Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

höllisch, adj. und adv.

höllisch, adj. und adv.
infernalis, mhd. hellisch, hellesch: hellisch Erebeus Maaler 218ᵃ.
1)
der hölle zugehörig, in ihr befindlich, aus ihr kommend: iʒ ist dir beʒʒir daʒ vorterbe eineʒ dîner gelide, wan daʒ dîn lîcham gancz gê in das hellische fuͦr (feuer). Behaims evang. buch, Matth. 5, 29; ir schlangen, ir ottern gezichte, wie wolt ir der hellischen verdamnis entrinnen? Luther Matth. 23, 33; warumb solt denn der nicht ehre verdienen, der die hellischen feinde erkündet, und die christen erweckt und beruft? werke 1, 292ᵇ; es were nicht wunder, das gott vom himel schwevel und hellisch fewr regenet, und Rom in abgrund versenkt. 295ᵇ; lasset euwern grimmigen zorn fallen, welchen euch die hellischen götter zugefügt haben. buch d. liebe 208ᵈ; hellisch weib, furia, die hellischen, inferi Maaler 218ᵃ; die schilderung des höllischen reiches bei Milton. Kant 7, 380;
got behüt uns vor den hellischen flammen!
fastn. sp. 678, 6;
auch sol sie (die arme seele) werden satt
von dem hellischen stanke.
938, 32;
das hellisch heer erschrack so fast,
dasz sichs für lauter furcht bekleckt,
und in die innerst hell versteckt.
mückenkr. 1, 32;
es stank in ihrem reviere
ärger als höllisches pech.
Göthe 40, 199;
strauchelt der gute, und fällt der gerechte,
dann jubilieren die höllischen mächte.
Schiller Macbeth 1, 1.
bei Luther der superlativ hellischt (für höllischst) als spotttitel des papstes: der hellischt vater selbs leret. 8, 8ᵇ. vgl. höllischheit.
2)
der hölle gemäsz, teuflisch, von menschen, deren character, streben, denken, thaten: welchs nicht anders denn teufelisch und hellisch irrthum were. Luther 1, 292ᵃ; ha! noch meinen bruder erschlagen? blutdürstiger! höllischer! Fr. Müller 3, 418; höllischer betrug! Kotzebue dram. sp. 2, 219; höllische schurken! Göthe 8, 98; dasz du noch solche höllische kunstgriffe brauchst, um meine marter zu schärfen. 20, 93. ästhetisch, in bezug auf maler, die scheuszliches und abstoszendes producieren:
so verwirret mit dumpf willkürlich verwebten gestalten,
höllisch und trübe gesinnt, Breughel den schwankenden blick.
Göthe 1, 360;
auch die maler aus der höllischen schule schätzt man nach verdienst. J. Paul grönl. proc. 1, 47.
3)
das höllische feuer hiesz früher eine krankheit: sô ist eʒ (kresse) guot für den nagenden siehtum, der ze latein ignis persicus haiʒt und haiʒent in etleich laien daʒ hellisch feur. Megenberg 410, 14; dann ein sehr zerstörendes spreng- oder zündpulver: das letzte dieser geheimnisse erinnert mich an das höllische feuer, welches in dem vorigen kriege der könig von Preuszen zu haben geglaubt ward. Lessing 11, 238.
4)
höllisch, verstärkend, mit dem nebenbegriff des abstoszenden: hier ist eine höllische hitze; das riecht ja hier höllisch übel; ein höllischer gestank; nd. hellschen warm, auch hellschen klôk (klug);
's ist höllisch schwül.
Göthe 13, 84;
da kanns höllisch was geben. Holtei Lammfell 84; vgl. schon bei Stieler 2490 hellenweit neben himmelweit als ausdruck für enorme entfernungen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1758, Z. 13.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
höllenstrafe
Zitationshilfe
„höllisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6llisch>, abgerufen am 05.07.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch (¹DWB)