höhnen verb
Fundstelle: Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1727, Z. 20
heulen wie ein wolf oder hund, ahd. hônôn, hônên ululare (Graff 5, 753), mhd. hœnen und hünen Schm. 1, 1120 Fromm.; honen oder huelen, ullulare. voc. inc. theut. k 3ᵇ; ululare honen, höen (für hönen), hüenen Dief. 625ᶜ; hōn (lies honen) nov. gloss. 384ᵇ. es ist wie heunen (sp. 1291) und die dort aufgeführten nebenformen wol nichts als ein lautmalendes wort und hat mit dem vorigen höhnen nichts zu thun.
höhnen verb.
Fundstelle: Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1725, Z. 36
mhd. hœnen, ahd. hônjan, in verschiedenen bedeutungen.
1)
gering, niedrig, verächtlich machen (vgl. oben das adj. höhn in ursprünglichem sinne):
dô wolte got Ermrichen hœnen.
rabenschlacht 562,
im folgenden verse:
des muoste Ermrîch geligen under;
namentlich auch durch worte, schelten, schmähen: contumeliari hone (für honen) Dief. 148ᵃ;
daʒ ich die getiuret hân
und mit lobe gekrœnet,
diu mich wider hœnet.
Walther 40, 25;
eine bedeutung die nhd. noch bis ins 18. jahrh. vorkommt: wen hastu gehöhnet und gelestert? 2 kön. 19, 22; du hast den herrn durch deine boten gehönet. 23; wer des dürftigen spottet, der hönet (παροξύνει septuag.) desselben schepfer. spr. Sal. 17, 5; etliche aber griffen seine knechte, höneten (υβρισαν) und tödten sie. Matth. 22, 6; sie aber steupten denselbigen auch, und höneten in (οἱ δὲ κἀκεῖνον δείραντες καὶ ἀτιμάσαντες). Luc. 20, 11, der Basler nachdruck der übersetzung des neuen test. zählt höhnen unter die der erklärung bedürftigen wörter und erläutert es durch spotten, schmähen, schenden (Fromm. 6, 43ᵃ), wie auch Dasyp. und Maaler das wort nicht verzeichnen;
denn wer gedecht
zu leben schlecht,
gantz frumb und grecht ...
der wirdt durchecht
und gar geschwecht,
gehönt und gschmecht.
B. Waldis 4, 96, 133;
der neid der auch das beste höhnet.
Picander 2, 419;
sagt, wer ist schimpflicher gehöhnt,
der held von dem ein Sch(önaich) dichtet,
der dichter den ein G(ottsched) krönt?
Lessing 1, 34.
auch bei Wieland, doch nach dessen eigener erklärung in nachahmung der sprache des 16. jahrh.:
gehöhnt auf ewig
und aller ehren bar wär ich geblieben,
hätt euer muth die schmach mir nicht vergaumt.
18, 51, vergl. dazu vorrede s. 9;
in den sinn beflecken, verunehren übergreifend:
vor wehmuth brach ihm herz und blick,
doch schlang er stolz den strom zurück,
um nicht durch vaterthränen
den rittersinn zu höhnen.
Bürger 54ᵇ.
2)
unpersönliches es höhnt mich, es kränkt mich:
das höhnt den gsellen; er war nit faul,
mit einer handt warf umb den gaul,
und sprach: gott geb dem hund den ritt!
B. Waldis Esop 4, 59, 33;
langweilig wurde mir in mancherlei betracht
mein handwerk nun; auch höhnte mich sein name.
Bürger 107ᵃ;
auch mit dativ, es höhnt mir:
und wolt mir nit denselben (mörser) leihen,
solt euch etwas zu pfande setzen.
wiewol mirs hönt und thet mich letzen,
jedoch kundt ich sein nit entbern.
B. Waldis Esop 4, 27, 44.
3)
höhnen, auch an die bedeutung 1 anknüpfend, in schaden bringen, zum untergange führen, vgl. niederl. hoonen, fraudare, defraudare, fallere, decipere Kilian; schweiz. verhöhnen, verderben, zu grunde richten. Stalder 2, 50;
man sagt vil von dem zwang
der reizenden sirenen,
wie sie die schiff-leuth hönen
mit lieblichem gesang.
Schnüffis mirant. flötlein (1682) 51, 18;
auch in minder scharfer bedeutung, unterdrücken, an etwas gedeihlichem hindern:
und Phoebus, dem ich sonst kein gutes wort geschenket,
mir, der ich reimen will, es wiederum gedenket,
so dasz er, eh ich ihn durch busz und reu versöhnt,
mich fast drei wochen her, trotz aller müh gehöhnt.
Günther 748.
4)
höhnen, übermütig und mit verachtung spotten, ist zwa schon seit alters bezeugt: ahd. gahônjan illudere (neben der viel häufigern bedeutung 1) Graff 4, 691, vgl. auch verhöhnen und aushöhnen (1, 887); nhd. es ist ein hochtrabend volk (die Franken), welches über andere nationen sich erhebt, ja sie auch hönet und verspottet. Frank weltb. 50ᵃ; hat aber doch erst in der neueren sprache sich recht entfaltet: hönen, irridere, exagitare, ludificare, deludere, subsannare Stieler 847, und steht entweder
a)
absolut:
der nichts dann höhn und spotten kann.
E. Alberus 78ᵇ;
man lasse neid und pöbel höhnen.
Günther 217;
mädchen mit stolzen
höhnenden sinnen.
Göthe 12, 52;
nicht schämet euch zu singen,
ob dünkel höhnt und grollt!
Voss 5, 210;
das höhnende wort, dasz sieben tage hingereicht hätten, die monarchie .. umzustürzen. Becker weltgesch. 14, 389. der infinitiv substantivisch:
als man mit myrrhenessig ihn
in höchster wehmuth tränkt,
mit dem Elias fort heiszt ziehn,
und mit viel höhnen kränkt.
A. Gryphius 1698 2, 233.
b)
mit accusativ der person: einen hinderrücks hönen, subsannare aliquem a tergo. Stieler 848; soll ich in einem solchen alter gehönt werden, me hoc aetatis ludificari? 847;
disz that die weiszheit, die nunmehr
die frechen tadler höhnte.
Günther 30;
und höhnen sie uns heute, leicht mags sein
es reut sie morgen.
Wieland 18, 43;
ha! wie will ich dann dich höhnen!
höhnen? gott bewahre mich!
Schiller an Minna;
ihn (den gefangenen) zu betrachten, sammelt um und um
die wilde jugend sich aus Ilium;
wetteifernd höhnt mit herbem spotte
den eingebrachten fang die rachbegierge rotte.
zerstörung von Troja 11.
c)
mit accusativ der sache:
man mutzt an ihnen (frauen) stets auch alles haarklein auf,
ja wüszten sie einmal auch unsern lebenslauf ....
was meinst du? wie sie dir die sitten höhnen solten.
Günther 487;
ich spiel auf meinem haberrohr
so manch herzbrechend lied dir vor,
und du, und du,
du lachst dazu,
und höhnest meine pein!
Wieland 26, 214;
soll ich verehren was du höhnst?
Schiller Karlos 5, 4.
d)
auch mit dem genitiv der person (wie spotten) und der sache bei Klinger: er glaubte, ich höhnte seiner. 1, 57; höhnt des ewigen! 3, 27; der grausame höhnt meiner. 5, 343; dasz er meines alters höhnt. 2, 303; sein herz höhnte des entschlusses. 3, 190; vielleicht auch bei Hagedorn, wenn höhnen in der folgenden stelle nicht absolut steht:
Iris tändelt, scherzt und singet,
höhnt und lacht der leidenschaft.
3, 57.
5)
höhnen mit accusativ der sache heiszt auch (wie spotten) eine sache nicht achten, über sie hinweg sehen, ihr trotzen; die beispiele reichen nicht über das vorige jahrhundert hinauf:
lächelt, muntre schönen,
unsern ernst zu höhnen.
Hagedorn 3, 90;
die göttin steht an ihren spiesz gelehnt,
und sieht, mit einem blick der ihren kummer höhnt,
im ganzen kreise nichts als feuerrothe wangen.
Wieland 10, 143;
weiberlist höhnt schlosz und riegel.
Gotter 1, 262;
soll
der frevler deine nachsicht höhnen? oder
höhnst du die meinige?
2, 268;
durch eine unbegreifliche verbindung der ereignisse, welche allen menschlichen scharfsinn höhnte. Freytag handschr. 1, 189.
Zitationshilfe
„höhnen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6hnen>, abgerufen am 19.10.2019.

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