Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

höhnisch, adj. und adv.

höhnisch, adj. und adv.
1)
mit schmach verbunden, schmählich (vergl. hohn 1 sp. 1722): das ist der, welchen wir etwa fur ein spott hatten, und fur ein hönisch beispiel (εἰς παραβολὴν ὀνειδισμοῦ septuag.). weish. Sal. 5, 3; doch es lief mit dem guten stümper gar höhnisch ab. Chr. Weise kl. leute 203.
2)
nach hohn 3, schmach anthuend, einen andern durch worte erniedrigend: verstummen müssen falsche meuler, die da reden wider den gerechten, steiff, stolz und hönisch. ps. 31, 19 (ἐν ὑπερηφανία καὶ ἐξουδενώσει septuag., eine variante hoffertiklich und verechtlich); so scherzet ein höhnischer prinz. Chr. Weise comöd. 21; der häscher war etwas höhnisch und begehrete er solte seiner wege gehen. kl. leute 221; waren die letztern schon mit worten und geberden gegen Solanden hönisch mit dem vorsatz ihn zu schimpfen. polit. stockf. 286. eine redensart: ist der herr auch hönisch? facet. facet. 133 wird von Stieler 848 erklärt: fumumne venditare edoctus es?; seid ihr noch so hönisch, dasz ich euch sagen soll, was ihr zuvor wol wisset? S. v. Birken Marg. 201. einige beispiele rühren schon ganz an die heutige bedeutung des wortes: darumb das du .. uber das land Israel von ganzem herzen so hönisch dich gefrewet hast. Hes. 25, 6 (ἐπέχαρας ἐκ ψυχῆς σου ἐπὶ τὴν γῆν τοῦ 'Ισραήλ septuag.);
wie hönisch man mir spricht,
wie harten schimpf man wider mich darf regen.
Opitz psalmen s. 129;
als Christus eben in dieser woch, da er über die stadt Jerusalem geweinet, ist gecreuziget worden, werden die phariseer und schriftgelahrte, welche gehört hatten, was Christus der stadt Jerusalem für einen erbärmlichen untergang verkündiget hatte, sich ohne zweifel hönisch darüber gemacht, und gesagt haben: der arme Jesus von Nazareth ist kein politicus. Schuppius 185.
3)
bei einer formel einen höhnisch halten tritt theils mehr der begriff der schmähung und erniedrigenden behandlung, theils schon der bloszen verhöhnung hervor; das erstere bei Schuppius: als neulich der schiffer Jan von Amsterdam kam, verehrete uns die schönen holländischen käse und die zweibacken, und wolte freundschaft mit dir machen, da hieltest du ihn so hönisch, dasz mich seiner jammerte: aber als Menelaus .. kam mit seinen schönen gelben haaren, da thätest du, als ob du dein herz mit ihm theilen und ihn ausz liebe fressen wollen. was bildest du dir ein, dasz du schiffer Jan also verachtest? 483; das letztere bei andern: er hält den Pyrrhus höhnisch, als solte er sprechen: du magst dich wol eines andern berühmen. Opitz 1, 262; in der ausgegangenen Pegnitzschäferei werden dergleichen deutsche Franzosen hönisch gehalten, daraus wir dieses nur zum exempel anziehen wollen (folgt eine verspottung der sprachmengerei). E. Hanmann anmerk. zu Opitz' poeterei 123; deinetwegen (sagte er, mich hönisch zu halten) wirt die morgenröthe nit schamroht werden. S. v. Birken ostl. lorbeerh. 1; fürtreffliche nymfe! es beliebet euch, meine person also hönisch zu halten, weil ihr eine amazonin seit. Margenis 32; wer aus eigner nachlässigkeit in schimpf gesetzt wird, der mag höhnisch gehalten werden. Chr. Weise kl. leute 61.
4)
nach und nach verschwindet bei höhnisch (wie beim subst. hohn) der begriff der schmach und schande, und der begriff des bösen spottes kommt auf, der in der heutigen sprache ausschlieszlich waltet: ein höhnischer mensch, homo cavillator, ein höhnisches frauenzimmer, cavillatrix Steinbach 1, 780; höhnische worte, höhnische blicke, ein höhnisches naserümpfen; hönische briefe, litterae aculeatae Stieler 848; indem sie einen höhnischen seitenblick auf die schöne mit den groszen augen warf. Wieland 19, 49; ihr blick ist höhnisch. Kotzebue dram. spiele 2, 261;
ob es (das glück) noch so stürmisch thu,
singt mein geist bei stiller ruh
doch ein hönisch lied dazu.
Günther 214;
ha, dachte der kaiser, zur glücklichen stunde!
und grüszte das pfäfflein mit höhnischem munde.
Bürger 66ᵃ.
adverbial: einem höhnisch begegnen, aliquem aceto perfundere Steinbach 1, 780;
wie höhnisch solten sie des blinden hochmuths lachen!
Günther 488.
ungewöhnlich ist die formel höhnisch auf etwas sein, es höhnen, verspotten:
(Eumolp) von schreiberischer eitelkeit,
wie er vermeinte, ganz befreit,
und höhnisch auf den stolz, der schriftverfasser blendet.
doch sein verleger kömmt, sein Tryphon, der ihn rührt,
ihm lust und feder schärft, ihn schmeichlerisch verführt.
er wagt ein neues werk, er grübelt tag und nacht,
und schreibet um den ruhm, den er zuvor belacht.
Hagedorn 3, 108.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1728, Z. 1.

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Zitationshilfe
„höhnisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6hnisch>, abgerufen am 28.10.2021.

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