hörig adj
Fundstelle: Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1814, Z. 21
1)
unterthänig, eigen; eigentlich nur zu einem gute gehörig, vom herrn desselben abhängig (vergl.hören II, 6 sp. 1811), und in diesem sinne scheint das wort seine rechte heimat im niedern Deutschland gehabt zu haben, oberdeutsch ist vielmehr gehœrec, ahd. gahôrig, subjectus, obediens. Graff 4, 1008: daʒ ich dir hold pin, N. demo piscophe, .. kahôrig enti kahengig. Müllenhoff u. Scherer s. 180; auch hofhörig, vgl. oben sp. 1681. die friesischen gesetze verwenden die formel hêroch and hanzoch häufig, Richthofen 811ᵇ. Das wort kann nicht über das 14. 15. jahrh. nachgewiesen werden (Grimm rechtsalt. 310), ist aber von neueren allgemein für das verhältnis der loseren, sich dem stande der freiheit nähernden knechtschaft im alten Deutschland verwendet: der grenzstein, woran sich der hörige mann (litus oder lito) von dem eigentlichen leibeignen (homine proprio) scheidet. Möser patr. phant. 3, 179 (der aufsatz handelt 'von dem wichtigen unterschiede zwischen der hörigkeit und knechtschaft'); hörige oder leibeigne leute bedurften aber so wenig eines schutzes, als sie anfangs in einer kriegsrolle stehen konnten. osn. gesch. 3, 81; der hörige den sein herr am festtage zur arbeit zwingt, soll frei sein. Dahlmann dän. gesch. 1, 164; patronus und matrona sind hausvater und hausmutter, für kind und gesinde, und ihre hörigen, die clienten; denn diese übersetzung ist buchstäblich (nämlich von cluere). Niebuhr 1, 359.
2)
hörig schweizerisch wie fertig, zu ende, unpersönlich gebraucht: es ist hörig. Tobler 274ᵇ; hörig genug Stalder 2, 55. vergl.hören II, 10 sp. 1812.
Zitationshilfe
„hörig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6rig>, abgerufen am 15.12.2019.

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