Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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hornig, hörnig, adj.

hornig, hörnig, adj.
jünger für hornicht, s. oben:
vernähet drein (ins jesuiterhütlein) die hoffart geistlich,
durch die nadel der herschung fleischlich, ..
so wirds ein hoher horniger
und ein hoffertig zorniger.
Fischart dicht. 2, 248, 261 Kurz;
welche die natur zu schaffen gemacht, die sollen nit hörnig wie böck abgerichtet werden. Lehmann 1, 556;
sprang, als flöhe vor ihm ein kizlein hörniger gemsen,
an das ufer hinab.
F. L. Stolberg die insel (1788) 155, 48.
schwartig oder hornig nennt der weiszgerber das leder, wenn es nach dem gerben hart ist. Jacobsson 4, 78ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1826, Z. 30.

hornig, m.

hornig, m.
hornisse, s. unter diesem worte 8.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1826, Z. 29.

hornig, hörnig, adj.

hornig, hörnig, adj.
jünger für hornicht, s. oben:
vernähet drein (ins jesuiterhütlein) die hoffart geistlich,
durch die nadel der herschung fleischlich, ..
so wirds ein hoher horniger
und ein hoffertig zorniger.
Fischart dicht. 2, 248, 261 Kurz;
welche die natur zu schaffen gemacht, die sollen nit hörnig wie böck abgerichtet werden. Lehmann 1, 556;
sprang, als flöhe vor ihm ein kizlein hörniger gemsen,
an das ufer hinab.
F. L. Stolberg die insel (1788) 155, 48.
schwartig oder hornig nennt der weiszgerber das leder, wenn es nach dem gerben hart ist. Jacobsson 4, 78ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1826, Z. 30.

vier

vier,

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vieräugig · vierbatzig · vierbeinig · vierbeiszig · vierbindig · vierblätterig · vierblattig · vierbohrig · vierborstig · vierbrüchig · vierbündig · vierdrittig · viereckicht · viereckig · viereimerig · vierfächerig · vierfachig · vierfädig · vierfaltig · vierfältig · vierfelderig · vierformig · vierfüszig · viergehäusig · viergipflig · viergliedig · viergliederig · viergriffig · viergründig · vierhaarig · vierhakig · vierhändig · vierhangig · vierhebig · vierhornig · hörnig · vierjährig · vierjochig · vierkantig · vierklöbich · vierklüftig · vierknotig · vierläufig · viermanierig · viermännerig · viermännig · viermäszig · viermonatig · viermondig · viernächtig · vierömig · vierorterig · vierörterig · vierortig · vierörtig · vierpaarhändig · vierpfündig · vierräderig · vierruderig · viersätzig · vierschäftig · vierschiftiger · vierscharig · vierscherfig · vierschildig · vierschneidig · vierschuhig · vierschühig · vierschutzig · vierschützig · vierseitig · viersilbig · viersinnig · viersitzig · vierspaltig · vierspältig · vierspannig · vierspännig · vierspelzig · vierspillig · vierspitzig · vierstabig · vierstäbig · vierstachlig · vierstädtig · vierstämmig · vierständig · vierstellig · vierstimmig · vierstockig · viersträhnig · viersträngig · vierströmig · vierstündig · vierstützig · viertägig · vierteilig · viertrappig · viertrittig · vierversig · vierwegig · vierweibig · vierwinkelig · vierwöchig · vierzackig · vierzahlig · vierzählig · vierzeilig · vierzeitig
zahlwort, got. fidwor, krimgot. fyder; als erstes glied in zusammensetzungen fidur-: fidurdogs, -falþs, -ragini; altisl. fjórer, als erstes glied von zusammensetzungen fer- (aus feđr-); altschwed. fiūrir, fȳrir. fiūri, fȳri; als praefix fiæþr-, fiæþer-, fioþer-; dän. fire, schwed. fyra; altengl. fēower (in zusammensetzungen auch fyder-, fiđer-, feđer-); neuengl. four; nl. vier; altfries. fiuwer, fiower, fior (fjâwer Schmidt-Petersen wb. d. nordfries. sprache 43ᵃ ; zu beachten ist, dasz neben zusammensetzungen mit fjâwer sich auch solche mit fir, die jedenfalls auf nd. einflusz beruhen, finden: firkānt neben fjâwerkānted); altsächs. fiuuuar, fiuuar, fior, fiar, viar, vier, veir; ahd. fior, feor, fiar, fier (Graff 3, 670); eine praefixale form fitter- ist im salischen gesetz erhalten (J. Grimm kl. schr. 8, 239); mhd. vier mhd. wb. 3, 306ᵇ; Lexer mhd. handwb. 3, 338; quatuor vier, fier vel fyeer, viery, nd. ver Diefenbach gloss. 478ᵇ; quatuor vere nov. gloss. 311ᵃ; vier quatuor Dasypodius 447ᶜ; vier, viere Maaler 447ᵈ; vier et viere Stieler 2381; Steinbach 2, 894; Frisch 2, 401ᵃ; mnd. vêr Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 236ᵃ. zum gebrauch der mundarten vgl. Schmeller bayer. wb. 1, 843; Schoepf tirol. idiot. 789; Zingerle lusern. wb. 30; Lexer kärnt. wb. 95; Fischer schwäb. wb. 2, 1471 ; schweiz. idiot. 1, 922; Hunziker aarg. wb. 86; Martin-Lienhart wb. d. els. mundarten 1, 129ᵇ; Ruckert unterfränk. mundart 191; Crecelius oberhess. wb. 2, 883; Müller-Fraureuth wb. d. obers. u. erzgeb. mundarten 2, 621ᵇ; Hönig wb. d. kölner mundart 190ᵃ; Follmann wb. d. deutsch-lothring. mundarten 158ᵇ; brem. wb. 1, 376; Schütze holst. idiot. 4, 299; ten Doornkaat-Koolmann wb. d. ostfries. sprache 1, 439ᵇ; 445ᵃ; Dähnert plattd. wb. 516ᵇ; Collitz waldeck. wb. 29ᵃ; Schambach wb. d. mundart v. Göttingen-Grubenhagen 259ᵃ; Siebs Helgoland 216ᵇ.
1)
flectierte formen des zahlworts (vgl. Loewe in den beitr. z. gesch. d. spr. u. lit. 27, 75 ff.). das altnordische hat eine vollständige adjectivische flexion des zahlwortes ausgebildet (alte belege für flectierte formen auf dem stein von Rök): nom. in drei geschlechtern, altisl. fjórer, fjórar, fjogor; gen. fjogorra; dat. fjórom; acc. fjóra, fjórar, fjogor. die zahl vier steht also hier den ersten drei zahlen gleich. im got. und westgermanischen dagegen gehört vier zu der folgenden zahlengruppe (bis neunzehn). vier kann ohne flexion gebraucht werden, daneben aber auch einzelne flectierte formen entwickeln. es ist natürlich, dasz der gebrauch flectierter oder unflectierter form mehr oder minder geregelt wird. im got. ist nur der dat. fidworim belegt, der gen. fidwore aus niune, twalibe zu erschlieszen; an der einen stelle, wo fidworim vorkommt, steht es allein: hafanana fram fidworim αἰρόμενον ὑπὸ τεσσάρων Marc. 2, 3; dasz die flexion auch im got. eintreten kann, wenn das zahlwort dem zugehörigen nomen folgt, wird durch andere zahlen bewiesen (aber vgl.: jere ahtautehund jah fidwor ἐτῶν ὀγδοήκοντα τεσσάρων Luc. 2, 37), während Luc. 15, 7 eine vorausgestellte zusammengesetzte zahl in beiden theilen flectiert: in niuntehundis jah niune garaihtaize ἐπὶ ἐνενήκοντα ἐννέα δικαίοις. eine flexion des nom. (oder acc.) scheint im got. noch zu fehlen, dafür spricht þai twalif neben þize twalibe und þaim twalibim. im altengl. ist bei den zahlen von vier bis neunzehn auch eine flectierte nom. acc.-form entwickelt; die flectierten formen werden besonders angewendet, wenn die zahlen allein stehen (Sievers ags. gramm. § 325), doch auch sonst:
wæron fēowere dā ford gewitene dagas on rīme
Guthlac 1107 (hier ist freilich dagas mehr als erläuterung des zunächst für sich hingestellten zahlworts anzusehen).
from fēowerum foldan scēatum
Crist 879.
nachgestellt im altsächs.:
that scoldun sea fiori thuo   fingron scrîƀan
Hel. 32 C;
alleinstehend:
thuo giuuêt im thie unaldandes suno
mid thiem fiuuarun forth
1190 C (fluuariun M)
in zusammengesetzter zahl mit folgendem gen.: fieri ende thritich honero Freckenh. heber. 37, 17 Wadstein. im althochd. tritt zu den formen der i-decl. (nom. acc. für m. u. f. fiori, gen. fioreo, dat. fiorim) ein nom. acc. mit adjectivischer endung (fioriu, fioru vgl. driu), so dasz auf diese weise eine annäherung an vollständige flexion entsteht, nur dasz nom. acc. f. fehlt. die flectierten formen werden gebraucht, wenn das zahlwort mit dem nomen wie ein adject. verbunden dem nomen folgt, oder wenn das zahlwort 'substantivisch' steht, allein oder mit zugehörendem gen.:
thaz duent lutmari   thie scriptora fiari
Otfrid 3, 14, 3;
thaz manodo sin noh fiari
2, 14, 103;
wanta iro warun fiari
4, 28, 3;
neutrum:
in fieru sie iz gideiltun
4, 28, 2.
in zusammengesetzer zahl mit folgendem gen.: unzan fioru inti ahtuzug iaro Tat. 7, 9. gegen die regel steht flectierte form Ben. Reg. 42: keleranem feorim ... fimfim pletirun lectis quattuor aut quinque foliis; vgl.: so driror feorim kazokan ist stunton sic ter quaternis trahitur horis (Hymnen 18), wo quaternis die flectierte form veranlaszt hat. über die mhd. flectierten formen und ihren gebrauch vgl. Weinhold mhd. gr. § 336, 4 (nom. acc. für m. und f. viere, n. vieriu; gen. vierer, vierre, dat. vieren). das zahlwort stimmt nun völlig mit den starken pluralformen eines adj. überein, daher ist es begreifich, dasz nun auch öfter in der stellung vor dem subst., der gewöhnlichen stellung des attrib. adj., flectierte formen eintreten:
viere winde biceichenint vier engele
Annolied 187;
vieri mîlin lank unti sescich
170;
vieriu dûsent lâfterin hôch
172;
undersatzt mit vieren
marmelînen tieren
Iwein 583.
gebrauch nach den alten regeln; nachgestellt:
in den tagen vieren
Nib. 1003, 1;
dô gesâzen ritter viere
Iwein 86;
er hât ir noch viere
4483;
fröuwent sich zwêne, sô spottent ir viere
minnes. frühl. 108, 24.
das neutrum
dort elliu vieriu sâzen,
Lyppaut, sîn wîp und sîniu kint
Parz. 394, 30;
bî im gie mîner jâre hin
vieriu mit seneclîcher nôt
Ulrich v. Lichtenstein frauend. 10, 1;
in vieriu, envieriu, in vier theile, gruppen u. ä.:
der nu mîn herze envieriu (: driu)
mit sîner hende slüege
Parz. 177, 18;
ehte wurden ir alsô.
die hiez er in vieriu stên
und ie zwên zesamne gên
Lamprecht v. Regensburg leben d. h. Franziskus 1310.
unde teilent si in vieriu deutsche texte d. mitt. 28, 69, 27 (Lucidarius). statt der neutralen form tritt viere ein:
sô spaltet man in (den hirsch) überal
von dem houbete zetal
und dâ nâch danne in viere (: quartiere)
Tristan 2801;
daz got die stat ûf tiefen rât
in viere glîch geteilet hât
Heinrich v. Hesler Apokalypse 21217.
im nhd. geht die besondere form des neutrums verloren, ferner schwindet der gen. völlig aus der schriftsprache (beachte unten die stelle aus Brauns orthogr. lex.), er ist nur in der zusammensetzung viererlei erhalten. die mundarten haben den gen. z. th. bewahrt (vgl. z. b. Stucki mundart von Jaun 279). Adelung in seinem wb. und im umständl. lehrgeb. 1, 574 (1782) verwirft den gebrauch von viere ('auszer etwa am ende eines periodi, um der rede durch einen trochäum am ende mehr ründe und vollständigkeit zu geben' wb.). dagegen schreibt er den gebrauch des flectierten dativs (vieren) vor, wenn er allein und ohne subst. steht: ich höre es von vieren; einer von vieren; auf allen vieren kriechen. vier, das zahlwort, bleibt mit dem artikel bey einem hauptworte unverändert, z. b. die vier männer, der vier männer, den vier männern: steht es aber allein, so wird es im genitiv und dativ abgeändert: z. b. die stärke vierer, oder von vieren, mit vieren fahren Braun deutsch. orthogr. gramm. wb. (1793) 289ᵃ. im gebrauch der heutigen schriftsprache ist der flectierte dativ vieren durchaus fest, wenn er allein steht, viere ist fast ganz verschwunden, es hat einen vulgären klang bekommen. am festesten haftet es noch in der wendung alle viere von sich strecken, die ja auch derb im ton ist (alle vier von sich strecken Adelung); als schriftgemäsz gilt daher jetzt die vier, ihrer vier. die mundarten haben dagegen die flectierende form des nom. acc. in weitestem umfange bewahrt und so dringt sie, wie sie in der umgangssprache überall verbreitet ist, auch wieder in die local gefärbte schriftsprache ein. die kinder Isaschar waren, Thola, Pua, Jasub und Simron, die viere 1 chron. 8, 1; gegen mittag des tages viere 27, 17; viere begreifend quaternarius Stieler 2381; ich habe nicht mehr als viere ibid.; ihrer viere trugen einen gichtbrüchigen Marc. 2, 3; der hat unter allen regeln besonders viere wohl in acht zu nehmen Rabener sämtl. werke 1, 172; furchtsam ist Cosme für viere Lessing 10, 36 Muncker; aus dem einen tage, auf welchen ich sie besuchen wollte, wurden viere 18, 146; nun vergegenwärtige man sich die viere, wie sie ... gegen einander über sitzen Göthe 24, 360 Weim.;
näher und immer näher erscheinen die thürme der hauptstadt,
viere zählst du
Körner 2, 74 Hempel.
zu die viere wird der gen. der viere gebildet (ebenso aller, dieser, jener viere):
erst zu begegnen dem thiere,
brauch' ich den spruch der viere
Göthe 14, 64 Weim.;
weisz der sänger dieser viere
urgewalt'gen stoff zu mischen
6, 15;
der postmeister hiesz sechs pferde statt der bisherigen viere vorlegen Gaudy sämtl. werke 2, 73 (1844). dat. vieren vor dem subst.: mit maul und allen vieren klawen Luther 26, 549 Weim.; von vieren söhnen Micrälius altes Pommerl. 4, 2. nachstellung des flectierten dativs in besonderer formel: verspricht dasz sie (die minenarbeit) in ein tager vieren zu stande kommen soll Lessing 18, 446 Muncker. zu beachten ist das aufkommen einer schwachen form des nom. acc.: nd. wî fêren wir vier ten Doornkaat-Koolmann ostfries. wb. 1, 445ᵃ; dann er kan gar bald da ligen, und alle vieren von sich strecken Eisengrein besch. erklärung (1568) 29ᵃ;
packte er mein schwein beim kragen,
band zusammen alle vieren
Heine 2, 56 Elster.
berlin. um vieren, um halb vieren; oder etwa nach, vor vieren. ganz ungewöhnlich mit singularer adjectivischer endung, angeschlossen an vorhergehendes das:
tabak und schweinefleisch, caffee und brantewein,
das vieres musz bei ihm vier elemente sein
Thümmel d. heil. Kilian (1818) 69.
vier als n. gefaszt, aber ohne flexion:
in jeden säugling pflegt von ihr vertheilt zu werden
ein unterschiednes vier: lufft, wasser, feuer, erden
König ged. (1745) 77.
2)
die flectierte form viere hält sich, wie schon bemerkt, besonders in der verbindung alle viere, womit die vier beine eines vierfüszigen thieres oder beim menschen arme und beine zusammen bezeichnet werden. auch hier wird aber nom. acc. viere als derb empfunden, was beim dat. (auf allen vieren kriechen) nicht der fall ist. im folgenden sind auch die belege mit unflectiertem vier angeführt, zur ellipse vgl. Grimm gramm. 4, 264; 953. im mhd. steht elliu vieriu mit neutraler endung, weil auf hand, f. und vuoz, m., bezogen:
der bant im, sam er wær ein schâf
elliu vieriu an ein bant
Wolfram Willeh. 286, 13;
vier unflectiert:
und strecket von im alliu vier
Hugo v. Trimberg Renner 9602 Ehrismann.
in mannigfaltiger anwendung, in eigentlichem und übertragenem sinne; feste verbindungen entstehen, formelhafte wendungen verschiedener art: z'allen vieren in gestrecktem galopp, sehr eilig schweiz. idiot. 1, 923; uff alle viere auf händen und füszen Brendicke 189ᵇ; (er sie) nyder an die erden auf alle viere stellet in masze als die rosz mütteren steen Arigo decamerone 584, 23 Keller; also das du lam würst an allen vieren Geiler v. Keisersberg bilgersch. (1512) 17ᵃ; zuckten das opffer bald von der erden bey allen vieren Schaidenreiszer Odyssee (1537) 13ᵃ; welcher hinweg liffe, so wellte er im nach zuͤchen, und wo er im wurde, alle fieri abschlagen Th. Platter 29 Boos; wenn ich so manche lebendige leidenschaft mit allen vieren zerstampfen (müszte sehen), d. h. sehen müszte, wie sie auf dem theater in thierisch roher weise miszhandelt würde Schiller 2, 7 krit. ausg.;
het lieber möcht den todt begeren.
er wardt an allen vieren lam (bär)
B. Waldis Esop. 1, 260 Kurz.
das ist ein besuch auf allen vieren.
gott behüt! 's ist der tritt von thieren
Göthe 16, 107 Weim.
alle viere zusammenbinden u. ä.: alle viere, das ist hend und fuͤsz binden quadrupedem constringere Maaler 447ᵈ; jedoch hab du acht zuͦ bewaren den gefangenen, und hörstus auch: bind im alle vier zusammen (quadrupedem constringito Andria V 2, 865) Boltz Terenz deutsch (1539) 25ᵇ; in anderer fügung mit allen vieren binden, zusammenbinden: zuͦ sammen gebunden werden mit allen vieren Terenz (1499) 10ᵇ; so bunden sie sein reitpferd an die besten jagthunde mit allen vieren zusammen Schütz hist. rer. pruss. (1592) I, A 3ᵇ. alle viere von sich strecken u. ä., als derber ausdruck für sterben, oder eine ohnmacht z. b. infolge eines schlages, einer verwundung, hülflosigkeit im krankheitsfall, trunkenheit, dann auch: sich zum schlafen ausstrecken oder sich hinräkeln, oder überhaupt nur die ausgestreckte lage bezeichnend: ward von dem siessen wein also froͤlich und überweltiget, das er alle viere von im strecket Schaidenreiszer Odyssee (1537) 38ᵃ; meine fr. mutter hatte alle viere von sich gestreckt, und lag da als wenn sie vor den kopff geschlagen wäre Reuter Schelmuffsky 7 neudr.; hasch! den spiesz ihm zwischen die rippen, da lag er, streckt' alle vier über seine gesellen Göthe 8, 141 Weim.; scherzhaft von einem würfel:
in sluoc einer mit blôʒer hant,
daʒ er alle viere von im rakte
Konrad von Haslau der jüngling 397;
nemlich klempt jhn zwischen die thür
das er von jhm streckt alle vier (ein floh!)
Fischart flöhhaz 1338 neudr.;
er strekket alle vier hin auf die luderbank (faulheit und gleichgültigkeit)
Rachel 31 neudr.
alle viere in die höhe, die luft strecken: (murmeltier) dass sich je eins umb das andere, unter ihnen an rücken lege, unnd alle vier uber sich gehn himel strecke Heyden Plinius (1565) 188. die viere ohne alle: das ist ein unruhiges menschenvolk, es kann sich nicht hinlegen und die viere ausstrecken und schnarchen Görres briefe (1858—74) 1, 270. alle viere ausstrecken nach etwas heftig nach etwas verlangen: nun bin ich endlich in dem lieben London, wornach ich gewünscht und geangelt und alle viere ausgestreckt habe Lichtenberg briefe (1901) 1, 218; vgl. mit allen vieren danach greifen Wander sprichw. lex. 4, 1641, 30. alle viere hängen lassen, zeichen groszer ermattung: er laszt alli vieri hängen Hügel wiener dialekt 182. auff allen vieren liegen, für sich gebücket sein procumbere Faber thesaurus (1587) 209ᵇ. auf allen vieren gehen, auf händen und füszen wie die vierfüszigen tiere: woltten sy, mochttens auch ayn beeren haut onnlegen unnd auff allen fyeren gon Eberlin von Günzburg 3, 55 neudr.; man behauptete zum beispiel, es hange nur vom menschen ab, bequem auf allen vieren zu gehen Göthe II 6, 19 Weim.;
ein chint
daz gie an allen vieren sam ein rint
gen. 26, 10 Diemer;
sein leib wardt aller harig gantz,
kundt nicht mehr auff zwey füssen stehn,
sunder auff allen vieren gehn
H. Sachs 2, 178 lit. ver.;
in einer stadt, es ist ein närrisch ding,
wo man, um sich zu distinguiren,
zuweilen lieber auf allen vieren,
oder wohl gar auf den köpfen gieng
Blumauer ged. (1782) 124.
ohne allen: wie Voltaire über Rousseau (lachte), dasz ihm das gehen auf vieren so wohl gefiele Herder 5, 168 Suphan; tische gehen beim tischrücken wie thiere auf vieren:
er (der wille) kann sie (die welt) auch regieren.
die tische gehn auf vieren
Schopenhauer briefe 252 Grisebach;
z'allen vieren gon vor müdigkeit gebückt gehen (d. h. fast auch auf die hände niedersinkend) schweiz. idiot. 1, 923. andere verba der bewegung, wie schleichen, kriechen, tappen, klettern u. s. w.: ehemals tappte er, nun man sollte es nicht sagen, aber wahr ist's, auf allen vieren, nur so durch die welt hin Göthe 13, 1, 177 Weim.;
wandelt wie fürst Jupiter auf vieren
Schiller 1, 188 krit. ausg-
mit allen vieren d'wand uf chletteren 'eine vexieraufgabe bei pfänderspielen, die so gelöst wird, dasz man einen sessel mit allen vier beinen die wand hinaufschiebt' schweiz. idiot. 1, 293; vgl. Martin-Lienhart wb. d. elsäss. mundarten 1, 129ᵇ; fliegen: dieses alles hatte ich mir so fest eingebildet, dasz mich gedeucht ich sehe das pferd schon fliegen mit allen vieren (er meint, dasz das pferd flügel habe) Moscherosch ges. (1650) 2, 26. sich festhalten mit allen vieren: vom herrn pfarrer der sich mit alle viere (so unter mundartlichem einflusz) an das dogma anhält B. v. Arnim dies buch gehört d. könig (1843) 1, 74. sehr häufig auf allen vieren kriechen: ein kind, das auf allen vieren kreucht infans quadrupes Stieler 2381; vgl. nd.: he krüppt up alle veer Dähnert plattd. wb. 516ᵇ; up den vêren mot ein rinder (hinein) krûpen Schambach wb. d. mundart von Göttingen-Grubenhagen 259ᵇ; zum sibenden kroch Maximilian ... einem groszen hawenden wilden schwein allain mit einem bloszen degen auff allen fieren durch ein gar dicke hecken in ein busch nach S. Franck chron. germ. (1538) 265ᵇ; die schlang felt nider, kreucht auff allen vieren ausz H. Sachs 1, 46 lit. ver. (ebenso vorher: die schlang steht auff ihr füsz 34); ehe wolt ich auf allen vieren ins kloster kriechen, wann ich auf zweyen beinen nicht fort könte Weise erznarren 12 neudr.; kam auf allen vieren sporenstreichs in die welt gekrochen Reuter Schelmuffsky 7 neudr. ohne allen:
kaum war die taufe abgethan,
ich kroch noch auf den vieren
Herwegh ged. eines leb. (1841) 51
auf allen vieren kriechen kann auch demütiges oder mühevolles hinstreben bezeichnen: o du narr, ist das die weise fur gott zu. handlen, das man fur yhm fliehe, so man solt mit allen vieren zu yhm kriechen Luther 24, 96 Weim.; vgl. in anderer wendung: solte uns das nicht auf allen vieren treiben, jhme dank zu sagen Butschky Pathmos (1677) 123. auf allen vieren beschlagen sein, sehr gewitzigt durchtrieben sein: er ist auf allen vieren beschlagen und hat noch ein hufeisen in der tasche Frischbier bei Wander sprichw. lex. 4, 1640, 28; das gegenteil dazu: der ist auf allen vieren nix Fischer schwäb. wb. 2, 1471.
das ich ein narr sey an allen vieren
Wickram werke 5, 135 lit. ver
3)
viere als bezeichnung der tagesstunde, ganz besonders der nachmittagsstunde, in der eine zwischenmahlzeit zwischen mittag- und abendessen gehalten wird; vgl. vierbrot u. ä. ursprünglich pluralisch wird viere dann leicht als f. aufgefaszt (s. unten vier, f.). in der schriftsprache ohne e (s. unten 12). ich lig' im bett bisz umb die viere Frisius dict. (1556) 639ᵃ; es hat viere geschlagen hora quarta audita est Stieler 2381, es ist um viere ibid.; ein viertel auf viere, halber viere; viere machen vespern Fischer schwäb. wb. 2, 1471; mer halt'n viera (vespermahlzeit) Ruckert unterfränk. mundart 191; am vieri um 4 uhr, z'vieri zum vesperbrod um 4 uhr, auch subst. vom essen selbst schweiz. idiot. 1, 923; e viertel uf vieri aber auch e viertel für den vieren; zwüsent vieren und fünfen; wer geht nie heim vor de viere? Martin-Lienhart wb. d. elsäss. mundarten 1, 129ᵇ;
es wird bald viere schlagen
Forster teutsche liedlein 30 neudr.;
berlinisch: um vieren, nach, vor vieren, um halb vieren, drei viertel uff vieren;
bei hellem tage, schon vor vieren
Göthe 14, 10 Weim.;
um vieren wieder zurück briefe 3, 202; nachts um viere I 43, 369.
4)
wie oben bemerkt wird dat. ohne zugehöriges subst. in der schriftsprache immer flectiert: einer von vieren, zu vieren in einer reihe. ein gesang zu vieren; daneben: gesang zu vier, zu vier singen Campe; in der neueren schriftsprache wird hier die flectierte form entschieden vorgezogen. von vieren zu vieren quaternatim Stieler 2381 (jetzt in der schriftsprache wohl eher von vier zu vier); ein skat zu vieren; z'fierne uströsche Hunziker aarg. wb. 86; sy kamen und brachten zuͦ im ein litsuchtigen: der do wart getragen von viern erste deutsche bibel 1, 125 (Marc. 2, 3); eine partie von vieren zum soupe Möser sämtl. werke (1842 ff.) 3, 44; man stieg zur mooshütte hinunter, und sasz zum erstenmal darin zu vieren Göthe 20, 85 Weim.; ungewöhnlich: von einem hier zu vier gedeckten tisch Fontane I 5, 158.
5)
mit vieren für mit vier pferden: er färet mit vieren Stieler 2381;
du wirst mit vieren kutschieren,
man wird dich bei hof präsentieren
Heine 1, 293 Elster;
in Norddeutschland sagt man auch viere lang fahren d. h. je zwei pferde hintereinander angespannt, oder viere breit mit vier pferden nebeneinander. andere ellipse: er ruͤfft den vieren (sargträgern), heb auff d. h. er wird bald sterben Franck sprichw. 2, 57ᵃ.
6)
steht vier vorm plural eines subst., diesen der zahl nach bestimmend, wird es im entwickelten nhd. nicht flectiert: quadriduanus begraben vor vier dagen Diefenbach gloss. 476ᵃ; quadrassis vier haller wert 475ᶜ; vier eyngeschirrte oder eyngesetzte rossz Maaler 447ᵈ; ye vier pfennig ibid.; ausz hundert schillingen vier machen oblimare rem Frisius dict. (1556) 892ᵇ; in vier orten erscheinen Steinbach 2, 895; do gieng Esopus vier stapfen hin uff zu dem bild Steinhöwel Äsop 61 lit. ver.; und legten also die vier meilen glücklich zurücke Weise erzn. 23 neudr.; unter vier wochen geh ich hier nicht weg Göthe briefe 27, 141 Weim.; meine wiesen zu hause, die vier jahre von fünf immer unter wasser stehen Fontane I 5, 136.
7)
die stellung des zahlworts nach dem plural, den es bestimmt, ist im entwickelten nhd. in der prosa ungebräuchlich; ein besonderer fall ist die wendung ein tage vier, s. unten 8 p. in nachstellung, aber getrennt von subst., in flectierter form: leere hände haben wir schon viere Göthe 21, 65 Weim.; wie in prädicativer function:
vier sind die pausen nächtiger weile,
nun ohne säumen füllt sie freundlich aus
Göthe 15, 3 Weim.;
das subject steht am anfang des satzes:
und sieh! wir waren drei,
und vier' und fünf' und sechse
3, 41 Weim.
in der gewöhnlichen prosa werden wendungen wie die mündungen des flusses, die eingänge zur stadt sind vier vermieden; in gehobener sprache tritt der gen. ein der mündungen sind vier.
8)
häufigere verbindungen von vier mit einem nominalen plural.
a)
es giebt vier himmelsrichtungen; aus der bibel stammen vier winde; andere richtung bezeichnende verbindungen schlieszen sich an; vor der entdeckung von Australien sprach man von vier weltteilen. über nl. ausdrücke vgl. Verwijs-Verdam mnl. woordenb. 9, 436. vier enden der welt:
nun hört zu all vier eck der erden,
ja jhr vier welt hört zu on bschwerden
Fischart 1, 229 Hauffen;
welche streitbar, gerecht und milt
mit frids und kriegs löblichen thaten
des umbkraises vier eck erfüllt
Weckherlin ged. 1, 106 lit. ver.;
des höchsten wort, sich durch der welt vierecken
auszströckend
2, 145;
heischen an vier orten der welt Grimm rechtsalt. ⁴ 1, 290; von den vier ortern des erdreichs Jes. 11, 12; undir fjórum himinskautum Fritzner ordbog 1, 431ᵃ;
leg iz (das kreuz) nidar holdaz —   iz zeigot imo iz allaz
fiar halbun umbiring.   allan thesan woroltring
Otfrid 5, 1, 32;
sprengte weihwasser nach allen vier weltgegenden Schiller 4, 215 krit. ausg. die vierzahl wird dann gern auch in anderer weise zur bezeichnung von begrenzung und richtung angewendet. auszerhalb der vier wälde Grimm rechtsalt.a. a. o. Fritzner a. a. o. vier strassen, vier wege fassen alle richtungen zusammen. ich weise dich hinaus in die vier strassen der welt Fischer schwäb. wb. 2, 1471; manumissio in quadriviis Grimm rechtsalt. ⁴ 1, 290; dasz ich den schelmen an vier straszen solte auffhencken lassen Moscherosch gesichte (1666) 52; daher die vierteilung. altnord. fjǫgurra vegna nach allen richtungen. vier winde: und darnach sah ich vier engel stehen auf den vier ecken der erde, die hielten die vier winde offenb. 7, 1; von allen vier ecken der welt wähen die vier gewaltigste wind Sebiz feldbau (1579) 6; die vier hauptwinde Frisch 2, 401ᵃ; inti gisamanont sine gicoranon fon fior uuinton Tatian 145, 19; und sie werden samlen seine auszerweleten von den vier winden Matth. 24, 31; wind, kom herzu aus den vier winden Ezech. 37, 9; nun stand Gockel auf und hieb mit seinem grafenschwerdt nach allen vier winden Brentano ges. schr. (1852) 5, 79;
viere winde disir werilte
in dem michilin meri vehtinde
Annol. 183.
in meinen staaten liegen die vier winde
Schiller 5, 1, 53 krit. ausg.;
entweihten staub in die vier winde streun
43.
vier weltteile: abbildungen aller vier welttheile Göthe 24, 69 Weim.
b)
haus und hof wird bezeichnet durch vier wände, ecken oder pfähle (Grimm rechtsalt. ⁴ 1, 290. 291); innerhalb der vier wände, vier pfähle im hause, bes. mit betonung des eigenen: in seinen vier wänden, pfählen u. ä.; sa skil hi kuma et thera fiuwer hernana hwelik Richthofen fries. rechtsquellen 77, 31; vier pfähle bezeichnet eigentlich nicht das haus allein, son dern haus und hof s. oben bd. 7, sp. 1597; Schiller Lübben 3, 293ᵃ; in neuerer sprache oft ganz verblaszt, vgl. unten die stelle aus Raabe; vier ecken eines hauses in einem zimmermannsspruch Fischer schwäb. wb. 2, 1471; (der wind) stiesz auff die vier ecken des hauses Hiob 1, 19; ein ietlicher sol frid haben in seinen vier pfelen Eulenspiegel (1515) 37 neudr.; wenn der abend kömmt, und er sich in seine vier pfähle verfügt hat J. E. Schlegel werke 3, 365; (haus) an den vier ecken anzünden Schiller 4, 154 krit. ausg.; das sind männer die ihren mann zwischen 4 mauern aufsuchen 3, 31; auszerhalb ihrer vier wände Ludwig ges. schr. 2, 324; sieht aus seinen wohlgezimmerten vier pfählen in die noch leeren fensteröffnungen (eines neuen, noch unbewohnten hauses) Raabe Horacker (1876) 6; Reichenau aus unsern vier wänden (buchtitel). vier wände eines zimmers:
er truoc se in sînen hendeu
alumb zen vier wenden,
unz aber wider zuo der tür
Wolfram Parz. 231, 28.
vier steine zur begrenzung: binna tha fiuwer stenon Richthofen fries. rechtsquellen 124, 12; Grimm rechtsalt. ⁴ 1, 291.
c)
vier bänke des gerichts werden formelhaft genannt, daher kann vier bänke das gericht selbst bezeichnen, die bänke bilden ein viereck mit zwei öffnungen: klagen binnen ver benken Grimm rechtsalt. ⁴ 2, 436; vgl. unten vierschar. die vierzahl spielte auch sonst im rechtlichen und staatlichen leben eine wichtige rolle, wofür hier nur ausgewählte beispiele gegeben werden: zerbrechen von vier stäben in vier stücke (de eo qui se de parentilla tollere vult lex. Sal. lit. 63); vier gerichte im jahr abgehalten Grimm rechtsalt. ⁴ 2, 453; die vier fälle beym kayserl. cammergericht casus ubi omissa citatione ab executione incipitur Frisch 1, 242ᵇ. vier gesetzlich zulässige gründe für das ausbleiben bei gerichtlicher ladung: vier sake sint, die echte not hetet: vengnisse unde süke, godes dienst buten lande unde des rikes dienst sachsensp. 2, 7; vier männer bezeugen die geburt eines kindes: wirt dat kint levendich geborn, unde hevet de vrowe des getüch an vier mannen de't gehort hebbet 1, 33; vier heller, vier pfennige, typischer geringer betrag (Grimm rechtsalt. ⁴ 1, 291. 530): der bettler koͤmet hie zum gewaltigen könige und bettelt also, das er nicht wil das almosen umb sonst von im nemen, sondern im jrgend vier heller oder busse dafuͤr geben Luther 28, 568 Weim.; zur hushaltig g'hören vier pfennig: e zer-, en er-, e wer- und e notpfennig schweiz. idiot. 1, 922; he en geve em to dem mynnesten 4 witte penninge to verdelaghe Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 237ᵃ. sehr oft sind beamtete zu vieren bestellt (die vier, dorfvorsteher, schweiz. idiot. 1, 923, vgl. unten vierer) oder vier personen gleichen standes zusammengefaszt, vgl. unten viermänner, -leute, -herren, -grafen. diese gruppierung zu vieren war durchgeführt in der phantastischen quaternionentheorie (vier könige, herzoge, grafen u. s. w. bis bauern des Deutschen reichs); ebenso vier hauptstädte, handelstädte, weiler, dörfer Vitriarius instit. juris publici 2, 1125 ff.; Hahn einl. in d. teutsche staatshistorie (1721) 2, 153 anm. i; vier-grafen, vier-herren, vier-rittermässige Frisch 2, 401ᵃ.
d)
vier jahreszeiten folgen sich im jahre (frühling, sommer, herbst und winter): verschönerungs-commission der vier jahrszeiten Brentano ges. schr. (1852 ff.) 5, 22; vier zeiten 'gewöhnlich vier um ein viertel jahr von einander entfernte zeitpunkte' ... die vierteljahrzeiten auch die vierzeiten (quatember, quartal) Campe; daran anknüpfend: dat schüt man alle veer tiden es geschieht nur selten Dähnert plattd. wb. 516ᵇ (s. auch unten o); die kirche bezeichnete mit den quatuor tempora (quatempora) die vierteljährlich gebotenen drei fasttage (quatemberfasten), die verschieden bestimmt wurden; vier zeiten kann auch die vier hohen feste des jahres (weihnachten, epiphanie, ostern, pfingsten, statt der epiphanie auch andere feste) bedeuten, gewöhnlich vier hochzeiten: veer tyde, veer hoichtyde Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 236ᵇ; tha fiuwer hachtida Richthofen fries. rechtsquellen 544, 11; s. vierfeiertag, vierfest; quatuor tempora vier fronfasten, vier zijt Diefenbach gloss. 478ᵇ; vier tage die ersten vier tage der fastenzeit Schmeller bayr. wb. 1, 843; Scherz gloss. 1806; des nechsten donerstags in den vier tagen der fasten d. städtechr. 3, 301, 19.
e)
die untersten vier weihen werden zusammengefaszt: tha fior wielsan allerec bi twam hundert scillingum Richthofen fries. rechtsquellen 306, 4.
f)
vier evangelisten, vier evangelien: also das keiner vor im (Matthäus) ist in der aufrechnung der vier evangelisten die erste deutsche bibel 1, 1 lit. ver.; jdoch sein ir allein vier: die haben ein gezeucknisz der meisterschaft. wann worumb sy verkundigen durch die virteil der werlt den glauben der hailigen dreivaltikeit 1, 5; vier lehrer der kirche: Gregorius, Augustinus, Hieronymus, Ambrosius Scherz gloss. 1805; die vier gekrönten (märtyrer): Severus, Severianus, Carpophorus, Victorinus 1803; ihr tag ist der 8. dez.:
darnoch die vier gekrönten vin
K. Dangkrotzheim das heil. namenbuch 335.
im Rheinland verehrte man die vier marschälle gottes (SS. Cornelius, Antonius, Quirinus, Hubertus) als nothelfer. die vier ströme des paradieses sind für die dichtkunst und die bildende kunst des mittelalters bedeutsam. für die verwendung der zahl vier im speculativen sinne ist das gesicht des Ezechiel wichtig (kap. 1, hier die vier symbole der evangelisten, vgl. offenb. 4, 6); die vier räder (cant. 6, 11): auch seint sȳ (die evangelisten) als vier reder erste deutsche bibel 1, 5 lit. ver.; die vier thiere Daniels, gedeutet auf vier reiche (kap. 7); die vier sacramenta Christi.
g)
liber quatuor regum, das buch der vier könige scherzhaft für das kartenspiel, s. A. Götze in der zeitschr. f. d. wortforsch. 11, 266 ff.
h)
unter vier augen von einem gespräch, zusammensein zu zweien unter ausschlusz anderer: die männer hätten sie (Philine) lieber unter vier augen als auf dem theater gesehen Göthe 22, 231 Weim.; wir sind unter vier augen, erwiedert ich Heinse werke 4, 12 Schüddekopf; ich habe mir die freiheit genommen, sie um ein gespräch unter vier augen zu bitten Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893 ff.) 4, 73. vgl. unten vieraugig. freier: einiges darinn (in den briefen) wäre am besten unter vier augen geblieben (nur dem absender und dem empfänger des briefes bekannt geblieben) Gerstenberg rezens. 147 (dld); lesen sie, lesen sie! — es ist mein wille, dasz der inhalt nicht unter vier augen bleibe Schiller 3, 471 krit. ausg. ganz anders, unter vier beobachtenden augen: so sicher wie in seinem spritzenhaus ist er unter unsern vier augen gleichfalls aufgehoben (sagt die pastorin zum staatsanwalt) Raabe Horacker (1876) 190. vier augen sehen mehr dan zwey Schottel 1145ᵇ; weissest du denn nicht, dasz vier augen mehr sehen, als nur zwey die discourse d. mahlern 4, 56; vier augen sehn immer weiter, als zwei, das ist mein wahlspruch Tieck schr. (1828) 7, 259. mit beziehung auf die sage von der weiszen frau, der gräfin Orlamünde:
vier augen sind im wege,
so flüsterts aller stege
Liliencron sämtl. werke 7, 151.
mit vier augen zum bett heraussehen niederkommen Fischer schwäb. wb. 2, 1471.
i)
vier sinne (statt der gewöhnlichen fünf, vgl. oben sinn II 18 h β bd. 10, 1, sp. 1143): wie machts eine weibliche seele, um unter diesem schweren gedanken noch den gebrauch ihrer vier sinne zu behalten Hermes Sophiens reise 1, 2 (1778).
k)
vier elemente (aus der griechischen philosophie stammend, feuer, luft, wasser und erde): millionen gewächse trinken von den vier elementen der natur Schiller 4, 55;
vier elemente
innig gesellt
bilden das leben,
bauen die welt
11, 376;
geistig: vier elemente sind es, woraus alle geister schöpfen, ihr ich, die natur, gott und die zukunft 4, 55. die vier complexiones:
an im was natûrlich dus
der menscheit vîrleiartic vluz,
sam ist sanguis, colera
phlegma, melancholia
(der complexjen vir gezalt),
trucken, vûcht, warm und kalt
Joh. von Frankenstein kreuziger 3735 lit. ver.
l)
die vier fakultäten an den universitäten alter einrichtung: die vier oder fünf fakultäten sind ein längst verwachsener rock Riehl d. deutsche arbeit 40.
m)
vier farben im kartenspiel, gilt eigentlich nur von den sog. deutschen karten, wird aber auch bei den französischen angewendet: ich habe alle vier farben.
n)
vier buchstaben verhüllend für popo: sich auf seine vier buchstaben setzen. einige sprichwörtliche oder formelhafte anwendungen mögen sich hier anschlieszen: agere omnia pro suo iure in allen dingen des rechten vier zipfel haben wollen Bas. Faber thesaur. (1587) 649ᵃ;
wils alls zu sich scharren und schaben,
des sacks allzeit vier zipffel haben
Waldis Esop 1, 191 Kurz;
das bett an allen vier zipfeln packen alle vortheile wahrnehmen. vier hosen eins tuͦchs sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 62ᵇ; Schade sat. u. pasq. 2, 54, 10, von zwei leuten ursprünglich, die im grunde einander gleich, oder einer so viel wie der andere wert sind: unsere landsleute, wann si zwey ding einander gleich zu sein andeuten wollen, sprechen, es sey gurr ass gaul (gurr als wie gaul: eines wie das ander: vier hosen eines tuchs) Moscherosch ges. (1650) 43. vier hosen ein tuch Schoepf tirol. idiot. 789. scherzhaft: las einn hund sorgen, der darff vier schuͦch, d. h. denke, dasz ein anderer mehr sorgen hat als du sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 38ᵃ (zu: lasz voͤglin sorgen die haben schmale beynlin, cor ne edito).
o)
zusammenfassung zu vieren: vier sind klein auff erden, und klüger denn die weisen (ameise, kaninchen, heuschrecke, spinne) sprüche 30, 24; vier dingk da nymer kain nutz von kumpt fastn. sp. 3, 1458 lit. ver.; vier bücher seind im lutherthumb zuͦ lesen, ein teutsche bibel, practica, fabel Esopi, und kartenspiel Nas vierte centurie (1570) im reg., das entsprechend der disposition des buches durchweg nach diesem schema angelegt ist. vgl. Franck sprüchw. (1545) 1, 79ᵇ, wo eine reihe von dingen in gruppen von vieren zusammengefaszt werden. vier dinghen sijn op ertrike, die leven herde wonderlike, dat salmander, dat spise negheene en nut sonder dat vier allene, ende dat water de harinc, de stoor de locht, ... ende bi der erden leeft de mol Verwijs-Verdam mnl. woordenb. 9, 436; der hussege hed 4 stuck: e gnädige gott, e g'sunde lib, es fromms wib und e selige tod schweiz. idiot. 1, 922; andere beispiele bei Wander sprichw. lex. 4, 1639. 1640.
p)
vier erscheint in älterer sprache als typische zahl für eine kleinere gruppe; durch zusammenstellung mit vier (drei vier tage) oder auch fünf entsteht unbestimmtheit; vgl. Verwijs - Verdam mnl. wb. 9, 437; drey oder vier tage Steinbach 2, 895; dat schüt man alle veer tiden nur selten (vgl. oben 8 d) Dähnert plattd. wb. 516ᵇ; uber dreye missetat Damasck und uber vier beker ich in nit erste deutsche bibel 10, 39 (Amos 1, 3; vgl. 6. 9. 11. 13) lit. ver.; oder als wenn vier oder fünff früchte an den zweigen hangen Jes. 17, 6; als aber Judi drey oder vier blat gelesen hatte Jer. 36, 23; ein jeder, der nur drey oder vier auszländische wörter, die er zum offteren nicht verstehet, erwuscht hat Opitz poeterei 27 neudr.; da er ihn dann noch unter vier oder fünff, dem ansehen nach, trefflichen leuten gefunden A. Gryphius Horribilicribr. 4 neudr.;
dâ bî vind ich schiere   wol drî oder viere
die zallen zîten sint höfsch unde guot
minnes. frühling 109, 6;
dûhtez ir einen guot,
dâ bî sint vier den mîn leit sanfte tuot
118, 12;
etelich ez dâmit heten,
der kunic kæme schiere;
dâwider jâhen viere,
sîn vart wær widergenge
Ottokar reimchr. 84442;
und macht ein solch collation
vier troͤscher moͤchtendt mit beston
Murner narrenbeschw. 5, 151 neudr.;
durch ein gleiten von eins bis vier, entweder unter nennung einer der beiden dazwischen liegenden zahlen oder auch ohne das wird die unbestimmtheit ausgedrückt. das subst. folgt gewöhnlich auf ein: ich habe eyn becher odder vier, die mussen herhalten Luther 29, 601 Weim.; da hab ich sie gepetten mir ain fuder drewe oder viere zu lassen quellen z. gesch. d. bauernkrieges (1878) 489 lit. ver.; er sei nur ein stündlein oder vier zu biere gewesen Eichendorff sämtl. werke (1864) 3, 238;
wie lange musz er drinnen seyn?
ists genug ein tag zwey oder vier?
Gryphius Peter Squenz 28 neudr.
zusammengedrängt, das subst. steht im plural zwischen ein und vier:
wir wollen zusehn noch ein tage vier,
vielleicht wird's besser bis dahin
Grillparzer sämtl. werke 6, 86 Cotta.
so sagt man bei stück mit erhaltung des alten plurals auf -er: 'n stücker viere (ein stücker viere), etwa vier stück. so auch: dasz sie in ein tager vieren zu stande kommen soll Lessing 18, 446 Muncker; einmal viere ein bis viermal: das würstlein ... wann es bald essenszeit war, schlingte es sich einmal viere durch den brei Grimm kinder- u. hausm. (1812 ff.) 1, 104.
9)
wenn aus einer gröszeren anzahl vier ausgeschieden und besonders bezeichnet werden sollen, steht der gen. bei der zahl. vier meiner bekannten, gewöhnlicher in der umgangsprache vier von meinen bekannten. gewählter noch klingt uns die voranstellung des gen. die ältere sprache bewegt sich im allgemeinen freier, die vorstellung der ausscheidung aus gröszerer anzahl kann ganz zurücktreten.
der leigen vursten der sint veir
d. städtechron. 12, 39, 618;
hie hat in der selben erden gelegen
wol vier ganczer tage
Alsf. passionssp. 2542;
dasz Araber an ihrem theil
die weite froh durchziehen,
hat Allah zu gemeinem heil
der gnaden vier verliehen
Göthe 6, 12 Weim.;
wann der wag fällt, seind der räder vier sprichwörter schöne weise klugreden (1548) 37ᵈ; der elephanten wurden bald vier under jnen erschlagen und erschossen Carbach Titi Livii röm. hist. 189ᵃ. der vorausgestellte gen. hält sich im allgemeinen gebrauch bei unser, euer, ihrer: wir sind unser, ihr seid euer, sie sind ihrer vier. die vorstellung einer hervorhebung aus gröszerer anzahl ist hier meist ganz geschwunden, es soll nur die zahl angegeben werden, als wenn man sagte wir sind vier, ihr seid, sie sind vier; und seyt des mals daz ir mer seint gewest: die das ewangelium haben geschriben, jdoch sein ir allein vier: die haben ein gezeucknisz der meisterschaft erste d. bibel 1, 5 lit. ver.;
dann stell die hend in beide seitten,
als wölstu jrer vier bestreitten
Grobian. 475 neudr.;
die heil'gen drei könig' sind kommen allhier,
es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier
Göthe 1, 149 Weim.;
ich und du
und des becken kuh
und des müllers stier
sind unsrer vier
Fischer schwäb. wb. 2, 1471.
in seltnerer wendung, gen. sing.:
wern meiner schon gewesen vier
wir hetten alle genug gehabt
B. Waldis Esop 2, 30 Kurz.
10)
in der nachstellung tritt gewöhnlich im nhd. statt des gen. die umschreibung mit von ein: vier von den genannten schriftstellern; ebenso sagt man: von seinen töchtern sind vier unverheiratet. vier vom hundert anstatt von vier procent: ist eine schuld nach gesetz oder rechtsgeschäft zu verzinsen, so sind vier vom hundert für das jahr zu entrichten, sofern nicht ein anderes bestimmt ist bürgerl. gesetzb. 246.
11)
verwendung von vier im rechnen und zählen: in vier gedeilt quadratus Diefenbach gloss. 475ᶜ; vier und vier oder je vier, auch je vier und vier: je vier quaterni Dasypodius 448ᵈ; die Illyrier haben jhre schiff je viere unnd viere angeordnet Xylander Polybius (1574) 74; vier und vier quaterni Stieler 2381. man sagt: das ist so gewisz als zweimal zwei vier ist; so überrascht uns das so wenig, wie irgend eine neue bestätigung des alten satzes, dasz zweimal zwei vier sind Hebbel werke 12, 166 Werner. da vier zu den geraden zahlen gehört, so heiszt vier nicht grad sein lassen alles bestreiten, gegen alles widerspruch erheben, schweiz. idiot. 1, 923; eine verbindung der beiden redensarten alle viere von sich strecken (s. oben unter 2) und fünfe grade sein lassen ist alle viere grade sein lassen im sinne von sterben; nicht bis vier zählen können bedeutet: dumm, einfältig sein.
12)
in der schriftsprache und der umgangssprache der gebildeten ist jetzt bei der zeitangabe die unflectierte form gebräuchlich, während in der lässigen umgangssprache und den mundarten sich die flectierte form hält (s. oben unter 3): es ist bald vier, um vier sich wecken lassen, es hat vier geschlagen, einhalb-, dreiviertel vier, einviertel vor, auf, nach vier; viertelvier bedeutet in vielen gegenden ein viertel nach drei. zu vier tritt uhr hinzu: es ist bald vier uhr oder vier Adelung; durch die eisenbahnfahrpläne ist aufgekommen vier uhr dreissig u. ä. um veer mit dem klöpper an de dör um vier pünktlich zur vesper Schütze holst. idiot. 2, 282; vier uhr morgens, nachmittags;
punkt vier uhr flog mit ihm der rapp
Schiller 1, 252 krit. ausg.;
wie klingen die trompeten hell
des morgens um die vier
Herwegh ged. eines leb. (1844) 2, 9.
13)
wie die andern zahlen und viel wird auch vier in verbindung mit -ig, in älterer sprache mit -icht zu zusammenbildungen benutzt, die meistens sich an subst. anschlieszen und zunächst die eigenschaft bezeichnen, dasz etwas vierfach gehabt, enthalten wird (vierbeinig, vierzöllig). dieselben erscheinungen wie bei viel wären auch hier zu erwähnen (s. oben viel 4, sp. 174). älter sind die bahuvrihibildungen, die durch die adj. auf -ig verdrängt werden (z. b. ahd. fierfuozi Graff 3, 736, ags. fēowerfēte, fiderfēte, altn. ferfœttr). das suffix ist jetzt durchaus -ig, doch hält sich -icht, -igt bis ins 19. jh. (die bildungen auf -et aus -echt sind unten einzeln eingereiht). ableitungen von n-stämmen sind z. b. vierfädig, -knotig, -lappig. beachtenswerth ist vierstämmig bei Heine, das nach vierschrötig, aber mit rücksicht auf stämmig gebildet ist, eigentlich keine zusammenbildung; ferner das vereinzelte vierdrittig. von verben abgeleitet z. b. vierbeiszig, -hebig, -klöbig, -klüftig, mit passivem sinn; vierhangig, -trappig, intransitiv; mit verbalem sinn von einem verbalsubst. z. b. viergriffig, -trittig, -ständig, die aber auch in der gewöhnlichen bedeutung der von subst. abgeleiteten verstanden werden können. schwanken zwischen umgelauteter und umlautloser form findet sich bei einigen z. b. bei vierzahnig, -zähnig, -hornig, -hörnig; bei anderer differenzierung, vgl.vierspaltig, -spältig, -spannig, -spännig (umlautlose auf das subst., umgelautete form auf das verb. bezogen), anders bei vierfaltig, -fältig. bildungen mit dem plur., stets vierräderig; -blätterig neben -blattig, -männerig neben -männig; nach diesen formen gebildet vereinzelte adj. auf -erig, z. b. vierschröterig (s. unten einzeln). -isch statt -ig: vierelementisch: in die vierelementische grobheit Böhme schr. (1620) 4, 63. zwei bestandtheile zwischen vier und -ig, s. vierpaarhändig und vierscharfkantig (unter vierkantig). vierartig: vierartige erden (vier arten enthaltend) allg. d. bibl. 49, 142,
vieräugig
weil wir g'rad so vieraugig z'sammen kommen Nestroy ges. werke (1890 ff.) 4, 33 (s. vier 8 h); vieräugiger hund (mit zwei flecken über den augen, ist gegen besprechung geschützt) Wuttke volksabergl. ³ § 172, s. vieräugel 2; ein vieräugiger einer, der eine brille trägt Wander sprichw. lex. 4, 1641,
vierbatzig
mit einem vierbatzigen bogen (papier) Gotthelf schr. 6, 344,
vierbeinig
vierbeiniger stuhl; 'von thieren sagt man lieber vierfüszig' Adelung. diese einschränkung trifft zu, wenn im trockenen beschreibenden stil nach der zahl der beine unterschieden wird. der flusz Nilus hat den crocodilum, ein bösz fyerbeynig thyer Eppendorff Plinius (1548) 60; entfernen sie dies vierbeinige ungeziefer Holtei erz. schr. 1, 49 (einen hund); diese vierbeinige schwindsucht (ein klepper) Raabe hungerp. (1864) 2, 31,
vierbeiszig
vierbeisziger käse, für vier ausreichend Lexer mhd. handwb. 3, 339,
vierbindig
vierbindiges gewebe (der schuszfaden wird vom 4 ten kettenfaden gebunden, s. vierbündig),
vierblätterig
(häufiger jetzt als vierblattig). besonders häufig in der verbindung vierblättriges kleeblatt oder vierblättriger klee (vgl. vierblatt 2); vierblätterichter klee Stieler 974; am allgemeinsten ist jetzt die vorstellung verbreitet, dasz es glück bedeutet, ein vierblättriges kleeblatt zu finden. das ist eine einschränkung und abschwächung der wirkung, die der volksglaube ihm zugewiesen hat. ursprünglich ist das blatt ein schützendes zaubermittel, seine kraft liegt wohl in der kreuzform. es dient dazu, fremden zauber unwirksam zu machen (vgl. die stelle aus H. Sachs unten unter vierblätteret), es läszt hexen erkennen, bringt in die kleider eingenäht glück, dient als liebeszauber oder zur divination, auch sonst zu allerhand zauber Wuttke d. deutsche volksabergl.³ § 130 u. ö.; wer ein vierblätteriges klee - blat findet, der soll es werth halten, denn so lange er es hat, wird er glückseelig und reich sein Schmidt d. gestr. rocken philos. (1706) 1, 216; ist ein alter weiber aberglaube, da einige vermeynen, sie müsten ohnfehlbar glücklich seyn, wenn sie von ohngefehr ein vierblätteriges kleeblatt auf dem wege fänden frauenz. lex. 1050; das wunderbare auge meiner frau für vierblättrigen klee bethätigt sich auch hier Hebbel tageb. 4, 7 Werner; drei- oder vierblätterige kleesaat — das vieh friszt alles durcheinander Gutzkow ritter vom geist 1, 31;
doch wächst noch unter uns vierblätteriger klee,
auf dem das glücke soll, man sagts, gebildet stehn
Hoffmannswaldau u. and. Deutsch. ged. 5, 12;
vierblättrig brach ich auch dies kleeblatt hier
Brentano ges. schr. (1852 ff.) 6, 85.
in besonderer anwendung: dasz sie so viel, theils verstand, theils vierblätterigen klee in sich hätten J. Paul werke 7/10, 70 mit der anmerkung: dieser klee macht, zufällig gefunden, dasz man nicht mehr zu täuschen ist. — Joachim von Vintzelberg heiszt als mitglied der fruchtbringenden gesellschaft der vierblätterige, führt als zeichen ein vierfaches klehblat mit dem merkwort fällt glükklich Neumark d. neuspr. palmb. (1668) 265. als ornament: sie haben ... die enden der vier kreuzesflügel bald mit einem drei- und bald mit einem vierblättrigen kleeblatt bezeichnet Gutzkow ritter v. geist 1, 30. — vier eng verbundene personen: unser kleiner seliger zirkel wird dann ein vierblätterichtes kleeblatt d. erz. d. 18. jh. 94 (dld 66—69),
vierblattig
Campe; mit umlaut: warum soll ein vierblättiges klee mehr thun, als ein dreyblättiges Prätorius glückstopf (1669) 233,
vierbohrig
ein-, zwei-, drei-, vierbohrige brunnenrohre (bezeichnungen der bohrweite) Jacobsson techn. wb. 4, 542ᵃ,
vierborstig
Oken naturgesch. 3, 393,
vierbrüchig
zwo thur eyn igliche von tennen holtzs, vierbruchig Luther d. bibel 1, 154 Weim. (1. kön. 6, 34), jedes blatt zweimal gebrochen,
vierbündig
vom tuch, mit 4 bünden gewebt Fischer schwäb. wb. 2, 1472 (s. vierbindig),
vierdrittig
so übersetzt Schleiermacher Platons werke 6, 408 ἐπίτριτος drei u. ein drittel.
viereckicht
Lexer mhd. hdwb. 3, 340; Jellinek mhd. wb. 868; quadratura viereckecht Diefenbach gloss. 475ᶜ; quadrangularis fier eckicht 475ᵇ: quadrus viereckicht, -echt, -ucht 476ᶜ; viereckichter teller quadra Stieler 2253; viereckicht quadratus Steinbach 1, 315; Adelung und Campe verwerfen die form viereckicht, während sie viereckt noch zulassen; viereckicht hält sich aber im allgemeinen gebrauch bis ins 19. jh., besonders in der schreibung viereckigt; die form viereckecht verschwindet zuerst: viereckecht oder länglicht Fronsperger kriegsb. 1, 52ᵇ; die spitze ... ist viereckicht Harsdörffer teutscher secretarius 1, Ccc 8ᵇ; abacus ... ein viereckigt ding, etwas viereckigts Corvinus fons. lat. (1646) 3; viereckicht, und zwar so viereckigt, dasz jede seite so grosz war, als die andere Lessing 4, 19 Muncker; ich wollte dem monument eine vierekigte form geben, etwas höher als breit Göthe briefe 4, 143 Weim.
1)
zunächst von einer mathematischen figur, einer durch vier seiten eingeschlossenen figur, die sich in vier punkten schneiden; dann in anwendung auf gezeichnete, gemalte, auf der fläche durch farbe hervortretende vierecke: eine blawe viereckichte raute im weiszen felde Micrälius altes Pommerland 2, 474. in besonderer anwendung: statt des viereckigten be (des b quadratum) Ph. E. Bach art das clavier zu spielen (1759 ff.) 2, 19. viereckigt wird dem rund entgegengesetzt, sowohl im zwei-, wie dreidimensionalen sinne: ein viereckigter zirkel, oder ein rundes viereck Nicolai literaturbriefe 6, 232. auch ohne zusatz kann viereckicht im sinne von quadratisch gebraucht werden, was besonders in der anwendung auf körperliches hervortritt (s. unten). jedenfalls denkt man beim gebrauch des wortes zunächst an quadrat und rechteck, ist eine andere figur gemeint, so treten nähere bestimmungen hinzu wie verschoben viereckicht, unregelmäszig viereckicht u. ä.
2)
flächenhaftes, flache gegenstände: ausz eim viereckichten brett Agricola bergwerkb. (1621) 102; kleine viereckigte glasplatten. dergl. dreieckigte. dergl. runde Göthe briefe 28, 32 Weim. vom jesuitenhut: Fischart beschreibung des abgeführten, quartirten, gevierten und viereckechten vierhörnigen hütleins.
3)
eingefasztes, umrahmtes, gebohrtes, gegrabenes u. ä.: statt desz viereckigten brummel - loches in der seiten hatte ich oben ein rundes loch Grimmelshausen Simpl. 4, 609 lit. ver.; wie wier dan noch itzund das vierekkichte oder würflichte (würflicht hier also linear genommen) löchlein der netze ... eine masche nennen Zesen rosenmând (1651) 108. schanzen, befestigungswerke: redoute ... eine kleine viereckigte schantz curiöses bauern-lex. (1728) 162. umrahmendes: eyne viereckichten czwefache blancken (um einen turnierplatz) Stolle thür. chron. 201 lit. ver.; dieser buchstabe steht in einer viereckichten verzierung Rabener werke 2, 162.
4)
körperlich genommen. die vorstellung haftet am grundrisz oder einer der ins auge fallenden oberflächen oder den vier kanten: das man demnach die mesz nicht singen mög, anders dann auff eim viereckechtem stein (am rande: auff eim vierkäntigen stein) Fischart binenkorb (1588) 84ᵇ; das glücke wäre auff einer rundten kugel, aber die weiszheit auff einem viereckichten steine vorgebildet worden Weise polit. redner (1677) 704; mit verschiedenen alleen von rund und viereckicht geschnittenen bäumen verunziert Nicolai reise durch Deutschland (1783 ff.) 1, 180. die bedeutung 'quadratisch' tritt hier besonders in der anwendung auf den würfel hervor: viereckichte leibe, abgespitzt und geeckt wie ein wuͤrffel Mathesius Sarepta (1571) 31ᵇ; jede gesellschafft hatte drey viereckigte schelmenbeiner Grimmelshausen Simpl. 150 neudr.; die beständigkeit abzubilden ist ein viereckigter würffel bequem Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 190. gebäude, innenräume: eine alte hohe mauer mit massiven viereckigten türmen Novalis 2, 59 Minor;
das vierdte wunderwerck der welt
war ein fewerpfeyler ermelt,
der war bawt in Egyptenland
viereckicht von desz meisters hand
H. Sachs 16, 199, 6 lit. ver.
von länglich gezogenen gegenständen mit viereckigem durchschnitt, wie vierkantig: ein geradt und viereckig stäblein Fronsperger kriegsb. 2, X 6ʳ; die stengel beyder gewechs seind viereckigt Ryff confect buch (1548) 70ᵇ; dann da tragen sie hutschnüre ... dann rund, dann ausz fädenen, dann breit, dann viereckicht Moscherosch ges. 2, 147 (1650); viereckigter grabstichel Jabobsson technol. wb. 4, 542ᵃ.
5)
heerhaufen (vgl. viereck 5): dann beyde figuren eins fendlins und eins geschwaders werden viereckicht Xylander Polybius (1574) 338; un bataillon d'infanterie ein viereckichter hauffen fuszvolck Duez nomencl. (1652) 215.
6)
vom körper und einzelnen körperteilen: was die alten durch eine viereckigte nase meynen d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 6, 863; das flache viereckigte kinn Lavater phys. fragm. (1775 ff.) 2, 161; die Baschkiren mit den viereckigten augen Meisl theatral. quodlibet (1820 ff.) 3, 131. ein viereckichter mensch ist zunächst ein derb-kräftiger (vgl. vierschrötig), gewöhnlich aber im verschlimmerten sinne ein ungefällig und plump gestalteter. daraus entwickelt sich die anwendung auf das unkörperliche: plumper, roher, unbeholfener, beschränkter, dummer mensch, tölpel: also bleibt Marcolfo sein viereckichts weib die schön Helena Franck sprüchw. (1541) 2, 69ᵃ; ein starcker viereckichter paurenknecht Krüger H. Clawerts hist. 7 neudr. günstiger sinn: groszvater und groszmutter waren von altem schrot und korn; beide viereckigt und rüstig früh und spät Gotthelf ges. schr. 1, 1.
7)
übertragen auf unpersönliches; von einer schlichtheit, die sich dem ungefälligen nähert: dieser ungekünstelte, viereckigte vortrag, der auf nichts als wahrheit geht Herder 2, 93 Suphan; öfters aber auch in verschlimmertem sinne.
8)
weiterbildung zu viereckichtig: quadraturus fier eckichtig Diefenbach gloss. 475ᶜ.
viereckig
ist die jetzt ausschlieszlich gebräuchliche form: quadrangulus viereckig Diefenbach gloss. 475ᵇ; quadrare viereckig machen; quadrata ein viereckig ding; quadratus viereckich 475ᶜ; tetrangelus viereckich, viereckig 582ᵃ; tetragonus viereckig 581ᶜ; viereckig quadrus Dasypodius 447ᵈ; viereckig ist für Adelung und Campe die normale form, daneben lassen sie viereckt zu, während sie viereckicht nicht verzeichnen. viereck, ... daher viereckig (nicht viereckicht) Braun deutsch. orthogr. gramm. wb. (1793) 289ᵇ. mnd. vêreggich Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 240ᵃ; vgl. Collitz waldeck. wb. 29ᵃ; mnl. viereckich Verwijs-Verdam mnl. wb. 9, 444.
1)
in strengem sinne von einer mathematischen figur, deren seiten sich in vier punkten schneiden, wodurch vier ecken gebildet werden: auf eine ähnliche art, wie man eine viereckige figur in einen triangel verwandelt Lichtenberg verm. schr. (1800 ff.) 1, 17; dann freier, von gezeichnetem, gemalten, sich durch farbe oder sonst abhebenden theilen einer fläche u. ä.: im stillen lande ging er vor dem viereckigen schimmer, den die wandleuchter ins gras herunter warfen, ohne sehnen vorüber J. Paul werke 1, 230 Hempel; in besonderer anwendung; von der hebräischen schrift (litera quadrata): der viereckigen chaldäischen schrift, deren sich die Hebräer bedienten Forster sämtl. schr. (1843) 9, 352. in der notenschrift: das viereckige b (Jacobsson technol. wb. 8, 88ᵇ), b quadratum, das versetzungszeichen für b, aus dem sich die bezeichnung der note h entwickelt. quadratisch: darauf stieg man auf sieben stufen zu einem exchequer oder viereckig getheilten boden Herder 15, 73 Suphan (der gewürfelte boden 74).
2)
dann in allgemeiner anwendung von allem auf der fläche ausgedehnten oder von flachen gegenständen aller art: ein viereckiger tisch, ein viereckiges blech; papier viereckig schneiden Campe; viereckige segel Jacobsson technol. wb. 8, 88ᵇ; viereckiger knoten aus zwei ledernen riemen, ebenda; auch von etwas eingefasztem: ein viereckiger hof u. ä. einer blindgebohrnen bäuerin ward die frage vorgelegt: welcher tisch schöner, d. i. ihr angenehmer sey, ob der viereckige oder der runde Herder 22, 49 Suphan; (man schlosz) das ganze in einen viereckigen platz ein, der mit gröszeren steinen umgeben war Gerstenberg schleswig. lit. briefe 250 (dld); eine viereckige tafel florentiner ruinenmarmor Göthe briefe 42, 245 Weim.; sie (die insel) ist beinahe viereckig Forster sämtl. schr. (1843) 2, 199. viereckige mütze deren oberfläche ein viereck (quadrat) bildet: eine besonders hübsche, mit einer kasawaika und einer viereckigen polnischen mütze Fontane ges. werke I 6, 239.
3)
eingegrabenes, vertieftes, z. th. schon in dreidimensionalem sinne (vgl. unter 5): dasz die fischer jährlich ihr eysen fort setzen, mit einhauung der viereckigen lucken, dadurch die fische mögen lufft schöpffen Prätorius winterflucht d. sommervögel (1678) vortrab A 6ᵃ; man erblickt an den senkrechten steinwänden etwa 10 fusz über der wasserfläche von 8 zu 8 fusz viereckige, in den fels gemeiszelte löcher Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 121.
4)
umrahmendes, umzäunendes: ein alter thurm, auf den man hinaufsteigen kann, ist gut erhalten, und ist im innern seiner viereckigen mauer eine hohe esche emporgewachsen Pückler briefw. u. tageb. 2, 217 (1873 ff.).
5)
sehr gewöhnlich ist die verwendung des wortes in dreidimensionalem sinne, wobei man an grundrisz oder durchschnitt denkt. in engerem sinne entspricht die anwendung des wortes auf den würfel der bedeutung quadratisch im flächenhaften. zu beachten ist auch der gebrauch des wortes bei länglichen gegenständen (pfeilern, pfosten, röhren); hier wird meist an die vier kanten gedacht. die vorstellung des würfels tritt z. b. hervor beim gegensatz gegen die kugel: alles kann man machen, als keine viereckige kugel Fischer schwäb. wb. 2, 1472; viereckiger salpeter 'so viel als würfliger salpeter' Jacobsson technol. wb. 8, 88ᵇ; neben diesem brennt auf einem kleinen viereckigen sockel ein feuerchen Göthe 49, 140 Weim.; alle (uhren) insgesammt wurden am 10. julius in gang gesetzt, und in viereckigen hölzernen kasten aufbewahrt Forster sämtl. schr. (1843) 1, 31; die hauptzierde der wohnung, ein kranz von viereckigen, genau abgezirkelten seifenstücken G. Keller ges. werke 4, 230.
6)
gebäude: ein viereckiger thurm Adelung; ein viereckiger einstöckiger wohnkasten Ebner - Eschenbach ges. schr. 2, 7. von innenräumen: im zweyten stock einen weiten, breiten, viereckigen saal Göthe briefe 35, 66 Weim.
7)
von länglichen gegenständen mit vier kanten: einen baum viereckig hauen Adelung; ein viereckiger balken Campe; viereckiger stengel, viereckige röhre u. ä.; und macht in den eingang des tempels türstüdel von olbaum holcz virgewinkelt (var. füregkig) erste deutsche bibel 5, 264 (3. Kön. 6, 33 viereckete pfosten Luther); den sprudel haben sie wieder an zwey orten zu springen genöthigt, doch nicht durch enge röhren, sondern weite viereckige ständer Göthe briefe 23, 10 Weim.
8)
in anatomischer kunstsprache: der viereckige lendenmuskel vom hüftbein ... zur letzten rippe Oken allg. naturgesch. 4, 36; ein europäisches oder ovales ... ein mongolisches oder viereckiges ... becken Peschel völkerkunde 80.
9)
in allgemeiner anwendung auf einzelne theile des körpers wie schädel, kopf (vgl. tête carrée), gesicht, hand oder den ganzen körper, meist mit ästhetischer wertung, das harte, derbe, kräftige, grobe, besonders aber das ungefällige, plumpe bezeichnend; die übertragung auf gang und bewegung ergiebt sich leicht, dann auch die übertragung auf innere eigenschaften: figürlich ist viereckig und viereckt im gemeinen leben grob, plump Adelung; ein viereckiger kerl ein ungeschlachter mensch, äuszerlich und innerlich; an ihrem viereckigen wanste Hafner ges. lustsp. (1812) 2, 46; ja, ja, er ist es, ich kenn' seinen viereckigen gang Bäuerle kom. theater (1820 ff.) 2, 67; die ganze viereckige, unbewegliche gestalt und die weiten hangenden stiefeln des mannes zur linken Forster sämtl. schr. (1843) 6, 169; überhaupt hat er kein angenehmes gesicht, viereckig, veraltet Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 2, 19; und wie Tiberius Gracchus vom heere ging in Spanien, schlug unser centurio seine viereckige faust zornig vor seine augen, weil er wasser drin hatte Ludwig ges. schr. (1891) 4, 399; das volk (die Schweizer) fand sie etwas viereckig und derb Vischer auch einer (1879) 1, 61. mit wertschätzung: das liebe, treue, viereckige deutsche gesicht Moltke ges. schr. 1, 212.
10)
sich nicht anpassend: das kind liegt viereckig im mutterleibe Fischer schwäb. wb. 2, 1472; bestimmt, unverrückbar:
das wort ist rund, viereckig ist die that
Raupach dram. werke ernster gattung (1835 ff.) 10, 247.
das viereckige ist das sich nicht einfühlende, nicht verstehende: mit hülfe unsrer viereckigen kleinen menschenvernunft Nietzsche 5, 330; objectiv: sie begreifen nur viereckige sachen Brentano ges. schr. (1852 ff.) 5, 417,
viereimerig
ein grosz vier emerigs fasz Schumann nachtbüchl. 290, 30 lit. ver.,
vierfächerig
vier fächer habend: vierfächerige und vierklappige capseln Oken naturgesch. 3, 311,
vierfachig
wie das vorhergehende: in diesen vierfachigen kasten Herder 21, 177 Suphan,
vierfädig
vierfädiger köper; vierfädige blüthenpflanzen Oken naturgesch. 3, 5.
vierfaltig, vierfältig
weiterbildung zu vierfalt (s. d.). im entwickelten nhd. wird im allgemeinen sinne von quadruplex ausschlieszlich die umgelautete form gebraucht (s. aber vierfaltigkeit), die unumgelautete auf falte bezogen. vierfältig hat wie die übrigen bildungen mit zahlen einen altmodischen klang und wird meist durch vierfach ersetzt. die ältere sprache verwendet formen mit und ohne umlaut; der umlaut setzt sich erst allmählich durch. mhd. viervaltec, vierveltec mhd. wb. 3, 233ᵇ; Lexer mhd. hdwb. 3, 343; quadrimembris vierfeldigh Diefenbach gloss. 476ᵇ; quadruplare viervaldig machen 476ᶜ; quadruplex vierfeldich, vierfaldich, vierfaltig, nd. vervaldich 476ᶜ; vierfaͤltig quadruplex Dasypodius 447ᵈ; vierfaltig quadruplex Maaler 448ᵃ; vierfaltig quatruble, quatruplex Wiederhold (1669) 376ᵇ; vierfältig quadruplus Stieler 431; Frisch 2, 401ᵇ; vierfälltig Steinbach 1, 368; vierfältig 'welches ehedem wie das vorige (vierfach) gebraucht wurde, aber jetzt wenig mehr vorkommt' Adelung. nl. viervoudich.
1)
aus vier gleichartigen theilen, schichten, lagen u. ä. bestehend; in vier abtheilungen geordnet, in vier schichten, lagen gelegt, dann auch in übertragener anwendung: über alle solche gebind, werde gelegt ain vierfeltig leinen tuͦch Braunschweig chirurgia (1539) 58ᵃ;
dann um die schulter sich warf er den schild vierfältiger schichtung
(σάκος θέτο τετραθέλυμνον)
Voss Od. 22, 122.
vierfaltige ordnung, das ist, mit vier zeyleten vor einanderen Maaler 448ᵃ; vierfältige blätter blätter die zu vieren in einer und derselben ebene stehen Röhling Deutschl. flora (1823 ff.) 1, 199; abstract: die fyer teyl von der fyerfaltigen leer des Luthers Clemen reform.-flugschr. 3, 293. so weit vierfältig in dieser attributiven anwendung noch gebraucht wird, scheint dabei mehr als bei vierfach das verschiedenartige der vier theile, abtheilungen, weisen u. s. w. empfunden zu werden. ungewöhnlich ist folgende anwendung:
die haben mir als zins gebracht
vierfältig tuch zur wat
Uhland ged. 1, 261 Schmidt-Hartmann
(gemeint ist: von viererlei art und farbe; des knaben kleid ist wunderbar, vierfarb zusammengestückt).
2)
wie vierfach auf grösze, zahl oder werth bezogen: so aber ein zahl die ander ubertritt, zweyfaͤltig, dreyfältig, vierfältig Riese rechenbuch (1581) 15ᵇ; dazu sol er das schaf vierfeltig bezalen 2. Sam. 12, 6; das geb ich vierfeltig wider Luc. 19, 8. diese beiden sehr bekannten bibelstellen haben das wort in diesem sinne gehalten;
er soll nicht nur das schaf vierfältig wiedergeben
Hagedorn ged. 2, 6 (1764);
vierfältige frucht tragen Campe; vor dem compar.: keyser Carle was wol vierfeltig stercker Aimon z 2ᵃ; hierzu vierfaltigkeit, vierfältigkeit, f., jetzt, wenn überhaupt gebraucht, eher ohne umlaut (in anlehnung an dreifaltigkeit); quadruplicitas vierveldicheit, vervoldicheit Diefenbach gloss. 476ᶜ; vierfälltigkeit quaternitas Steinbach 1, 369; eine identische vierfaltigkeit Jean Paul werke 52/53, 122 Hempel; vierfältigen, -fältiglich, -fältigung s. unten.
vierfelderig
in den vierfeldrigen umlauf Schwerz ackerbau (1882) 926,
vierformig
quadriformis vierformig, -icht Diefenbach gloss. 476ᵃ; Verwijs-Verdam mnl. wb. 9, 470 viereckig,
vierfüszig
Lexer mhd. hdwb. 3, 344; vgl. Schiller - Lübben mnd. wb. 5, 245ᵇ; Verwijs - Verdam mnl. wb. 9, 470; quadrupes firfuszig, vierfuessig thir Diefenbach gloss. 476ᶜ; vierfuͤszig, das vier fuͤsz braucht, oder auff vier fuͤszen gadt, quadrupedans Maaler 448ᵃ; vierfüszig quadrupes Stieler 590; Steinbach 1, 534; Frisch 2, 401ᵇ; vierfüszige thiere Adelung.
1)
in eigentlicher anwendung von lebenden wesen, vierfüszige tiere im gegensatz zu vögeln oder menschen: gleich dem vergenglichen menschen, und der vogel, und der vierfüszigen und der kriechenden thiere Röm. 1, 23; under den vierfüezigen tiern ist daz fräwel vil gelerniger wann daz mändel Konrad v. Megenberg buch d. natur 116, 8; Rousseau mag untersuchen, wenn der mensch aus einem vierfüszigen thiere ein aufrecht gehender mensch geworden Herder 3, 279 Suphan; Sanct Anton der abt oder bischof ist patron der vierfüszigen geschöpfe Göthe 30, 225 Weim.; denn schon führt uns die begier auf die jagd der zweyfüsigen schlange und des vierfüsigen wolfs briefe 3, 58; ohne gegensatz, scherzhaft mit nebensinn: in ganz krähwinkel gibt es nur zwey vierfüszige rosse Meisl theatr. quodlibet 2, 116. vierfüszig gehen auf vier füszen (citat aus Bertuch bei Campe, der diese wendung für ungewöhnlich erklärt): die meisten unvernünftigen geschöpfe des erdbodens gehen vierfüszig darauf herum Iffland theatral. werke (1827 ff.) 11, 296.
2)
auf vorstellungen bezogen, denen an sich das adj. nicht zukommt, zur bezeichnung, dasz es sich um vierfüszige thiere handelt: was der wolff für a feyerfeusziger schelm isz Grimmelshausen Simpl. 1, 35 lit. ver.; nun vierfüssiges g'sindel! wie steht's? Raimund 1, 151 Glossy-Sauer;
unschuldsrein, vierfüsz'ge lilien,
Atta Trolls geliebte töchter
Heine 2, 411 Elster;
vierfüsziges gut bezeichnet als rechtsausdruck das vieh: so sullen de hovesscholten vor de erffdelinge nemen de helfte des viervotigen gudes Grimm weisthümer 3, 185; diejenigen ..., so den kleinen sterbfall, als z. e. blos von dem vierfüszigen gute, oder das beste pfand geben Möser sämtl. werke (1842 ff.) 3, 305.
3)
allein stehend im plur. die vierfüszigen thiere bezeichnend: der vogelen und der vierfüszigen und der schlangen erste d. bibel 2, 13 (Röm. 1, 23) lit. ver.; der sing. des n. collectiv (vierfüsziges, alles vierfüszige): alles vierfüssigs das do geett auf der brüste 3, 396 (Lev. 11, 42); fische im gestirne des wassers, thiere und vierfüsziges aus dem gestirne der erden J. Böhme schriften (1620) 2, 80; davon ist wieder von vier an alles vierfüszige (pferde) pränumeriert Bauernfeld ges. schriften 3, 174.
4)
in freierer anwendung, an die vorstellung der thierwelt anknüpfend; so besonders auch auf abstracta bezogen: als ich das rosz in vierfüszigem ernst sahe davontraben Moscherosch gesichte 2 (1666) 28; dasz ... die prosa ihren vierfüszigen gang von ihrer urabstammung beibehalten Hippel kreuz- u. querzüge (1793 ff.) 1, 348; also ist das menschliche geschlecht entweder zur vierfüszigen unwissenheit, oder zur gröszten unglückseligkeit ... bestimmt Heinse werke 3, 18 Schüddekopf; ihre wiederkäuende prosa ist noch ambrosia gegen diese vierfüszige poesie Heine werke 7, 390 Elster; (das fest der thierweihe) ist eines der eigenthümlichsten und heitersten des jahres; es ist gleichsam der vierfüszige karneval Gaudy sämtl. werke (1844) 6, 26; scherzhaft mit nebensinn: solch ein vierfüsziger standpunkt (ein Berliner droschkengaul) Glasbrenner Berlin wie es ist undtrinkt 5, 8. vierfüszigkeit, beschränktheit: es gehört eine vierfüszigkeit dazu, welche aller fassungskraft spottet Kürnberger siegelringe 375.
5)
der übertragenen bedeutung von fusz folgend: sie haben dieses ungezieffers halber ihre bettlager nicht auff der erden, sondern auf ... vierfüszigen erhabenen gestellen Olearius reisebeschr. (1696) 261; diese vierfüszige marter-bank Lohenstein Cleopatra (1708) 164; eine vierfüszige möhre das neueste aus d. anm. gelehrsamkeit 3, 443.
6)
besonders als ausdruck der metrik: der vers ist vierfüszig, vierfüszige trochäen, trochäische verse zu vier füszen: tetrameter, ein vierfüsziger vers Kinderling reinigk. d. d. sprache (1795) 210; nebenher merken wir ... an, dasz die vierfüszige zeile nach der dreyfüszigen keine gute wirkung thut Gerstenberg rezensionen 70 (DLD); vierfüszige jamben, die sich wie reveilleschlag und musketenfeuer anhören Gutzkow ges. werke (1872 ff.) 5, 272.
7)
fusz als masz; vierfüszig vier fusz lang: vierfüsziges register (der orgel).
viergehäusig
viergehäusige ohrfeige, eine kräftige Unger-Khull steir. wortschatz 233ᵃ; viergehäusig ist 'viereckig', vgl. ebenda 274 gehäusertes, gehäuseltes tuch quadratisch gemustertes,
viergipflig
mit des helmes viergipflichter kuppel
Voss Il. 5, 743 (κυνέην τετραφάληρον).
viergliedig
quadrimembris vierglidich, -gelidig Diefenbach gloss. 476ᵇ; bei Campe wieder aufgestellt,
viergliederig
jünger als das vorhergehende: viergliederig quadrimembris Kirsch 2, 319ᵃ,
viergriffig
eine vier griffige riesen-eiche die zu umspannen 4 männer nöthig sind Lohenstein Arm. 2, 780ᵃ,
viergründig
tetraedron Schottel haubtsprache 353,
vierhaarig
vierhaariger samt Prechtl technolog. encycl. 20, 551,
vierhakig
(pfeile mit) vierhackichten spitzen Lohenstein Arm. 1, 55ᵃ,
vierhändig
quadrimanus Kirsch 2, 319ᵃ; jetzt besonders vom spiel zweier spieler an einem klavier: vierhändig spielen, aber auch vierhändige sonate; vierhändiger druck (kattundruck), druck mit vier mustern (händen) Prechtl technolog. encycl. 8, 138,
vierhangig
vierhangiges dach nach 4 seiten abhängendes Campe,
vierhebig
vierhebicht puchwerk Jacobsson techn. wb. 4, 542ᵇ; vierhebiger vers mit 4 hebungen,
vierhornig, hörnig
des viereckechten vierhörnigen hütleins Fischart Jesuiterhütlein, titel; in älterer sprache gleichbedeutend mit viereckig: quadrangulus, vierhornich Diefenbach gloss. 475ᵇ; mnl. vierhornech Verwijs - Verdam mnl. wb. 9, 452; vgl. mnd. vêrhornet Schiller-Lübben 5, 240ᵇ; fries. fiuwerherned Richthofen altfries. wb. 745ᵃ; altn. ferhyrndr,
vierjährig
Lexer mhd. handwb. 3, 341; mnl. vierjarich, -jerich Verwijs-Verdam mnl. wb. 9, 452; altn. ferærr; quadriennis vierjarich, -jerich Diefenbach gloss. 476ᵃ; vierjäriger weyn Maaler 448ᵃ; ein vierjähriger knabe Steinbach 1, 808; vierjährig, ... das vier jahr da ist quadriennis Frisch 2, 401ᵇ; das pferd ist vierjährig Adelung.
1)
vier jahre habend, seit vier jahren bestehend, vier jahre alt: anno 780 kam der jung vierjärig sun Constantini ... an das reich S. Franck Germaniae chron. (1538) 71ᵃ; säuberte meinen magern auszgehungerten leib von mehr als drey- oder vierjährigem unlust Grimmelshausen Simpl. 58 neudr.;
reiche jenen Sabinerkrug
vierjährigen weins (deprome quadrimum Sabina, o Thaliarche,
merum diota)
Herder 26, 230 Suphan.
2)
vier jahre dauernd, sich durch vier jahre erstreckend: während ihrer vierjährigen abwesenheit Gerstenberg schlesw. literaturbr. 79 (DLD); von einer in die zukunft sich erstreckenden dauer: wir wollen einen vierjährigen mietsvertrag schlieszen. vierjährigfreiwillige verpflichteten sich zu vierjährigem dienst (bei der cavallerie).
3)
alle vier jahre wiederkehrend, ungewöhnlicher gebrauch, s.vierjährlich: als das ländchen ... seinen obersten maszgebenden rat neu zu bestellen und deshalben die vierjährigen wahlen vorzunehmen hatte G. Keller ges. werke 4, 200.
vierjochig
quadrijugus vierjochig Diefenbach gloss. 476ᵃ,
vierkantig
quadrata vierkantich; quadratura vierkantich dinck; quadrare vierkantich machen Diefenbach gloss. 475ᶜ; quadrus viercantich 476ᶜ; vierkanticht quadrangulum Stieler 928; vierkanticht quadrangularis Steinbach 1, 831; vierkantig 'welches im gemeinen leben, besonders Nieder-Deutschlandes, für viereckig gebraucht wird' Adelung. wird es dagegen in deutliche beziehung zu kante gestellt, gehört es jetzt dem allgemeinen sprachgebrauch an. fries. fjâwerkānted Schmidt-Petersen wb. d. nordfries. sprache 43ᵃ; fēarkanti Siebs Helgoland 216ᵇ; nd. veer-kantig viereckig brem. wb. 2, 734; fêrkantig vierkantig, viereckig ten Doornkaat-Koolmann ostfries. wb. 1, 450ᵇ; vêrkantig vierkantig, viereckig Danneil wb. d. altmärk. mundart 95ᵃ; virkantig viereckig Mi meckl.-vorpomm. mundart 103ᵇ; vgl. Frischbier preusz. wb. 2, 445ᵃ; mnl. viercantich quadratisch, viereckig, von flächenhaftem und körperlichem Verwijs - Verdam mnl. wb. 9, 454. viereckig-flächenhaft: mit einem vierkandigem pappier Hennenberger erclerung d. preusz. landtaffel (1595) 12; vierkantig und viereckig, ziemlich ohne unterschied, für körperformen mit vier kanten und für flächenformen mit vier ecken gebräuchlich Bischoff wb. d. beschr. bot. (1839) 164. die wendung vierkantig brassen (Kluge seemannsprache 808) geht auf die vorstellung eines flächenhaften vierecks zurück, vgl.vierkant, adj.; mit deutlicher beziehung auf kante von körperlichem: eine vierkantige säule Campe; 'ne vêrkant'ge (flasche) Frischbier preusz. wb. 2, 445ᵇ; die mesz auff eim vierkaͤntigen stein Fischart binenkorb (1588) 84ᵇ (am rande; im text: auff einem viereckichten stein); vierkantig behauene balken u. ä.; am rumpfe sind 18, am vierkantigen schwanz 32 schienen Oken naturgeschichte 6, 95; baumartig, aufrecht, zweige vierkantig 3, 2, 872. vierscharfkantig: die blumenblätter haben einen ... vierscharfkantigen zugespitzten nagel Schlechtendal flora v. Deutschland (1880) 12, 116. wie viereckig übertragen auf körperformen und geistiges: was (dasz sie Deutsche waren) nicht blosz ihre vierkantigen köpfe, sondern beinah mehr ihre kerndeutschen namen bezeugten Fontane ges. werke I 6, 206; een veerkantigen keerl ein vierschrötiger brem. wb. 2, 734; vgl. Danneil altmärk. mundart 95ᵃ; ein vierkantiges exempel ein augenfälliges, schlagendes Frischbier preusz. wb. 2, 445ᵇ,
vierklöbich
was sich in vier theile spalten läszt (s.klöben 5 sp. 1219); bei Jacobsson techn. wb. 4, 542ᵇ vierklöbrich,
vierklüftig
wie das vorhergehende (vgl.klüften 5 sp. 1268): item fur püchen vierkluftige holtzer Tucher baumeisterb. 78 lit. ver.; vierklüftiger stamm Jacobsson techn. wb. 8, 88ᵇ,
vierknotig
fruchtknoten vierknotig Röh ling Deutschlands flora 2, 38; an der spitze vierknötig 3, 21,
vierläufig
zwei pistolen, jede vierläufig Stifter werke (1901 ff.) 3, 61,
viermanierig
quadrimodus Diefenbach gloss. 476ᵇ,
viermännerig, viermännig
heiszen pflanzen mit vier nicht in einander verwachsenen staubfäden (tetrandros),
viermäszig
quadrimodus viermassig, -mäszig, -meszig, -missig Diefenbach gloss. 476ᵇ; vier masz haltend: in einer viermeszigen kanten Thom. v. Absberg 206 lit. ver.;
viermonatig
vier monate dauernd Campe, s. viermonatlich,
viermondig
der viermondige Jupiter; vier monate dauernd (vgl.mond 7 bd. 6 sp. 2502): viermöndig di quattro mesi Rädlein (1711),
viernächtig
quadrinoctium viernachtig, -nechtig Diefenbach gloss. 476ᵇ,
vierömig
vierömigs silber fäszlin Fischart Garg. 434 neudr.; vgl.ohm 7 sp. 1200,
vierorterig, vierörterig
viereckig: als ein michel leylache vierörtrigs nidergelassen d. erste d. bibel 2, 323 (ap. gesch. 10, 11: quatuor initiis submitti) lit. ver.,
vierortig, vierörtig
viereckig mhd. wb. 2, 1, 447ᵃ; Lexer mhd. hdwb. 3, 341; quadrum eyn vierortig ding Diefenbach gloss. 476ᵇ; quadrata vierörtig 475ᶜ; vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1476; schweiz. idiot. 1, 488; mnl. vierordich Verwijs-Verdam mnl. wb. 9, 457; (altar) der do hat V eln in der lenge und als vil in der braitte das ist vierortigs d. erste d. bibel 3, 309 (Exod. 27, 1: id est, quadrum) lit. ver.,
vierpaarhändig
die kunstspinnerin,
die vierpaarhändig ist (die spinne)
Fleming d. ged. 2, 558 lit. ver.
vierpfündig
vierpfündiger stein; vierpfündige kanone, die eine kugel von 4 pfund schieszt,
vierräderig
das geludem des vierredrigen wagens des derschrecknisz erste d. bibel 10, 70 (Micha 1, 13: quadrigae stuporis) lit. ver.;
vor ihm zogen die mäuler der last vierrädrigen wagen
Voss Il. 24, 324 (τετράκυκλον ἀπήνην)
vierruderig
(vierrüderig Xylander Polybius 297, hier von ruderreihen; vierrüderisch 38),
viersätzig
viersätzige sonate,
vierschäftig
vierschäftiges gewebe;
vierschiftiger
zwilch Fischer schwäb. wb. 2, 1476; altn. ferskepta, a stuff with fourfold warp Cleasby-Vigfusson; nd. fêrschacht ten Doornkaat-Koolman ostfries. wb. 1, 460ᵇ; vierschäftiges tau Campe,
vierscharig
4 scharen, d. i. 28 fusz lang Unger-Khull steir. wortsch. 233ᵇ; 533ᵇ,
vierscherfig
pensans quatuor scrupulos voc. von 1482 kk 4ᵃ, vgl.scharf 8 sp. 2581,
vierschildig
dasz ich ein alter vierschildiger edelmann geboren bin mit 4 adligen vorfahren Schweinichen denkw. (1878) 8,
vierschneidig
ergreifet eu'r vierschneidig schwert
Grillparzer werke 11, 199 Cotta.
schrötig (vgl. zur ableitung unten unter vierschrot), mhd. wb. 2, 2, 221ᵇ; Lexer mhd. hdwb. 3, 342; Schmeller bayer. wb. 2, 614; vierschrötig quadratus Steinbach 2, 517; Frisch 2, 401ᵇ; mnd. vêrschrodich Schiller-Lübben 5, 244ᵃ; mnl. vierschroodigh Verwijs-Verdam mnl. wb. 9, 462; zum gebrauch des wortes in den mundarten vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1476; Hügel wiener dialekt 182; idioticon austr. (1824) 73; Castelli wb. d. mundart in Österreich 127; Ruckert unterfränk. mundart 191; Heilig mundart d. Taubergrundes § 82; zeitschr. f. d. mundarten 1915, 380; Spiesz beiträge zu einem henneb. idiot. 271; Jecht wb. d. mansfeld. mundart 119ᵇ; Kleemann nordthür. idiot. 25ᵃ; Albrecht leipz. mundart 231ᵇ; Dähnert plattd. wb. 516ᵇ. überall erscheint das wort in der bedeutung stark, derb von gliedern, breit im verhältnis zur höhe, verschlimmert: plump von gestalt, übertragen denn auch; plump von sitten, unmanierlich; in älterer sprache auch ohne umlaut: der fürsichtige mann ist dem vierschrotigen starken fürzusetzen Frölich Stobäus 50; Fischer a. a. o. 1477 bezeugt viergeschrötig und viergeschrotet im gleichen sinne wie vierschrötig. vgl.: ain batzete, vierschrotete, grosze ungeschickte warhait Nas d. antipap. eins und hundert (1557 ff) 2 Vᵃ ᵇ. dän. norw. firskaaren ist eine übersetzung von nhd. vierschrötig Falk-Torp etym. wörterb. 2, 220.
1)
schon Adelung setzt als eigentliche bedeutung 'viereckig' an, bemerkt aber, dasz es in dieser bedeutung wenig üblich sei. auch in älterer sprache mangelt es an belegen; 3 par vierschrodiche laken quelle von 1570 bei Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 244ᵃ; im gegensatz zu rund: (der kopf des löwen ist) nicht rund, sondern mehr vierschrötig Oken naturgesch. 7, 3, 1638; quadratischer heerhaufen einem dünnen langgezogenen gegenüber gestellt: warte bis dasz die vorderste neunzehnte an jene schmale wegstelle kommt und ihre alte vierschrötige taktik dünn und einschrötig machen musz Grabbe werke 3, 565 Blumenthal.
2)
in übertragener anwendung, kräftig, grosz, von starken gliedern; auf lebende wesen bezogen, entweder den ganzen körperbau oder auch einzelne theile betreffend; zunächst ist die bedeutung allgemein und neutral (vgl.: ch' io mi senta ben tetragono ai colpi di ventura Dante Par. 17, 24), doch tritt schon früh eine verschlimmerung und einengung auf das grobe, plumpe des baus ein, wie das auch bei viereckt, viereckig der fall ist. in neuerer zeit wird bei anwendung auf den menschlichen körper besonders auch das derbe, eckige im umrisz im gegensatz zu gerundeten linien, ferner das untersetztderbe im verhältnis der höhe zur breite bezeichnet (vgl. unten die belege, in denen es auf kleine menschen bezogen ist): quadratus vierschrötig, ein wolgesetzter leib Corvinus fons lat. (1646) 685; Carolus magnus ist ein geborner teutscher gewesen, eins vierschrötigen starcken leibs, zimlicher rechter länge Kirchhof wendunm. 2, 52 lit. ver.;
er was ein man vierschrœtic
mit einer wîten brüste
Konrad v. Würzburg turnei von Nantheiz 162;
ein vierschrötiger baur un gros paysan Wiederhold (1669) 376ᵇ; der gröbest vierschrödigst bur Keisersberg post. 4, 39ᵃ; Fischart spielt mit dem ersten bestandtheil des wortes; solche vierschrötige, ja sibenschrötige plotzwedel, balckenhotzler, secktrager, trollen Garg. 60 neudr.; (er) mag unsere grosze, dicke, derbe, alte, vierschrötige, ungehobelte, trieffäugichte, spitznäsichte, schlüsseltragende schleuszerin nehmen Gryphius Horrib. 84 neudr.; hingegen war es ihm eine schlechte kunst, die vierschrötichten bauernbengel zu treffen Weise die drey klügsten leute (1675) 41; diesem vierschrötigen boxer steht ein gelenker held entgegen Göthe werke 49, 121 Weim.;
ei, Evchen.   sieh! und der vierschröt'ge schlingel,
der Ruprecht!
H. v. Kleist 1, 352 krit. ausg.;
in verbindung mit ausdrücken, die verhältnismäszig geringe höhe der gestalt erkennen lassen: ein kleiner, vierschrötiger mann Arndt werke (1893 ff.) 1, 26; in der carriole ... erhob sich ein vierschrötiges männlein Ebner - Eschenbach ges. schriften (1893 ff.) 2, 188. von thieren: reht als ein vierschrötig ohse ist Konrad v. Megenberg deutsche sphära 18, 8; die seehähne, kleine ... vierschrötige fische Brehm tierleben (1890 ff.) 8, 131. einzelne körpertheile: hennen ... vierschrötig an der brust Gesner vogelbuch 89; den glanz seiner vierschrötigen und behaarten arme Cramer Neseggab (1791 ff.) 2, 70.
3)
auf körperliches, aber unbelebtes bezogen: ein gut vierschrötig stück (gold) Flacius von waren u. falschen mitteldingen (1550) l 4ᵇ; auf dem vierschrötigen ofen können drei paare tanzen Jean Paul werke 1, 188 Hempel; Voss bezeichnet die Creuzersche symbolik als vierschrötiges buch gewisz zunächst im sinne des unbehilflichen, ungeschlachten; zugleich aber mit beziehung darauf, dasz sie vier bände hat: komm denn her, vierschrötiges buch antisymb. 1, 21; worauf das ganze buch in seinen vier schroten sich bezieht 22.
4)
freiere anwendung:
dô huob er ûf unde tranc
einen vierschrœtigen trunc
weinschwelg 293;
besonders wird es gern auf geistiges übertragen: gesinnung, verstand, gefühl, sitten u. s. w., derbheit, oft aber auch grobheit, plumpheit bezeichnend; ebenso von allem, was aus geistiger anlage entspringt oder sich durch sie erklärt: ein grober vierschrötiger mensch; eine vierschrötige antwort Adelung; (der kammerdiener) hält also in seinen vierschrötigen gedancken andere gelehrte nur vor canaille Riemer d. polit. guckguck (1684) 63; väter und ehemänner mit vierschrötigem herzen und dickstämmiger seele Jean Paul werke 3, 203 Hempel; diese gegen die verwilderte sündhaftigkeit ausgewachsener menschen gerichteten, vierschrötigen nackten gebote G. Keller werke 1, 99.
5)
lediglich theoretisch erschlossen ist bei Campe die bedeutung: 'viermahl geschroten' oder 'viermahl geschroten werden könnend',
vierschuhig, vierschühig
vier schuh (fusz) lang, breit oder dick: gab jhr jedem syben vierschühig geschosz oder pfeil Carbach Livius 141ᵃ; vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1477.
vierschutzig, vierschützig
quadratus, wie vierschrötig: vierschutzige mener Rothe thür. chron. s. 132 Liliencron; der freye war ein vierschüszig man limb. chron. s. 45 Rossel; ain vierschutziger starker knecht Diefenbach-Wülcker wb. 576 (16. jh.); das wort begegnet nur in älterer sprache. die ableitung des wortes ist unsicher. vielleicht hängt es mit schutz, scheidewand, verschlusz, vorrichtung zum abdämmen des wassers u. ä. zusammen (s. oben schutz 5 bd. 9 sp. 2122, schütt, n. sp. 2105, schott, n. 2 und 3 sp. 1609); die grundbedeutung würde dann gewesen sein: mit vier scheidewänden abgeschlossen, vierseitig; vgl. vierschossen und Verwijs-Verdam mnl. wb. 9, 462,
vierseitig
1)
quadratus viersytig Diefenbach gloss. 475ᶜ; vierseitig quadrilaterus Steinbach 2, 576; vierseitig 'mit vier seiten versehen' Adelung; ein vierseitiger stengel 'in der pflanzenlehre, welcher vier seiten hat (tetragonus)' Campe; zunächst im linearen sinne von seite: eine vierseitige figur Adelung; gewöhnlich aber wird seite flächenhaft genommen, oft ungenau nur von den seitenflächen, z. b. vierseitiger würfel, vierseitige säule. bisweilen liegt auch der nachdruck auf der begrenzung der seitenflächen, so dasz vierseitig gleichbedeutend mit vierkantig ist; habe ich doch den umbs reich so sorgfältigen kaiser August nach der abend-mahlzeit über mitternacht mit vier-seitigen würffeln spielen ... sehen Lohenstein Arm. 1, 86ᵇ; ein schmales vierseitiges stück holz Forster schriften (1843) 1, 232.
2)
nach seite pagina: der könig (hat) einen vierseitigen brief an seinen bruder geschrieben Varnhagen v. Ense tageb. (1881 ff.) 4, 137.
3)
seite eines musikinstruments (viersaitig): Johannes legte hierauf die viersaitige geige vor seine brust G. Keller ges. werke 6, 43,
viersilbig
viersylbig tetrasyllabus Stieler 2244; ein viersylbiges wort Adelung; Campe schreibt viersilbig; hier ist kein sechssylbiges wort, nicht einmal ein viersylbiges Lessing 5, 81 Muncker,
viersinnig
nur vier, statt fünf sinne habend: staatliche bildungsanstalten für viersinnige Fischer schwäb. wb. 2, 1477 (19. jh.); ein viersinniges oder gar dreisinniges kind hann. magaz. (1846) 788,
viersitzig
freylich will ich hier wohl einen viersitzigen wagen, entweder zu kaufen oder geliehen bekommen Lessing 18, 195 Muncker; von einem tisch: eine namenlose zärtlichkeit für Liane kam in Albano's seele am kleinen viersitzigen esztisch Jean Paul werke 15—18, 236 Hempel; freier: unschuldig und zufrieden beging jetzt die viersitzige tischgesellschaft ... das fest 3, 62,
vierspaltig, vierspältig
in der jetzigen sprache dem sinne nach geschieden; vierspaltig wird unmittelbar auf spalt, spalte bezogen: ein vierspaltiger blütenkelch der vier spalten, einschnitte hat; vier spalten habend, umfassend, z. b.: ein vierspaltiger leitartikel der vier zeitungsspalten einnimmt; vierspältig dagegen vierfach gespalten. in übertragenem sinne: vierspältige meinung.
1)
quadrifidus vierspältig Diefenbach gloss. 476ᵃ; vierspältig, in vier teil gespalten quadrifidus Maaler 448ᵇ; vierspaltig quadrifidus Steinbach 2, 616; Adelung und Campe verzeichnen nur die umlautlose form. besonders als ausdruck der botanik: 'in der pflanzenlehre heiszt eine blütendecke vierspaltig (quadrifidum), wenn sie vier bis höchstens zur mitte gehende einschnitte hat' Campe. auf die thierklaue bezogen: klauen, werden der vierspaltige thiere ihre krahlen genennet Täntzer d. Dianen hoh. u. nied. jagtgeh. (1682 ff.) 1, 13. in besonderer anwendung von holz, das dick genug ist, um in vier theile gespalten zu werden: jedoch wann nichts an dem erlenholz wäre, als dasz es so schnell zu einer solchen dicke des stammes wächszt, dasz es in zehen bis zwölf jahren schon vierspaltig oder creutzspaltig wird Ehrhardt pflanzenhist. (1753) 2, 219.
2)
vierspältig wird in neuerer sprache gern in übertragener anwendung gebraucht, besonders als adv.: die meinungen waren vierspältig geteilt.
3)
eigenthümlich in verbindung mit vierfältig und dessen bedeutung folgend: wem ich ettwas abgenummen hab, gib ich wieder vierfeltig oder vierspeltig Albrecht von Eybe spiegel d. sitten (1511) 86ᵇ. vgl.:
dô galt er vierspelticlîche
swaz er gewunnen het velschlîche
Hugo v. Trimberg renner 7713.
vierspannig
vier spannen lang, grosz Adelung, Campe; vierspannigen juden inn arabischen gebürgen Fischart Garg. 56 neudr.; wie vierspännig: begegneten uns viele vierspannige ochsenfuhren Göthe tageb. 7, 164 Weim.,
vierspännig
quadriga ein fier spennig wagen Diefenbach gloss. 476ᵃ; vierspännig quadrijugus, et quadrijugis Stieler 2071; ein vierspänniger wagen currus quadrijugus Steinbach 2, 632; vierspännig fahren mit vier pferden Adelung; nd. vêrspänig Bauer-Collitz waldeck. wb. 31ᵇ; mnl. vierspannich, -spennich Verwijs- Verdam mnl. wb. 9, 462; Frankfort fährt selte aus, fährt's awer aus, so fährt's vierspännig Askenasy d. frankf. mundart 45; scherzhaft: vor ärger vierspänn'g aus der haut fahr'n Müller-Fraureuth wb. d. obersächs. u. erzgeb. mundarten 2, 622ᵃ; ihr folgten die sechzehn liebhaber in voller rüstung auf so viel vierspännigen zweyrädrichten wagen Lohenstein Arm. 2, 1413ᵃ; darauf man einen vierspännigten wagen nach alter art sieht d. neueste aus d. anmuth. gelehrsamkeit 7, 284; unser leichtes fuhrwerk erreichte schnell einen vierspännigen schwerbepackten wagen Göthe werke 33, 5 Weim.;
so wiehert ferner eine stute
auch gegen dich aus frohem muthe,
die zum vierspänn'gen zug sich schickt (apta quadrigis equa Hor. od. 2, 16)
Triller poet. betracht. 2, 765;
den sieger im vierspännigen wagenlauf
Herder 26, 193 Suphan;
in dieser minute kam eine vierspännige familie (eine, die in einem vierspänner fuhr) angerollt Jean Paul werke 42—43, 84 Hempel; im ersten frühjahre bringt man dung auf, aber 50 bis 60 vierspännige fuder auf den hektar Schwerz ackerbau (1882) 199. vier zusammengehörende oder irgendwie verbundene menschen werden einem viergespann verglichen, dabei kann aber die ursprüngliche vorstellung stark verblassen: einen vierspännigen tarok, einen vierspänner machen, tarok zu vieren spielen Fischer schwäb. wb. 2, 1471; vierspännig im sinne von vierstimmig, beim jodeln Unger-Khull steir. wortschatz 233ᵇ; ein so überzwerches vierspänniges zeug (liebschaft zu vieren) tut halt nicht gut G. Keller ges. werke 4, 91; heute wurde die messe ... 'vierspännig' gelesen (d. h. vom celebrierenden und drei assistenten) Ebner-Eschenbach ges. schriften (1893) 5, 201. vierspännig, wie sonst vierspannig, vier spannen lang Unger-Khull a. a. o.,
vierspelzig
blume drei—vierspelzig Röhling Deutschl. flora (1823 ff.) 1, 379; vgl.spelze bd. 10, 1 sp. 2142,
vierspillig
viergespalten Frischbier preusz. wb. 2, 351ᵃ. vgl. mhd. vierspilde mhd. wb. 2, 2, 508ᵃ; Lexer mhd. handwb. nachtr. 395,
vierspitzig
quadrifidus Schottel haubtsprache (1663) 354; vierspitzig quadrifurcus Steinbach 2, 631; die 3 backenzähne sind viereckig und vierspitzig Oken naturgesch. 7, 2, 957; viereckig: die vierspitzigen stellungen (schlachtordnungen) Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 278ᵇ,
vierstabig, vierstäbig
Campe führt das wort als neubildung auf (stab im sinne von buchstab): vierstabiges wort. zu stab im eigentlichen sinne: (das) vierstäbigte ... creutze Prätorius blockes-berges verrichtung (1668) 445; unter dem vierstabigen himmel schritt der kirchenfürst Rosegger schriften (1895 ff.) 5, 249,
vierstachlig
ostracion quadricornis, das vierstachlichte dreyeck Nemnich (ein fisch),
vierstädtig
Trinakriens vierstädtiges Rom (Syrakus) Waiblinger ged. aus Italien 2, 139 Grisebach,
vierstämmig
gelegenheitsbildung, vgl. stämmig im sinne von kräftig gebaut und wörter wie viereckig, vierschrötig: die predigt eines groszen vierstämmigen mönchs Heine werke 3, 403 Elster,
vierständig
man könnte auch zwey- und vierständige sinnbilder aufbringen (sinnbilder mit zwei oder vier gegenständen) Harsdörffer frauenz. gesprechsp. 4, 228; vierständige blätter, die in gleicher höhe zu vieren angeordnet sind: die blätter meistens drei- auch vierständig Röhling Deutschlands flora (1823 ff.) 3, 301,
vierstellig
vierstellige zahl,
vierstimmig
zunächst und gewöhnlich im musikalisch-technischen sinne von einem satz für vier selbständige vocale oder instrumentale stimmen: ein lied vierstimmig setzen; vierstimmiger gesang; vierstimmig singen u. ä.: die güte und reinigkeit des nebenstehenden vierstimmigen, d. i. vollstimmigen satzes Mattheson d. vollkommene kapellmeister (1739) 267; übertragen auf das zusammenklingen von vier sprechenden, schreienden stimmen: da entstand nun ein groszes vierstimmiges not- und zetergeschrei von männern, weibern, kindern und säuglingen Hebel werke 2, 459 Behaghel. frei im wortspiel mit stimmung: in vierstimmiger verstimmung ... ging endlich das diner zu ende Holtei erz. schriften 18, 218,
vierstockig
'vier stocke oder stockwerke habend'; ein vierstockiges haus; ein haus vierstockig bauen Campe; jetzt durchaus mit umlaut, vierstöckig: auch der palast des Guicowar ist vierstöckig Ritter erdkunde 6, 633. übertragen von sehr lang gewachsenen menschen Fischer schwäb. wb. 2, 1477,
viersträhnig
viersträhniges seil u. ä.; viersträhnige leiden möchte ich nennen, was mich jetzt bannt und plagt Pückler briefw. u. tageb. (1873 ff.) 3, 81,
viersträngig
di virstrangige geisel, di her (der tod) vuret
Brun von Schonebeck 10390.
vgl. mnl. vierstrenge, adj., Verwijs-Verdam mnl. wb. 9, 463,
vierströmig
vierströmig, quadrifluus Kirsch 2, 319ᵇ; vierströmicht, quadrifluus Steinbach 2, 752,
vierstündig
vier stunden dauernd, anhaltend Campe; nach vierstündigem zögern setzten sich die truppen aufs neue in bewegung Ranke werke (1867 ff.) 2, 280; vierstündige fahrt, vierstündiger aufenthalt u. ä.; in besonderer wendung: man ertappte einige, die eben eine vierstündige sanduhr (eine sanduhr, die in 4 stunden abläuft) ... fortschleppen wollten Forster schriften (1843) 1, 185,
vierstützig
ein leib, der auff 2. stützen befästiget ist, darff keiner vierstützigen bestie verglichen werden Weise polit. redner (1677) 411,
viertägig
viertegie mhd. wb. 3, 9ᵇ; Lexer 3, 342; nachtr. 395; ahd. fiortagig Graff 5, 363; quadriduanus, viertägig, -tegig, -tagig, dagich, -degig; vier tage echtigk, verdagechtich Diefenbach gloss. 476ᵃ; viertägicht, quadriduanus, quartanus Steinbach 2, 793; viertägig, quartanus Frisch 2, 401ᵇ; mnl. vierdagich Verwijs-Verdam mnl. wb. 9, 438.
1)
sehr oft in verbindung mit fieber, wobei viertägig im sinne von 'alle vier tage wiederkehrend' gebraucht wird. Campe verwirft daher viertägiges fieber und läszt nur viertägliches zu (vgl. viertäglich): quartana; der viertegic ritte, das viertagig fieber Diefenbach glossar. 477ᶜ; das viertägig feber oder kaltwee, quartana febris Maaler 448ᵇ; daz viertägichte fieber Steinbach 2, 793; ob ir ein viertegigen ritten hettent ein jor oder zwei Tauler pred. 396, 13 (DTMa); guͦt für den viertägigen frörer Tollat v. Vachenburg margarita med. (1516) 40; ja der jurist Tiraquellus von Wasserschöpffingen hat, wie er schreibt, das viertägig fieber mit singen vertrieben: unnd ich mit trincken Fischart Garg. 13 neudr.; speck und kohl helffen vor das viertägige fieber Weise erzn. 181 neudr.; unter der arbeit überfiel mich das viertägige fieber Göthe werke 43, 116 Weim.; auf seelische zustände übertragen: dein kaltes fieber in ein warmes umzusetzen, dein viertägiges in ein tägliches Jean Paul werke 7—10, 186.
2)
viertägig, vier tage dauernd, vier tage gedauert habend, vier tage alt: eine viertägichte reise, iter quatridui Steinbach 2, 793; ein viertägiges fest Adelung; ein viertägiger schnee, der vier tage liegt. attributiv: die anderen meynen, es sey bequemlich zu pflantzen, von dem viertägigen mon an, bisz dasz er xviii tage alt sey Herr der feldbau (1551) 16ᵇ; verlieszen den hafen Madre de Dios nach einem beinahe viertägigen aufenthalt Forster schriften (1843) 2, 24;
dâ Lazarus
von viertegigem tôde sus
wart erkicket und erwaht
Reinfrid v. Braunschweig 18076.
prädicativ: o herr er smeckt ietzunt: wann er ist iiij tegig die erste deutsche bibel 1, 384 (Joh. 11, 39). adverb. beim verbum: kein zauberer könne einen viertägig gestorbenen ·und erstinckenden todten wider aufferwecken Ayrer histor. proc. juris (1600) 687. vgl. viertäglich,
vierteilig
mhd. wb. 3, 24ᵇ; Lexer mhd. hdwb. 3, 343; quadrifidus, vierteilig Diefenbach 476ᵃ; viertheilicht, quadripartitus Steinbach 2, 809; aus 4 theilen bestehend: vierteilige strophe; in 4 theile zerlegbar: vierteilige zahl. im sinne von 'zu 4 theilen': kraut, rüben, äpffel, birn u. d. g. schälen, schaben und viertheilig in den kochtopff schneiden frauenz. lex. 442; in älterer sprache, ein viertel fassend (s. viertel 6 und 7 und vgl. Lexer mhd. hdwb. 3, 343): in einem viertheiligen newen vergläzten häfelin Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 89;
den ain fürtailig gelt
mit hirsz nit erschrackt
lieders. 3, 402, 132.
vgl. viertlig; ein vierteiliges gut, dessen ertrag zu 1⁄4 gezinst werden muszte, oder aus dem im sterbefall 1⁄4 der habe zu geben war Fischer schwäb. wb. 2, 1477,
viertrappig
viertrappicht, quadrupedans Kirsch 2, 319ᵇ; gedacht ist an Verg. Aen. 8, 596; zu trappen, aufstampfen,
viertrittig
viertrittige gebändzeilen (tetrametri) Birken rede-, bind- u. dichtkunst (1679) 22,
vierversig
die ... quatrains oder vierversichten epigrammata Opitz poeterei 44 neudr.,
vierwegig
quadrivialis Diefenbach gloss. 476ᵇ;
vierweibig
quadrigamus, vierweibiger voc. v. 1482 kk 4ᵃ; vierweibige blüte, mit 4 griffeln,
vierwinkelig
in älterer sprache als übersetzung von quadrangelus wie viereckig: quadrangulus, vier winckelicht Diefenbach gloss. 475ᵇ; jetzt ungewöhnlich in diesem sinne: hübsche dirnen in ihrer tracht. weisze vierwinkelichte strohhütchen Heinse werke 7, 21 Schüddekopf,
vierwöchig
4 wochen dauernd, 4 wochen alt (vgl. vierwöchentlich): und do die kunigin wol vierwöchig des kindlis ward (nach der geburt des kindes) d. volksbücher 339, 8 lit. ver. 185; vierwöchiger urlaub, korrekt, aber häszlich klingend; alle 4 wochen wiederkehrend (vierwöchentlich): so haben sie alle monaht der weiber zeit oder vierwöchige kranckheit einmal Comenius sprachentür (1644) 66; die vierwüchige kranckheit Calepinus (1598) 884ᵇ,
vierzackig
vierzackigt, quadridens Kirsch 2, 319ᵇ,
vierzahlig, vierzählig
ohne umlaut jetzt, wenn deutlich auf zahl bezogen: eine vierzahlige hausnummer; quaternarius, vierzalig, -czeldig Diefenbach gloss. 478ᵇ; etwas vierzäligs, quaternio Maaler 448ᵇ; in der botanik: blume röhrig, auf dem kelch, vierzählig (zu vieren zusammensitzend) Oken naturgesch. 3, 2, 837,
vierzeilig
ein vierzeiliges briefchen; gewöhnlich von verszeilen: ein vierzeiliger vers, ein viervers Campe; alsdann nennet man solche reime quadrains, vierversichte, oder vielmehr vierzeilige reime Schottelius teutsche vers- oder reim kunst (1656) 193; vierzeiligte strophen aber ohne bestimmtes sylbenmaas Herder werke 5, 356 Suphan; die vierzeiligen, vierzeiler, wie sie in den alpen und sonst im bayer.-österr. gebiet gesungen und improvisiert werden: vierzeilig'n, die, eine art volkspoesie mit gesang in vier gereimten zeilen Hügel wiener dialekt 182; vierzeilige gerste, mit vier reihen von körnern Adelung; Fischer schwäb. wb. 2, 1484; im allgemeinen nimmt die vierzeilige gerste mit geringem boden vorlieb Schwerz praktischer ackerbau (1882) 338; mit zäher spindel und vierzeiligen ähren Hoops waldbäume u. kulturpflanzen 318;
vierzeitig
vier zeiteinheiten enthaltend, umfassend: alle versarten, wo der gang des spondeus oder dactylus herrscht, haben vierzeitigen takt Voss zeitm. d. dtsch. sprache (1802) 187.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1919), Bd. XII,II (1951), Sp. 251, Z. 64.

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Zitationshilfe
„hörnig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%B6rnig>, abgerufen am 14.08.2020.

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