Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gehörnt

gehörnt,
mit horn oder hörnern versehen, mhd. vielmehr gehürnet, vgl.gehürnt, auch gehörnert und gehorn.
1)
a)
gehörnet thier, cornutus. Dasyp. 357ᶜ; ein gehörnter hirsch Voss Il. 3, 24, krummgehörnte rinder Od. 24, 66, gehörnte beute (vieh) Stolberg 14, 171.
b)
gehörnter mann, eine pflanze. Schnurr (1664) 201; gehörnte schlange, s. hornschlange. vom teufel (vgl.horn 2): myriaden gehörnter köpfe. Schiller II, 44, 23; aufrichtig zu reden, so hatt ich ihn in seiner gehörnten larve viel lieber. J. Paul 15, 85.
c)
auch schuhe u. ä. (vergl.horn 16, c): nach der heutigen welt manier trägt man gehörnte schuh oder stiffel. Creidius 1, 320. vergl. vom monde gehörnert.
2)
vom hahnrei, dem seine frau 'hörner aufsetzt':
ich, vieh? ja wol ein vieh, von dem gehörnten vieh!
Göthe 7, 68 (mitsch. 2, 3);
gewiss es ist kein spasz, gehörnt herum zu gehen.
111;
das ist der groszen qual ...
schon im entstehn schwebt der gehörnte fluch
auf unsrer scheitel.
Othello 3, 3 (this forked plague).
3)
gehörnte frage, in der alten kunst des disputierens, quaestio cornuta: der gelehrte doctor verstand wol, warumb der herr die gablete und gehörnte frag an ihn legte. Pauli schimpf u. e. 1555 41ᵃ, verfängliche; da also gehürnte fragen in seind, da sol man nit schlechte (einfache) antwort geben. Keisersberg brös. 1, 73ᵃ, die antwort musz auch mehrseitig sein. s. u. gabeln 2.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1880), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2530, Z. 49.

hornen, hörnen, verb.

hornen, hörnen, verb.
mit hörnern versehen; nach horn sp. 1817 einen hörnen, zum hahnrei machen, vergl. das particip gehörnt; auch als strafe (horn 16, c sp. 1820): ferner wird im reichsabschiede von 1427 verboten, gar keine frauen mit zur armee zu bringen, in dem vom jahr 1431 aber wird dieses auf die gemeinen frauen eingeschränkt. wer dergleichen mitdrächte, heiszt es, soll gehörnet werden. Möser phant. 1, 359.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1823, Z. 19.

hornen, hörnen, verb.

hornen, hörnen, verb.
das horn blasen, goth. haúrnjan, mhd. hürnen, eine form die auch nhd. noch fortdauert: ze naht, alse men die dirte (dritte stunde) gehürnet hette. d. städtechr. 9, 754, 13; men hurnde auch keinen judenblos den ganzen winter (es wurde in Straszburg jede nacht zweimal den juden zum schimpf geblasen). 852, 16; es waren hasen in einem wald, die horten den jäger hürnen; do erschraken sy. Keisersberg häslein (1510) Cc 1ᵃ; als .. auf der strasze die geiszeln knallten und der kuhhirt hürnte. Hebel 2 (1853) 101. sonst schweizer. hornen auf dem horne blasen, auch übertragen auf kinder die weinend ein starkes geschrei erheben Stalder 2, 55, welches letztere anderwärts trompeten genannt wird; hessisch hörnen: der hirte hörnt (zum austreiben des viehes). Vilmar 175; ebenso westerwäldisch hörnen: wann der wächter zehn hörnte (die zehnte nachtstunde durch hornruf verkündigte). Kehrein 201.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1823, Z. 26.

hornen, hörnen, hörnern, adj.

hornen, hörnen, hörnern, adj.
corneus; ahd. hurnîn, mhd. hürnîn, hurnîn und hurnen. im nhd. geht die form hürnen noch durch das 16. jahrh., wenigstens in den oberdeutschen quellen: hürnin corneus, hürnin und hert wie horn werden, cornescere, hürniner schnabel, corneum rostrum Maaler 232ᵃ; Octavius hat das thier mit einer hürnen nasen, naszhorn genannt, in seinem triumph eingefürt. Reiszner Jerus. 2, 78ᵃ;
alle sein pferdt zurichten lies,
die waren aus der kefer art
mit hürnen parsen (rüstungsstücken) wol verwart.
mückenkr. 1, 326.
die form hornîn, mitteldeutsch schon früh nachgewiesen (Lexer mhd. wb. 1, 1397), ist als hornen und hörnen später gebräuchlich:
die verschamt hörnin hurnstirn.
Fischart dicht. 2, 263, 856 Kurz;
hörnin Stieler 776; hornen corneus Frisch 1, 469ᵃ; eine hornene schnupftobacksdose. J. G. Jacobi werke (1770) 1, 31; hörnen, mit einer hornhaut versehen: den hörnenen Siegfried. Siegfr. v. Lindenb. 1 (1790), 85. daneben seit dem 17. jahrh. hörnern, was jetzt die oberhand gewonnen hat (vergl. zur entstehung derselben bei hölzern sp. 1770): da er zuvor gethan, als ob er den hörneren Seyfried fressen wolte. Schuppius 264;
mancher meinet, dasz er tapfer als ein hörnern Seyfried sei.
Logau 3, 182, 51;
hörnerner bogen, corneus arcus Stieler 776; eine hörnerne messerschale, manubrium cultri corneum Steinbach 1, 788.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1823, Z. 41.

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Zitationshilfe
„hörnen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6rnen>, abgerufen am 15.06.2021.

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