Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

holz, n.

holz, n.
lignum; alts. ags. fries. altnord. niederd. holt, niederl. hout, ahd. mhd. holz, im gothischen nicht bezeugt. als nächster verwandter dieses uralten gemeindeutschen wortes stellt sich, wie Miklosich lex. palaeoslov. 287ᵃ beibringt, altslav. klada trabs, nsl. klada truncus, arbor in silva, und da hier die vorstellung des abgehauenen, gefällten entschieden hervortritt, das wort auch als eine passive bildung genommen werden kann, so darf wol bei ermittelung der ursprünglichen bedeutung sanskr. kṛnâti er tödtet, çṛṇâti macht nieder, griech. κείρω schneide ab, herangezogen und holt, holz eigentlich als der niedergeschlagene, zu feuerung und bau verwendete baumstamm bezeichnet werden. Uns bezeichnet das wort
1)
holz als materie.
a)
eichenes, buchenes, tannenes, kiefernes u. s. w. holz; brennholz, bauholz; holz in stämmen, scheiten, flöszen; (ein) fuder holz. Nürnb. poliz. 303; ein klotz, ein stück holz; eichein und lintein hölzer. weisth. 6, 109; was ist holz vom weinstock fur anderm holz, oder ein reben fur anderm holz im walde? Hes. 15, 2; junges, altes, grünes, dürres, glattes, krummes, knorriges, gesundes, faules, wurmstichiges holz: so man das thut am grünen holz, was wil am dürren werden? Luc. 23, 31; als das krum und estig holz ist. weish. Sal. 13, 13; er achtet eisen wie stro und erz wie faul holz. Hiob 41, 18; überflüssige feuchtigkeit der erden, der bäume, der faulen hölzer und anderer faulen dingen. Tabernaem. 1520; sie dürfen mir kein wurmloch ins holz kommen lassen, oder ich schmäle. Möser patr. phant. 1, 137; das holz (der särge) war fast überall noch gesund. Lichtenberg 5 (1803) 151;
nehmet holz vom fichtenstamme,
doch recht trocken laszt es sein.
Schiller glocke v. 21.
es heiszt steif wie holz: so steif wie holz, als wenn kein leben in ihm wäre! Göthe 14, 160; sprichwörtlich: alle krumme hölzer sind quaat zu richten. Schottel 1133ᵇ; je krummer das holz, je besser die krücke. Simrock sprichw. 258; alt holz brennt besser als junges. alt holz gibt gut feuer. grünes holz, grosze hitze. 259; scherzhaft kaltes holz, prügel, wie ungebrannte asche (vgl. holzen):
fehlt dirs im magen oder därmen,
wil dirs bei kaltem holz wol wermen.
B. Waldis Esop 4, 19, 106.
das holz wächst, wird gefällt, geschlagen, gehauen, geschunden, abgeschält (eʒ ensol auch dehaineʒ burgers kneht kaine holz mer schynten noch kaine lo davon verkaufen. Nürnb. poliz.-ordn. 303), gespalten, gesägt, gehackt, gezimmert; dürr holz wird gelesen, gebrannt: holz und unglück wachsen über nacht. Lehmann 98; Abraham .. spaltet holz zum brandopfer. 1 Mos. 22, 3; holz zimmern, zu machen allerlei künstlich erbeit. 2 Mos. 35, 33; die ihn drob funden hatten, da er holz las. 4 Mos. 15, 33; holz samlen, lignari. Dasyp.; dürr holz beygen, aridum componere lignum. Maaler 230ᶜ, vgl. unten holzbeige; wenn jemand mit seinen nehesten in den wald gienge, holz zu hawen, und holet mit der hand die axt aus, das holz abzuhawen. 5 Mos. 19, 5; der weg ist eine wohlgemachte chaussée, um das (gefällte) holz aus dem gebirge bequemer in das land herunter zu bringen. Göthe 16, 227;
(wird) die scharfe axt zur hand genommen,
und holz im hain gefällt bis in die dunkle nacht.
Wieland 23, 95 (Oberon 8, 40);
wenn nimer holz da ist, so verlescht das fewr. sprichw. Sal. 26, 20; wie die kolen ein glut und holz ein fewr, also richt ein zenkischer man hadder an. 21; sprichwörtlich: hilft holz zum feur tragen (schürt die zwietracht). Schottel 1118ᵃ; da hat sich was makeln lassen; da hat sich was fischen lassen! da hast du noch holz obendrein zugetragen! Schiller kab. u. liebe 2, 4; auf einem holz hacken, ihn schlecht behandeln: zu hofe fällt keiner härter, als der in des herrn ungnade fällt; da wil iedermann holz auf ihm hauen. Butschky Patm. 302; das, wann er (in ungnade) fällt, iderman holz auf ihm hacken wil. hochd. kanzl. 279. technisch ein baum hat zu viel holz (Frisch 1, 464ᵃ), schieszt, wächst ins holz, wenn er im verhältnis zu den früchten zuviel neue zweige treibt; auch in freierem sinne: eine überreife, ins holz gewachsene schöpfung. Tieck 20, 209; holz legen, beim gärtner abgeschnittene ranken in die erde legen, damit sie zweige bekommen. Frisch 1, 464ᵃ. holz in der verwendung beim bau und im kunsthandwerk: und bereiten zu holz und steine zu bawen das haus. 1 kön. 5, 18; ich habe aus allen meinen kreften geschickt zum hause gottes gold zu güldenem, silber zu silberm, erz zu ehernem, eisen zu eisenem, holz zu hülzenem gerete. 1 chron. 30, 2; der könig Salomo lies im eine senfte machen von holz aus Libanon. hohel. 3, 9; allerlei gefes von kestlichem holz. offenb. 18, 12; holz schnitzen. — vgl. unten no. 3 und holzbau, holzbude, holzgefäsz, holzschnitt u. a. composita.
b)
der plur. hölzer, holzarten: es waren vorhin nie gesehen solche hölzer im lande Juda. 2 chron. 9, 11; die nutzbaren fruchtbäume rodete er aus, und pflanzte ausländische hölzer an ihre stelle. Musäus 4, 71.
c)
das letzte beispiel zeigt den übergang des wortes in die bedeutung baum, der mehrfach deutlich sich vollzogen hat:
all frücht zu essen hab gewalt,
vom holz des wissen dich enthalt (vom baum der erkenntnis).
Schwarzenberg 99ᵇ;
er lehnte seine feuchten wangen
ans grüne holz (Apollo an den lorbeerbaum).
Hölty 4 Halm.
auch in andern, mehr technischen verbindungen: todtes holz nennt der förster die nadelbäume, weil sie aus den stöcken, stämmen oder wurzeln nicht wieder ausschlagen, im gegensatze zu lebendigem holze, laubholze; der ort liegt zwischen fruchtbaren, mehr oder weniger steilen, zum theil mit holz bewachsenen hügeln. Göthe 43, 142, vgl.holzbewachsen. holz mit näherem beisatze als baum- oder auch strauchname: weiszes holz, bignonia leucoxylon, tulpenbaum, auch melaleuca leucadendra, der kajaputbaum; ewiges holz, pistacia lentiscus, der mastixbaum; heiliges holz, lebensholz, blatterholz, pockenholz, guajacum sanctum, vergl. dazu unten holzkur, und die Schm. 1, 1104 f. Fromm. beigebrachte redensart ins holz legen: solche kranke und dürftige, die sich am stein schneiden, oder wohl gar in holz legen lassen müssen. aus e. test. von 1546, was auf die holzkur gedeutet wird; s. auch unten holzhaus; grünes holz, gelbes holz, laurus chloroxylon; stinkendes holz, cassia occidentalis; wildes holz, genista tinctoria, färbeginster, auch spartium scoparium, pfriemkraut.
d)
mit rücksicht auf seinen wert und seinen innern gehalt wird der mensch dem holze verglichen: er ist aus gutem holze; ein grobes holz, ein ungeschickter mensch, truncus, stipes, homo qui ligno similis ex quo non fiet Mercurius. Frisch 1, 464ᵃ; denn ich bin auch .. desz holtz desz ihr jetzt seit (von gleichem stande). Kirchhof wendunm. 157ᵃ; ich bin so gut vom adel als ihr, und eben so wol desz holzes, da man die bischoff auszschnitzelt. Zinkgref apophth. 1, 327; es war unmöglich aus diesem groben holz einen doctor oder licentiaten zu schnitzen. Schuppius 802; je höflicher du mit einem schlechten kerl und groben holz umbgehest. pers. rosenth. 8, 87; (da adliche) in ihrem herzen die bürgerlichen wenig oder gar nichts achteten, weil sie in den ungegründeten gedanken stünden, sie wären aus einem ganz andern holze gewachsen. ehe eines mannes 49;
kan man nicht galant betrügen,
nennt man uns ein grobes holz.
Günther 83.
2)
holz, eine mit waldbäumen und sträuchern dicht bestandene fläche, wald, wie franz. bois: schon ahd. saltus holz, pergâ, ze holz indrinnen silvas requirere Graff 4, 931; mhd.
nû riten si beide
nû holz nû heide,
unz daʒ sî der tac verlie.
Erec 3107;
solde ich mit iu ze holze gân,
mich stæche lîhte ein dorn.
minnes. 2, 172ᵇ Hagen;
nhd. hohe hölzer, tiefe, weit umfangene wälder (gegensatz zu vorhölzern). öcon. lex. (1731) 1160; reit also dem weg nach, bisz ich kam ausz dem holz. d. städtechron. 5, 107, 27; unsere herrschaft haben inen die hölzer alle allein geeignet. Luther 3, 112ᵇ; darnach hat er wollen einen andern bekandten weg durchs holz reiten. 385ᵇ; gehen gar sicher durch wälder, hölzer, durch ort so vor den mördern nicht sicher. Schuppius 697; ein holz zu besichtigen. Schweinichen 3, 283;
auf dasz ich recht mit ihnen (den nymphen) frölich sei,
such ihren sammelplatz ich in dem holz hierbei.
A. Gryphius 1698 1, 704;
der berg war hoch, mit busch und holz bedeckt,
und im gesträuch der krumme pfad versteckt.
Wieland 10, 169;
da ritt in seines zornes wuth
der graf ins nahe holz.
Schiller gang nach d. eisenhammer;
und die blümlein blühn im holze.
Rückert 40.
sprichwörtlich: das holz musz pfleglich gehalten werden. Pistorius thes. par. 5, 64;
welcher kriegt aus fürwitz und stolz,
derselb jagt in seim eigen holz (richtet sich selbst zu grund).
Kirchhof wendunm. 34ᵇ.
Feste verbindungen sind gen, ins holz, zu holz gehen, laufen, fliehen, fahren:
eʒ was hie vor unbillich, daʒ nu mengiu tuot,
daʒ si ze holze liefen reijen, sam die knaben.
minnes. 2, 77ᵇ Hagen;
ir müssen zuͦ holz gon, und müssen mir weiszes lindenholz holen. Eulensp. no. 30 s. 42; oft mit der bedeutung des davon gehens, weg gehens, vgl. th. 3, sp. 1253: sie luffen auch, als man daʒ stetlein anliesz mit sturm, gen holcz und vermochten die haubtleut sie nit an sturm zu bringen. d. städtechr. 2, 67, 15; es geschicht aber oft eh ein monat hinkompt .. das ye eins wolt das ander were ein wolf, und lief zu holz. Frank sprichw. 2, 68ᵇ; einem ein rohr zuverderben, dasz er alles wildbret damit zu holz scheust (dasz es durch den schusz nur verscheucht, nicht getroffen wird). Simpl. 2, 186 Kurz; noch in aller frische der bedeutung:
ein spieszhirsch, dem die nahe jagd
die schlanken läufte zittern macht,
flieht schnell zu holz und thut sich nieder.
Hagedorn 2, 29.
ein holz wird gerodet, geschlagen, gehauen: die wäld und hölzer (silvae lucique), so abgehawen seind, wider erstatten. Rihel Livius 428; die meisten hölzer sind privatbesitzungen, werden unter aufsicht geschlagen und so ins land gefahren. Göthe 16, 232.
3)
holz, das aus dem holze gefertigte, aus dem holze geschnittene (vgl. oben 1, a am ende) in dem verschiedensten sinne, vom pflock, stock oder knüppel bis zum künstlichen geräte; so in der bibel, ein stock: schlegt er in aber mit einem holz (damit jemand mag tod geschlagen werden). 4 Mos. 35, 18; ein schiff: geschichts, das die menschen ir leben auch so geringem holz vertrawen, und behalten werden im schiff, damit sie durch die meerwellen faren. weish. Sal. 14, 5; hölzerne schreibtafel: nim dir ein holz, und schreibe dar auf. Hes. 37, 15; das kreuz: der gott unser veter hat Jhesum auferweckt, welchen ir erwürget habt, und an das holz gehangen. apostelgesch. 5, 30; welcher unser sünde selbs geopfert hat, an seinem leibe, auf dem holz. 1 Petr. 2, 24;
die ewige gerechtigkeit zu sühnen,
starb an dem holze gottes sohn.
Schiller Karlos 5, 10;
sonst der galgen: wurden an einem instrument von 3 hölzern gezüchtiget (gehängt). Happel acad. rom. 32;
dâ hete er (ein mann) einen galgen ûf gerihtet.
der künec sprach: guoter man, warumbe hâstu daʒ getân,
daʒ du diu hölzer ûf rihtes?
minnes. 3, 5ᵃ Hagen;
daran anschlieszend, im galgenhumor holz in die erde ziehen, den galgen beschweren: (die diebe) werden .. in die eisen geliffert, oder auch wol holz in die erden zu ziehen, an die hälsz, bis die hörner wachsen, gebunden. Kirchhof milit. disc. 120; in einer verwünschung (vergl. hölzlein): fuhrmann. wahrhaftig es ist das erstemal, dasz mich ein so vornehmer herr lieber freund geheiszen hat. bauer. danks ihm ein spitz holz! Göthe 42, 4; holz daran man trähet, mymphur. Dasyp.; gehölt holz, wie ein schiff gemachet, naustibulum. ebenda; grosz holz mit einem eisen kopf und handhaben zuͦ beiden seiten, da man weg mit pflestert, oder pfäl mit in die erden treibt, fistuca. ebenda; hölzer pfähle, balken: wo hülzerne oder auch steinerne brücken, so etwa mürb oder sonsten schadhaft, .. musz man dieselbige unterstützen, und mit starken hölzern belegen. Böckler kriegsschule (1668) s. 565; holz her! rufen die zimmerleute, wenn sie sich balken zureichen; hölzer im keller, alias lagerhölzer, canterii doliis subjecti. Stieler 853; im bergwerk:
da man die schachten stracks mit hölzern unterbawt.
D. v. d. Werder Ariost 11, 38, 11.
loses holz, beim fensterkreuz, der den verticalen pfosten durchschneidende theil. hölzer heiszen beim schuster im groben ausgeschnittene hölzerne absätze zu frauenzimmerschuhen, die nach dem jedesmaligen schuh ausgebildet und mit leder überzogen werden. Jacobsson 2, 278ᵃ; holz do mit man die ochsen brickelt, jugum. voc. inc. theut. k 3ᵃ; holz dar in die thur get oder henkt, postis. ebenda. Von feineren geräten: holz die steine des damen- oder schachbrettes:
der meint, der fyrtag sy erdacht
das kleiner arbeit gott nit acht
als das mans holz im spielbrät schlag
und karten sitzt ein ganzen tag.
Brant narrensch. 95, 26;
holz, schaft der lanze und lanze selbst:
manch holz sy auf ein ander zubrachen.
Theuerd. 103, 18;
die tasten der orgel:
der Amsterdamer Assaph (meister Joh. Petersen) hat
den Schulzen seine kunst gelehret,
der so die hölzer schlug und trat,
dasz alle welt ihn schier verehret.
Rist Parn. 423.
die harfe:
doch scheint das schnarrende holz von Orfeus geist beseelet,
so bald sich Rezias gesang mit ihm vermählet.
Wieland 23, 100 (Oberon 8, 49).
endlich holz, die kegel beim kegelspiel: wir schreiben uns .. wie viel holz jeder gemacht. J. Paul flegelj. (1804) 1, 234;
neun musen stell ich mir, so wie neun kegel, vor.
man wirft, und trifft doch holz: es sei viel oder wenig.
Hagedorn 1, 62;
schieb ich holz, da wird gejubelt!
dreie! fünfe! sechse! neune!
Göthe 47, 267.
vergl. auch holz im namen von geräten, rollholz, glätteholz, mangholz, kerbholz, ferner bürstenholz (theil 2, 552); holz am spiegel, der spiegelrahmen.
4)
holz, obscön, wie sonst ruthe:
ich pin ain starker wittwen (lies wittwer) stolz,
und han noch unten ain gut vol holz,
da mit ich ain frauen wol wil strafen.
fastn. sp. 733, 8.
5)
holz, eine bestimmte quantität holzes; auch ein block holz von bestimmter grösze. in Baiern. Schm. 1, 1103.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1763, Z. 32.

hölzen, hölzern, adj.

hölzen, hölzern, adj.
ligneus; ahd. holzîn bei Notker (Graff 4, 932), mhd. dagegen vorwiegend hülzîn (neben holzîn Lexer mhd. wb. 1, 1382), was auf ahd. hulzîn hinweist. das wort steht, bei allmählicher formveränderung, in eigentlichem und in übertragenem sinne.
1)
in eigentlichem, aus holz gefertigt.
a)
die mhd. form klingt in hülzen oder ohne umlaut geschriebenem hulzen, noch bis ins 17. jahrh. nach: hulzin lineus, est aliquod factum de ligno. voc. inc. theut. k 4ᵇ; lege eʒ uf einen hülzinen rost. buch v. g. sp. 4; henket sich mit den hindern füszen an einen hülzin nagel. Steinhöwel (1487) 68ᵇ; der hülzen weinstock bedeut Christum. Luther 3, 442ᵇ; (da) Jeremias eine hülzen ketten am halse trug. 4, 273ᵇ; denn wir sind ja, gott lob, so grob nicht, das wir gleuben oder sagen, das es leiblich so zugegangen sei (bei der höllenfahrt) mit euszerlichem gepreng, oder hülzen fahnen, und tuch, oder das die helle ein hülzen oder eisern gebew sei. 6, 77ᵃ; alles hülzen gefesz. 4 Mos. 31, 20; holz zu hülzenem gerete. 1 chron. 30, 2; bawen hülzin stett und thürn. Frank weltb. 4ᵃ; wasser in einer hülzin schüssel. Aimon bog. Z; eine hülzene fläschen. Pauli schimpf 135ᵃ; mit einem bock oder dolchen in einer hülzen scheiden umbgürtet. Kirchhof wendunm. 150ᵇ; und also musz man auf den palmtag ein hülzinen esel, mit laufenden phariseern und pfaffen runds umbgeben, umbher schleppen. Fischart bienk. 149ᵃ; zu der zeit, .. da die kelch hülzin und die priester guldin waren. 171ᵃ; wollen die frösch den hülzinen ploch nicht, so will ich den storken uber sie schicken. Zinkgref apophthegm. 1, 73;
so kumbt man zuͦ der bicht zuͦ zyt,
wann man die hülzen taflen lüt (zur charwoche).
Brant narrensch. 110ᵇ, 91;
ein könig auf eim hülzen ross.
Ayrer 294ᶜ (1470, 22 Keller);
hülzes für hülzenes: geht gar wunderlich daher, hat ein hülzes schwert. 454ᵇ (2282, 21).
b)
daneben, vorzüglich im 16. jahrh., schon vielfach hölzen: ligneus holzen Dief. 329ᵇ (mitteldeutsch, 15. jahrh.); steinen oder hölzen kirchen. Luther 1, 191ᵇ; steinen und hölzene bew (gebäude). Schade sat. u. pasqu. 2, 36, 32; ob die ampel for den hölzenen götzen brennen. 3, 282, 2; hölzin bild, signum ligneum. Maaler 228ᵇ; ein hölzins röszlein. Th. Platter 19. sprichwörtlich: hölzin oder küpferin gelt (geringes, schlechtes), hölzin seelmesz. Frank sprichw. 2, 65ᵇ;
den liebsten bulen, den ich hab,
der ligt beim wirt im keller:
er hat ein hölzins röcklin an,
und heiszt der moscatteller.
Garg. 85ᵇ;
in der Achiver langem weiber-kriege
half letzlich noch ein hölznes pferd zum siege.
Logau 1, 159, 82.
noch Frisch führt die form hölzen neben hölzern als gleichberechtigt an.
c)
unter eintritt des pluralen r der substantiven mutterform entsteht die form hülzern (wie beinern, steinern, gläsern, fleischern für beinen, steinen, gläsen, fleischen) schon früh: ligneus hulzern Dief. 329ᵇ (15. jahrh., mitteldeutsch); hulzern pfulfe (pfühl, in der badestube). Michelsen Mainzer hof 41; öfters bei Luther neben hülzen: es sind mancherlei rosen, als silbern, gülden, tüchern, papiren, steinern, hülzern. 3, 471ᵇ; kein eisern noch hülzern creuz. 6, 8ᵃ; in hülzern und steinern gefeszen. 2 Mos. 7, 9; eine hülzerne seule in einem königlichen saal. Baruch 6, 58; manchen eisznen und hulzern nagel verschlagen. Pauli schimpf 165ᵃ; von einem hülzern Johannes. Kirchhof wendunm. 314ᵇ; dasz schier nützer wer es würd ein hülzern stock an ire statt gestellet. 154ᵇ; warf ein hülzern liechtstock in der kammern ober sich. 403ᵇ.
d)
die heute in der schriftsprache ausschlieszlich herschende nebenform hölzern wird hier aus dem 17. jahrh. nachgewiesen, ist aber wol auch schon im 16. vorhanden gewesen:
als bald nimpt Jupiter ihm gold zu seinem throne, ..
Mercur umb seinen stab, der vor nur hölzern war.
Opitz 1, 55;
hölzerne nägel; hölzerne kisten; hölzerne häuser, säulen; das hölzerne (trojanische) pferd. Lessing 6, 405;
eingeschlummert, matt vor alter
sasz auf seinem hölzern stuhle
Cid, der feldherr.
Herder Cid 62;
an diesem tone vermuthe ich, dasz er einer jener leute war, die inwendig im leibe grau angestrichen sind und hölzerne gedärme haben. H. Heine 11, 142.
e)
manchmal wechseln die formen dicht hintereinander: auf ein hölzin geschirr gehört ein hülzener deckel. Lehmann 165;
warn hölzen kelch und gülden pfaffen,
die man nit tadlen kundt noch strafen.
jetzt aber habens kelch von goldt
und sein dem geiz daneben holdt,
und sein die pfaffen jetzt gar hülzen,
und gar viel gröber denn die rülzen.
B. Waldis Esop 4, 83, 13. 17.
2)
das hölzerne gelächter hiesz früher die strohfiedel, eine art holzharmonika: das hölzene gelächter, baculi in stramine jacentes symphoniaci Frisch 1, 562ᵇ; des tons ungefehrlich wie ein hilzes gelechter. Winkelfelder 339;
hülzen gelechter und drommeten,
schalmeien, fleiten.
Schade sat. u. pasqu. 2, 233, 1366.
3)
hölzern in übertragenem sinne.
a)
steif, von dem benehmen eines menschen, nicht geschmeidig: sie werden so einen hölzernen Peter nicht zum rathsherren machen. Chr. Weise erzn. 400; (wir) verachten einen andern also genannten hölzernen Peter. kl. leute 336; sie finden ihn ohne zweifel ein wenig steif und hölzern. Lessing 1, 573;
(jungfern) die nicht wie stumme götzen
sind in die kirche nur, nicht an den tisch, zu setzen,
und die man billich heist ein hölzern frauenbild,
das nur zum schauen taug, und nicht zum brauchen gilt.
Logau 2, 13;
pfui, schäme dich; so hölzern bist du nie,
so unerträglich langsam nie gewesen.
Schiller Karlos 2, 7;
von seinem fühlen und denken, ohne schwung: und dann der trockne alltagsmensch, der kalte, hölzerne Franz, und wie die titelchen alle heiszen mögen, die euch der contrast zwischen ihm und mir mocht eingegeben haben. Schiller räuber 1, 1; reisen, die immer das hölzerne aus den menschen nehmen, wie die versetzungen das holzige aus den kohlrüben. J. Paul flegelj. (1804) 1, 235; das hölzerne herz im menschenklotz. Hesp. 1, 104;
hölzern ist sonst sein verstand.
Logau 3, 170, 90;
in bezug auf die äuszerungen dieses fühlens, in rede und kunst: ich weis nicht, es klingt im deutschen alles so hölzern. man kann in dieser wendischen sprache gar keinen charmanten gedanken anbringen. Gellert 3, 280; gewisse kalte allerweltschreiber geben uns musivische oder hölzerne gemälde, welche man leicht kopirt, indem man sie blos der länge nach verdoppelt und durchschneidet. J. Paul vorsch. d. ästh. 3, 28; die hölzerne nichtigkeit der romantischen kunst. H. Heine 6, 127.
b)
hölzern, von einer klanglosen stimme: polterte Barthle .. mit lauter, hölzerner stimme. Felder sonderl. 1, 3; selbst vom geschmack: hölzerner geschmack, sapor insipidus. Stieler 855.
c)
als bild für geringes, nichtiges: hölzin oder küpferin gelt, hölzin seelmesz. S. Frank sprichw. 2, 65ᵇ; Salome bittet für ihre söhne, einen soll er zum groszcanzler, den andern zum vice re machen. o der närrischen bitt! o der hölzernen anschläg! Otho 1350.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1769, Z. 66.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
höllenstrafe
Zitationshilfe
„hölzern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6lzern>, abgerufen am 22.06.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)