Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

höllküchlein, n.

höllküchlein, n.
plur. küchlein, naschwerk, ursprünglich wol wie sie in der hölle hinter dem ofen aufbewahrt sind, um, durch die wärme frisch und zart erhalten, jeweilen ein heimliches naschgelüst zu befriedigen, oder einem besuche schnell vorgesetzt oder auch kindern als leckerbissen zugesteckt zu werden; in diesem sinne wenigstens scheint das wort im Garg. vorzukommen: meister Janot von Braccamodo, auf cesarnisch beschoren, von guten sorbonistenharen, bekleidet auf die alt weisz mit seinem lyripipi und achselbruch: und den magen wol antidotirt und eingeweihet mit höllenküchlin ausz dem höllhafen inn der fägisch und pfaffentäsch. 151ᵃ; der warlich seiner mutter nicht an den fersen gewachsen ist, das man ihm also die höllenküchlein verbitterte. 47ᵇ. sie werden wie die krapfen in fett gebacken, daher in einer stelle, wo freilich beziehung zu hölle infernum gesucht ist:
da sach ich das ganz hellisch feuer, ...
da hört ich die hellküchlein schnalzen.
H. Sachs 1, 359ᵃ.
Der name dieses gebäckes konnte leicht für einen kleinen nebenvortheil, etwas beiläufig gutes, das einem erzeigt wird, verwendet werden; so heiszt es in einer st. Blasier handschrift von 1440: libentius accipiunt propinas schmoͮchales, hellküchlin. Mone schausp. des mittelalters 2, 110; der sinn eines ungerechten vortheils, bestechungsmittels entstand hieraus um so leichter, als das wort erlaubte sowol an hehlen als auch an hölle infernum (s. oben die stelle aus H. Sachs) zu denken; dabei ist die ursprüngliche vorstellung eines backwerks in der anwendung nur selten verwischt: die täglichen hellküchlin gegen ihrem obern. Paracels. chir. schrift. 367 C; denn sobald ein Teutscher in Italien den epicurismum gelernet hat und verdewet das helleküchlein, so ist er viel erger und tückischer denn ein wahl (wälscher). Luther tischr. 432ᵇ; da werden die juristen reich von den schenken und helküchlein. H. Sachs dial. 50, 29, vgl. dazu die bemerkungen Köhlers s. 105—107; in vir wege wird des menschen verstand verkehret; besonders durch di helleküchlein, oder ungerechte geschenke. Butschky kanzl. 645; solches gibt ihnen (den beamten) auch per se stattlich geld zu zehlen, und ein extra-ordinari etiam oder gutes fettes krautfutter und höllküchlein in die kuchen. baurenst. lasterpr. 16;
der reichen thu ich mich erbarmen,
di tragen mir helküchlein zu.
H. Sachs 2, 2, 36ᵇ;
schaw das du nieman dise wochen
mit eim helküchlein habst gestochen.
2, 2, 37ᵇ;
das mir ein weil durch list und renk
ser vil helküchel, gab und schenk
in meinen beutel hat getragen.
3, 3, 78ᵃ;
die hellküchlein, die er verzert,
die haben im den bauch beschwert.
P. Rebhun Susanne 5, 5;
er (ein rath) bekummt auch dafür (für seine fürsprache) vil schmir.
die hellküchlein frist er gar gern,
die im noch wern ausz dem leib schwern
durch zipperlein odr wassersucht.
J. Ayrer fastn. sp. 50ᶜ (2591, 14 Keller).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1759, Z. 20.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
höllenstrafe
Zitationshilfe
„höllküchlein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6llk%C3%BCchlein>, abgerufen am 05.07.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch (¹DWB)