Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

höllenbrand, höllbrand, m.

höllenbrand, höllbrand, m.
einer der in der hölle brennen wird, das höllenfeuer speist, groszer bösewicht (vgl. unten höllenscheit), bereits mhd. hellebrant: sô du von tœtlîchen sünden ein hellebrant worden bist. d. myst. 1, 278, 32; nhd. das herzog George, sampt seinen helfern, .. in abgrund der hellen feret, daselbs in ewiger glut, als ein hellebrand, zu brennen. Luther 6, 12ᵇ; also kans denn geschehen, das, wer auf der oberkeit seiten erschlagen wird, ein rechter marterer für gott sei, .. widerumb, was auf der bawren seiten umbkompt, ein ewiger hellebrand ist. 3, 125ᵃ; was fürchtet ihr denn die hellenbrände, euere feinde. briefe 5, 800; Grickel (Agricola) als ein unbusfertiger hellenbrand. Alberus vom basilisken B 2ᵇ; die gottlosen und ungetauften teufels schlacken und hellenbrende. Mathes. Sar. 114ᵃ (ausgabe von 1564 hellbrende); obwol der leib .. eine zeitlang in der erde ligen bleibet und verfaulet, so wird er doch am jüngsten tag wieder aufstehen und nach dem letzten urtheil mit der seele ein ewiger höllenbrand sein müssen. Simpl. 2, 116 Kurz; disz liebe schöne kind, das ihr jetzt herzet und küsset, das ihr euer engelchen und seelichen nennet, kann ein gottes und menschen feind und greuel, ein atheist, ein mörder, ehbrecher, dieb, und kurz zu sagen ein höllenbrand werden. Scriver seelensch. (1684) 124; unterdessen trösteten sich die unschuldigen an dem untergange dieser höllenbrände. colica 338; bei dem begräbnisse dieses höllenbrandes. Felsenb. 1, 219; der verzweifelte höllenbrand. 2, 9; o ich racker allzumal, und verflucht-bekannter alter höllenbrand! J. Paul uns. loge 1, 121;
das erdreich uberdrüssig ist,
zu tragen solche hellenbrend.
E. Alberus kirchenlied u. Jesusbüchlein (1608) B 6ᵇ;
der alte Kunz war, bis ans grab,
ein rechter höllenbrand:
er pflügte seinem nachbar ab,
und stahl ihm vieles land.
Hölty 187 Halm;
auf Hildebrand, spätern papst Gregor VII, ist eine seit dem 16. jahrh. bezeugte reimspielende verbindung bezogen, wie man auch seit dieser zeit, aber zu unrecht, die Hildebrandsgriffe mit ihm in verbindung brachte (sp. 1322): Hildenbrand, höllenbrand. Pistorius thes. par. 4, 55;
der erzböswicht bapst Hildeprandt
erregt grosz krieg in teütschem landt ...
noch kundt der helbrand feiren nicht,
des kaisers son er auch anricht,
sein vater zu verjagen.
Körner hist. volksl. 183. 184.
mit höllenbrand wird selbst der teufel gemeint: wie viel gröszer sünde, schand und schaden ist es, wenn das edle bilde gottes .. vom rechten hellebrand, dem leidigen teufel, angesteckt, verbrandt, zerstöret und verwüstet wird. Suevus trewe warnung für der leidigen verzweifelung (Görlitz 1586) F ij; um sich pathetischer auszudrücken, würden sie mich einen höllenbrand, einen eingefleischten teufel genannt haben. Lessing 1, 390;
was uns beschert dein milde hand,
das nehm uns gern der hellenbrand (der teufel).
E. Alberus kirchenlied.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1749, Z. 28.

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Zitationshilfe
„höllenbrand“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6llenbrand>, abgerufen am 19.10.2021.

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