an meinem zerschlagenen leibe!
Bürger 61ᵇ;
zu hohne werden, zu schanden werden;
Herodes tobte sehr, er furchte seiner crone,
beginge kindermord. die list ward doch zu hohne.
gott fällt durch säbel nicht. das kind fleucht bei der nacht.
P. Fleming s. 4.
2)
in gewissen verbindungen geht das wort auch auf die person, der schmach widerfährt, hohn = gegenstand der schmach: darumb hab ich die fürsten des heiligthums entheiliget, und habe Jacob zum bann gemacht, und Israel zum hohn. Jes. 43, 28; in der verbindung spott und hohn: du machest uns zur schmach unsern nachbarn, zum spot und hohn, denen die umb uns her sind. ps. 44, 14; sie sollen zum fluch, zum wunder, zum hohn und zum spot unter allen völkern werden. Jer. 29, 8; sind zu schanden und spot und hohn worden den frembden. Tob. 3, 4; schmach und hohn: und solt eine schmach, hohn, exempel und wunder sein allen heiden. Hes. 5, 15.
3)
hohn, die schmach, die einer gegen andere ausübt: dann sie ihrem keim (keinem) den hon thun wolten, wie keiser Henrich der vogler den hunischen Ungarn, das sie ihne schäbige .. hünd solten für tribut auferlegt haben. Garg. 215ᵃ;
ja, wenn wirs jetzundt rechnen wolten,
so hat der bapst viel gröszern hon
und mehr schadens der welt gethon,
denn der Symon, so Troja zstört.
B. Waldis Esop 4, 83, 31;
ungewöhnlich einen hohn geben:
nicht drumb, dasz einen sie mehr als den andern liebt,
nein: allen beiden sie gleich einen hohn dran giebt.
D. v. d. Werder Ariost 12, 24, 4;
non ch'ella
piu caro avesse l'un che l'altro amante;
anzi di par fu a'lor disii ribella;
(als kaiser Friedrich) dem pabst Alexander .. den linken stegreif hielte, und der pabst dieses vor ein (einen) hohn .. halten thete. Zinkgref apophth. 1, 30;
da ward er (Xerxes) so ergrimmet sehr,
das er liesz geiselen das mer,
und wurf kätten drein, es zu stillen,
und es zu fässeln nach seim willen.
aber was half in dieser hon?
so vil als nichts: er floch davon.
Fischart dicht. 2, 180 Kurz (glückh. schiff 11).
4)
die neuere sprache verbindet mit hohn den begriff der übermütig spottenden verachtung. dieser begriff war früher am verbum höhnen sowie an höhnlich (s. d.) als am substantiv ausgebildet. Schottel 1337 gibt zu hohn nur die bedeutung pudor, contumelia, honte, Stieler 847 neben diesen auch sanna, irrisio, ludibrium, ludificatio, cavilla; ich habe des dinges meinen hon, nihili, nauci habeo hanc rem, explosione dignum haec aestimo, wer den schaden hat, bekommt den hon dazu, ludibrii haut expers, mala quem fortuna fatigat. das. auch schon früher kommt das eine oder andere vereinzelte beispiel dieser bedeutung vor: wegen etlicher teutscher liedlin und pasquill, so ihm zu hohn weren gemacht worden. Zinkgref apophth. 1, 83; aber erst seit dem vorigen jahrhundert ist dieselbe zur herschenden geworden: mit einem hohn treiben, ludibrio aliquem habere. Steinbach 1, 780; hohn für lohn, stank für dank. Simrock sprichw. 258;
wie die gattin, ihn zu retten,
sich ängstete, ihn fest umschlang, gefahr und hohn
nicht achtend.
Gotter 2, 123;
Thekla. ich fürchte keines menschen zürnen mehr.
Neubr. den hohn der welt! des tadels arge zunge!
Schiller Wallensteins tod 4, 11;
sagt mir! was meint er mit dem göckelhahn,
den der feldherr nicht krähen hören kann?
es war wohl nur so gesagt ihm zum schimpf und hohne?
Wallensteins lager, 9. auftr.;
ihr spottet, sir. — zur härte fügt ihr noch
den bittern hohn.
M. Stuart 1, 1.
in den festen formeln hohn sprechen, reden, singen:
alt von jahren, frisch von lastern, ist die welt bei unsern tagen,
pflegt das alter zu begehren, alten aber hohn zu sagen.
Logau 3, 41, 10;
welt, an dieser theuern stelle (am grabe der geliebten)
sprech ich deinen freuden hohn.
Gotter 1, 104;
ich mutter spreche dir mehr als die schwestern hohn.
2, 116;
so kannt ich dich! es sprach dein ton
in wenig worten viel;
der franzensitte sprach er hohn
und in mein herz gefühl.
J. M. Miller ged. 41;
und in der königlichen halle
sein (des Galliers) erster sänger hohn uns sang.
Gökingk 1, 258;
an spröden, die mir hohn gesprochen,
hat mich noch allezeit ihr eignes herz gerochen (worte Amors).
Wieland 10, 146;
rede, mädchen, nicht dem starken hohn!
Schiller melancholie an Laura;
hohn lachen, lächeln (vgl. auch unten hohnlachen, schon mhd., hohnlächeln an alphabetischer stelle), zischen, vgl. unten hohngezisch:
sie lächeln bittern hohn
auf unsrer majestät entheiligte ruinen.
Gotter 2, 436;
die mit heiszem liebesgeize
deinem kuss entgegenflohn,
zischen dem erloschnen reize,
lachen deinem winter hohn.
Schiller an Minna;
einem zum hohne, ihm zu spott, trotz seiner:
ja, es sind die bunten mohne,
die sich nachbarlich erstrecken,
und, dem kriegesgott zum hohne,
felder streifweis freundlich decken.
Göthe 5, 16.
5)
eigenthümlich erscheint bei Gökingk hohn in der bedeutung übermut, überhebung zunächst an oben no. 3 und das unten folgende adj. höhn angeschlossen:
lasz du dem Britten seinen wahn und hohn,
dasz er der erst geborne sohn
der freiheit sei, wir aber sclaven.
3, 154.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1722, Z. 52.

höhn, adj.

höhn, adj.
ein nicht über das 16. jahrh. hinausgehender nachklang des mhd. hœne, ahd. hôni, in zwei bedeutungen.
1)
aus der ursprünglichen passiven bedeutung niedrig, gering, verachtet (auch im goth. hauns, ags. heán) hat sich der sinn schlimm, schändlich herausgebildet, mehrfach bei Fischart erscheinend:
in dem hausz, spricht man, stehts nicht wol ...
wann die henn kräht uber den hanen. ...
also wie viel mehr musz es hön
in einem regiment dann stehn,
welchs gröszer ist und sorgenvoll,
wann die henn will die hanen führen.
dicht. 3, 79 Kurz;
aine erwischet ainsmal zwen,
zerknitscht sie auf dem korb ganz hön.
2, 37, 1304;
gering von aussehen, häszlich:
fornen schön und lieb gestalt als frawen,
und hinden hön und dib mit klawen.
Garg. 18ᵇ;
gering an verstand, unklug:
der nachgibt on lang widerstehn,
(halt ich) für kluger und den andern hön.
dicht. 3, 293.
2)
wie im mhd. auch in activem sinne schmähsüchtig, zornig, böse: hön sein, übel zefriden sein, irasci. Maaler 228ᵇ; hön über einen sein, rauch besträlen, inclamare aliquem. das.; noch jetzt schweiz. höh, zornig, böse, unwillig (mit dem subst. die höhne wie bei Maaler) Tobler 272ᵃ; was ist dir jetz geschehen? bistu hön? Garg. 94ᵃ;
losz wittern in (gott), lasz machen schön,
dann ob du joch darumb bist hön,
so gschicht es doch nit dester ee.
Brant narrensch. 28, 18;
doctor Murnar ist yetz hön.
M. Manuel 415 Grüneisen.
in Nürnberg einem hön thun, ihm verdrusz machen, ihn verdrieszen. Schm. 1, 1119 Fromm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1724, Z. 37.

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Zitationshilfe
„höhn“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6hn>, abgerufen am 21.10.2021.

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