Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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horn, m.

horn, m.
monatnamen; groszer horn januar, kleiner horn februar, in Mitteldeutschland: der januar führt in Anhalt-Dessau bisweilen noch den namen der grosze horn, der februar der kleine horn. Fiedler volksreime 99; der kleine horn, so nennet der gemeine mann (in Halle) den februar in gegensatz des januars als des groszen. Rüdiger neuester zuwachs 2, 85; ebenso im Meininger oberlande. Schleicher volksthüml. aus Sonneberg 82;
hier wurd ein arm und dort ein bein
mir in der schlacht zerschlagen;
und hats der feldscher gleich geflickt,
mit jedem groszen horne drückt
das flickwerk mich verteufelt.
Seume ged. 134;
als neutr.: das kleine horn spricht zum groszen horn:
hätt ich die macht wie du,
liesz ich erfrieren das kalb in der kuh.
Simrock sprichw. 261.
Der zusammenhang dieses monatnamens horn mit dem vorigen horn cornu wird angenommen und von dem hornharten froste hergeleitet, vgl. Weinhold monatnamen s. 46. s. auch horner, hornung.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1821, Z. 14.

hörn

hörn,
bei den schreinern auch für hirn 8, sp. 1557. über hörn sägen. vgl. Schm. 1, 1163. 1164 Fromm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1821, Z. 35.

horn, n.

horn, n.
cornu; goth. haúrn, sonst gleichmäszig in der form horn über alle germanische dialekte verbreitet; das geschlecht ist gewöhnlich das neutrale, nur ags. und fries. männlich, eigenthümlich findet sich aber auch im nhd. der horn, s. unten no. 12. — horn, dem lat. cornu, und griech. κέρας urverwandt, bezeichnet
1)
das horn an der stirne der schafe, ziegen, rinder und ähnlicher thiere, als ein nur einfach gekrümmter oder gewundener ragender auswuchs; der gegliederte an den hirscharten wird als geweih unterschieden, doch nicht durchaus, vergl. hirschhorn 1 sp. 1567: ein dier heiʒʒet autula, daʒ ... hebet vil wassiu (scharfe) horen unde vile langiu, unde alle die zuoge, die imo widerstânt an sînemo loufte, die segot eʒ abo mit dero wassî sînero horne. Müllenhoff u. Scherer no. 81, 9; einen falen ochsen mit offgerachten hornern. weisth. 1, 498 (v. 1338); sahe einen wider hinder im, in den hecken mit seinen hörnern hangen. 1 Mos. 22, 13; ein farr, der hörner und klawen hat. ps. 69, 32; ein groszer roter drach, der hatte sieben heubter und zehen hörner. offenb. 12, 3; ein starker stier zersplitterte mit seinen hörnern, indem er sich durch die niedrige stallthüre drängte, die obere pfoste. Lessing 1, 143;
ein betrübter esel heulte,
weil des schicksals karge hand
ihm nicht hörner zugewandt,
die sie doch dem stier ertheilte.
Hagedorn 2, 31;
da droben im gbirg die wilden ziegen,
wenn ich eine bein hörnern thu kriegen,
fass mit dem maul ihre vollen zitzen.
Göthe 13, 80;
wenn der esel hörner hette, das ist, were ich fürst zu Sachsen, d. Carlstadt sollte nicht vertrieben sein. Luther 3, 105ᵃ.
2)
auch der teufel wird mit hörnern versehen gedacht, was nur eine abschwächung seiner vorstellung in bocksgestalt ist, vgl. Grimm mythol. 946. 947:
wann wir (teufel) uns schon erzeigten greulich,
mit klogen (klauen), hörnern gar abscheulich.
Fischart dicht. 2, 243, 56 Kurz;
auch die cultur, die alle welt beleckt,
hat auf den teufel sich erstreckt;
das nordische phantom ist nun nicht mehr zu schauen;
wo siehst du hörner, schweif und klauen?
Göthe 12, 127.
3)
auswüchse von hornähnlicher form an kopftheilen bei menschen und thieren heiszen horn: so ein krankhafter fleischiger auswuchs an der menschlichen stirne, schweizerisch. Tobler 274ᵇ; auch eine beule. Stalder 2, 55; der hornartige theil über der nase des nashorns; der zahn des Narwals, monodon monoceros, vgl. Nemnich 3, 595; beim pferde eine vom stirnbeine ausgehende erhebung; bei verschiedenen fischen eine hornförmige verlängerung am kopfe, vgl.hornfisch. endlich bei insekten die aus dem kopfe hervorragenden fühler, vgl. die ausführliche darlegung unter fühlhorn theil 4¹, 418.
4)
horn, der träger von hörnern, das mit einem horn oder mit hörnern versehene thier selbst; vgl.einhorn, nashorn; krummhorn, eine kuh mit krummen hörnern, theil 5, 2464; vgl. englisch shorthorn, ein mit kurzen hörnern versehener rindviehschlag; und es gilt horn synekdochisch geradezu für rind:
ein boden voll körner,
ein stall voll hörner.
Wolfs zeitschr. 3, 410. Fromm. 6, 517;
herr Ulrich hats vernommen: er ruft im grimmen zorn:
in eure stadt soll kommen kein huf (pferd) und auch kein horn.
Uhland ged. 363.
5)
sprichwörtliche redensarten lehnen sich an horn in der bedeutung 1 an.
a)
man faszt einen stier bei den hörnern, wirft ihm das seil über die hörner, um ihn zu fesseln und wehrlos zu machen; daher: weil die worte so gut waren, liesz ich mir wieder das seil an die hörner werfen. Schweinichen 3, 105; nachbar thuts nicht, lasset euch nicht das seil über die hörner werfen. Scriver seelensch. 2, 352; bis ihm eine unbesonnene den strick über die hörner wirft. Lessing 7, 153; aber diese ehrlichen männer müssen nur andern ehrlichen männern nicht auch den strick um die hörner werfen wollen, mit welchem sie an die krippe gebunden sind. 10, 136;
man hat mirn strick an dhörner bracht.
H. Sachs 1, 517ᵇ;
gott gibt einen ochsen, aber nicht bei den hörnern. Schottel 1119ᵇ. — einen stier bei den hörnern packen heiszt auch gerade und ohne umschweife auf ein ziel, ein vorhaben in der rede losgehen.
b)
man bietet die hörner, wie der zum kampfe bereite stier; die hörner gegen eim keeren und bieten zestächen, cornua obvertere alicui Maaler 228ᶜ; vgl. schweizerisch enn ofs horn neh, mit einem fechten, einen sticheln, auf das korn nehmen. Tobler 274ᵇ; horn gewinnen, mutig werden: ein ietlicher verzagter der gewan do horn an der stirn und gabent in das spil gewunnen. d. städtechron. 3, 143, 21; man setzt die hörner auf, rüstet sich zu widerspruch und streit: weil sie (die gottlosen) ire hörner aufgesetzt haben, und wider Christum nicht aufhören zu toben. Luther 4, 357ᵃ; (hofleute) hetten in (den churfürsten von Sachsen) gern geregirt, so setzt er doch seine hörner auf, und lies keinem gut noch recht sein, der im raten wolt. 6, 140ᵃ; auch mutvoll, übermüthig machen:
nun will ich in als (alles) leid ergetzen,
die hörner dem esel aufsetzen,
und will im jucken sein ohrn,
das er meint küdreck sei schmalz worn.
H. Sachs 2, 4, 30ᶜ.
vgl.aufsetzen 1, th. 1, sp. 736.
c)
einem die hörner schaben, ihn am kampfe hindern, wie man dem stier das stoszen verwehrt, dadurch dasz man ihm seine hörner weich schabt: aber es sollen im die hörner geschabt werden, da er nicht wirt aufhören. Luther tischred. 277ᵇ.
d)
in wildem treiben stöszt, läuft, rennt man sich die hörner ab: wenn sie .. die hörner abgeworfen haben, werden sie schon von sich selbsten geschmeidig. Schoch stud. leb. A; wenn sie die hörner etwas würden abgelaufen haben. Chr. Weise erzn. 150; er müsse erst ein wenig in der welt die hörner abgelaufen haben, eh er an eine frau denke. Schröder dram. werke 1, 201; er (der junge graf) soll da dem schwäbischen bunde dienen, und die tollen hörner sich ablaufen. Arnim kronenw. 1, 407;
vielleicht wenn er die hörner nu
bas ableuft, wird er noch gut thu.
Wittel Zelotypia E 4ᵇ;
ein ältlicher student,
der sich bereits schon längst die hörner abgerennt.
Rost verm. ged. (1769) s. 67.
e)
etwas auf die eigenen hörner nehmen, eine last, arbeit: es ist auch in der that besonders, mit einem stolzen ich anzufangen, und alsdann die musen anzurufen, nachdem man schon alles auf die eignen hörner genommen hat. Lessing 3, 316; damit ich jedoch (bei einer kritischen bemerkung) nicht scheinen möge, alles auf meine eigene hörner zu nehmen. 8, 486; was kann mich aber in aller welt bewegen, eine solche last auf meine hörner zu nehmen? Möser patr. phant. 2, 95; es sind nur leute, die andern etwas auf die hörner geben, und selbst nichts tragen wollen. 71.
6)
umschreibung für das anthun einer ehelichen unbill ist einem hörner setzen. diese redensart scheint die unverstandene erinnerung an eine im mittelalter verbreitete, auch poetisch dargestellte erzählung zu enthalten, nach welcher der zauberer Virgilius zu Rom ein erzbild gefertigt habe, das jeder wegen untreue angeklagten frau, die ihm die finger zum schwure in den mund legte, dieselben abbisz; die untreue der frau selbst aber ward angezeigt, indem ihrem manne ein horn aus der stirne wuchs:
Filius ein erzîneʒ bilde gemachet hât
mit sînre kunst al dâ ze Rôme in der stat:
daʒ bilde daʒ treip wunders vil mit zornberât.
swer ûf dem bild meineide swuor, eʒ beiʒ im abe die vinger.
swelch frouwe ir ê zebrach, als balde eʒ was geschehen,
wie schier daʒ an irs mannes stirne wart ersehen!
im wuohs ein horn, des wil ich in der wârheit jehen.
Kolmarer meisterl. no. 55, 14;
Germania 4, 237 ist aus dem 14. jahrh. eine andere poetische bearbeitung derselben sage mitgetheilt:
die keiserin des nicht enlieʒ, si prach ir wîplich êre.
mit einem ritter daʒ geschach:
alsâ zehant man an dem keiser wachsen sach
ûʒ sînem houbt ein horn, das muot in sêre.
v. 17 ff.
es scheint auch an die erwähnte erzählung anzuklingen, wenn es von falschen liebenden heiszt:
ich gunde in inneclîche wol
daʒ si mit einem horne
an ir tinnen vorne
bekumbert iemer müesten wesen.
Mone anzeiger 4, 320 (13. jahrh.).
nur entartung des ursprünglichen mag es sein, wenn später statt eines horns deren ein paar, oder wol ein geweih erscheint (vergl. unter krone theil 5, 2378):
wer lyden mag das man in göich,
oder man in die schuͦch im seich,
oder setzt hörner uff die oren,
der hat ein reigen mit den doren.
narrenschiff von Zarncke s. 34 note;
wann ihn dann jemands vexirte, dasz er mit der zeit wohl hörner kriegen dörfte. Simpl. 3, 34 Kurz; als Mars den Vulcanus mit hörnern kröhnete. polit. stockf. 300; Liebetraut. nun, gnädige frau, was verdien ich? Adelheid. hörner von deinem weibe. denn nach dem zu rechnen, habt ihr schon manches nachbars ehrliches hausweib aus ihrer pflicht hinausgeschwatzt. Göthe 8, 59;
vorweilen mahlet man den göttern hörner an,
die giebt dir itzt dein weib.
A. Gryphius 1698 2, 475;
was dame sei, und denn was dama, wird verspüret,
das jene hörner macht, und diese hörner führet.
Logau 1, 21;
ein junker, der nach junkersbrauch
dem kutscher Ruhbart hörner setzte.
Bürger 102ᵇ.
vielleicht hiervon leitet sich horn als zeichen eines nur albernen menschen:
ist es nicht eines blöden hirns
und eines hasenkopfs merkzeichen,
der wohl wehrt eines langen horns,
und gar nicht wehrt mit uns zu zechen?
Weckherlin 534;
horn, bairisch, scheltbenennung für eine junge (unerfahrene) person des andern geschlechts im sinne von tardi ingenii oder eigensinnig. Schm. 1, 1164 Fromm.
7)
die bibelsprache braucht das horn als symbol der stärke: der herr wird .. macht geben seinem könige, und erhöhen das horn seines gesalbten. 1 Sam. 2, 10; mein herz ist frölich in dem herrn, mein horn ist erhöhet in dem herrn. v. 1; er hat alle horn Israel in seinem grimmigen zorn zubrochen. klagel. Jer. 2, 3; er hat den feind uber dir erfrewet, und deiner widersacher horn erhöhet. v. 17; zur selbigen zeit wil ich das horn des hauses Israel wachsen lassen. Hes. 29, 21; und danach bei dichtern, die von der bibelsprache beeinfluszt sind:
auch jener hohes horn,
gewalt, heerzug und zorn,
ist nu dahin, zerschlagen und vernichtet.
Weckherlin 81;
und dein schwert mit gerechtem zorn
wird deiner hässer stolzes horn
zerbrechend gar vernichten.
84.
8)
namentlich wird gott und der Messias horn des heils genannt: gott ist mein hort, auf den ich trawe, mein schilt und horn meines heils. 2 Sam. 22, 3; hat uns aufgericht ein horn des heils, in dem hause seines dieners David. Luc. 1, 69;
(den herrn) der unsre freiheit nicht hat länger aufgeschoben,
und uns ein horn des heils in Davids haus gemacht.
A. Gryphius 1698 2, 437;
dich, o horn meines hails, ruf ich an in gefahr
Weckherlin 59.
mit beziehung auf die bedeutung 9, d unten: dises (das cornu copiae) ist ein ertichtetes horn, Christus ist ein wahres horn des heils. Butschky kanzl. 601.
9)
das horn, innerlich hohl, wird als gerät gebraucht: fülle dein horn mit öle. 1 Sam. 16, 1; (goldtinte zu machen) thue das gold aus dem glas, und thue das in ain horen. kochbuch in Haupts zeitschr. 9, 369, vgl. dazu dintenhorn theil 2 sp. 1182, und als gerät in hornform dann auch von metall nachgebildet. So namentlich
a)
horn, blashorn (vergl. goth. þuthaúrn):
sô daʒ himilisca horn   kihlûtit wirdit.
Muspilli 73;
ich schell mein horn ins jamertal.
Uhland volksl. 481;
und wenn man des halljars horn bleset. Jos. 6, 5; man bläst, stöszt, tutet ins horn, namentlich als signal für eine drohende gefahr, oder zum sammeln:
ee einer tüten mocht ein horn (signal geben konnte),
hett ich sie baide sant verlorn.
fastn. sp. 544, 10;
o, dasz ich durch die ganze natur das horn des aufruhrs blasen könnte, luft, erde und meer wider das hyänengezücht ins treffen zu führen! Schiller räub. 1, 2; ein nachtwächter (tritt auf und stöszt ins horn). feuer! feuer! H. v. Kleist Käthchen von Heilbronn 3, 7;
steigt auf die hochwacht, blast in euer horn,
dasz es weitschmetternd in die berge schalle.
Tell 5, 1;
da schallt mit scharfem stosze das wächterhorn vom thurm:
wohlauf, wohlauf, ihr schläfer! das horn verkündet sturm.
Uhland ged. 361.
im orchester werden die hörner nach dem ton unterschieden, in dem sie stehen: c-horn, d-horn u. s. w.; ein allegro aus dem e-moll, mit der nehmlichen instrumentenbesetzung des vorhergehenden, nur dasz e-hörner mit g-hörnern verschiedentlich abwechseln. Lessing 7, 123. man unterscheidet von dem gewöhnlichen waldhorn das klappenhorn, ventilhorn, das englische horn, eine hoboenart; vergl. auch alphorn, ↗jagdhorn, ↗posthorn u. ähnl.
b)
sprichwörtlich in éin horn, aus éinem horne blasen, das nämliche wollen, übereinstimmen (vgl. auch blasen th. 2 sp. 68): er bläset mit Theophilo ausz einem horn: man musz den thon änderen. alam. technol. interim 267; sie blasen nicht mit ihnen ausz einem horn. 556; regen und wind würden mit hitze und kälte in ein horn blasen. Butschky Patmos 661; jedoch, da alle meine widersacher ... fast immer einerlei liedlein mir vorgeleiert haben, so bin ich .. beinahe keck genug, zu glauben, dasz auch er in das nämliche horn geblasen habe. Bürger 175ᵇ; aber wenn sie nicht das übel ärger machen wollen, müssen sie jetzt in mein horn blasen (bestätigen was ich gesagt habe). F. Lewald Stella s. 152;
Rom, das vorhin zu rasen
gewohnt war, lernt numehr in andre hörner blasen.
die wölfin wird zum lamm.
Lohenstein Cleopatra 34, 30.
c)
horn, trinkhorn, ist schon altgermanisch: amplitudo cornuum (des urs) et figura et species multum a nostrorum boum cornibus differt. haec studiose conquisita ab labris argento circumcludunt atque in amplissimis epulis pro poculis utuntur. Caesar bell. Gall. 6, 28; später namentlich im altnordischen bezeugt, vgl. Vigfusson 279ᵇ; die mitnachtische völker hielten die hörner vom wilden ochsen so hoch, dasz niemand ausz denselben als allein die vornembst herren trinken dörfen. Phil. Lugd. 2, 246; und danach ins neuhochdeutsche übernommen: ein volles horn, jüngling! Klopstock 9, 189; da schollen die brautlieder, die hörner gingen herum. 192; bringt ihm ein volles horn. noch eins! bringt mir auch eins. trink! 256; auf erhöhter stelle (in der festhütte eines sängerfestes), wo die zu preisen und festgeschenken bestimmten schaalen und hörner in gold und silber leuchteten. G. Keller leute von Seldwyla 4, 111.
d)
horn, fruchthorn, füllhorn, vergl. theil 4¹, sp. 274. 517, wo auch ein beleg aus Schottel für einfaches horn;
schon seht ihr den triefenden herbst mit leerem fruchthorn entweichen.
Ramler 1, 12;
was dem glühenden strahl Afrikas boden gebiert,
was Arabien kocht, was die äuszerste Thule bereitet,
hoch mit erfreuendem gut füllt Amalthea das horn.
Schiller spaz ergang v. 120;
und mit dem bang ersehnten korne
und mit den lang entbehrten wein
bring uns dies jahr in seinem horne
das alte gute recht herein!
Uhland ged. 97;
hast du aus deiner fülle horn
etwa gleich Hatto, jenem alten,
zu mehl und brot das theure korn
dem mund des volkes vorenthalten?
Freiligrath dicht. 3, 104.
10)
horn, als kopfschmuck, entweder aus wirklichen hörnern bestehend, oder solchen aus metall nachgebildet. so auf den helmen des mittelalters:
eins bockes houbet schône stuont
mit eime gehürne güldîn
ûf dem rilichen helme sin.
K. v. Würzburg turnei 185 Bartsch;
sîn helm was mit zwein hornen
gezieret wol in fürsten wîs,
diu lûhten beide silbergrîs
und heten schône sich gebogen.
488.
als kopfputz der frauen, und hier wol von haaren und bändern nachgebildet (vergl. auch hörnermütze): meldet er, dasz die frawen, die also hörner und geschew auf iren häuptern trügen, dem teufel nicht ungleich, der auch solcher masz gehörnet were. buch d. liebe 289ᵇ; da tritt dann frau Venus herein, mit wohl aufgebutztem kopfe, mit aufgelegten büschen, mit auf der seiten aufgebundenen hornen, mit gelben braunen blauen grünen schwarzen weiszen haarflechten. Phil. Lugd. 5, 287;
wicklen vil hudlen in die zöpf,
grosz hörner machen uff die köpf,
als ob es wer ein groszer stier.
Brant narrensch. vorrede 120, vgl. dazu s. 300ᵇ.
die hörner des Bacchus waren keine natürliche hörner, wie sie es an den faunen und satyren waren. sie waren ein stirnschmuck, den er aufsetzen und ablegen konnte. Lessing 6, 431.
11)
horn geht auf den stoff des hornes, wie er namentlich zur verarbeitung seitens der handwerker dient: der drechsler arbeitet in horn und in holz; eine pfeifenspitze von horn; büchereinband von horn; messer mit einem griffe von horn; latern .. mit fenstern von glas oder horn .. versehen. öcon. lex. 1367.
12)
horn, heiszt so auch die hornartige entartung der menschlichen haut, namentlich an händen und füszen: horn an händen bekommt man von schwerer handarbeit;
die aber in henden tragen horn,
seind in zucht und keuschheit geborn,
trinken wasser, essen schlecht speisz,
arbeiten gern darzu mit fleisz.
Ayrer fastn. sp. 50ᵃ (2587, 25 Keller).
horn ist ferner derartig hartes am thierischen körper, z. b. die masse woraus die schale der schildkröte, die schuppen des krokodils, der schnabel des vogels besteht; ebenso der huf an säugethieren: horn wird auch der äuszerste theil an dem fusze eines pferdes, esels oder maulthieres genennet, welcher sonst der huf heiszet. öcon. lex. 1078. hier braucht Sebiz horn als masc.: so inen (den rindern) ir horn entweders gespalten oder geschifert ist, soll man inen daselbs zuvor mit weinessig .. bäen, .. oder man mag im die fessel, oder die geleich unten am fusz damit .. schmieren, solchs erweicht und ermiltert den horn, und nimpt die schrunden hinweg. feldb. 130; so sie (die schafe) von wegen erweichung desz horns .. hinken oder nicht wol gehn mögen, so soltu inen den horn an der spitze, der am meisten vertirbt, abschneiden. 142. horn, krankheit am pferde: es geschicht oft dasz dem pferd das fleisch auf dem rucken, so daselbst versehrt gewesen, hart wird, als ein horn, von wegen dise krankheit auch das horn genendt wird. Seuter rossarzn. 417.
13)
horn, wegen ähnlichkeit mit der hornmasse, der hornstein, petrosilex. Jacobsson 6, 118ᵇ.
14)
hörner des mondes, cornua lunae, die spitzen des mondes im ersten und letzten viertel: vergl. lat.
tertia jam lunae se cornua lumine complent.
Virg. aen. 3, 645;
mhd. daʒ diu mâninne chrump wirt unde chleine,
alsô si an daʒ niu gât,
unde iewederen halben ein horn hât.
Diemer deutsche ged. des 11. u. 12. jh., 341, 23;
nhd. der bleiche monde hat eilfmal erst abgenommen,
und neue hörner kriegt.
Opitz 1, 31;
wenn .. Cynthie dreimal mit vollem angesichte
und wider noch dreimal mit neu entstecktem lichte
(nicht länger bitt ich frist), der hörner flamm erhöht.
A. Gryphius 1698 1, 249.
15)
schweizerisch horn ein spitziger fels auf einem hochgebirge. Stalder 2, 55; horn heiszen sie hier (im Berner oberland) den höchsten gipfel eines felsens, der meist mit schnee und eis bedeckt ist und in einer seltsamen horngestalt oft in die luft steht. Göthe an frau von Stein 1, 255. dann auch ein vorgebirge, eine landspitze, die gegen das wasser abfällt oder sich weit ins wasser hineinzieht: sunst sind vil andere hörner und landspitzen an beiden obern und undern see, die aber gemeinlich mit zunamen underscheiden werdend, als Rommiszhorn, Nunnenhorn, Argenhorn. Stumpf 2, 68ᵇ. in anderm sinne bei Wieland:
nun eilte sie, beim ersten morgenroth
dem berge zu, den ihr der geist beschrieb,
fand den erwünschten bach, und ging so lange
mit froher furcht an seinen hörnern fort,
bis sich die klippe zeigte, wo er sprudelnd
aus einer ritze quoll.
supplem. 2, 191,
er scheint hier das felsig-zackige ufer des baches zu meinen.
16)
überhaupt bezeichnet horn etwas von hornähnlicher form, in der manigfachsten weise.
a)
biblisch hörner des altars, hornförmige ecken desselben: hörner soltu auf seinen vier ecken machen, und solt in mit erz überziehen. 2 Mos. 27, 2; er macht auch den reuchaltar von foern holz .. zwo ellen hoch, mit seinen hörnern. 37, 25; gieng hin und fasset die hörner des altars. 1 kön. 1, 50; bis an die ort oder ecken, die da des altars hörner heiszen. Luther 5, 69ᵇ.
b)
die seitlichen enden einer leier:
kan bei der leier wohnen,
die vormahls wild und wald beweget und gerührt,
itzt desz gestirnes schar mit ihren hörnern ziehrt.
Opitz 3, 314.
c)
andere hornförmige theile an geräten und gegenständen; so hörner eines amboses, spitzen an der seite, um darauf röhren von metall zu bilden. Jacobsson 2, 286ᵇ; horn jede spitze des sperrhorns der schmiede; im bergbau der äuszere und obere theil über dem knie des haspelhorns am göpel; an den salzpfannen jede ecke: jedes horn oder ecke der pfanne. Hondorf beschreib. des salzwerks zu Halle 59; in der baukunst die verschnittene ecke der platte eines kapitäls; bei den holzarbeitern die beiden zapfen am handsägengestell, worin das sägenblatt befestigt ist und gestellt werden kann; hörner die sterzen des pfluges, die ohren an einem rammbocke; hörner des kummets die zwei krummen, oben etwas breiten, unten aber schmäler und geschweiften stücke holz. Jacobsson 6, 117ᵃ. auch ein gewisses hornförmiges gebäck heiszt horn. Frisch 1, 468ᶜ; hörner am segel, die äuszersten zipfel der segel. 468ᵇ; hörner, die arme des kreuzes; cornu horn ł arm des cruces Dief. 152ᵃ; endlich ein theil der fesseln eines gefangenen: stark geknebelt wurde er (ein räuber) heute hier eingeliefert und mit ketten und hörnern belastet. Frankf. journal 1868 no. 239.
d)
horn, wahrscheinlich auch der schröpfkopf. vgl. Schm. 1, 1164 Fromm. und unten hörnlein.
e)
hörner, die flügel eines kriegsheeres:
mein linkes horn zerstiesz Pompejens ganze macht.
Lohenstein Cleopatra 8, 245;
als Cassius geschlagen
von meinem heere ward, da macht August sich krank
und Brutus schlug sein horn.
250.
bei Megenberg bezeichnet horn das ende eines halbkreises: (ein regenbogen) der het ainen volkomenn halben kraiʒ und het ain horn gegen mittem tag und daʒ ander gegen norden oder gegen der himelspitz gekêrt. 98, 11.
f)
niederdeutsch horn, hörn ecke, winkel, biege, namentlich auch ein winkel in dem saale gegen der thüre über, vorsaal. Schütze 2, 162. vergl. engl. corner winkel, ecke, cornerhouse eckhaus.
g)
horn, der aus dem horn der thiere verfertigte bogen. vgl.hörnerkrachen.
17)
der plural von horn lautet in der alten sprache theils horn, theils horner, hörner, hürner (Lexer 1, 1340), formen, von denen die mittelste sich im nhd. fast ausschlieszlich festgesetzt hat; der plural horn ist neben hörner noch jetzt bairisch. Schm. 1, 1164 Fromm., in der schriftsprache aber nur in ältern quellen manchmal noch gefunden: mit aufgebunden hornen. Phil. Lugd. 5, 287 (s. die stelle oben 10). wenn in der bedeutung 11 ein plural gefunden wird (im sinne von hornarten), so ist er in der neuern sprache die horne. Weigand syn. wörterb. 3, 1139.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1815, Z. 54.

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Zitationshilfe
„hörn“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6rn>, abgerufen am 14.08.2020.

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