Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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holzen, verb.

holzen, verb.
1)
holz schlagen, im walde holz holen, mhd. holzen (Lexer wb. 1, 1330): lignor ich ghe holzen. Alb. JJ 2ᵃ; holzen, zuͦ holz faren oder gon holz ze füren, lignari, materiari Maaler 230ᵈ; lieszen zu zeiten ain tag oder 2 in der wochen .. iederman holczen, wer wolt, in dem newen wald. d. städtechron. 2, 327, 3;
die axt exklingt, da blinkt schon jedes beil,
die eiche fällt, und jeder holzt sein theil.
Göthe 3, 244;
in der form hölzen:
gerne wil ich bei dir pflügen,
gern auf harten gerstenstroh,
liebstes kind Karille liegen,
gerne dreschen, hölzen: wo
ich bei dir nur möge leben
und zur zeit ein küszgen geben.
Schwieger geharnischte Venus 172.
2)
technisch, in transitiver fügung: einen deich holzen oder beholzen, ihn mit holz bekleiden; beim bäcker den ofen holzen oder beholzen, ihn mit holz versehen. Adelung.
3)
holzen, bei den jägern, auf einen baum springen oder klettern, vom fuchs, marder und eichhorn. ebenda.
4)
holzen, in der burschikosen sprache, prügeln.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1769, Z. 44.

hölzen, hölzern, adj.

hölzen, hölzern, adj.
ligneus; ahd. holzîn bei Notker (Graff 4, 932), mhd. dagegen vorwiegend hülzîn (neben holzîn Lexer mhd. wb. 1, 1382), was auf ahd. hulzîn hinweist. das wort steht, bei allmählicher formveränderung, in eigentlichem und in übertragenem sinne.
1)
in eigentlichem, aus holz gefertigt.
a)
die mhd. form klingt in hülzen oder ohne umlaut geschriebenem hulzen, noch bis ins 17. jahrh. nach: hulzin lineus, est aliquod factum de ligno. voc. inc. theut. k 4ᵇ; lege eʒ uf einen hülzinen rost. buch v. g. sp. 4; henket sich mit den hindern füszen an einen hülzin nagel. Steinhöwel (1487) 68ᵇ; der hülzen weinstock bedeut Christum. Luther 3, 442ᵇ; (da) Jeremias eine hülzen ketten am halse trug. 4, 273ᵇ; denn wir sind ja, gott lob, so grob nicht, das wir gleuben oder sagen, das es leiblich so zugegangen sei (bei der höllenfahrt) mit euszerlichem gepreng, oder hülzen fahnen, und tuch, oder das die helle ein hülzen oder eisern gebew sei. 6, 77ᵃ; alles hülzen gefesz. 4 Mos. 31, 20; holz zu hülzenem gerete. 1 chron. 30, 2; bawen hülzin stett und thürn. Frank weltb. 4ᵃ; wasser in einer hülzin schüssel. Aimon bog. Z; eine hülzene fläschen. Pauli schimpf 135ᵃ; mit einem bock oder dolchen in einer hülzen scheiden umbgürtet. Kirchhof wendunm. 150ᵇ; und also musz man auf den palmtag ein hülzinen esel, mit laufenden phariseern und pfaffen runds umbgeben, umbher schleppen. Fischart bienk. 149ᵃ; zu der zeit, .. da die kelch hülzin und die priester guldin waren. 171ᵃ; wollen die frösch den hülzinen ploch nicht, so will ich den storken uber sie schicken. Zinkgref apophthegm. 1, 73;
so kumbt man zuͦ der bicht zuͦ zyt,
wann man die hülzen taflen lüt (zur charwoche).
Brant narrensch. 110ᵇ, 91;
ein könig auf eim hülzen ross.
Ayrer 294ᶜ (1470, 22 Keller);
hülzes für hülzenes: geht gar wunderlich daher, hat ein hülzes schwert. 454ᵇ (2282, 21).
b)
daneben, vorzüglich im 16. jahrh., schon vielfach hölzen: ligneus holzen Dief. 329ᵇ (mitteldeutsch, 15. jahrh.); steinen oder hölzen kirchen. Luther 1, 191ᵇ; steinen und hölzene bew (gebäude). Schade sat. u. pasqu. 2, 36, 32; ob die ampel for den hölzenen götzen brennen. 3, 282, 2; hölzin bild, signum ligneum. Maaler 228ᵇ; ein hölzins röszlein. Th. Platter 19. sprichwörtlich: hölzin oder küpferin gelt (geringes, schlechtes), hölzin seelmesz. Frank sprichw. 2, 65ᵇ;
den liebsten bulen, den ich hab,
der ligt beim wirt im keller:
er hat ein hölzins röcklin an,
und heiszt der moscatteller.
Garg. 85ᵇ;
in der Achiver langem weiber-kriege
half letzlich noch ein hölznes pferd zum siege.
Logau 1, 159, 82.
noch Frisch führt die form hölzen neben hölzern als gleichberechtigt an.
c)
unter eintritt des pluralen r der substantiven mutterform entsteht die form hülzern (wie beinern, steinern, gläsern, fleischern für beinen, steinen, gläsen, fleischen) schon früh: ligneus hulzern Dief. 329ᵇ (15. jahrh., mitteldeutsch); hulzern pfulfe (pfühl, in der badestube). Michelsen Mainzer hof 41; öfters bei Luther neben hülzen: es sind mancherlei rosen, als silbern, gülden, tüchern, papiren, steinern, hülzern. 3, 471ᵇ; kein eisern noch hülzern creuz. 6, 8ᵃ; in hülzern und steinern gefeszen. 2 Mos. 7, 9; eine hülzerne seule in einem königlichen saal. Baruch 6, 58; manchen eisznen und hulzern nagel verschlagen. Pauli schimpf 165ᵃ; von einem hülzern Johannes. Kirchhof wendunm. 314ᵇ; dasz schier nützer wer es würd ein hülzern stock an ire statt gestellet. 154ᵇ; warf ein hülzern liechtstock in der kammern ober sich. 403ᵇ.
d)
die heute in der schriftsprache ausschlieszlich herschende nebenform hölzern wird hier aus dem 17. jahrh. nachgewiesen, ist aber wol auch schon im 16. vorhanden gewesen:
als bald nimpt Jupiter ihm gold zu seinem throne, ..
Mercur umb seinen stab, der vor nur hölzern war.
Opitz 1, 55;
hölzerne nägel; hölzerne kisten; hölzerne häuser, säulen; das hölzerne (trojanische) pferd. Lessing 6, 405;
eingeschlummert, matt vor alter
sasz auf seinem hölzern stuhle
Cid, der feldherr.
Herder Cid 62;
an diesem tone vermuthe ich, dasz er einer jener leute war, die inwendig im leibe grau angestrichen sind und hölzerne gedärme haben. H. Heine 11, 142.
e)
manchmal wechseln die formen dicht hintereinander: auf ein hölzin geschirr gehört ein hülzener deckel. Lehmann 165;
warn hölzen kelch und gülden pfaffen,
die man nit tadlen kundt noch strafen.
jetzt aber habens kelch von goldt
und sein dem geiz daneben holdt,
und sein die pfaffen jetzt gar hülzen,
und gar viel gröber denn die rülzen.
B. Waldis Esop 4, 83, 13. 17.
2)
das hölzerne gelächter hiesz früher die strohfiedel, eine art holzharmonika: das hölzene gelächter, baculi in stramine jacentes symphoniaci Frisch 1, 562ᵇ; des tons ungefehrlich wie ein hilzes gelechter. Winkelfelder 339;
hülzen gelechter und drommeten,
schalmeien, fleiten.
Schade sat. u. pasqu. 2, 233, 1366.
3)
hölzern in übertragenem sinne.
a)
steif, von dem benehmen eines menschen, nicht geschmeidig: sie werden so einen hölzernen Peter nicht zum rathsherren machen. Chr. Weise erzn. 400; (wir) verachten einen andern also genannten hölzernen Peter. kl. leute 336; sie finden ihn ohne zweifel ein wenig steif und hölzern. Lessing 1, 573;
(jungfern) die nicht wie stumme götzen
sind in die kirche nur, nicht an den tisch, zu setzen,
und die man billich heist ein hölzern frauenbild,
das nur zum schauen taug, und nicht zum brauchen gilt.
Logau 2, 13;
pfui, schäme dich; so hölzern bist du nie,
so unerträglich langsam nie gewesen.
Schiller Karlos 2, 7;
von seinem fühlen und denken, ohne schwung: und dann der trockne alltagsmensch, der kalte, hölzerne Franz, und wie die titelchen alle heiszen mögen, die euch der contrast zwischen ihm und mir mocht eingegeben haben. Schiller räuber 1, 1; reisen, die immer das hölzerne aus den menschen nehmen, wie die versetzungen das holzige aus den kohlrüben. J. Paul flegelj. (1804) 1, 235; das hölzerne herz im menschenklotz. Hesp. 1, 104;
hölzern ist sonst sein verstand.
Logau 3, 170, 90;
in bezug auf die äuszerungen dieses fühlens, in rede und kunst: ich weis nicht, es klingt im deutschen alles so hölzern. man kann in dieser wendischen sprache gar keinen charmanten gedanken anbringen. Gellert 3, 280; gewisse kalte allerweltschreiber geben uns musivische oder hölzerne gemälde, welche man leicht kopirt, indem man sie blos der länge nach verdoppelt und durchschneidet. J. Paul vorsch. d. ästh. 3, 28; die hölzerne nichtigkeit der romantischen kunst. H. Heine 6, 127.
b)
hölzern, von einer klanglosen stimme: polterte Barthle .. mit lauter, hölzerner stimme. Felder sonderl. 1, 3; selbst vom geschmack: hölzerner geschmack, sapor insipidus. Stieler 855.
c)
als bild für geringes, nichtiges: hölzin oder küpferin gelt, hölzin seelmesz. S. Frank sprichw. 2, 65ᵇ; Salome bittet für ihre söhne, einen soll er zum groszcanzler, den andern zum vice re machen. o der närrischen bitt! o der hölzernen anschläg! Otho 1350.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1769, Z. 66.

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höllenstrafe
Zitationshilfe
„hölzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6lzen>, abgerufen am 07.07.2020.

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